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Jovetas Traum

von Celebne
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Aesculapius Johanna von Ingelheim Markgraf Gerold
12.03.2010
10.05.2010
10
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12.03.2010 1.495
 
Kapitel 3: Annäherung


Gerold beeilte sich und holte Joveta gerade noch ein, bevor sie in die Küche verschwinden konnte. Er packte sie sanft am Arm und zog sie mit sich fort. Verwirrt blickte sie den fremden Ritter an.
„Verzeihung, ich habe mich benommen wie eine dumme Gans“, lispelte sie schließlich verlegen. „Ich wusste nicht, dass Ihr der hohe Gast meines Herrn seid.“
Gerold antwortete zunächst nicht, sondern ging mit ihr hinaus in den Burggarten, wo der stille Mond schien. Er fühlte eine ungeheuere Wut auf den Kammerjunker, der das Mädchen durch sein grobes Verhalten eingeschüchtert hatte. Doch nach einer Weile beruhigte er sich wieder.
„Ich kann mir vorstellen, dass Ihr erstaunt gewesen seid, mich hier wiederzusehen“, meinte der Graf schließlich lächelnd. „Hoffentlich habt Ihr keinen Ärger heute Mittag bekommen wegen Eueres unfreiwilligen Bades im Fluss.“
„Ach...das“, stotterte Joveta schüchtern herum.
Sie hatte keine Ahnung, wie sie sich in der Nähe eines solch hohen Herrn benehmen sollte. Normalerweise unterhielten sich Frauen ihres Standes nicht mit Markgrafen.

Gerold wusste nicht, wie er die Verlegenheit des Mädchens deuten sollte.  War sie etwa immer noch verschüchtert? Schämte sie sich, weil sie nur eine Magd war?
Johanna war als Kind auch nur von einer niederen Herkunft gewesen, doch hatte sie stets selbstbewusst gewirkt und ihre Meinung frei geäußert.

Es ist nicht richtig, dass ich die Ärmste mit Johanna vergleiche, schalt er sich selbst im Stillen. Vielleicht ergibt sich die Möglichkeit, sie besser kennen zu lernen.

„Ihr habt mir noch gar nicht Eueren Namen gesagt“, meinte Gerold schließlich freundlich zu ihr.
„Ich bin nur Joveta“, antwortete das Mädchen leise und senkte den Blick. „Es ist sehr ungewöhnlich, dass Ihr mich nicht duzt, wie es alle anderen tun.“
„Weil ich nicht auf Euch herabsehe, wie die anderen, Joveta“, erwiderte Gerold ernst. „Euer Name ist übrigens sehr schön. Ich wünsche Euch eine gute Nacht.“

Joveta war so beeindruckt von Gerolds Höflichkeit, dass sie nur noch herumstammeln konnte. Sie blieb eine ganze Weile noch im Burggarten stehen, weil sich ihre Wangen so heiß anfühlten.

Als sie schließlich zurück in die Küche kam, geriet sie mit der Köchin Hildegund erst einmal aneinander.
„Wo bist du gewesen, du faules Ding?“, schalt die dicke Frau sie böse. „Wer soll denn die ganzen Töpfe und Pfannen säubern? Ich will nicht die ganze Nacht hier verbringen.“
„Der Kammerjunker war sehr gemein zu mir“, meinte Joveta aufgeregt. „Graf Gerold hat mir sogar geholfen. Er hat mich in den Garten geleitet.“
„Das glaubst du doch wohl selbst nicht“, spottete Hildegund. „Ein Graf hat etwas besseres zu tun, als mit einer wie dir seine Zeit zu verschwenden.“

Während Joveta die Pfannen sauberputzte, war sie in Gedanken bei Gerold. Er sah so gut aus mit seinen strahlenden blauen Augen und dem bezaubernden Lächeln. Außerdem hatte er  wundervolle rotblonde Locken. Seine Stimme klang angenehm tief und sein Händedruck war fest.
„Träumst du?“, fragte Hildegund ungeduldig. „Du schrubbst diese Pfanne schon seit einer Ewigkeit. Sauberer wird sie nicht mehr.“
Sie riss ihr das Geschirr aus der Hand und stellte es mit einem ärgerlichen Brabbeln ins Regal.
„Mach, dass du ins Bett kommst!“
Aufatmend verließ Joveta die Küche und begab sich in das Gesindehaus, das gleich neben dem Hauptgebäude des Guts lag. Die Gänsemagd, mit der sie sich das Bett teilte, lag bereits im tiefsten Schlummer, als Joveta sich zu ihr begab. Aber schlafen konnte das Mädchen in dieser Nacht kaum.


Gerold ging nachdenklich wieder zu Graf Arculf. Auf dem Rückweg nahm er sich den groben Kammerjunker zur Brust, der so gemein zu Joveta gewesen. Nachdem ihn Gerold scharf zurechtgewiesen hatte, entschuldigte sich der Kammerjunker kleinlaut.
"Ich möchte, dass Ihr Euch auch bei Joveta entschuldigt", sagte Gerold immer noch ungehalten.
Schließlich kehrte er zum Festmahl zurück. Er übersah die junge Ritterstochter Ogiva, welche ihn immer noch anhimmelte, sondern begann eine belanglose Unterhaltung mit Arculf und einigen anderen Männern. Nach einiger Zeit begann er zu gähnen und er erklärte seinem Gastgeber, dass er sich nun zurückziehen werde. Der Kammerjunker von Arculf zeigte ihm sein Nachtquartier. Gerold war tatsächlich ziemlich müde und er legte sich auf das fremde Bett. Doch zunächst konnte er auch nicht einschlafen. Die junge Magd Joveta geisterte ihm durch den Kopf. Ihre Ähnlichkeit mit Johanna war nicht zu übersehen und sein Wunsch, sie besser kennenzulernen, wurde immer größer.


Joveta musste früh am nächsten Morgen wieder aufstehen und an ihre Arbeit gehen. Ihre Aufgabe war es, in der Küche das Feuer im Herd anzuschüren. Dazu musste sie erst Holz aus der Scheune holen. Da sie in der vergangenen Nacht kaum geschlafen hatte, trottete sie sehr müde über den Hof. Aus der Ferne krähte ein Hahn und die ersten Sonnenstrahlen spitzten über der Hügelkette im Osten hervor. Joveta gähnte laut und bückte sich, um ihre Arme mit Holzscheiten vollzuladen.
„Wo bleibst du nur!“, rief Hildegund ungeduldig vom Küchenfenster aus.
Joveta murmelte einen leisen Fluch vor sich hin und kehrte mit dem Holz in die Küche zurück.
„Du schläfst heute im Gehen“, stellte die Köchin grimmig fest. „Dir werde ich schon noch Beine machen! Die hohen Gäste sind immer noch im Haus. Du wirst also schleunigst für ein Frühstück sorgen.“
Kurz darauf trug Joveta breite Holzplatten mit Käse, Honig und frischgebackenem Brot in die Halle hinauf.
Sie erschrak, als sie dort Gerold ganz alleine sitzen sah. Er lächelte sie freundlich an.
„Habt Ihr heute Zeit für mich, Joveta?“, fragte er.
„Oh...nein“, stotterte sie verwirrt. „Ich muss doch arbeiten. Hildegund, die Köchin, wird mich erschlagen, wenn ich ihr nicht helfe.“
Joveta war so durcheinander, dass sie ganz vergaß, wen sie vor sich hatte. Natürlich konnte jemand wie Graf Gerold befehlen, dass Hildegund heute alleine arbeiten musste und sie die Zeit mit ihm verbrachte.
„Möchtet Ihr wohl nicht lieber mit mir spazierenreiten?“, fragte Gerold etwas erstaunt.
Joveta riss sich jetzt zusammen, um nicht wieder dummes Zeug zu reden.
„Gerne, doch!“, stieß sie begeistert hervor.


Kurze Zeit später stolzierte Joveta in Gerolds Begleitung zur Küche. Zunächst sah Hildegund nur das Mädchen und fing sofort an zu schimpfen.
„Du liederliches Ding!“, rief sie böse. „Wo bleibst du denn? Soll ich alles alleine heute machen? Na warte, ich werde Herrn Arculf alles berich...“
Ihre Stimme erstarb, als plötzlich Gerold in der Küchentür auftauchte.
„Joveta wird heute den Tag mit mir verbringen, wenn Ihr erlaubt“, sagte er streng zu ihr.
Hildegunds Unterkiefer klappte herunter und sie starrte den Grafen wortlos an.
„Wie Ihr wünscht“, krächzte sie schließlich nach einer Weile.
Joveta musste grinsen, als sie die burschikose Hildegund so kleinlaut plötzlich sah.
„Auf Wiedersehen“, sagte sie amüsiert zu der dicken Köchin und ging mit Gerold aus dem Haus.

Odoaker, der Stallknecht, sattelte wortlos zwei Pferde, als Gerold ihm den Befehl erteilte. Aber der Blick, den er Joveta zuwarf, sprach Bände. Die junge Magd fühlte sich fast wie eine Königin an diesem Morgen. Es war der glücklichste Tag, seit sie zurückdenken konnte, obwohl es ihr eigentlich nicht schlecht ging auf dem Gut. Sie hatte genug zu essen und ein Dach über dem Kopf, aber die Arbeit war nun einmal sehr hart. Wenn es so weiterging, war sie mit dreißig eine alte Frau, verbraucht und krank.

Joveta konnte eigentlich gar nicht reiten, aber sie mochte Pferde gerne. Das Pferd, das Odoaker für sie gesattelt hatte, war eine kleine, sanfte Stute, welche Joveta schon oft heimlich mit Äpfeln gefüttert hatte. Daher wirkte das Tier auch sehr zutraulich und blieb ruhig stehen, als sich Joveta auf seinen Rücken hinaufquälte. Gerold lachte herzlich auf und half dem Mädchen schließlich in den Sattel.
„Verzeiht!“, presste Joveta entschuldigend hervor. „Aber ich bin keine gute Reiterin.“
„Wir werden sehen“, grinste Gerold und trieb seinen Hengst mit einem leichten Schenkeldruck an.

Der Tag versprach sonnig und warm zu werden. Gerold ritt langsam mit Joveta einen Feldweg entlang. Unterwegs unterhielt er sich mit dem Mädchen. Sie erzählte ihm schließlich, wie sie ihre Familie durch den Normannenüberfall verloren hatte und von Graf Arculf auf dem Gutshof aufgenommen worden war. Gerold hörte aufmerksam. Er hatte seinerzeit auch die junge Johanna bei sich aufgenommen. Joveta taute jetzt ein wenig auf beim Reiten, obwohl sie recht unsicher auf der Stute saß. Ihr helles Lachen gefiel dem jungen Grafen sehr.
„Hast du heute schon etwas gegessen, Joveta?“, fragte er schließlich und ertappte sich dabei, dass er angefangen hatte, das Mädchen zu duzen.
„Nein, keinen Bissen“, gab das Mädchen zu. „Ich musste Feuer in der Küche machen und dann gleich das Frühstück zubereiten. Hildegund ließ mir keine Zeit zum Essen.“
„Diese Hildegund macht dir das Leben ganz schön schwer“, murmelte Gerold nachdenklich vor sich hin.
Bei Johanna war es Odo, der Schulmeister, gewesen, der sie immerfort gepeinigt hatte.

Gerold hielt sein Pferd an und half Joveta galant von ihrer Stute. Dabei berührte er ihre schmale Taille und er fühlte sich in diesem Moment noch mehr zu dem jungen Mädchen hingezogen.

tbc...


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@Veleren: Tja, Arculfs Angebot ist wirklich verlockend. Dazu ist da noch die schöne Magd, die ihn an Johanna erinnert. Es wird sich zeigen, ob Gerold tatsächlich schwach wird. Danke fürs Review
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