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Jovetas Traum

von Celebne
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Aesculapius Johanna von Ingelheim Markgraf Gerold
12.03.2010
10.05.2010
10
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12.03.2010 1.340
 
Kapitel 4: Pläne

Gerold kämpfte kurz gegen seine aufwallenden Gefühle an. Es war nicht die richtige Zeit und der richtige Ort, um ein junges, unschuldiges Mädchen zu verführen. Joveta war nicht eine von denen, mit welchen er sonst sein Lager kurzfristig teilte. Daher suchte er etwas Abstand zu ihr. Zum Glück hatte Joveta nicht gemerkt, was in ihm vorging. Sie setzte sich lachend auf die Wiese und begann einige der bunten Blumen zu rupfen, um sich daraus einen Kranz für ihre langen Haare zu flechten.  Gerold führte die Pferde an ein nahes Bachufer, wo sie trinken konnten.

Er hatte in seiner Satteltasche ein paar Vorräte eingepackt. Zu ihrer Freude erkannte Joveta, dass er sich Brot und Käse vom Frühstück mitgenommen hatte. Die Lebensmittel waren in Tücher eingepackt. Die beiden setzten sich unter einen schattigen Baum, um dort zu essen. Die junge Magd war sehr hungrig und sie verschlang regelrecht die Speisen. Gerold, welcher eigentlich noch satt war, nagte ein wenig an einer Brotkante herum und sah ihr lächelnd beim Essen zu.
„Ich habe das Gefühl, dass Ihr auf Graf Arculfs Gut hungern müsst“, meinte er schließlich ernst.
„Verzeihung“, stieß Joveta mit vollen Backen kauend hervor. „Ich muss sehr unhöflich erscheinen. Ich esse Euch alles weg, Herr Graf. Aber Herr Arculf ist wirklich ein guter Mensch und...“
Sie hielt plötzlich inne und traute sich nicht weiterreden. Gerold blickte sie fragend an.
„Was ist los, Joveta?“, bohrte er weiter. „Was wolltest du sagen?“
„Es ist Hildegund, die Köchin“, seufzte sie schließlich traurig. „Sie gibt mir wenig zum Essen und lässt mich schwer arbeiten. Ich weiß, dass ich in Eueren Augen wohl undankbar erscheine, aber es ist nun einmal so.“
„Mir gefällt deine Ehrlichkeit“, erwiderte Gerold nachdenklich und fuhr sich über den roten Bart. „Es gibt wohl überall auf  der Welt Leute wie Hildegund oder den Kammerjunker. Aber ich werde dir helfen, Joveta. Du hast ein besseres Leben verdient.“
Joveta legte die Reste ihres Mahls verlegen auf das ausgebreitete Tuch auf der Wiese.
„Ich weiß nicht“, sagte sie zweifelnd. „Ich bin von niederer Herkunft. Ich werde wohl ewig eine Magd bleiben. Aber vielleicht habe ich Glück und werde irgendwann Hildegunds Nachfolgerin.“
„Falls sie noch fetter wird und irgendwann platzt“, ergänzte Gerold grinsend.
Joveta musste laut auflachen, als sie das hörte. Gerold fiel schließlich in das Lachen mit ein.

Nach einer Weile wurde es still. Joveta blieb ruhig sitzen und wartete darauf, dass der Graf etwas sagte. Gerold jedoch war ganz in Gedanken versunken. Er dachte an Johanna, die ein ähnliches helles Lachen wie Joveta besessen hatte.

Johanna! Die Gedanken an sie brachten viele Erinnerungen hoch. Wie begeistert sie immer Bücher gelesen und wie klug sie diese interpretiert hatte. Er wusste nicht, wie er plötzlich darauf kam.
„Magst du Lesen und Schreiben lernen?“, fragte er Joveta nach einer Weile.
Fast erschrocken blickte die Magd ihn an. Sie traute kaum ihren Ohren.
„Ich? Aber ich bin doch nur ein Mädchen. Dieses Privileg ist doch nur Knaben und Männern vorbehalten.“
„Du irrst, Joveta“, erwiderte Gerold ernst. „Einst wohnte ein junges Mädchen in meiner Burg, welches ausgezeichnet lesen und schreiben konnte. Sie ging sogar zur Domschule.“
„Ver-verzeiht“, stotterte Joveta schüchtern. „Ich wusste das nicht. Ich weiß ja nicht viel.“
„Magst du es lernen?“, wiederholte der Graf noch einmal seine Frage.
Das junge Mädchen nickte schließlich langsam. Sie hatte keine Ahnung, was auf sie zukam. Aber vielleicht war dies besser, als von Hildegund den ganzen Tag in der Gegend herum gescheucht zu werden.

Als sie zurück auf dem Gutshof waren, ging Gerold sofort an die Arbeit. Er hatte beschlossen, das Lesen und Schreiben selbst Joveta beizubringen. Doch erst einmal musste er Graf Arculf darum bitten, ihm Joveta als Gesellschafterin zu überlassen.
Der alte Herr des Gutes war etwas verwundert über Gerolds Bitte. Doch schließlich sagte er sich, dass sein Gast wohl von der Schönheit der Magd hingerissen war. Insgeheim hoffte Arculf sogar, dass Gerold sich Joveta als Geliebte nahm.  Inzwischen hatte er gemerkt, dass die Magd unter dem Gesinde viel Unruhe schuf. Hildegund war streitsüchtig und die Knechte pfiffen Joveta ständig hinterher, während die anderen Mägde eifersüchtig wurden.
Wenn Joveta ein Kind von Gerold gebar, dann hatte sie ein besseres Leben in Aussicht, und auf dem Gut würde wieder Ruhe einkehren. Graf Gerold war ein Ehrenmann und würde sicherlich für ein uneheliches Kind und dessen Mutter gut sorgen.

Doch Gerold hatte andere Pläne mit Joveta. Er wollte ihr das Lesen und Schreiben beibringen. Da er zunächst keine Wachstafeln auftreiben konnte, begann er seinen Unterricht an einem sandigen Platz am Flussufer. Mit einem Stock malte er die ersten Buchstaben des Alphabets in den Sand. Joveta war bemüht, ihm zu folgen. Jedenfalls war das Erlernen von Schreiben und Lesen längst nicht so anstrengend wie Küchenarbeit unter Hildegunds Regiment, und Gerold war ein sanfter und geduldiger Lehrmeister.  Dazu kam jedoch Jovetas Schwärmerei für den gutaussehenden Grafen, die sie immer wieder ablenkte.
Nach dem ersten Tag war Joveta auf andere Weise als sonst müde. Es war keine körperliche Erschöpfung, welche sie ins Bett streckte, sondern die vielen neuen Dinge, die sie heute gelernt hatte. Allerdings war sie längst nicht so begeistert und wissbegierig wie Gerolds Johanna. Die Buchstaben waren eine fremde Welt für sie und ständig fragte sie sich, wozu ihr das Lesen und Schreiben wohl nützen konnte.

In der Nacht träumte sie von riesigen Buchstaben, welche sie durch ein dunkles Tal verfolgten. Einer der Buchstaben erinnerte sie an die ewig schimpfende Hildegund. Joveta erwachte schweißgebadet von diesem Albtraum und sie war froh, als die Nacht endlich vorüber war.
Am nächsten Morgen ging sie mit gemischten Gefühlen zu ihren Lehrstunden. Gerold merkte, dass Joveta an diesem Tag sehr unkonzentriert war. Er war etwas enttäuscht, denn er gab sich schließlich viel Mühe mit ihr. Längst hatte er gemerkt, dass Joveta nicht so begabt wie Johanna war. Aber mit viel Fleiß würde sie eines Tages Schreiben und Lesen beherrschen können.
„Verzeiht, Herr Gerold“, sagte Joveta verlegen, als sie statt eines „A“ wieder ein „U“ in den Sand gemalt hatte. „Ich habe heute Nacht schlecht geträumt.“
„Gut, dass du das mir sagst“, meinte Gerold erleichtert. „Es hat wohl keinen Sinn, heute weiterzumachen.“
Joveta stand entsetzt auf und ging zu ihm hin. Sie packte seinen Arm und ihr Blick wirkte fast flehend.
„Werdet Ihr mich jetzt in die Küche zu Hildegund zurückschicken?“, fragte sie mit belegter Stimme.

Gerold schüttelte lächelnd den Kopf und strich ihr sanft über die Wange.
„Nein, auf keinen Fall. Heute ist es eh zu heiß zum Lernen. Magst du dich vielleicht lieber im Wasser erfrischen?“
Joveta sah ihn erstaunt an. Er wusste doch, dass sie nicht schwimmen konnte.
„Ich habe in der Nähe einen verborgenen, kleinen Weiher entdeckt“, fuhr Gerold amüsiert fort. „Er ist nicht tief. Man kann darin gut stehen.“

Aufgeregt begleitete das Mädchen den gutaussehenden Markgrafen. Sie streiften durch ein kleines Wäldchen und kamen schließlich zu dem Weiher, welcher am Waldrand lag. Keine Menschenseele war weit und breit zu sehen. Gerold ging am Ufer des Weihers in die Hocke und fuhr mit der Hand durch das Wasser.
„Es ist angenehm kühl.“
Joveta blieb verschämt in einiger Entfernung stehen. Kühles Wasser war bei diesem hochsommerlichen Wetter wirklich verlockend. Als Kind hatte sie oft mit Spielgefährten nackt in solchen Weihern herumgeplanscht. Aber jetzt war sie erwachsen und da war es etwas anders. Mit klopfenden Herzen sah sie zu, wie Gerold seine Kleider ablegte und schließlich splitternackt in den Weiher stieg. Er besaß einen athletischen Körperbau, was Joveta sehr gefiel. Sie ertappte sich selbst dabei, wie sie den Markgrafen beim Schwimmen beobachtete.
„Was ist mit dir, Joveta?“, fragte Gerold lachend und schob seine nassen, langen Haare aus dem Gesicht. „Willst du nicht hereinkommen?“


tbc...


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@Veleren: Gerold hat zunächst mit Joveta etwas anderes vor. Er sieht in ihr mehr als nur ein „Bett-Häschen“. Allerdings ist er auch ein Mann mit Bedürfnissen. Danke fürs Review!

@JulesMumm: Ich freue mich, dass du diese Geschichte magst, ohne Film/Buch zu kennen. Der Film erscheint ja bald auf DVD und ich zähle schon die Tage bis dahin. Danke fürs Review!
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