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Jovetas Traum

von Celebne
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Aesculapius Johanna von Ingelheim Markgraf Gerold
12.03.2010
10.05.2010
10
13.826
 
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12.03.2010 1.506
 
Kapitel 6: Unverhoffte Hilfe


Als Gerold nach dem Nachtmahl mit schweren Schritten zu seinem Schlafgemach hinaufstieg, merkte er, dass er zuviel Wein getrunken hatte. Er ärgerte sich darüber, denn der schwere Rotwein des Grafen Arculf verursachte Kopfschmerzen, wenn man davon mehr als einen Kelch genoss. Leise vor sich hinfluchend öffnete er die Tür und ging zu seinem Bett. Zu seinem Erstaunen lag dort Joveta schlafend drin.

Auch das noch, dachte er seufzend und fuhr sich über die roten Locken.
Er wollte es sich gerade auf einem der Stühle bequem machen, als Joveta erwachte. Sie setzte sich lächelnd auf und die Decke rutschte von ihren nackten Schultern. Gerold vergaß seinen schweren Kopf und schluckte. Das Mädchen weckte wieder die Leidenschaft in ihm und er vergaß alle Vorbehalte. Ehe er sich versah, lag er bei ihr im Bett und liebte sie.
Jetzt, beim zweiten Mal war es schöner für Joveta und sie sagte es Gerold auch. Dieser lächelte nur schwach. Er ärgerte sich, dass er sich erneut zu einem Schäferstündchen mit der jungen Frau hatte hinreißen lassen. Der Wein hatte anscheinend seine Sinne benebelt. Doch ehe er noch länger darüber grübeln konnte, war er auch schon eingeschlafen. Joveta kuschelte sich glücklich an ihn und schlummerte schließlich ebenfalls ein.

Am nächsten Morgen war das Wetter wieder besser und Gerold setzte seine Lehrstunden mit Joveta fort. Doch das junge Mädchen war immer weniger bei der Sache. Immer wieder blickte sie Gerold mit einem verliebten Lächeln an.
„So können wir nicht weitermachen, Joveta“, seufzte Gerold schließlich.
Bestürzt erhob sich das Mädchen von dem sandigen Platz.
„Es tut mir leid, es ist meine Schuld. Ich bin so schrecklich unkonzentriert heute“, entschuldigte sie sich zerknirscht. „Aber ich habe das Gefühl, als ob ich vor Glück bersten könnte, nur weil du bei mir bist.“
Gerold fuhr sich nachdenklich durch die Haare. Er ärgerte sich, weil er das junge Ding verführt hatte. Es hatte keinen Sinn, Joveta länger zu unterrichten. Aber vielleicht fand er jemanden, der das für ihn tat.

„Du musst dir keine Vorwürfe machen, Joveta“, sagte er schließlich sanft zu dem Mädchen. „Ich bin derjenige, der einen Fehler gemacht hat. Der Unterricht ist für heute beendet. Ich muss nach Fulda reiten.“
Joveta hatte keine Ahnung, was mit Gerold los war. Insgeheim gab sie sich doch die Schuld an seinem Verhalten.
Völlig verzweifelt trieb sie sich auf den Wiesen in der Nähe des Gutes herum. Wahrscheinlich winkte ihr bald wieder die harte Küchenarbeit bei Hildegund. Aber dorthin wollte sie nicht mehr zurück. Sie überlegte sich, ob sie nicht einfach fortgehen sollte. Als sie weiter über die Wiesen schlenderte, entdeckte sie schließlich die Straße, welche nach Süden führte. Die Straße sah sehr einladend aus. Joveta hatte mal gehört, dass angeblich im Süden die Stadt Mainz lag. Sie hatte aber keine Ahnung, wie weit diese Stadt weg war. Vielleicht war sie ja nach einem Marsch von einigen Stunden dort. Bestimmt würde sie dort ein neues Auskommen finden, vielleicht sogar einen Mann, der sie wirklich liebte und nicht mit ihr spielte, wie es Gerold anscheinend tat.

Sie ging rasch zurück zum Gutshof und packte heimlich ihr Bündel. Als Hildegund und ihre neue Magd gerade nicht in der Küche waren, schlüpfte Joveta schnell hinein und holte sich einige Vorräte. Dann verließ sie den Hof durch die Gärten. Doch sie wurde gesehen. Der Knecht Odoaker beobachtete sie neugierig beim Fortgehen und fragte sich im Stillen, was sie vorhatte. Schließlich ging er achselzuckend an seine Arbeit zurück. Joveta diente momenten dem fremden Markgrafen. Odoaker hatte mit ihr nichts mehr zu tun.



Gerold war währenddessen in Fulda angekommen. Er erkundigte sich sofort nach der Klosterschule, als er in der Stadtmitte angekommen war. Mehrere Einwohner erklärten ihm den Weg zum Kloster. Doch schließlich kam ein steinalter Mann mit einem langen, weißen Bart zu Gerold, bevor er weiterreiten konnte. Der Greis konnte sich kaum auf den Beinen halten, doch seine hellen Augen schauten wach unter den buschigen Brauen hervor.
„Ich habe gehört, dass Ihr ein Mädchen in die Klosterschule schicken wollt“, sagte er mit gedämpfter Stimme zu dem jungen Markgrafen. „Das wird der Abt des Klosters nie und nimmer erlauben. Den Weg zum Kloster könnt ihr Euch sparen.“
„Was soll ich dann tun?“, fragte Gerold verzweifelt. „Es ist scheinbar unmöglich, ein weibliches Wesen in dieser großen Stadt unterrichten zu lassen.“
„Ich habe schon mal ein junges Mädchen gelehrt“, sagte der alte Mann gelassen. „Überlasst Eueren Schützling mir.“
„Wer seid Ihr?“, fragte Gerold erstaunt.
„Mein Name ist Aesculapius und ich komme aus Griechenland“, erwiderte der Greis freundlich.
„Ich kenne Eueren Namen!“, rief Gerold erstaunt aus und stieg jetzt vom Pferd herab.

Er lud den alten Wanderlehrer in ein Wirtshaus ein. Aesculapius war sehr hungrig und dankbar, dass ihn der junge Markgraf freihielt. Der alte Gelehrte vernahm bestürzt Gerolds Bericht vom Überfall der Normannen auf Dorstadt und von Johannas wahrscheinlichen Tod.
„Dann war alles umsonst“, seufzte er unglücklich auf. „Ich hätte das Mädchen besser in seinem Dorf lassen sollen.“
„Sie war glücklich, in Dorstadt auf die Domschule gehen zu können“, sagte Gerold mit belegter Stimme. „In Ingelheim wäre sie niemals froh geworden, glaubt mir. Ihr habt nichts verkehrt gemacht.“

Nachdem die beiden eine Weile über Johanna gesprochen hatten, kam endlich die Rede auf Joveta. Gerold gestand Aesculapius, dass Joveta nicht besonders begabt war.
„Warum dringt Ihr dann so auf eine Ausbildung für sie?“, fragte der Gelehrte erstaunt.
„Ich fühle mich für sie verantwortlich“, seufzte der jüngere Mann bedrückt. „Sie hat äußerlich große Ähnlichkeit mit Johanna. Ich fand sie daher sehr anziehend. Das Mädchen ist unglücklich. Sie ist Magd in einem großen Gut und hat keine guten Zukunftsaussichten. Wenn sie Lesen und Schreiben beherrschen würde, könnte sie besser leben. Ich bezahle natürlich für ihre Ausbildung.“
Aesculapius blickte nachdenklich vor sich hin. Er hatte schon viele Schüler unterrichtet. Bei den meisten von ihnen war es reine Zeitverschwendung gewesen. Wahrscheinlich auch bei diesem Mädchen. Doch er war dringend auf Gerolds Geld angewiesen, denn in Fulda gab es für ihn kein Lehramt.


Gerold begab sich guten Mutes wieder zurück zum Gut des Grafen Arculf. Am nächsten Tag würde Aescalupius dorthin kommen und seinen Unterricht beginnen. Gerold hatte in Fulda endlich Wachstafeln erwerben können. Somit gab es keinen Unterichtsausfall mehr, wenn das Wetter schlecht war.
Als der Graf jedoch zurück auf das Gut kam, erlebte er eine böse Überraschung. Joveta war spurlos verschwunden. Niemand konnte sagen, wo sich das Mädchen befand. Gerold schüttelte verständnislos den Kopf über Jovetas Verhalten. Was sollte dieses dumme Versteckspiel? Oder war sie ihm etwa nachgelaufen nach Fulda?
Während er noch grübelte, meldete sich der Stallknecht Odoaker bei ihm.
„Herr, ich habe Joveta gesehen. Sie lief mit einem Bündel in der Hand über die Felder zur südlichen Straße hin.“
„Was wollte sie da?“, fragte Gerold mehr sich selbst als den Knecht.
„Es sah so aus, als wolle sie den Hof für immer verlassen“, fügte Odoaker schüchtern hinzu.
Gerold nickte mit besorgter Miene. Jovetas Verhalten gab ihm Rätsel auf. Aber er würde den Grund für ihr Verschwinden nur erfahren, wenn er ihr folgte.
Odoaker sattelte für ihn ein frisches Pferd und dann verließ Gerold beunruhigt den Hof.


Joveta kam auf der Straße gut voran. Da es so heiß war an diesem Tag, begegneten ihr nur wenige Menschen und Fuhrwerke. An die Nacht hatte sie jedoch nicht gedacht. Das war die Zeit, in welcher die Straßenräuber aus ihren Verstecken kamen und Wanderer überfielen. Sie hoffte, dass sie bis zum Einbruch der Dunkelheit einen Hof oder ein Dorf erreichen würde, wo sie in einem Stall übernachten konnte. Dass es aber auch tagsüber gefährlich für ein einsames junges Mädchen auf den Straßen werden konnte, hatte sie nicht einkalkuliert.

Nach einigen Stunden Wanderschaft merkte sie, dass ihr langsam ein Mann auf einem Pferd folgte. Er hielt sich immer direkt hinter ihr und überholte sie nicht, wie andere Reiter das getan hätten. Joveta wurde nervös und sie lief trotz ihrer Müdigkeit etwas schneller. Die Angst verlieh ihr neue Kräfte. Obwohl sie brennenden Durst verspürte, wagte sie nicht an einem vorbeifließenden Bach zu rasten und zu trinken.
Die Sonne wanderte in den Westen und die Schatten wurden länger. Bald würde es dunkel sein und sie hatte immer noch kein Dorf erreicht. Der Mann verfolgte sie ebenfalls weiterhin.
Sie schalt sich selbst, dass sie ohne Überlegung aufgebrochen war.
Entmutigt blieb Joveta schließlich stehen, denn sie konnte beim besten Willen nicht mehr weiterlaufen. Seufzend ließ sie sich ins Gras am Wegesrand sinken und massierte ihre wundgelaufenen Füße. Der Reiter hielt nun neben ihr und grinste sie frech an.
Es war ein älterer Krieger im Waffenrock des Kaisers. Ihm fehlten viele Zähne und er hatte einen grauen, verfilzten Bart. Mit einem lüsternden Blick stieg er vom Pferd. Joveta hielt entsetzt den Atem an.


tbc...



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@Veleren: Wie gut, dass Gerold kein Frauenheld ist, sondern fürsorglich denkt. Ob Joveta das auch wert  ist, wird sich noch zeigen. Danke fürs Review!

@JulesMumm: Gerold wird Joveta sicher nicht im Stich lassen. Aber wird es Joveta auch ihm danken? Ich habe den Film nun auch, und hoffe, ihn bald mal in Ruhe sehen zu können. Danke fürs Review!
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