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Das Schurkenlied der Druidin (neue Fassung)

von MikaTuk
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
09.03.2010
01.12.2010
39
115.249
1
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3 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
09.03.2010 1.257
 
Guten Morgen!
Ich hatte schon vor längerer Zeit die Idee, das Schurkenlied neu zu verfassen. Seit Beginn der Geschichte (der mittlerweile viereinhalb Jahre zurückliegt) ist viel Zeit vergangen. Viele schöne und hässliche Dinge sind geschehen, wurden von mir verursacht und sind mir bewusst geworden. Ich bin älter geworden; und ebenso wie ich ist auch mein Schreibstil gereift.
Irgendwann dachte ich mir, dass mir das Schurkenlied und vor allem Tinwe sehr am Herzen liegt. War es mir das wert, dass ich die Geschichte mit derartig vielen Fehlern einfach lasse? Nein, war es nicht. Darum habe ich mich entschlossen, die Geschichte nochmal neu zu schreiben - mit meinem veränderten Schreibstil und ausgebügelten Lore-Fehlern.
Was Pendragon davon hält, weiß ich nicht. Wir haben uns vor einem halben Jahr getrennt und arbeiten nicht mehr zusammen. Darum werde ich die Geschichten alleine neu aufrollen.

Verzeiht das lange Vorwort. Solltet ihr weitere Fragen haben, bitte schreibt mir einfach eine Nachricht.
Viel Spaß beim Lesen und ich hoffe, diese Fassung kommt ebenso gut bei euch an.
~Tinwe

Das Schurkenlied der Druidin

Kapitel 1: Tinwe

Ein sachter Wind strich über Darnassus und spielte mit den langen Haaren einer jungen Elfe, die gedankenverloren auf einem der Dächer saß. Die grasgrünen Strähnen umspielten ihren Kopf wie grünes Feuer, während ihre Augen einen weit entfernten Ort anblickten. Um die leuchtenden Pupillen rankten sich grüne Tätowierungen, geformt wie Blätter, bis über ihre Wangen. Die Elfe war jung, das sah man an ihren runden, fast noch kindlich anmutenden Gesichtszügen. Doch ihre Augen schienen älter, wissender.
Tinwe streckte die linke Hand aus und fing ein Blatt auf, das sie zwischen den Fingerspitzen drehte. Der Wind erzählte ihr Geschichten, viele Geschichten. Über Menschen und Zwerge aus dem fernen Osten, über Orcs und Trolle aus dem Süden, über weit entfernte Kriege und nahe Probleme mit den anderen Völkern. Die Elfe wusste viel über andere Orte, wenngleich sie ihren Heimatwald nie verlassen hatte.
Geboren in Ashenvale hatte sie das damals unsterbliche Leben der Nachtelfen im Schutz der uralten Bäume verbracht – bis die Orcs gekommen waren. Den Fall Nordrassils hatte sie gemeinsam mit ihrer Mutter und vielen anderen Elfen aus sicherer Entfernung beobachtet und der Anblick hatte ihr das Herz gebrochen. Tinwe war wohlbehütet aufgewachsen; nie hatte es die Notwendigkeit gegeben, dass sie zur Waffe griff. Doch das Opfer der Nachtelfen hatte etwas in ihr verändert. Als die Whisps ausgezogen waren, um Archimonde zu stürzen, hatte Tinwe geschrieen. Das laute Knacken der Rinde und das Rascheln der Blätter, die sich verzweifelt an ihre Äste klammern, wurde nur von ihrem schmerzerfüllten Schrei übertönt. Sonst herrschte Stille.
„Tinwe!“, rief eine Stimme und riss die Elfe aus ihren Gedanken. Das Blatt wurde eilig zwischen die grünen Strähnen gesteckt, während Tinwe sich erhob und über den Rand des Daches zur Straße blickte. Dort stand ihre Mutter Elenya. Die Blauhaarige war selbst für eine Nachtelfe sehr groß und schlank, anders als ihre Tochter, die gut einen halben Kopf kleiner war.
„Dein Lehrer will dich sehen.“, sagte Elenya und sah ihre Tochter an. Ungehalten wie der Wind war sie, aber kein Kind von Traurigkeit. Ihre fröhliche Art hatte etwas mitreißendes, das von den anderen allerdings oft als ungezogen oder „menschlich“ abgetan wurde. Elenya schob die Augenbrauen zusammen, als Tinwe noch immer keine Anstalten machte, das Dach zu verlassen.
„Was will Mathrengyl denn? Die nächste Lehreinheit ist doch erst in ein paar Tagen.“, wollte sie wissen. Ihre Stimme war glockenhell und klar.
Elenya zuckte mit den Schultern. „Das wurde mir nicht gesagt, nur dass du zu ihm kommen sollst – und zwar so schnell es geht. Es scheint wichtig zu sein.“ Der grün umrahmte Kopf verschwand, doch Elenya konnte hören, wie ihre Tochter über die hölzernen Dachschindeln lief. Wenngleich sie barfuß war, vernahm sie jeden dumpfen Laut, den die Fußballen auf dem Holz erzeugten. Im nächsten Moment sprang Tinwe ab und landete leichtfüßig neben Elenya.
Hätte ich ihr nur die das Laufen über Äste beigebracht., dachte sich die ältere Elfe, wie so oft, seit sie nach Darnassus gekommen waren.
„Ich weiß, was du denkst.“ Tinwe grinste sie breit an, was von ihrer Mutter erwidert wurde. „Und ich muss dir sagen: egal was du denken magst, ich bin sehr froh, dass du mir den Ästelauf beigebracht hast. Gerade als Druidenlehrling ist es.. ganz eigen.“
Tinwe war eine der wenigen weiblichen Druidenadepten. Erst seit wenigen Jahren akzeptierten die männlichen Druiden auch weibliche Schüler – eine Änderung, die durch den Verlust der Unsterblichkeit vorgenommen worden war. Als Elenya und Tinwe nach Darnassus gekommen waren, hatte sich der Druidenlehrer Mathrengyl Bearwalker ihrer angenommen, kaum dass er sie das erste Mal erblickt hatte. Seine Gründe hatte er nie angegeben, aber Elenya hatte auch nie gefragt. Seit Tinwe im respektvollen Umgang mit der Natur gelehrt wurde, war sie etwas ruhiger geworden.
Die Blauhaarige unterbrach ihre Gedanken und legte ihrer Tochter kurz die Hand auf die Wange, nachdem diese sie immer noch wartend ansah. „Nun geh aber, er wird dich nicht grundlos rufen.“, sagte sie leise und lächelte ein wenig breiter. Tinwe legte ihre Hand auf die ihrer Mutter, nickte und lief los.
Elenya seufzte und verschränkte die Arme. So viel hatte sich geändert, seit Nordrassil gefallen war. Sie würde niemals die Schmerzensschreie ihrer Tochter vergessen. Natürlich hatten die meisten Nachtelfen geweint, als sie Zeuge des Falls wurden, doch niemand hatte so herzzerreissend geweint wie Tinwe. Ihre Schreie klangen, als würde man ihr die eigenen Gliedmaßen abhacken. Elenya kannte ihre Tochter und wusste, dass sie der Tod des Weltenbaumes immer noch schmerzte, selbst wenn es nach außen hin anders schien. Vielleicht war es ihr nicht einmal selbst bewusst.
Die schlaksige Elfe strich sich die langen Haare aus dem Gesicht und drehte sich um, um zu ihrem Haus zurückzugehen. Wie jedes Mal, wenn Tinwe bei ihrem Lehrer war, würde sie nach ihren beiden Kurzschwertern sehen und sie pflegen. Das vertraute Gewicht der Klingen gab ihr Ruhe; Ruhe, die ihr aufgewühltes Herz dringend brauchen konnte. Irgendetwas würde geschehen, das wusste sie.

„Ihr habt nach mir geschickt?“ Tinwe betrat das kühle Innere des Gebäudes, in dem sie wie alle Druidenschüler unterrichtet wurde. Der Eingangsbereich lag dunkel vor ihr, doch ein Fingerzeig genügte, sodass neben ihr eine Lampe aufflammte. Mathrengyl saß ein paar Meter entfernt von ihr auf einem Stuhl und öffnete langsam die Augen. Blau leuchtende Kristalle fixierten die junge Schülerin. An seiner Haltung erkannte Tinwe, dass er meditiert hatte.
„Ich habe dich gerufen, weil ich einen Auftrag für dich habe.“ Seine tiefe Stimme durchschnitt die Stille im Gebäude wie ein scharfes Messer einen Ast.
Tinwe hob eine Augenbraue. „Einen Auftrag? Bin ich dafür nicht etwas zu jung und unerfahren?“, fragte sie erstaunt. Auf ihrem Rücken bildete sich eine Gänsehaut, sie fühlte sich plötzlich unwohl bei dem Gedanken, die Stadt verlassen zu müssen. Nach einigen Momenten der Stille öffnete sie wieder den Mund, um zu sprechen. „Seid Ihr sicher, dass ich dafür bereit bin?“
„Dessen bin ich mir sicher. Wenngleich deine Ausbildung noch nicht lang andauert und du noch ein wenig unerfahren bist, gibt es niemand anderen, der diesen Auftrag ausführen kann. Außerdem sind derzeit keine anderen Schüler in Darnassus.“, erklärte Mathrengyl. Sein dunkler Bart und die zerzausten, dunkelblauen Haare gaben ihm ein wildes Äußeres; ein Bild, das die Bärenpfote nicht abzumildern vermochte. Langsam erhob er sich und ging auf seine Schülerin zu. „Doch du sollst nicht alleine gehen, und nicht sofort. Du brichst erst in ein paar Tagen auf, wenn deine Gefährten ebenfalls hier sind.“
Es beruhigte Tinwe, nicht alleine gehen zu müssen. Erleichtert atmete sie auf, wenngleich sie sich immer noch fragte: wohin sollte die Reise einer so unerfahrenen Druidin gehen?
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