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Jovetas Traum

von Celebne
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Aesculapius Johanna von Ingelheim Markgraf Gerold
12.03.2010
10.05.2010
10
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12.03.2010 1.435
 
Kapitel 2: Unverhofftes Wiedersehen


Hildegund staunte nicht schlecht, als Joveta mit tropfnasser Kleidung zur Küche hereinkam.
„Was ist dir denn passiert? Hat dich jemand in den Fluss geworfen?“
Joveta senkte beschämt den Kopf und reichte der Köchin schüchtern den Korb mit den wenigen Äpfeln.
„Die Bäume wurden heute nacht anscheinend geplündert. Es gab nur noch einige Äpfel auf einem Ast. Als ich auf den Ast stieg, brach dieser ab und ich fiel ins Wasser.“
Ihre Rettung verschwieg Joveta. Das ging der geschwätzigen Köchin nichts an.

„So wenige Äpfel“, seufzte Hildegund und begann fieberhaft zu überlegen, was sie stattdessen für einen Kuchen backen konnte.
„Lauf nach Fulda und kaufe dort auf dem Markt Honig. Vielleicht kann ich dann für heute abend wenigstens einen Honigkuchen backen.“
Da Jovetas einziges Kleid nass war, lieh ihr die Köchin ein altes Kleid von sich. Es war Joveta eigentlich viel zu groß und sie schämte sich, so in der Öffentlichkeit herumzulaufen.
Als sie in diesem Gewand die Küche verließ und auf den Hof trat, lachten die frechen Stallknechte über sie. Joveta warf ihnen vernichtende Blicke zu und beeilte sich, das Gut zu verlassen. Nach Fulda war es gut eine Stunde Fußweg und sie musste sich sehr beeilen. Hastig lief sie die unebene Straße entlang und versuchte möglichst nicht in Pferdeäpfel hineinzutreten.

Als sie Hufgetrappel von herannahenden Pferden hörte, verließ sie rasch die Straße und versteckte sich hinter einen Baum. Instinktiv bekam sie immer Angst, wenn fremde Reiter kamen. Als sie zwölf Jahre alt gewesen war, hatten normannische Reiter ihr Heimatdorf angegriffen. Sie war eine der wenigen Überlebenden gewesen, weil sie damals rechtzeitig in den Wald geflüchtet war. Allerdings war ihre ganze Familie bei dem Überfall gestorben. Glücklicherweise hatte Graf Arculf sie auf seinen Hof aufgenommen, sonst wäre sie wahrscheinlich auf der Straße verhungert wie viele andere Flüchtlinge.

Mit klopfenden Herzen wartete Joveta, bis die Reiter vorbeigezogen waren. Sie riskierte einen kurzen Blick und sah die rotblonden, langen Haare des Anführers der Schar in der Sonne leuchten. Kurz fragte sie sich, ob es sich dabei um ihren Retter handelte. Nachdem die Reiter verschwunden waren, wagte sie sich wieder aus ihrem Versteck und eilte weiter nach Fulda.
Es kam nicht selten vor, dass sie dort auf den Markt geschickt wurde. Bei Tageslicht war dieser Fußmarsch kein Problem, aber in der stockdunklen Nacht fürchtete sich Joveta vor Wegelagerern und ähnlichem Pack. Schließlich war sie kein hässliches Mädchen und es gab sicher genug Schurken, welche eine für sie gerne vergewaltigen würden.

Am späten Nachmittag erreichte Joveta den Marktplatz von Fulda und suchte rasch den Honighändler auf. Sie feilschte mit ihm, bis sie die gewünschte Menge für das Geld bekam und machte sich daran, den Markt wieder zu verlassen. Kurz warf sie einen Blick auf die anderen Marktstände. Die bunten Stoffe zogen sie fast magisch an. Noch nie hatte sie ein Kleid aus einem dieser Stoffe besessen. Stets trug sie ein Kleid aus grobem, grauem Leinen. Bunte Stoffe konnten sich nur Edeldamen leisten. Doch sie, Joveta, würde nie eine sein. Sie seufzte wehmütig und lief weiter.

Kurz vor Sonnenuntergang erreichte sie den Gutshof und überreichte der Köchin den gewünschten Honig.
„Es ist auch höchste Zeit“, mahnte Hildegund. „Hilf mir beim Backen, Joveta!“
Joveta fielen vor Müdigkeit fast die Augen zu, aber sie musste bei der Köchin bleiben. Gegessen hatte sie auch kaum etwas an diesem Tag. Hildegund drückte ihr schließlich rasch ein Stück frischgebackenes Brot in die Hand.
„Iss das rasch und mach dann weiter!“


Währenddessen saß Gerold zusammen mit Graf Arculf in der Halle des großen Hauses. Die beiden Männer tranken aus schweren Silberpokalen Wein und unterhielten sich über die zurückliegenden Kriege.
„Es ist schlimm, dass immer noch die Normannen unser Land brandschatzen“, meinte Gerold nachdenklich. „Der Kaiser aber richtet seine Augen nur an die südlichen Grenzen, Richtung Rom.“
Graf Arculf fuhr stirnerunzelnd durch sein graues Haupthaar und schenkte dann Gerold nach.
„Warum geht ihr nicht nach Villaris zurück und baut es wieder auf?“
Gerolds Blick verdüsterte sich und er stellte bedrückt den Weinpokal auf den großen Holztisch vor sich.
„Es sind allzu schmerzhafte Erinnerungen mit Villaris verbunden, daher möchte ich dorthin nicht zurückkehren.“
Arculf legte tröstend seine Hände auf die gramgebeugten Schultern des jüngeren Mannes.
„Ihr könnt auch gerne hier bei mir auf dem Gutshof bleiben. Ich habe keine eigenen Nachkommen mehr. Jemanden wie Euch würde ich gerne mein Hab und Gut vererben. Mein Herz sagt, dass Ihr ein guter Mensch seid. Ich könnte ruhiger schlafen, wenn ich wüsste, dass jemand wie Ihr das Gut übernimmt.“
Gerold lächelte schwach, als er das hörte. Arculf war wirklich sehr großzügig.
„Ich möchte mir diese Entscheidung noch überlegen. Der Kaiser schätzt meine Dienste sehr und in der Armee habe ich neue Heimat gefunden.“
„Ihr könnt so lange mein Gast sein, wie Ihr möchtet“, erklärte Graf Arculf mit einer einladenden Geste.


Joveta stand am Rande der Erschöpfung, doch die Köchin brauchte sie auch weiterhin in der Küche. Der Kammerjunker des Grafen betrat die Küche und betrachtete missbilligend das Werk der beiden Frauen.
„Es ist höchste Zeit für das Nachtmahl, Hildegund“, mahnte er die Köchin finster. „Länger können die hohen Herrschaften nicht warten.“
„Der Schweinebraten ist bereits fertig“, murrte Hildegund beleidigt. „Das Brot ist längst gebacken, nur der Kuchen dauert noch.“
„Dann richte den Braten gefälligst an!“, befahl der Kammerjunker ungehalten.

Kurz darauf schleppten die Bediensteten Platten mit Braten in die große Halle des Grafen. Außer Graf Gerold hatte Arculf noch einige, unbedeutende Landadeligen aus Fulda zum Speisen eingeladen. Sie waren mit ihrem Frauen gekommen. Einer von ihnen hatte sogar seine Tochter mitgebracht, welche die ganze Zeit den gutaussehenden Gast von Graf Arculf anhimmelte. Gerold jedoch blieb zurückhaltend. Das Gegaffe des Mädchens war ihm zu aufdringlich. Das junge Ding tat direkt so, als hätte sie noch nie einen Mann gesehen. Er versuchte, Ogiva, die Tochter des Ritters Hunold, möglichst wenig zu beachten. So etwas passierte ihm immer wieder, wenn er zu einem Gastmahl eingeladen war: Irgendwelche ehrgeizigen Eltern versuchten, ihre ledigen Töchter mit ihm zu verkuppeln. Aber Gerold wollte niemals wieder heiraten. In seinem Leben hatte es nur eine einzige Frau gegeben, die er wirklich geliebt hatte, und das war Johanna. Doch sie war vor Jahren von den Normannen verschleppt worden und wahrscheinlich schon längst tot.

Joveta sah im Backofen nach, ob der Honigkuchen endlich fertig war. Mit Hilfe eines langen Brothebers holte sie schließlich den Kuchen aus dem Ofen. Hildegund nickte ihr erleichtert zu, während sie begann, die Küche zu säubern. Die schlimmste Arbeit war jetzt getan.
„Bring den Kuchen nun zu den Gästen!“, forderte sie das Mädchen auf.
„Was...ich?“, stammelte Joveta erstaunt. „Aber der Kammerjunker wird böse sein, wenn ich seine Arbeit mache.“
„Siehst du ihn hier irgendwo?“, erwiderte Hildegund ungeduldig. „Mach schon, sonst wird der Kuchen kalt und ungenießbar.“
Joveta legte den heißen Kuchen vorsichtig auf eine große Holzplatte und verließ dann mit dieser die Küche. Vorsichtig balancierte sie die Platte die Steintreppe hinauf, welche zur Halle des Grafen führte. Schon von der Ferne konnte sie fröhliche Stimmen und Gelächter hören. Die Halle wurde von Dutzenden Fackeln erleuchtet und ein Musiker mit einer Flöte spielte wilde Melodien, begleitet von einer Maultrommel. Joveta hatte noch nie die große Halle während eines Gastmahls gesehen. Daher blieb sie mit weit aufgerissenen Augen stehen und betrachtete die interessante Szenerie, die sich ihr darbot. Als sie den Mann neben Graf Arculf am Ende der Tafel erkannte, ließ sie fast die Holzplatte mit dem Kuchen fallen.
Das war doch ihr unbekannter Retter! Zitternd blieb sie stehen und wusste nicht, was sie mit dem Kuchen machen sollte.

Der Kammerjunker riss ihr mit einem strafenden Blick  die Kuchenplatte aus den Händen.
„Scher dich weg, du glotzendes Ding! Marsch in die Küche zurück, wo du hingehörst!“
Er gab ihr mit dem Fuß noch einen unsanften Tritt auf das Schienbein. Joveta traten die Tränen in die Augen vor Schmerz und Wut zugleich und sie machte auf den Absatz kehrt, um die Halle zu verlassen.

Gerold hatte diese unschöne Szene beobachtet und er ärgerte sich über das Verhalten des eingebildeten Kammerjunkers. Er warf dem Mann einen finsteren Blick zu und erhob sich von seinem Platz.
„Wo wollt Ihr hin?“, fragte Graf Arculf erstaunt, welcher schon etwas angeheitert vom Wein und Met war.
„Ich brauche nur kurz etwas frische Luft“, erwiderte Gerold freundlich. „Ich komme bald wieder.“

tbc...


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@Veleren: Ja, dieser Film bzw. das Buch haben mich ganz schön inspiriert. Allerdings wird dies vorläufig meine letzte Geschichte in diesem Genre sein. Ich habe wieder neue Ideen für HdR-Geschichten. Zur Geschichte: Joveta ist eine schöne Magd, die von der romantischen Liebe träumt. Ob sich was zwischen ihr und Gerold entwickelt, bleibt abzuwarten. Danke fürs Review
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