Die Brüder Streithammer - Ein Zwerg kommt selten allein

von Dodo
KurzgeschichteFantasy / P12
12.03.2010
12.03.2010
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Johlend stürzte sich die blondbärtigen Zwerge in den Kampf. Die Orks wichen überrascht zurück und gaben sich eine Blöße, die die beiden Zwerge gnadenlos ausnutzten und jeden Ork nieder mährten, der so tollkühn war und sich ihnen in den Weg stellte.

Die beiden Zwerge sahen einander unglaublich ähnlich, als würde einer von beiden in den Spiegel sehen, waren dennoch komplett verschieden.

Der erste war gerüstet wie ein gewöhnlicher Zwerg: eine robuste Plattenrüstung, schwere Lederstiefel und –Handschuhe, einen breiten Gürtel, in den er seinen wirren blonden Bart gestopft hatte, einen robuster Stahlhelm, dessen Nasenschutz bedenklich verbogen war und grimmigen Blick, wie ihn wahrlich nur ein Zwerg haben konnte.

Der andere war ebenfalls blond, hatte die selbe Knollennase und blau-graue Augen, doch da hörte die Ähnlichkeit schon auf. Er war gewandet in die Robe eines Priesters Moradins, des göttlichen Schmiedes der Zwerge. Geschützt wurde er von einem eisernen Harnisch, sowie einem Satz Armschienen, in die das Symbol seines Gottes eingraviert war. Seine Füße steckten in schweren Stiefeln und ein breiter Gürtel aus schwarzem Leder spannte sich um seinen breiten Bauch. Sein Blick war gütig und das Gesicht freundlich – zumindest dann, wenn er nicht gerade Orks oder andere Ungeheuer nieder machte.

Die schwere Streitaxt des Kriegers fraß sich gnadenlos in die Brust eines Orks, der einen Augenblick später unterwegs zu seinen Ahnen war. Nicht gerade sanft befreite der Zwerg seine Waffe und stürzte sich bereits auf seinen nächsten Gegner.

Der Kleriker sang ein Loblied an seinen Gott und schlug gezielt um sich, um den Schädel eines Orks da einzuschlagen oder das Schienenbein eines anderen zu zerschmettern.

Beide waren geübte Kämpfer, und wie für Zwerge üblich, steckten sie jeden Treffer ohne ein Murren ein, teilten ihn aber mit doppelter Härte wieder aus.

„Schön hier geblieben, mein Süßer!“, knurrte der gepanzerte der beiden und setzte einem Ork nach, der es vorgezogen hatte, seine Waffe fallen zu lassen und sein Heil in der Flucht zu suchen. Die armselige Kreatur warf einen Blick über die Schulter und erblickte den Zwerg. Voller Entsetzen kreischte der Ork und erhöhte seine Geschwindigkeit um ein Vielfaches.

„Pah! Versuch es nicht erst!“, rief der Zwerg dem Ork zu, als dieser versuchte sich auf einen Baum zu flüchten. „Das dürre Ästlein ist schnell gefällt! Ho, ho!“

Der Ork schien kein Wort verstanden zu haben, oder er war einfach zu verängstigt, um auf den Zwerg zu hören. Der Unhold rettete sich auf den Baum, noch bevor der Zwerg ihn erreichte. Der Zwerg erreichte diesen und sprang wie ein wütender Hund um die Zufluchtsstätte seines Ziels herum.

„Komm runter, Schweinefratze! Ich mach´s schnell und schmerzlos. Zumindest etwas.“ Der Zwerg sah hinauf zu dem Ork, der panisch um Hilfe rief. Er dachte darüber nach, auf den Baum zu klettern und sich den Kerl zu holen, entschied sich aber eines besseren, da er sich bewusst war, das er es in voller Rüstung nicht einmal auf den ersten Ast schaffen würde. Außerdem waren Zwerge keine sonderlich guten Kletterer, mal ausgenommen in den Bergen.

Stattdessen fing er an ein improvisiertes Liedchen zu trällern und weiter um den Baum herum zu hüpfen.


Orklein, Orklein, sei doch so fein
Und komm von deinem Astlein schnell runter,
Das wär fein!

Orklein, Orklein, komm schon runter,
Denn da oben bist du eh nicht sicher!
Drum erspar mir meine Müh
Und opfre dich mir!


„Wenn du so weiter reimst, wird der Wald schon bald Ungeheuerfrei sein“, erklang die Stimme des Zwergenpriesters.

Der gepanzerte Zwerg warf diesem einen mürrischen Blick zu, als er sich ihm zuwand. „Halt du dich geschlossen, Chorknabe, sonst bring ich dir ganz andere Töne bei, als die du bei deinem Geträller anstimmst.“

Der Kleriker hob eine der buschigen Augenbrauen und trat neben den Krieger. Er sah hoch in die Bäume und erspähte auch gleich den Ork, der die beiden Zwerge aufmerksam beobachte. Er schätzte selber seine Kletterkünste ab, wie der andere vorher, und kam zu dem gleichen Entschluss. Zwerge waren miese Baumkletterer.

„Der kommt da nicht so schnell runter“, sagte er und brummte unwillig. „Den kriegen wir nicht.“

„Pah!“ Der Krieger klemmte sich seine schwere Streitaxt zwischen die Beine und spuckte in die Hände. „Den ollen Baum hack ich einfach um. Dann haben wir unsere Schweinenase, bevor Sharwyn mit ihrem lästigen Bogen hier aufkreuzt.“

Der Zwergenpriester strich sich nachdenklich durch seinen gepflegten Bart und nickte anschließend. „Da hast du recht, Bruderherz“, sagte er und grinste. „Lass mich vorher Moradins Segen auf deine Axt sprechen. Ein Schlag und Zack! Der Baum ist nicht mehr.“

Carl Streithammer grunzte begeistert und hielt seinem Bruder Dorgo seine geliebte Streitaxt hin, damit dieser einen seiner Zauber sang. Zwerge waren Magie gegenüber gewöhnlich sehr abgeneigt. Göttliche Magie oder Zauber, die Waffen und Rüstungen einen besonderen Effekt verliehen, wurden dagegen hoch geschätzt.

Der Ork schien die Absicht der beiden Zwerge richtig gedeutet zu haben, denn der Unhold wurde unruhig und sah sich nach einer Fluchtmöglichkeit um. Orks waren wilde und grausame Krieger, doch wenn sie es mit Zwergen zutun bekamen und erkennen mussten, das diese ihnen überlegen waren, suchten sie lieber das Weite.

Carl sah hinauf in den Baum, während sein Bruder einen heiligen Singsang intonierte und sich vollkommen auf die Waffe konzentrierte. „Gedulde dich nen Augenblick, mein Süßer!“, rief er. „Sind gleich so weit.“

Schon bald leuchtet der Waffenkopf Carls treuer Waffe in einem matten blauen Licht. Dorgo lächelte zufrieden und stolz, während sein Bruder gehässig hoch zu dem bemitleidenswerten Ork sah, dessen letztes Stündchen geschlagen hatte.

Wer sich einmal mit den Brüdern Streithammer anlegte, kam nur selten mit dem Leben davon.

„Jetzt wird Kleinholz gemacht“, verkündete Carl gut gelaunt und setzte die Streitaxt an den Stamm des Baumes an. Dorgo suchte rasch Abstand zwischen sich und dem Baum. Er kannte seinen Bruder in- und auswendig und wusste, das man nicht in seiner nähe stehen sollte, holte er mit seiner Waffe aus.


Jetzt fällt der Baum,
Der Ork mit drauf.
Welch großer Spaß,
Den nutz ich aus!


Mit diesem schlechten Reim auf den Lippen holte Carl zu einem gewaltigen Schwinger aus und ließ seine Axt auf den Stamm nieder sausen. Wie ein Messer durch Butter, schnitt die Zwergenaxt durch das Holz des Baumes. Tief hatte der Zwerg sie in den Stamm getrieben, doch der Baum leistete stur Widerstand. Und das merkte Carl all zu deutlich, als er versuchte seine Waffe aus dem Stamm zu befreien.

„Da soll mich ein Elf übers Knie legen!“, stieß der Zwerg ungläubig hervor, als er mit aller Kraft versuchte den Kopf seiner Axt aus dem Stamm zu befreien.

Dorgo kam heran geeilt und besah sich das ganze. „Hast wohl nicht stark genug zugeschlagen, Bruderherz“, spöttelte er und verschränkte die Arme hinter dem Rücken, während er seinem Bruder dabei zusah, wie er an seiner Waffe zog und zerrte.

„Quatsch nicht so viel, sondern sieh zu, dass du mir hilfst!“, fuhr Carl seinen Bruder an.

Dorgo kichert und stellte sich neben seinem Bruder. Zusammen ergriffen sie den Schaft der Streitaxt und zogen mit aller Kraft an ihr. Die beiden Zwerge waren zusammen sehr kräftig, doch es gelang ihnen nur schwerlich die eingeklemmte Waffe aus dem Stamm zu ziehen.

Laut ätzend befreiten die Gebrüder Streithammer die Waffe aus dem Stamm und kullerten in verschiedene Richtungen davon. Dorgo wurde von einem umgestürzten Baum gestoppt, während Carl von alleine zum halten kam.

„Bei Moradin, saß die fest“, lachte Dorgo, der von den beiden Brüdern gern und am meisten lachte.

Carl fand das nicht so witzig, sondern überaus erniedrigend. Schnaubend packte er seine Waffe und trottete wieder hinüber zu dem Baum, stellte sich aber auf die andere Seite, um seine Arbeit fort zu setzen. Dafür würde der Ork ordentlich zu leiden haben, sobald er wieder auf der festen Erde war, beschloss der Zwerg grimmig.

„Baum fällt!“, brüllte der Zwerg, als seine Axt, noch immer mit dem Segen Moradins belegt, dem Baum den Rest gab. Laut ätzend fiel der Baum zur Seite weg, der Ork in den Ästen laut heulend gleich mit.

Rums! Der Baum schlug auf der Erde auf. Der unglückselige Ork wurde aus den Ästen geschleudert und rollte quer über den Boden.

Johlend umrundete Carl den gefällten Baum und hielt auf den Ork zu. Dieser sprang auf und hastete davon. Nur weg von diesem wilden Gesellen.

„Läuft der schon wieder weg“, schnaubte Carl und schüttelte den Kopf. Orks verstanden es wohl nie. Schnell folgte er dem schweinsgesichtigen Unhold und schwang dabei seine Streitaxt über dem Kopf. Erniedrigende und spöttische Kommentare blieben nicht aus.

Stolpernd bahnte sich der Ork seinen Weg durch das Dickicht des Waldes, der Zwerg dagegen nutzte dafür seine Axt, die er in weiten Bögen schwang. Der Unhold jammerte und flehte seine grausamen Götter an, ihm beizustehen, ihn von diesem Zwerg zu erlösen.

Carl folgte dem Ork auf eine Lichtung, auf die das Ungeheuer stolperte. „Hab ich dich!“, grinste der Zwerg und packte seine Streitaxt fester. Er dachte bereits an den nächsten Reim, den er hinaus posaunen könnte, als der Ork aufschrie und aus dem Blickfeld des Zwergs verschwand.

„Was zum-.“ Als Carl an die Stelle kam, wo der Ork verschwunden war, klaffte vor ihm ein weiter Abgrund. „Glaubst du so was“, staunte der Zwerg, kratzte sich unterm Helm, während er in die Tiefe spähte. Er fand den zerschmetterten Leib der armseligen Kreatur am Grund liegen und schüttelte den Kopf. „Dumm gelaufen, würde ich mal sagen.“

Dorgo kam heran geeilt. Als er neben seinen Bruder trat und ebenfalls in die Tiefe spähte, meinte er: „Ich glaube, seine Götter waren ihm gnädig.“

„Pah!“, schnaubte Carl und wuchtete seine Axt auf seine breite Schulter. „Der Kerl war einfach grottendämlich, Bruderherz. Mehr nicht.“

Der Kleriker konnte dem nicht wiedersprechen. „Und nun?“, fragte er, da er wusste, das alle Orks in der Nähe etwa tot oder geflohen waren.

„Nach den anderen suchen“, brummte Carl mürrisch. „Die müssen noch irgendwo stecken. Wahrscheinlich haben sie den meisten Spaß von uns.“

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