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Underworld: Reloaded!

GeschichteAbenteuer, Familie / P16 / Gen
Alexander Corvinus Lucian Micheal Corvin Selene Viktor William
07.03.2010
14.06.2014
7
8.672
 
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12 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
07.03.2010 1.228
 
Tadaa! Selene und Michael haben ihren ersten Auftritt. Ich beeile mich, meinen kleinen (in dieser überarbeiteten Version leider Ex-)Schokoladenfreak-OC bald auch auftreten zu lassen. Wird vielleicht eine ein wenig alberne Überleitung bis dahin, aber mal schaun.

Bah, ich labere zu viel. Viel Spaß mit dem neuen Kapitel! \o/

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Kapitel 1: Kleine Wärmequelle

Fast wehmütig beobachtete Lucian, wie der Transporter, den sie sich geklaut hatten, mit einem Großteil seiner Männer an Bord davonfuhr. Nicht wenige von ihnen waren alles andere als ausreichend regeneriert und würden einer Weile Ruhe bedürfen, um wieder zu Kräften zu kommen. In dieser Zeit wollte er sich mit Raze, Tomas, Xristo und Sabas auf den Weg machen, um die beiden Turteltäubchen dieses Jahrhunderts zu finden.
Er hätte gerne geseufzt. Zu Anfang war es noch so simpel erschienen. Einen Nachfahren von Corvinus finden und zum Hybriden machen. Dann kam eine Vampirfrau in die Quere und alte Wunden in ihm wurden wieder aufgerissen. Schlimmer noch sah sie Sonja außerdem so ähnlich...
Nein, er sollte nicht wieder in Trauer versinken. Er hatte Wichtigeres zu tun.
Die Suche nach Selene und Michael erwies sich als schwierig. Sie sahen in Michaels Wohnung vorbei, wo sie natürlich nichts vorfanden, und an seinem Arbeitsplatz versuchten sie es erst gar nicht. Sicher hatten die beiden sich ein Auto geschnappt und waren davongebraust. Aber nun, wo schon Tag war, mussten sie ja irgendwo angehalten haben. Da hieß es abwarten und weitersuchen. Eventuell waren sie ganz in der Nähe.

Es war dunkel, kalt und dreckig. Nur eine einzelne, von der Decke herunterbaumelnde, verschmutzte Glühbirne spendete etwas Licht in dem kargen Kellerraum, in den Michael und Selene sich geflüchtet hatten. Sie hatte sich auf einen an der Wand stehenden Stuhl gesetzt und die eine Gesichtshälfte an das kühle Mauerwerk gelegt, die Augen geschlossen. Er durchstöberte die vielen Kisten, Kästen, Kartons und Schachteln nach irgendetwas Nützlichem, das ihnen womöglich helfen könnte, wenn sie bei Sonnenuntergang weiterziehen mussten, damit die Vampire sie nicht fanden.
Seit sie das Lykanernest verlassen hatten waren sie ohne Worte ausgekommen. Es war nicht so, dass er nicht reden wollte, im Gegenteil hatte er eine Menge Fragen, die er lieber jetzt als später beantwortet bekäme, doch er hielt sich zurück. Wie taktlos wäre es von ihm, sie nun anzusprechen, so kurz nachdem sie den Mann getötet hatte, dem sie über Jahrhunderte mehr als jedem anderen vertraut hatte, der für sie wie ein Vater gewesen war und für den sie wie eine Tochter gewesen war, den sie gewiss auch geliebt hatte zusätzlich zu der Verehrung und dem Respekt, die er in so kurzer Zeit hatte verwelken sehen können. Gerne hätte er den alten Tattergreis noch einmal zusammengesetzt und dann wieder auseinandergenommen, dafür, dass er diese junge, verstörte Frau damals einfach als Ersatz für die von ihm selbst verdammte, eigentliche Frucht seines Fleisches hernahm und sie zu einem Monster geformt hatte, mehr noch, ihre ganze, positive Gefühlswelt wie es schien auf sich gelenkt hatte, nur, um dann derjenige zu sein, der sie zerstörte. Das zweite Kind in seinem Leben, das er verraten hatte. Viktor. Dracula hätte besser gepasst. Dracula, die vertatterte, faltige, senile alte Fledermaus, die Herzen zerschlagend durch Europa gestreift war. Kein Lykaner, was sie ihm auch angetan hatten, konnte so nahe an die Worte Monster und begriffloses Tier heranreichen wie Viktor.
„Bedauerst du es, dich nicht an Lucian gerächt haben zu können?“
Er fuhr zusammen. Übermenschliche Sinne hatten wohl trotz allem keinen Nutzen, wenn man in Gedanken versunken war. War das ein Fehler in den übermenschlichen Sinnen oder ein Zeichen von Menschlichkeit im Sinnträger? Nein, das war nur Frühstückstischphilosophie.
„Nein“, antwortete er langsam und ohne über die Antwort wirklich nachgedacht zu haben, „ich war sauer... nein, wütend, natürlich, immerhin haben sie mich entführt und in einen...“
„Hybriden“, ergänzte Selene, noch immer an der Wand lehnend, doch nun ihn beobachtend, als suchte sie nach etwas.
„Hybriden, ja“, murmelte er und brauchte ein wenig, bis er seinen Faden wiedergefunden hatte, „Ich könnte sicher wütender sein, nur, gleichzeitig... ich habe das Gefühl, als wäre etwas in mir erwacht, das nur darauf gewartet hat. Meine Gene vielleicht, das Blut, das mir mein Vorfahre vererbt hat, vielleicht auch mein Bedürfnis nach etwas Größerem, etwas... Bedeutendem. Ich hätte jetzt so viel Zeit, wichtige Dinge zu tun. Nützliche Dinge, mit denen ich anderen helfen kann, Hilfsorganisationen...“
Seine Stimme verlor sich, als er Selenes Blick sah. Sie verschleierte ihr Mitleid nicht, präsentierte es ihm unverhohlen auf dem blankpolierten Silbertablett, in das sich ihre Augen gewandelt hatten. Es bedurfte keiner Worte, er wusste schon, was sie dachte.
„Ich bin nicht armselig“, entfuhr es ihm darum verärgert.
Ihr Mundwinkel hob sich völlig humorlos und nur ganz leicht.
„Das habe ich auch nicht gesagt.“
Er wandte den Blick ab wie das schmollende Kind, als das er sich in diesem Moment fühlte. Er war jung, nicht bloß als Unsterblicher, zuvor bereits als Mensch. Sie dagegen war alt, viele hundert Jahre, in denen sie jeden Idealismus gründlich belächeln lernen konnte. Die Lykaner auszurotten war nicht ihr eigener Idealismus gewesen, sondern ihre Realität und eine umsetzbare Notwendigkeit. Sein Wunsch danach, Menschen zu heilen, ihnen wieder ins Leben zu verhelfen und sie gleich darin zu halten, war idealistisch, denn es war naiv. Er konnte kaum allen Menschen helfen. Hier waren so viele einstige Menschen, denen er gewiss nie helfen können würde, dort draußen noch Milliarden weiterer, von denen ihn Raum, Mittel und Zeit trennten. Nein, egal, wie viel Lebenszeit ihm dieses neue Dasein verschaffte, mehr Zeit für diesen inneren Drang zu helfen würde er nie haben.
Verkrampft starrte er auf Schimmelflecken, die die Wand neben der verrosteten Tür bedeckten und tat sein Bestes, einen Weg zu finden, wieder in ein Gespräch einzusteigen. Dass sie Recht hatte, das gab er gerne zu, aber auf die Nase binden musste er es ihr dennoch nicht. Idealismus war vielleicht Wunschdenken aber noch lange nicht falsch, nur, weil er nicht umsetzbar war.
„Was soll ich dann tun?“
Der Stuhl scharrte ein kleines bisschen über den Boden, als sie ihre Position verlagerte und nun den Hinterkopf mit der Wand bekannt machte.
„Fliehen“, antwortete sie schließlich, „fliehen und die töten, die dich töten wollen.“
Töten. Immer nur wieder töten. Das war nun seine Realität, an die er seinen Idealismus anpassen musste. Wie ertrugen sie das, Jahrhunderte zu überdauern, wenn das alles war, woraus ihre Welt bestand?
„Du solltest dich ausruhen. Wenn wir erst hier hinauskönnen werden wir jedes bisschen an Kraft benötigen.“
Resigniert ließ er sich an der Wand ihr gegenüber herabsinken und musterte sie aus halb geschlossenen Augen. Sie war so unnahbar und stark und dennoch war da etwas sehr Verletzliches an ihr. Ob es nun schon immer existiert hatte oder ob es erst durch die jüngsten Ereignisse mit Viktor freigelegt worden war, es machte ihn unsicher. Zwar kannte er sie noch nicht lange, doch er wollte nicht, dass es ihr so schlecht ging. Er würde bei ihr bleiben und an ihrer Seite kämpfen, das war das Mindeste, was er ihr schuldete.
Während er vor sich hindöste konnte er allerdings nicht umhin, festzustellen, dass dieses Gefühl nicht unbedingt aus einem Schuldgefühl entsprang, sondern aus einer kleinen, störrischen Wärmequelle zwischen seinem Herz und seinem Gehirn, die sich einzunisten begonnen hatte, als er an dieser so übermenschlichen Frau zum ersten Mal menschliche Züge hatte erkennen können. Dieser Gedanke war tröstlich und so warm, dass er schon bald in einen sanften, ruhigen Schlummer gefallen war.
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