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Jovetas Traum

von Celebne
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Aesculapius Johanna von Ingelheim Markgraf Gerold
12.03.2010
10.05.2010
10
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12.03.2010 1.315
 
Kapitel 7: Rettung in höchster Not

Joveta rappelte sich erschrocken wieder hoch. Sie war jedoch nicht mehr in der Lage, in die Wiese hineinzulaufen, um zu fliehen. Der Graubärtige kam auf sie zu.
„Na, wohin des Weges, mein Täubchen?“, fragte er höhnisch.
„Lasst mich bitte in Ruhe“, erwiderte Joveta vorsichtig. „Ich will hier nur rasten und dann ins nächste Dorf.“
„Das nächste Dorf wirst du heute nicht mehr erreichen“, erklärte der Krieger arrogant und packte sie am Kleid.
Joveta zitterte wie Espenlaub. Der Mann war groß und stark und sie nur ein schwaches Mädchen. Jeden Moment würde er ihr das Kleid herunterreißen.
Bevor er jedoch dies tun konnte, ertönte Hufgetrappel auf dem Weg. Joveta atmete auf, als der Krieger sie losließ und sich abrupt umdrehte. Sie taumelte in die Wiese hinein und versuchte zu fliehen. Doch schon nach wenigen Schritten blieb sie erschöpft stehen und drehte sich zitternd um. Ihr Herz setzte einen Schlag aus, als sie Gerold erkannte, der herangeritten kam.

Gerold hatte den fremden Krieger erblickt, welcher ein Mädchen bedrängte. Er ahnte, dass es sich um Joveta handelte, denn er erkannte ihr Kleid. Wütend zog er sein Schwert und ritt auf den Krieger zu. Der Graubärtige drehte sich erzürnt um und unternahm einen halbherzigen Versuch, ebenfalls sein Schwert hervorzuholen.
„Eine Bewegung und Ihr seid tot!“, fuhr Gerold den Graubärtigen an und setzte seine Schwertspitze auf dessen Kehle.
Unruhig tänzelte Gerolds Rappe herum und der fremde Krieger bekam es mit der Angst zu tun.
„Ich ergebe mich“, krächzte er und nahm auf Geheiß des Markgrafen seinen Schwertgürtel ab.
Gerold ergriff mit finsterer Miene den Gürtel und warf einen Blick auf das Mädchen, welches zitternd in der Wiese stehengeblieben war.
„Keine Angst, Joveta! Niemand wird dir mehr etwas tun“, rief er ihr zu.
„Ich wollte ihr nichts tun, ehrlich“, presste der Krieger hervor. „Ich wollte sie nur mitnehmen in das nächste Dorf.“
Er wusste, dass seine Überlebenschancen immer geringer wurden. Dass dieser rothaarige Rittersmann das Mädchen kannte, machte die Sache nicht besser.

Doch Gerold zeigte sich großmütig.
„Steigt auf Euer Pferd und reitet so schnell wie möglich davon, ehe ich mich vergesse!“, herrschte er den Krieger grimmig an. „Eueren Schwertgürtel werde ich behalten, damit Ihr keinen Unsinn mehr damit anstellt. Und wehe, ich höre irgendeine Nachricht, dass eine Jungfrau in dieser Gegend geschändet wurde. Dann werde ich Euch persönlich verfolgen und töten.“
Der Graubärtige schluckte und nickte.
„Ich will mich keiner Jungfer mehr nähern“, lispelte er und ging zaghaft zu seinem Pferd.
Gerold sah ihm finster nach, als er endlich davonritt.

Erst als er außer Sichtweite war, kam Joveta ängstlich wieder zum Wegesrand zurück.
„Danke“, stieß sie mühsam hervor.
„Was machst du denn für einen Unsinn?“, fragte Gerold kopfschüttelnd, während er sein Schwert wieder wegsteckte.
„Als du heute morgen den Unterricht so schnell beendet hast und weggeritten bist, dachte ich, dass ich zurück in die Küche müsse“, sagte Joveta bedrückt und senkte den Blick.
Gerold seufzte leise und stieg vom Pferd. Er legte seine Hand unter ihr Kinn, so dass sie ihn ansehen musste.
„Ich glaube, du kennst mich wirklich sehr schlecht“, meinte er  nachdenklich. „So etwas würde ich niemals tun. Ich stehe zu meinem Wort. Du wirst eine gute Ausbildung bekommen und sollst niemals mehr niedere Arbeiten verrichten.“
Jovetas Gesicht hellte sich auf.
„Heißt das, dass du mir nicht mehr böse bist?“, fragte sie erfreut.
„Dummes, kleines Mädchen“, machte Gerold lächelnd und fuhr ihr über den braunen Schopf.
„Tu so etwas nie wieder. Ich bin fast krank vor Sorge geworden. Du hast gesehen, wie unsicher die Straßen in diesen Zeiten sind.“

Er nahm Joveta zu sich auf das Pferd und erzählte ihr von seinen Plänen mit Aesculapius. Das junge Mädchen schwieg dazu. Sie wollte nicht undankbar erscheinen, aber sie fragte sich im Stillen, warum Gerold sie nicht einfach zur Frau nahm. Seine rührende Sorge um sie war doch Liebe, so dachte sie jedenfalls. Aber vielleicht wollte er einfach nur eine gebildete Gemahlin haben. Sie lächelte leicht bei dem Gedanken.
„Nun gut, ich werde fleißig lernen bei dem Herrn Schulmeister“, sagte sie leise.
„Das ist schön“, erwiderte Gerold erleichtert.

Auf dem Gutshof sorgte der Markgraf dafür, dass Jovetas wunde Füße behandelt wurden. Eine Magd namens Bertha kümmerte sich darum. Joveta war dies fast peinlich.
„Der junge Herr Graf muss wirklich einen Narren an dir gefressen haben“, brummte Bertha vor sich hin, als sie eine wohltuende Salbe auf Jovetas Fußsohlen auftrug. Das junge Mädchen lächelte verlegen und errötete.
„Ihr beide seid in der ganzen Gegend schon das Tagesgespräch“, fuhr Bertha fort. „Pass nur auf, dass der Herr Gerold dich nicht schwängert und dann fortgeht. Es gibt schon Gerede, dass er bald mit dem Kaiser fortziehen muss.“
Joveta bekam einen Schreck, als sie das hörte. Gerold durfte nicht fortgehen!

Am nächsten Morgen warteten Gerold und Joveta gemeinsam auf den alten Lehrmeister in einer kleinen Kammer, welche ihnen Graf Arculf großzügigerweise als Lehrzimmer zur Verfügung gestellt hatte. Verlegen starrte die junge Magd auf die Wachstafeln, auf welche sie nun künftig schreiben sollte. In der vergangenen Nacht hatte sie kaum geschlafen, weil sie wegen Berthas Worte über Gerold so beunruhigt gewesen war. Nun brannte ihr die Frage auf dem Herzen, ob dies tatsächlich wahr sei. Doch sie traute sich Gerold nicht zu fragen. Aber nicht aus Schüchternheit, sondern aus Angst, er würde diese Frage bejahen.
Gerold merkte, dass Joveta sehr angespannt war und er fragte sich im Stillen, ob sie Furcht vor Aesculapius hatte.
„Du musst keine Angst vor dem alten Herrn haben“, sagte er freundlich zu ihr. „Aesculapius ist der geduldigste Mensch, den es gibt.“
„Ich habe keine Angst vor ihm“, gab Joveta fast beleidigt zurück.
„Aber trotzdem wirkst du sehr beunruhigt“, stellte Gerold stirnerunzelnd fest.

Joveta betrachtete ihn sorgenvoll. An diesem Morgen trug er seine dunkelblaue Tunika mit den schönen Stickereien, welche ausgezeichnet zu seinen roten Haaren passte.
„Ich habe gestern gehört, dass du bald fort musst“, brach es schließlich aus ihr heraus. „Das würde ich nicht ertragen.“
Gerold fuhr sich seufzend durch die Locken und ging vor dem Mädchen in die Hocke.  Er legte ihr die Hände beruhigend auf die Knie.
„Joveta, ich kann nicht ewig auf dem Gutshof bleiben. Der Kaiser braucht mich. Ich bin einer seiner wichtigsten Heermeister. Bald kommt der Herbst und dann will Lothar nach Rom aufbrechen. Diese Reise ist sehr wichtig für ihn, verstehst du?“
Joveta verstand überhaupt nichts. Gerold wollte sie verlassen, nur das kapierte sie.
„Aber wenn du nicht mehr hier bist, wird man mich wieder in die Küche schicken“, presste sie verzweifelt hervor. „Und außerdem...“

Sie konnte den Satz nicht beenden, weil in diesem Moment Asculapius den Raum betrat. Gerold erhob sich rasch und glättete seine Tunika. Der alte Lehrmeister runzelte kurz die Stirn und lächelte dann.
„Guten Morgen miteinander!“
Nachdem Gerold und Joveta den Gruß erwidert hatten, begann der alte Mann mit dem Unterricht und der junge Graf verließ auf leisen Sohlen das Gemach. Sehnsüchtig starrte Joveta ihm nach, doch Aesculapius lenkte rasch die Aufmerksamkeit des Mädchens auf sich.


tbc...


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@Veleren: Joveta ist mit Sicherheit kein Spielzeug für Gerold. Er ist ein Ehrenmann und bemüht sich daher, weiter für sie zu sorgen. Daher wundert er sich erst einmal, dass sie heimlich den Gutshof verlassen hat. Aber das Missverständnis wird ja aufgeklärt. Danke fürs Review!

@JulesMumm: Uff, eigentlich soll es nicht so herüberkommen, dass Gerold mit Joveta spielt. Im Buch war es so, dass sich Gerold öfters Geliebte nahm, um sich über Johanna wegzutrösten. Gerold war schon auch ein Mann, der bestimmte Bedürfnisse hatte und wegen Johanna sicherlich nicht enthaltsam lebte. Allerdings wollte ich ihn nicht so darstellen, dass er Joveta „nach Gebrauch wegwirft“, sondern dass er versucht, ihr eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Dadurch, dass er mit Joveta geschlafen hat, fühlte er sich jetzt umso mehr in der Pflicht, ihr zu helfen. Und das ist eigentlich ein typischer Charakterzug für ihn, denke ich. Hoffentlich gefällt dir das neue Kapitel besser. Danke fürs Review!
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