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Reise in die Ewigkeit

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P12 / Gen
Dirk "Bela B." Felsenheimer Jan "Farin Urlaub" Vetter Rodrigo "Rod" Gonzalez
24.03.2010
26.04.2011
25
29.337
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24.03.2010 1.342
 
Ein junger Mann, gerade 16 Jahre alt, saß alleine am Frühstückstisch. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er gut in der Zeit lag. Er hatte noch etwa 20 Minuten Zeit, ehe er das Haus verlassen müsste. Geduscht war er schon, seine Schultasche stand griffbereit im Flur und gefrühstückt hatte er auch bereits. Er könnte also gemütlichen Schrittes zur Schule laufen und würde trotzdem noch überpünktlich sein. Als er nach seiner Schultasche griff, bemerkte er das ihm wohlbekannte Paar Schuhe, dessen Besitzer bereits vor einer guten Dreiviertelstunde das Haus verlassen haben sollte. Manuél verdrehte genervt die Augen, kehrte um und ging zielstrebig auf das Schlafzimmer seines Vaters zu. Er öffnete die Tür und sah diesen noch friedlich schlafend im Bett liegen.

„Rod!“ Ein Stieren. „Was machst du noch hier? Du musst in einer Stunde in Hamburg sein!“ Kerzengerade saß Rodrigo nun in seinem Bett. Die dunklen Haare standen in alle Himmelsrichtungen ab. Vollkommen verdattert sah er zu seinem Sohn hinüber und rieb sich die Augen. „Wie spät isses denn?“ - „Steh auf! Es ist halb acht durch! Du musst nach Hamburg!“ - „Fuck!“ Rod schlug die Bettdecke zurück, sprang aus dem Bett und hechtete an seinem Sohn vorbei in Richtung Badezimmer.

Kopfschüttelnd fuhr sich der Junge durch die schwarzen Haare, betrat zum zweiten Mal an diesem Tag die Küche und bereitete einen Coffee-to-go sowie ein belegtes Brot für seinen Vater vor. Als dieser zehn Minuten später wieder aus dem Badezimmer kam, sich noch auf dem Weg zur Haustür das Hemd zuknöpfte und sich dann hektisch Schuhe und Jacke anzog, drückte Manuél ihm sein improvisiertes Frühstück in die Hand. „Hier, für unterwegs!“, lächelte er. „Danke, Junge! Soll ich dich noch schnell in die Schule fahren?“ Der Jüngere schüttelte nur den Kopf. „Nein, lass nur. Du bist eh schon viel zu spät dran. Jan wird sich bedanken... Und jetzt hau endlich ab! Wir sehen uns am Montag wieder!“ - „Ich meld mich übers Wochenende mal bei dir! Bis dann!“ Mit diesen Worten verschwand Rod aus dem Haus. Manuél schüttelte nur verständnislos den Kopf und als er das Quietschen der Autoreifen vernahm, flüsterte er noch ein „Fahr vorsichtig!“ vor sich hin, bevor er sich selbst auf den Schulweg machte.


Die beiden Männer lebten seit jeher alleine zusammen in Berlin. Manuéls Mutter hatte sich aus dem Staub gemacht, als er gerade mal zwei Jahre alt gewesen war. In einer Nacht- und Nebelaktion hatte sie das Haus, die Stadt und auch gleich das Land verlassen und war nach Frankreich ausgewandert. Erinnerungen an seine Mutter hatte Manuél kaum, aber die brauchte er nicht. Er hatte schließlich seinen Vater. Auch wenn seine Erziehungsmethoden – wie Manuél selbst fand – häufig ziemlich lasch waren und ihm viel zu viele Freiheiten boten... Rod war der beste Freund, den man sich vorstellen konnte. Und immerhin war er dennoch ein verantwortungsbewusster und zuverlässiger junger Mann geworden.


Etwa zur selben Zeit in Hamburg:

Das Vibrieren seines mobilen Telefons ließ Jan von seiner Zeitung aufschauen. Eine SMS. „Guten Morgen, Jan! Der große Weltenbummler hat verschlafen. Ist gerade erst in Berlin losgefahren. Gruß, Manuél.“ Ein kurzes Lächeln, dann ein Blick auf die Uhr. - Viertel vor acht. „Rike, Nessa, beeilt euch doch endlich! Ihr müsst los!“ - Jan saß am Frühstückstisch, das Hamburger Tagesblatt in der einen, eine Tasse frisch aufgebrühten Pfefferminztee in der anderen Hand.

Seit dem Tod seiner Frau Lisa vor fünf Jahren lebte er mit seinen beiden Töchtern Vanessa und Frederike in seinem Haus in Hamburg. Die beiden waren Zwillinge, hatten jedoch die unterschiedlichsten Interessen. Vanessa war eher der athletische Typ, interessierte sich sehr für Sport und Autos, auch die Musik war eine ihrer großen Leidenschaften. Ihren Vater überraschte sie in regelmäßigen Abständen mit den neuesten Haarschnitten und -farben. Frederike hingegen war eher an Mode und Fashion interessiert, achtete auch sehr auf ihr Äußeres. Besonders ihre blond gelockten Haare mussten immer perfekt gestylt sein. - Ein typisches Mädchen eben.

Der Blonde legte seine Zeitung beiseite, als er seine Töchter die Treppe herunterkommen hörte, nahm einen letzten Schluck aus seiner Tasse und erhob sich von seinem Stuhl. „Morgen, Papa!“, begrüßten die beiden Mädchen ihren Vater übermütig. „Da seid ihr ja endlich! Kommt, wir müssen los jetzt!“, gab er seinen Töchtern bestimmt zu verstehen und zog sich selbst Schuhe und Jacke an. „Aber wir haben doch noch gar nichts gefrühstückt!“, quengelte Rike trotzig vor sich hin. „Ihr seid spät dran. Für Frühstück ist keine Zeit mehr, ihr müsst euch in der Schule etwas besorgen“, entgegnete der Blonde kurz. Hierfür erntete Jan nur ein genervtes Murren sowie ein Augenrollen. „Würdet ihr morgens nicht bis auf den letzten Drücker im Bett liegen bleiben...“, begann der Blonde seinen Satz, „... hätten wir auch keinen Stress am Morgen“, beendeten die Zwillinge diesen synchron. „Ja, ja, Papa, das kennen wir bereits. Das hältst du uns jedes Mal vor“, fügte Vanessa noch hinzu, bevor die drei das Haus verließen.

Wenige Minuten später saßen die drei schon im Auto und befanden sich auf dem Weg zur städtischen Schule der beiden Mädchen. - Jan legte großen Wert darauf, dass sie eine städtische Schule besuchten. Klar, er hätte locker für Privatschulen bezahlen können, doch das wollte er nicht. Die Mädchen sollten ein ganz normales Leben führen, mit ganz normalen Mitschülern zur Schule gehen und sich nicht nur in Gegenwart von irgendwelchen reichen Snobs aufhalten. - Das war das Letzte, was er für seine Töchter wollte.

Fünf Minuten nachdem die Schule eigentlich begonnen hatte, erreichten sie auch schon das Gelände. „Grüß Dirk von uns...“, rief Frederike ihm zum Abschied hinterher. „... und Roddy!“, ergänzte Vanessa. „Jaja, ich wünsch euch auch einen schönen Tag!“, murmelte der Blonde vor sich hin, wobei seine Mädels schon längst außer Hörweite waren. Er beobachtete sie noch beim Betreten des Gebäudes und fuhr dann weiter.


Etwa zeitgleich im Hause des Grafen:

Gerade hatte er so schön geträumt. Von einer Privatparty mit KISS und Unmengen an Alkohol. Von Fans und Reportern, die sich ihm regelrecht vor die Füße warfen. Ausgerechnet jetzt musste Ariane staubsaugen. Doch als wäre dies nicht schon schlimm genug, stieß der Fuß des Staubsaugers immer wieder gegen die Schlafzimmertür. „Ariane! Hör auf damit, verdammt! Ich schlafe noch!“ Keine Reaktion seitens seiner Lebensabschnittsgefährtin. „Oh verdammt!“ Genervt vergrub er seinen Kopf unter dem Kissen und versuchte so die störenden Geräusche abzuschirmen. Vergebens. Nachdem einige weitere Minuten vergangen waren und Ariane immer noch dabei war, seine Wohnung in Ordnung zu bringen, fand er sich mit der Tatsache, an diesem Morgen wohl keinen Schlaf mehr zu finden, ab und schwang sich schwerfällig aus dem Bett.

Nackt wie er war, tappste er barfuß über den Flur ins Badezimmer. „Oh Gott, Dirk, kannst du dir nicht etwas anziehen? Stell dir vor, wir hätten Gäste! Was sollten die von dir denken?“  Angesprochener zuckte nur gleichgültig mit den Schultern und erwiderte schroff: „Und? Was kümmert mich, was andere denken!?“ Genervt seufzte Ariane auf und nahm ihre Reinigungsaktion wieder auf.

Der Drummer blickte in den Spiegel. Normalerweise hätte er sich vor sich selbst erschrocken, doch heute war ihm alles egal. Er hatte andere Sorgen, eine Mission. Mittlerweile war er schon seit rund zwei Jahren mit dieser Frau, diesem Reinigungsfreak, liiert, allmählich kehrten der Alltag und die Routine ein. Dirk hasste nichts mehr als das. Er war Rockstar, er konnte sich Alltag und Routine nicht leisten. Er liebte die Abwechslung. Brauchte sie, sonst fühlte er sich unwohl. Auch, oder gerade was sein Liebesleben betraf. Er wollte auf seine alten Tage nun wirklich kein Spießer werden.

Seinen Blick durch das Badezimmer schweifen lassend, dachte Dirk darüber nach, welches die effektivste Methode wäre, den heutigen Tag wenigstens einigermaßen angenehm zu beginnen. So entschied er sich dazu, erst einmal eine kalte Dusche zu nehmen um den Schweißfilm und den Alkoholgeruch von letzter Nacht loszuwerden.

Nachdem er dies erledigt hatte und sich halbherzig etwas übergezogen hatte, fiel ihm ein, dass er sich heute Morgen mit Rod und Jan im Proberaum treffen wollte. Mit den Worten „Ariane, ich fahr in den Proberaum. Wenn ich zurückkomme, würde ich es begrüßen, wenn du verschwunden wärst“ verließ er das Haus und fuhr in Richtung Proberaum und ließ seine perplexe (Ex-)Freundin in der Wohnung zurück.
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