Jovetas Traum

von Celebne
GeschichteRomanze / P16
Aesculapius Johanna von Ingelheim Markgraf Gerold
12.03.2010
10.05.2010
10
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12.03.2010 1.438
 
Author's Note: Diese Geschichte ist praktisch ein Lückenfüller. Sie spielt in der Zeit, als Johanna bereits in Rom weilt, während Gerold noch im fränkischen Reich unter Kaiser Lothar dient...

Disclaimer: Gewisse Personen und Orte dieser Geschichte gehören der Autorin Donna W. Cross. Ich verdiene mit dieser Geschichte nichts, sondern schreibe aus Spaß an der Freude.

Charaktere: Gerold, Joveta (OC)
Rating: FSK 16
Genre: Romanze/Drama
Warnung: Sehr filmorientiert


Jovetas Traum


Joveta, die schöne Magd eines Gutsbesitzers,  lernt Graf Gerold in der Nähe von Fulda kennen, und verliebt sich in ihn...


Kapitel 1: Ein unfreiwilliges Bad

Prasselnd brannte das Feuer im offenen Kamin der großen Küche. Die siebzehnjährige Joveta arbeitete nun schon seit fünf Jahren auf dem Gut des Grafen Arculf. Der Graf war ein gütiger, alter Mann und das Gesinde hatte ein – für damalige Verhältnisse - angenehmes Leben bei ihm auf dem Hof.

Joveta war eine hübsche junge Frau und befand sich längst im heiratsfähigen Alter. Doch dank der schützenden Hand des Grafen war es ihr immer wieder gelungen, Heiratskandidaten abzuwimmeln. Joveta träumte von einer wahren, romantischen Liebe. Seit Jahren lauschte sie begeistert den Geschichten, die an langen Winterabenden am großen Kamin erzählt wurden. Meistens handelten sich von schönen Rittern, die jungen Maiden romantisch den Hof machten. Die Männer, welche bisher um Jovetas Hand angehalten hatten, waren alle grobe Männer, in welche sich das verträumte Mädchen nie und nimmer verlieben konnte.
„Du wirst eine alte Jungfer werden“, prophezeite ihr Hildegund, die Köchin, immer wieder.
Doch Joveta war sich sicher, dass ihr eines Tages der Mann begegnen würde, welcher ihren Ansprüchen entsprach. Allerdings vergaß sie nicht, dass sie nur eine einfache Magd war. Es geschah selten, dass ein Bürger oder Edelmann sich um ein Mädchen ihrer Herkunft bemühte. Meistens heirateten diese Leute in ihren eigenen Kreisen. Joveta musste sich damit abfinden, dass sie höchstens einen Bauern oder Handwerker als Ehemann einmal bekommen würde.

Eines Morgens rief Graf Arculf sie zu sich. Er saß in der Halle des großen Hauses und nahm ein Frühstück ein. Der betagte, freundliche Ritter erklärte ihr, dass er am Abend Besuch bekommen würde.
„Ich möchte, dass du für Graf Gerold von Villaris ein Schlafgemach herrichtest. Am besten, du bringst ihn im ehemaligen Gemach meines Sohnes Fulk unter.“
„Jawohl, Herr“, sagte Joveta unterwürfig und verließ die Halle wieder.
Im Gemach des Grafensohnes hatte seit langem niemand mehr geschlafen, denn Fulk war gestorben. Er war in der Schlacht bei Fontenoy gefallen. Das war vor einem Jahr gewesen.

Joveta betrat das Gemach mit gemischten Gefühlen. Sie öffnete die Holzlade am Fenster, um frische Luft hereinzulassen. Dann schüttelte sie die mit Stroh gefüllte Matratze auf und legte eine warme Decke hin. Sie vergaß auch nicht, eine frische Kerze auf den kleinen Tisch in dem Gemach zu stellen. Das musste genügen.
Sie war nicht neugierig darauf, wer dieser Graf Gerold war. Die adeligen Besucher ihres Herrn waren zumeist hochmütig und prahlerisch. Das Gesinde wurde stets schlecht von ihnen behandelt. Daher hielt sich Joveta auch gerne fern, wenn Graf Arculf wieder einmal Besuch hatte.

Als sie später in den Hof ging, um frisches Wasser vom Brunnen zu holen, hörte sie, wie sich zwei Stallknechte über Graf Gerold unterhielten.
„Er soll sehr tapfer in der Schlacht von Fontenoy gekämpft haben“, schwärmte Odoaker, der eine von ihnen.
„Ein richtiger Kriegsheld also“, meinte der andere Stallknecht beeindruckt. „Hoffentlich darf ich sein Pferd pflegen. Sicherlich reitet er ein teueres Schlachtross.“
Joveta zuckte mit den Schultern und nahm die zwei schweren Holzeimer mit sich. Was kümmerte sie diese Kriegshelden? Fontenoy war weit weg. Niemand hier in der Gegend um Fulda hatte etwas von dieser Schlacht mitbekommen. Jeder ging hier seiner täglichen Arbeit nach und freute sich, wenn er einmal am Tag eine warme Mahlzeit bekam und ein Dach über dem Kopf hatte.
Die Köchin wartete schon ungeduldig auf Jovetas Wassereimer. Sie hatte heute ein großes Festmahl vorzubereiten. Dafür war extra ein Schwein geschlachtet worden.
Sie scheuchte Joveta schon seit dem frühen Morgen in der Gegend herum. Als die junge Magd die Eimer in der Küche abgestellt hatte, gab es schon den nächsten Auftrag für sie.
„Geh zu den Apfelbäumen am Flussufer und hole einen Korb schöner gelber Kornäpfel! Ich brauche sie für den Kuchen.“
Joveta seufzte leise und rieb ihren schmerzenden Rücken. Sie hätte sich gerne kurz ausgeruht, aber Hildegund ließ das nicht zu.
„Nun mach schon, sonst wird das Festmahl nicht fertig!“

Joveta nahm den großen Weidenkorb und lief barfüßig, wie sie immer um diese Jahreszeit war, zum Fluss hinab. Dort gab es drei große Bäume mit saftigen Kornäpfeln. Doch als Joveta dort ankam, musste sie zu ihrem Schrecken feststellen, dass in der Nacht zuvor offenbar die Bäume von Dieben geplündert worden waren. Es gab nur noch einen einzigen Ast, der Äpfel trug. Allerdings hing dieser Ast genau über den Fluss. Es blieb Joveta also nichts anderes übrig, als auf den Baum zu klettern und sich diese Äpfel vorsichtig zu angeln. Sie wusste, dass dieses Unterfangen nicht ungefährlich war, denn sie konnte nicht schwimmen. Geschickt kletterte Joveta den Baum hinauf und hangelte sich vorsichtig den großen Ast entlang zu den Äpfeln. Vorsichtig warf sie die gepflückten Äpfel in das weiche Ufergras hinab. Sie merkte nicht, dass sie von einem Reiter beobachtet wurde. Weiterhin achtete sie nicht darauf, dass der Ast gefährlich knackte. Sie musste diese Äpfel unbedingt haben!
„Vorsicht!“, mahnte eine wohlklingende Männerstimme.
Doch zu spät: der Ast krachte und und mit einem Schreckenschrei fiel Joveta samt Ast in den Fluss. Prustend kam sie an die Oberfläche. Sie ruderte vergebens mit den Armen und drohte wieder unterzugehen.
„Hilfe!“, rief sie verzweifelt.
Und schon versank sie wieder in der kühlen Flut. Gerade als sie mit ihrem jungen Leben abschließen wollte, wurde sie von zwei starken Armen gepackt und aus dem Wasser gehoben.
Keuchend rang Joveta nach Luft und hustete. Dann aber blickte sie in ein Paar leuchtend, blauer Augen, die sie besorgt ansahen.
„Das war sehr gefährlich, Mädchen“, sagte ihr Retter.

„Herrje, ich muss zurück zum Gutshof“, krächzte Joveta pflichtbewusst und entwand sich den Armen ihres Retters, der sie an das seichte Flussufer zurückgetragen hatte.
Während sie aus dem Wasser taumelte, wurde ihr bewusst, dass sie sich noch nicht einmal bedankt hatte. Sie blickte sich um und betrachtete den bärtigen Fremden in seiner nassen Kleidung, der ihr amüsiert nachsah. Erst jetzt sah sie, dass er edle Gewänder und ein großes Schwert an der Hüfte trug. Sein langes, rotblondes Haar klebte nass an seinem Kopf.
„Da-danke“, stammelte sie verlegen.
„Nichts zu danken“, entgegnete ihr Retter. „Wo müsst Ihr hin?“
Joveta war bereits niedergekniet, um die wenigen Äpfel einzusammeln, die sie gepflückt hatte.
„Ich arbeite auf dem Gutshof“, sagte Joveta rasch. „Ich komme schon alleine dorthin. Vielen Danke noch mal.“
Sie beeilte sich jetzt, vom Flussufer wegzukommen. Dieser Fremde machte sie ganz verlegen.
Es war ihr peinlich, wie ein kleines Kind ins Wasser gefallen zu sein. Außerdem hatte dieser Mann etwas an sich, dass sie verwirrte. Immer wieder sah sie seine ausdrucksvollen blauen Augen vor sich.
„Dummes Ding!“, schalt sie sich selbst. „Du wirst ihn eh nie wieder sehen.“
Doch da sollte sie sich gewaltig irren.



Gerold blickte dem Mädchen mit einem melancholischen Gesichtsausdruck nach. Sie hatte ihn an einen Menschen erinnert, den er vor langer Zeit geliebt hatte. Dieselben großen, klugen Augen und dasselbe lange, weiche hellbraune Haar. Durch Zufall hatte ihn sein Weg an das Flussufer geführt. Er hatte sich absichtlich von seinen Begleitern getrennt, um ein wenig alleine zu sein und seinen Gedanken nachzuhängen. Seit Jahren versuchte er seine Trauer um Johanna mit zahllosen Kriegszügen unter Kaiser Lothar zu bewältigen. Aber manchmal gab es auch Monate, so wie jetzt, wo es nichts zu tun für ihn gab. Er war jederzeit bereit, den Tod in der Schlacht zu sterben, doch das Schicksal verschonte ihn immer wieder, als habe es mit ihm noch etwas besonderes vor.
Mit einem schiefen Lächeln stieg er ans Flussufer und pfiff sein Pferd herbei. Gehorsam trabte der edle Rapphengst heran und Gerold holte sich eine frische Tunika aus der Satteltasche. Während er sich umzog, schweiften seine Gedanken noch einmal zu dem vorwitzigen Mädchen ab und er fragte sich, ob er sie noch einmal zu Gesicht bekommen würde.
Eine kleine Schar Reiter nahte dem Flussufer. Gerold blieb gelassen, denn es handelte sich um seine Männer.

„Herr Gerold, was ist passiert?“, fragten seine Begleiter erschrocken, als sie Gerold nass und halbnackt am Flussufer vorfanden.
„Ich habe gerade ein unfreiwilliges Bad genommen“, witzelte der rothaarige Graf und
zog sich die frische Tunika über den Kopf.
Dann fuhr er sich mit den Fingern durch das nasse Haar, das bereits zu trocknen begann.
„Lasst uns nun zum Gutshof von Graf Arculf reiten!“


tbc...
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