Tactical Roar: Zehnte These

GeschichteAbenteuer / P12
05.03.2010
26.06.2012
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05.03.2010 7.898
 
"Bitte halt still, Onee-chan", bat die Chinesin, während sie die Schulterwunde der unruhigen Frau verband.
"Dieses Arschloch!", knurrte die große Schwester, immer noch gefangen zwischen den Schmerzen des Schulterdurchschuss und den Ärger, den sie durchleben musste. "Zweimal hat er mir jetzt in die Suppe gespuckt! Zweimal! Was denkt er wer er ist? Diese kleine Schlampe von Kreuzfahrtschiffkapitän?"
Die Jüngere unterdrückte ein Lachen. Natürlich sprach die Ältere nur im Ärger. Beiden wäre es niemals eingefallen, Kapitän Misaki ernsthaft zu unterschätzen. Dafür war diese Frau einfach zu gefährlich. Und ebenso mussten sie den riesenhaften Marines-Lieutenant als ernstzunehmenden Gegner einschätzen.
"Erst funkt er mir auf dem Schiff dazwischen, als ich die Schlampe schon im Fadenkreuz hatte! Als ich dachte, er ist schon erledigt! Und dann hat er die Frechheit, statt still auf seinen Tod zu warten auch noch auf mich zu schießen! Auf mich!" Für einen Moment hielt sie inne, um den frischen Verband zu betrachten. "Was meinst du, bleibt da eine Narbe zurück?"
"Ob mit oder ohne Narbe, ich werde dich immer lieb haben", sagte die Jüngere.
"Na, wenigstens etwas", seufzte die Ältere und hörte auf, sich zu bewegen. "Dieser Kerl ist gefährlich. Wir sollten uns dafür bezahlen lassen, ihn zu beseitigen. Vielleicht ist er unseren Auftraggebern ja was wert. Die wollten ja auch, das wir dieses Kind beseitigen, dieses zu kurz geratene Genie."
Flüchtig huschte die Erinnerung durch die Jüngere, die Szene, als sie beide, guten Stand habend, die Initiatorin der Neunten These und ihren genialen jugendlichen Berater im Visier ihres Scharfschützengewehrs gehabt hatten, um diese Spur ein für allemal zu verwischen. Es hätte eigentlich klappen müssen. Eigentlich. "Vielleicht sollten wir warten, bis jemand einen Preis auf ihn aussetzt, Onee-chan", meinte sie nachdenklich. "Ich meine, das mit Misaki ist schließlich auch geschäftlich."
"Wenn jemand bereit ist, für seinen Tod zu bezahlen, werde ich das Geld nicht ablehnen", sagte die Ältere entschlossen. "Aber diesmal ist es echt persönlich. Oder um es anders auszudrücken, ich bin stinksauer! Oh, ich hoffe, diese kleine fette Schachtel, die sich zwischen mich und Cartridge geworfen hat, hat es erwischt! Die gerechte Strafe für ihre Einmischung! Autsch, nicht so fest!"
"Entschuldige, Onee-chan, aber es soll doch alles sitzen, oder?" Sie lächelte. "Soll ich ihn umbringen? Mich hat er ja bisher noch nicht gesehen. Wenn er beim nächsten Landgang etwas Entspannung sucht, flirte ich ihn an, mit enger Bluse, kurzem Rock und mit dem kleinen Hinweis, das ich keine Unterwäsche trage. Und wenn wir dann alleine in einem Hotelzimmer sind..."
Interessiert sah die Ältere die Schwester an. "Und was dann?"
"Nun... Das entscheide ich vor Ort. Vielleicht lasse ich ihn erst einmal ordentlich arbeiten und rackern, um mich zufrieden zu stellen. Ich meine, ein Kerl wie ein Stier, da müsste doch was drin sein. Und wenn ich dann genug habe, dann ist es ein doppelter Genuss, ihn zu erschießen, zu erdolchen, zu vergiften... Worauf ich dann gerade Lust habe."
Sprachlos starrte die Ältere das nur wenig jüngere Mädchen an.
"Sag nicht, der Gedanke ist dir noch nie gekommen? Onee-chan, das glaube ich dir nicht. Nicht bei den vielen Männern, die du schon am Gängelband geführt hast", spottete sie.
"Nein, das ist es nicht. Aber du hast mich gerade richtig spitz gemacht, weißt du das? Und wie übernimmst du dafür jetzt die Verantwortung?"
Die Jüngere schnurrte und drückte sich an ihre Onee-chan wie eine Katze. "Ich denke, da wird mir schon was einfallen. Ich..."

Das Ringen des Satellitentelefons unterbrach die beiden.
"Typisch", schimpfte die Jüngere. "Ausgerechnet jetzt." Sie griff nach dem Hörer. Es gab nur sehr wenige Menschen, die sie kontaktieren konnten. Und dieser illustre Kreis bestand aus sehr mächtigen Männern und Frauen. "Ja? Hm. Das nächste Mal versagen wir nicht. Wir... Hm? Ja? Wie? Okay. Ja, ich habe verstanden. Gut. Gut. Gut. Verstanden, Admiral. Ja."
Sie legte auf.
"Der Admiral?"
Die Jüngere nickte. "Der Admiral. Neue Befehle. Er hat uns zurückgerufen. Um die Pascal Magi werden sich andere kümmern. Wir sollen für einen Notfallplan bereit stehen."
"Ein Notfallplan?"
Die Jüngere lächelte grausam. "Falls es das Schiff doch schafft."
"Oh, das gefällt mir." Sie zog die Jüngere zu sich heran. "Wo waren wir doch gleich noch mal?"
"Ich denke, ich fange ganz von vorne an, Onee-chan."
Die Ältere hatte keine Einwände. Hauptsache, sie nahm auf ihre Verletzung Rücksicht.
***
Wenn es ein Flottenhandbuch für Verschwörungen gab, dann erfüllten Zeit und Ort sicherlich die wichtigsten Punkte. Der Raum lag im Dunkeln, sodass niemand erkennen konnte, mit wem er am Tisch saß, nur der Tisch mit einem Haufen Dokumente wurde durch Spotlicht der Dunkelheit entrissen. Es war ein länglicher Tisch, aber nur an einem Stirnende saß jemand. Sein Schattenriss zeichnete sich für alle anderen deutlich ab; hinter ihn stand ein gigantischer Monitor, der in einer Kolportage die Pascal Magi, ihren Kapitän und die wichtigsten Offiziere  zeigte. Natürlich wusste jeder hier, mit wem er am Tisch saß, natürlich wusste jeder einzelne, das sie entweder zusammen siegen oder zusammen fallen würden. Ausbrechen würde niemandem etwas nützen, nur das Ende der Gruppe herbei führen und die eigenen Privilegien beenden, ein für allemal. Die Gruppe hatte hoch gepokert und gehofft, aus der Erschaffung eines zweiten Grand Roars und der darauf folgenden internationalen Unordnung etwas Neues zu schaffen, etwas Kontrollierbares. Es war ihre Hoffnung gewesen, am Anfang der Unruhen mit einer großen Militärmacht die Spitze einzunehmen und die neue Ordnung zu bestimmen, ganz wie es die Neunte These vorher gesagt hatte. Unruhen, Aufstände, Kriege zwischen Mitgliedsnationen, die von ihnen beendet worden wären, nur um einen neuen pazifischen Großraum zu erschaffen, der von ihnen beherrscht wurde, und der ihre Taschen füllte.
Nur wenige am Tisch gehörten zur Pazifik-Flotte oder zu einer Armee eines Pazifik-Anrainers. Das Gros stammte aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Gemeinsam hatten sie große Geldsummen unterschlagen oder bereit gestellt, um Polizei und Regierungen zu bestechen, um Piraten zu bezahlen, um die Technologie für einen zweiten Grand Roar zusammen zu kaufen und zu installieren. Sie hatten viel investiert, um als Kriegsgewinnler und später als Führer des neuen Wirtschaftsraum Gewinne einzufahren, materielle wie ideelle. Und nun standen sie gemeinsam am Abgrund des Scheiterns.

Der Anführer sah ins Rund. Auch ohne seine Augen sehen zu können spürten die Männer und Frauen seinen stechenden Blick. "Die Katzen haben neue Anweisungen. Sie werden Misaki im Hafen töten, falls sie unsere nächste Falle überlebt", sagte er mit dunkler, sonorer Stimme.
"Die ich immer noch für zu aufwändig halte", klagte eine Frauenstimme. "Und wenn etwas viel Aufwand fordert, dann erhöht der Aufwand die Möglichkeiten eines Fehlschlags. Ich denke, wir sind uns alle einig, dass Nanaha Misaki ausgeschaltet und die Alice Brand entweder beschlagnahmt oder versenkt gehört, aber das können wir auch ohne großen Militärschlag erreichen."
Eine viel zu hohe Männerstimme mit chinesischem Akzent mischte sich ein. "Sind wir denn überhaupt sicher, dass Misaki Beweise gegen uns hat? Gegen die Initiatoren der Neunten These?"
"Wir sind uns einig, dass sie über explizites Material verfügen muss", sagte eine dunklere Männerstimme. "Koyomi Hakubi selbst muss sie mit diesen Informationen versorgt und uns damit verraten haben, obwohl wir ihr Meisterwerk, die Neunte These, haben durchsetzen wollen. Anders ist nicht zu erklären, warum Misaki so zielstrebig zuschlagen konnte. Ihr direkter Angriff auf die Roar-Aggregate setzt einfach voraus, dass sie von Hakubi intensiv gebrieft worden ist. Sie hält ihr Wissen derzeit zurück, um sich gegen uns rückzuversichern, aber nachdem die beiden letzten Anschläge auf ihr Leben gescheitert sind, müssen wir davon ausgehen, dass sie die Daten veröffentlichen wird." Die Stimme schwieg einen Moment. "Ich möchte daran erinnern, dass Admiral Kuno, dem auch die Special Forces unterstehen, persönlich an den Ermittlungen gegen uns beteiligt ist. Der Mann ist ein Idealist und sowohl Bestechung als auch Erpressung gegenüber nicht empfänglich. Wenn er die Daten von Misaki in die Hände kriegt, ist für die meisten an diesem Tisch die Existenz in Gefahr."
Schweigen antwortete ihm. Die Erwähnung von Tatewaki Kuno hatte wie eine kalte Dusche auf sie alle gewirkt.
"Ist das JAG schon am Fall dran?", fragte der Vorsitzende. Das JAG war die rechtliche Vertretung der Pazifik-Flotte, sowohl Anwalt als auch Ankläger. Sobald das JAG Ermittlungen aufnahm, zog sich die Schlinge um sie alle enger.
"Nein", antwortete eine weibliche Bariton-Stimme. "Der Flottengeheimdienst streut ihnen so gut es geht Sand in die Augen. Leider gelingt es nicht, Kunos Ermittlungen zu behindern oder zu beenden. Eine Ablösung Kunos ist auch nicht in Sicht. Ich muss feststellen, dass Kuno und Misaki eine entsetzliche Combo sein werden."
Der Anführer stützte seine Ellenbögen auf dem Tisch ab und bettete sein Kinn auf. Er kam ins Licht, und die anderen konnten seinen entschlossenen Gesichtsausdruck sehen. "Das Schicksal von Misaki und der Alice Brand ist besiegelt, spätestens wenn sie wider Erwarten in ihrem Heimathafen anlegen sollte. Aber auch Kuno ist uns schon zu nahe." Er wandte sich der Frau zu, die für den Flottengeheimdienst gesprochen hatte. "Jagen Sie ihn hoch, Mabel."
"Ja, Sir."
Zufrieden lehnte er sich wieder zurück. "Noch stehen wir nicht mit dem Rücken an der Wand, Herrschaften. Wir haben immer noch die Chance, unsere drohende Niederlage in einen Sieg zu verwandeln und die Neunte These durchzusetzen. Wenn Misaki und die Beweise auf dem Meeresgrund ruhen, wenn Kuno uns nicht länger verfolgen kann, wer soll uns dann noch stoppen? Die Toten sicher nicht." Er lachte leise, und nach und nach fielen die Männer und Frauen ein, auch wenn rechte Zuversicht nicht aufkommen wollte. Denn Kapitänin Misaki hatte längst bewiesen wie fähig und zäh sie war. Und Kuno war ein alter Seewolf, mit den Wassern aller sieben Meere gewaschen. Ein Hai, kein Beutefisch. Die Zukunft stand auf Messers Schneide für diese Gruppe, das wussten sie alle. Aber das machte die Sache nur noch interessanter. Und selbst wenn die Alice Brand der großen Falle entgehen würde, die sie ihr stellten, Misaki würde nicht überleben. Das war sichergestellt.
***
Nach der ersten Nacht, die Cartridge wieder an Bord verbracht hatte, führte ihn sein erster Weg zur Inspektion bei Shimabara-sensei, die seine Vitalfunktionen peinlich genau überprüfte, ebenso die beiden verheilenden Schusswunden an Hals und Schulter.
"Lieutenant, ich bescheinige Ihnen die körperliche Konstitution eines Preisstiers in der Brunft", sagte sie, mit dem Bleistift auf das Klemmbrett und die dort befestigenden Ergebnisse tippend. "Ich erlaube Ihnen heute leichten Dienst, aber keine Gefechtsübungen und keine Kämpfe. Und wenn das ganze Schiff von schießwütigen chinesischen Frauen überfallen wird, Sie rühren keinen Finger, haben Sie mich verstanden? Ihr neuer Warrant Officer kann vorübergehend sämtliche Aufgaben übernehmen."
"Darf ich atmen, essen und trinken, und selbst auf Toilette gehen, Doc?", fragte Cartridge mit säuerlicher Miene.
"Seien Sie froh, das ich nicht meinem ersten Impuls gefolgt bin, als Sie an Bord zurück waren, und Sie im nächsten freien Bett angeschnallt habe. Worüber ich immer noch nachdenke." Sie tippte wieder auf das Klemmbrett. "Laut meiner Erhebungen sind Sie für einen normalen Menschen in guter Verfassung. Aber für Ihre eigenen Begriffe, Lieutenant, sind Sie geschwächt. Das liegt sowohl an der Wundheilung als auch am Blutverlust. Die Daten sind gut genug, um Ihnen zu erlauben selbst zu gehen, aber Schonung hat absolute Priorität, junger Mann. Und wie ich Sie kenne, würden Sie sich eher ein Bein abschlagen lassen, als sich freiwillig bei mir zu melden, wenn es Ihnen schlecht geht. Daher bleibt mir nichts anderes übrig, als Sie zu zwingen. Sie melden sich zu Beginn der Morgenwache, der Mittagswache und der Abendwache bei mir zum Rapport. Die Zeit zwischen den Meldungen abends und morgens verbringen Sie in der Horizontalen. Schlafend. Allein. Unter Ihren Leuten. Und zwar solange, bis ich Ihnen vollständige Gesundheit bescheinige. Haben Sie mich verstanden, Jim?"
"Jawohl, Ma'am. Wir sehen uns also um acht, um zwölf und um vier."
"Und das so lange, bis ich glaube, dass Sie wieder fit für richtigen Dienst sind."
"Und das so lange, bis Sie mich wieder voll diensttauglich schreiben, verstanden."
Ihre ernste Miene verschwand und machte einem bezaubernden Lächeln Platz. "Na, das habe ich gerne. Meine Mutter hatte schon recht als sie sagte, ein Soldat ist immer eine gute Partie. Kann nähen, kann kochen, kann gehorchen..."
Cartridge brummte unwillig bei diesem alten Witz und langte nach seinem Tank Top, um es über zu ziehen. "Wieso sagen Sie das? Haben Sie etwa Interesse an mir, Doc?"
Die Ärztin lachte auf und winkte ab. "Ach woher denn? Ich bin ein glücklich verheiratetes Mädchen. Mir reicht es absolut, wenn Sie dreimal am Tag hier rein kommen, und ich Ihren nackten muskulösen Oberkörper bestaunen kann." Dabei tätschelte sie seine nackte Brust. "Aber es scheint, das es durchaus an Ihnen Interesse gibt, junger Mann. Sie sind doch ungebunden, oder?"
Cartridge zog das Tank Top über und hob beide Hände in die Höhe, sodass die Ärztin seine Finger sehen konnte. "Schauen Sie mal. Keine Handschelle an den Händen. Für so etwas banales wie eine Freundin, Verlobte oder Frau hatte ich in den letzten Jahren einfach keine Zeit."
"Ja, das ist es, was Ihre Soldaten so erzählen. Dass Sie mit den Marines verheiratet sind. Dass mir das aber kein Dauerzustand wird, Soldat. Jeder Mensch sollte in einer erfüllenden Beziehung leben. Also auch Sie, junger Mann. Und wenn dann eine hübsche, junge und intelligente Frau Interesse an Ihnen hat, dann wäre es eine glatte Verschwendung, sie nicht wenigstens mal anzusehen."
Cartridge, der gerade nach seinem Hemd angelte, hielt wie elektrisiert inne. "Eine intelligente junge Frau? Tsubasa?"
"Tsubasa-chan? Oh, ja, natürlich hat sie Interesse an Ihnen, Jim. Das ist nicht zu übersehen. Aber sie sitzt da wohl etwas zwischen den Stühlen, weil es ja auch noch Hyosuke gibt, Jim."
"Ja", meinte Cartridge säuerlich, "das ist mir wohl bewusst." Er sah der Ärztin in die Augen. "Aber Sie meinen Tsubasa-chan nicht, richtig?"
Die blonde Ärztin lächelte geheimnisvoll. "Sagen wir, dass Tsubasa nicht die einzige Frau an Bord ist, die..." Sie betrachtete den Lieutenant lange und erschöpfend, bevor sie weiter sprach. "Die ihr Herz an einen Helden verlieren kann. Auch wenn die Gerüchte behaupten, wir wären ein Schiff voller Lesben, so gibt es doch viele unter uns, die ein sehnsüchtiges Seufzen nicht unterdrücken können, sobald Ihr Name fällt, Jim. Sie haben großartiges geleistet, und von allem Frauen an Bord schlägt Ihnen dafür mindestens Dankbarkeit entgegen."
"Hm", machte der Lieutenant und knöpfte sein Hemd zu. "Und von welcher Dame habe ich mehr zu erwarten als Dankbarkeit?"
Sie seufzte in einem Tonfall, der einen Troll dazu gebracht hätte, sich verstohlene Tränen des Mitgefühls aus den Augenwinkeln zu wischen. "Jim, wenn Sie das fragen müssen, dann weiß ich, warum sie niemals Zeit für Frauen hatten. Das ist ein Feind, den Sie nie studiert haben, was?"
Der Marine runzelte die Stirn. "Ich war mir eines Defizits auf diesem Gebiet nie bewusst, Doc." Er lachte. "Aber ich bin mir auch ziemlich sicher, dass mir das Interesse einer Frau, die nicht Tsubasa ist, nicht gefährlich werden kann."
"So?" Der Blick, den die Ärztin ihm zuwarf, hatte viele Facetten. Eine war Spott. "Sind Sie sich da so sicher, Jim?"
"Eigentlich ja."
"Wir werden sehen", orakelte sie und gab dem Marine einen Klaps auf den Hintern. "Ab mit Ihnen. Wir sehen uns zum Mittag zur nächsten Untersuchung."
"Aye, Fellow." Cartridge grinste und nickte ihr zu. Er warf sich die Dienstjacke über und verließ das Revier, in der Gewissheit, wieder einmal überlebt zu haben. Langsam wurde das zur Gewohnheit.

Kojima empfing ihn auf der Brücke. Die Pascal Magi begann gerade mit dem Ablegemanöver. "Wir verlassen Neu Maoui?", stellte Cartridge überflüssigerweise fest.
"Die Rodriguez hat mit der Entladung ihrer Fracht begonnen. Ihre Gesellschaft schickt ein anderes Schiff, das die Fracht weiter befördert, während die polizeilichen Ermittlungen andauern. Da es sich hierbei um eine Verzögerung von vier Tagen handelt, hat die Versicherung der Reederei entschieden, das unser Kontrakt vorzeitig zu kündigen ist. Aus Kostengründen. Womöglich würden wir hier sonst Wochen auf Anker bleiben und fürs Nichtstun bezahlt werden. Wir kehren nach Hause zurück, Jim."
Cartridge lächelte grimmig. "Verstehe, Commander. Ihnen würde sicher auch die Decke auf den Kopf fallen, wenn Sie eine oder zwei Wochen neben der Rodriguez liegen müssten, ohne etwas tun zu können."
Tanja Kojima räusperte verlegen, als sie sich so schnell durchschaut sah. "Jedenfalls bedeutet das für uns keinen Verlust. Mit der Zahlung der Konventionalstrafe kommen wir ziemlich exakt auf den Betrag, den wir mit der Fahrt verdient hätten. Und wir kommen eine Woche früher nach Hause als geplant. Dann wartet bereits der nächste Job auf uns, und die Mannschaft hat unerwarteterweise ein paar Tage Sonderurlaub."
"Freut mich zu hören." Eine Woche. Das bedeutete, dass er nur eine kleine Bordwache stellen musste, die im Turnus an Bord sein würde, und dem Rest seiner Leute Urlaub geben konnte. Nach den Ereignissen der letzten Tage hatten sich alle eine Belohnung mehr als verdient.
Kojima musterte ihn. "Hm."
"Ma'am?"
"Ach, nichts. In einer Stunde sind wir auf hoher See. Ich habe bereits mit WO IV Staffort gesprochen, sie wird die Deckwachen einteilen. Sie ist eine tüchtige Frau."
"Sie hat mich ausgebildet", sagte Cartridge mit Stolz in der Stimme. "Die Frau ist ihr Gewicht in Gold wert."
Commander Kojima konnte nur zustimmend nicken. Teufel, sie hatte Louise Staffort in Aktion erlebt und war mehr als beeindruckt gewesen. Hatte sie gedacht, James Cartridge sei bereits eine beeindruckende, riesige Person, so war Louie etwas Größeres, Gewaltigeres. Ein eigener Grand Roar auf zwei Beinen, so in etwa. "Ich nehme an, Ihnen wurde leichter Dienst erlaubt, Jim?"
"Der Doc war da sehr eindeutig. Und ich habe nicht vor dem entgegen zu handeln. Ich habe keine Lust, in einem ihrer Lazarettbetten angebunden zu werden, solange wie ich noch ausheile."
Kojima unterdrückte ein Kichern. Eines der Mädchen der Brückencrew hingegen brach in schallendes Gelächter aus. "Das kann ich mir vorstellen. Vor ihr hat sogar der LT Angst", ächzte sie nach dem Lachanfall.
Kojima warf ihr einen ernsten Blick zu, und die junge Frau suchte sich einen weiter entfernten Arbeitsplatz.
"Wie dem auch sei. Schonen Sie sich, und umso schneller werden Sie gesund, Jim."
"Aye, Fellow."
"Gut. Sie können bleiben und sich das Ablegemanöver anschauen, oder Sie können wieder Ihren Dienst aufnehmen."
"Aye, Fellow."
"Ach, und Jim?", sagte sie, kaum das er sich zum gehen umgewandt hatte.
"Commander?"
"Der Skipper erwartet Sie zum Rapport."
"Ich mache mich gleich auf in die CIC."
Kojima schüttelte den Kopf. "In ihrer Kabine, Jim."
Cartridge nickte. "Aye, Fellow."
Kojima seufzte, als der Lieutenant die Brücke verlassen hatte. Es war ein Seufzen voller Bedauern.
***
Cartridge wunderte sich einen Moment über sich selbst, als er an der Kabinentür des Skippers stand und zögerte. Beinahe musste er Gewalt anwenden, um anklopfen zu können. Als er es schließlich doch tat, klopfte er zögerlich und leise.
"Herein."
Cartridge zögerte erneut. "Geht das in Ordnung, Ma'am? Cartridge hier, Ma'am." Für eine Sekunde schossen ihm die verschiedensten Bilder durch den Kopf, von einer Nanaha Misaki, die vielleicht in der üblichen Arglosigkeit einer Frau nackt durch ihre Kabine spazierte, das Duschhandtuch noch um die Haare gelegt, wie Frauen es taten, wenn sie auf einem Schiff lebten, auf dem es nur andere Frauen gab. Ach nein, Hyosuke teilte sich ja die Kabine mit ihr. Er war ihr kleiner Bruder. Zwar nur ihr Stiefbruder, aber...
"Ich sagte herein, Jim", sagte sie mit fester Stimme. Kein Tadel, kein Amüsement lag darin, nur ein schwaches Echo von... Entschlossenheit.
Cartridge brummte eine Entschuldigung und trat ein.
Kapitänin Nanaha Misaki erwartete ihn an ihrem Schreibtisch sitzend, ein Arm auf der Lehne ihres Stuhls abgestützt, den anderen auf dem Schreibtisch, mit der Hand eine Tasse Tee haltend. Sie erhob sich, als er eintrat. "Tee, Jim? Ich schulde Ihnen noch einen von vorgestern."
Er sah deutlich ihre Anspannung und ahnte, das er der Grund dafür war. Sollte er zustimmen und sie den Tee machen lassen? Oder sollte er direkt zum Kernproblem vorstoßen, denn das es hier ein Problem gab, das war offensichtlich. Nur war er sich keiner Schuld bewusst. "Nein, danke, Skipper. Was immer nicht stimmt, ich würde mich freuen, wenn Sie es schnell zur Sprache bringen und wir die Sache klären können. Ich mag Sie lieber auf meiner guten Seite, Skipper."
Das entlockte der jungen Frau ein kurzes Lächeln. "Direkt zum Punkt. Wie immer ganz Marine. Jim, ich..." Sie stellte die Teetasse ab und kam zum fast zwei Köpfe größeren Mann herüber. "Jim, Sie sind sich hoffentlich bewusst, dass ich der Kapitän der Pascal Magi bin."
"Daran habe ich nie und in keinster Form gezweifelt, Skipper", sagte Cartridge mit fester Stimme.
Das ließ sie wieder ganz kurz lächeln. "Sehen Sie, Jim, bis vor kurzem habe ich eine reine Frauencrew befehligt, und es war gut so, wie es war. Dann kam mein kleiner Bruder an Bord, aber das war auch kein großes Problem, weil der Ärger, den man erwarten konnte..." Sie stutzte und wurde rot. "Jedenfalls hielt er sich in Grenzen."
"Skipper, wenn Sie mir sagen wollen, das eines meiner Kids..."
"Schhhhhhhhh, Marine. Ich rede. Ja, das ist der nächste Punkt meiner Rede. Sie kamen an Bord, Jim, Sie und Ihre Leute. Und wenn ich jemals gedacht habe, die aufregenden Tage während des Zweiten Grand Roar würden nicht mehr überboten werden können, so sah ich mich im Irrtum. Es geht immer noch aufregender. Ich habe Ihren Leuten nichts vorzuwerfen. Sie benehmen sich vorbildlich und respektvoll gegenüber meiner Besatzung. Und sie haben das Schiff gerettet, als es hart auf hart ging. Es ist nur so, das..."
Verlegen sah sie weg, rang die Hände. "Es ist nicht so, das ich hier an Bord alles untersage, was auch nur den Hauch einer Beziehung andeuten könnte. Solange man diskret ist und Rücksicht auf seine Schiffskameraden nimmt, spricht nichts dagegen, egal wer mit wem und aus welchem Grund. Wenn jemand verliebt ist, dann ist das nun mal so, und ich würde jedem normalen Menschen davon abraten, dieses Gefühl zu unterdrücken, nur damit er oder sie an Bord funktionieren kann."
"Verstehe, Skipper. Diskretion, ja."
Sie faltete die Arme ineinander. "Jim, es fällt mir schwer, das jetzt zu sagen, aber ich bin der Kapitän der Pascal Magi, und ich als erste Person muss funktionieren. Ich habe hier ein Schiff zu führen, ich trage die Verantwortung für meine Crew und Ihre Leute." Ein sichtlicher Ruck ging durch sie, und sie wechselte wieder in das vertraulichere Du. "Ich trage die Verantwortung für dich, Jim."
Cartridge fühlte sich merkwürdig. Einerseits freute es ihn, das sich Nanaha so vorbehaltlos zu seinen Leuten bekannte, andererseits spürte er, wie sein Beschützerinstinkt aufbegehren wollte. Aber so war die Rollenverteilung hier an Bord. Er war der Gast, der untergeordnete Offizier. Sie war der Skipper und hatte immer - IMMER - das letzte Wort an Bord. "Verstehe, Nanaha."
"Nein, das tust du nicht." Sie sah ihn an, und ihr Blick war verlegen und ängstlich. "Jim, ich als erste und einzige darf... Kann nicht... Ich meine, ich darf mich nicht verlieben, schon gar nicht an Bord, und schon gar nicht in dich." Sie atmete heftig aus, als die Worte endlich raus waren.
"Was?", fragte Cartridge überrascht und wollte auflachen. Doch dann kickte der Sinn ihrer Worte ein, und er stieß ein schwächeres, beinahe geflüstertes "Was?" hervor.
Tausende Gefühle schwappten über ihn hinweg, und er spürte seine Knie weich werden. Nicht einmal im Krankenhaus, bei der anstrengenden Reha, waren ihm die Beine so weich gewesen. Nie hatte er sich gleichzeitig erhöht und doch so beschämt gefühlt. "Nanaha, ich..."
"Es ist gut, Lieutenant. Ich nehme an, Sie haben mich verstanden." Ein wehmütiges Lächeln ging über ihre Züge. "Außerdem haben Sie ja starke Gefühle für Tsubasa, nicht wahr?" Schüchtern sah sie weg.
Nun wurden seine Knie erst recht wacklig. Ja, das hatte er gesagt. Das hatte er auch gedacht, aber nun... Nun wusste er nicht einmal mehr seinen eigenen Namen. Hatte sie ihm gerade zu verstehen gegeben, nein, eher blank ins Gesicht gesagt, das sie sich in ihn verliebt hatte? Und machte ihn das nicht wirklich unendlich froh, pflanzte aber auch dieses Gefühl der Schuld in ihn, weil er sich fühlte, als wäre er diese Frau gar nicht wert?
"Es ist gut, Lieutenant. Gehen sie in Ihre Verfügung."
Cartridge spürte wie seine Hände nun ebenfalls zu zittern begannen. Rein chemisch gesehen explodierte gerade ein Hormoncocktail in seinem Kopf. Rein biologisch gesehen schwebte er irgendwo zwischen tiefsten Meerestiefen und Wolke sieben. Er erkannte, und das mehr als deutlich, dass er Nanaha sehr viel mehr entgegen brachte als kameradschaftliche Freundschaft. Wenn er ehrlich war, dann waren ihre Kapitänsabzeichen das Schutzschild gewesen, das ihn überhaupt davon abgehalten hatte, von ihr als Frau zu denken, obwohl sie ihm das mehr als schwer gemacht hatte. Er wusste genau, wenn er sich jetzt umwandte und ging, dann blieb vieles unausgesprochen, blieb vielleicht für immer ungesagt, und diese Frau würde von ihm entschwinden, so wie er von ihr fortdriften würde. "Aye, Shorty", hörte er sich sagen, mit krächzender, rauer Stimme. Er musste. Er MUSSTE! Er war Marine, sie war sein vorgesetzter Offizier, und sie hatte ihm einen dienstlichen Befehl gegeben, den er verdammt noch mal zugunsten der Schiffssicherheit auszuführen hatte. Er war fest entschlossen, so und nicht anders zu reagieren, ihrem Befehl zu gehorchen.
Dann sackte er weg, als seine Beine sein Gewicht nicht mehr tragen konnten.

"JIM!", rief sie erschrocken und versuchte den größeren Mann aufzufangen. Sie schaffte es, ihm vor dem Sturz zu bewahren, als er auf die Knie sank. "Scheiße, bist du schwer!"
Verdutzt sah er sie an, und sie blickte zurück. Vor Überraschung fand er seine Kraft zurück, blieb aber auf den Knien hocken. Er konnte nicht anders. Bei dieser Wortwahl musste er lachen. Nachdem Misaki ihre eigene Verblüffung überwunden hatte, lachte sie ebenfalls.
Sie sahen sich an, und es war vielleicht das erste Mal, das Cartridge zu ihr aufsehen musste, denn sie stand noch gerade, und er lag auf den Knien.
"Nana-nee, hast du vielleicht meine...", klang die Stimme von Hyosuke an der Kabinentür auf, als er eintrat ohne anzuklopfen. Nun, immerhin war dies hier ebenso seine Kabine wie die seiner Schwester. Als er Misaki und Cartridge in ihrer Pose sah, der Marine auf den Knien, und der Skipper auf ihn herab sehend, unterbrach er sich. "Oh. OH! Entschuldigung. Ich komme später wieder!" Fluchtartig verließ er die Kabine wieder.
Cartridge und Misaki sahen ihm nach, bevor sie erneut lachten. Später würden sie einiges korrigieren und erklären müssen. Obwohl... Mussten sie das wirklich?
"Geht es wieder?", fragte sie mitfühlend. "Kannst du stehen, Jim? Ich glaube, du solltest aufstehen, bevor Clio oder Tanja hier reingeschneit kommen und dich so sehen, als wolltest du mir einen Antrag machen." Sie biss sich bei den letzten Worten leicht auf die Unterlippe.
Cartridge wurde rot. "Nanaha, ich weiß nicht, was... Natürlich hast du Recht. Du bist der Skipper, und du musst funktionieren. Du bist für das Schiff und die ganze Besatzung verantwortlich, und damit auch für mich. Aber... Ich habe noch keine Frau kennen gelernt, die mich ohne Fußtritt oder Sturmgewehr so kunstvoll von den Beinen geholt hat."
"Jim, genau das wollte ich doch damit..."
"Nein, Skipper, du hältst jetzt die Klappe. Was du gesagt hast, was du mir gesagt hast, das war wie ein Augenöffner. Sicher, ich mag Tsubasa, ich mag sie sogar sehr. Aber wärst du nicht mein Skipper, dann... Dann hätte ich mir schon viel früher eingestanden, das ich mich in dich verliebt habe, seit ich dieses Bild von dir im Dossier gesehen habe."
Hektische rote Flecken huschten über ihre Wangen. "Mein Foto? Das in weißer Gala-Uniform?"
"Das von der Konzernveranstaltung, das chinesische Kleid mit dem offenherzigen Dekolletée."
Für eine Sekunde wurde sie knallrot im Gesicht. "Das hast du gesehen? D-das ist in meiner Akte? Was musst du nur von mir gedacht haben?"
"Nichts Schlechtes. Ich dachte eher: Besonders begabt, über die Maße fähig, und dann macht sie in dem Kleid auch noch so eine atemberaubende Figur. Tja, und dann habe ich Tsubasa mit Kaffee vollgespuckt. Äh, bevor ich zum Bild kam, habe ich einiges über deine Karriere und über den Second Grand Roar-Fall gelesen und war beeindruckt. Und ich habe mich geärgert, das so eine fähige Frau von der Pazifik-Flotte gehen gelassen wurde." Er leckte sich unbewusst über die spröden, trockenen Lippen. "Eine wunderschöne, intelligente, charmante und interessante Frau, wie ich hinzu fügen möchte. Ich muss ein ganz schöner Idiot gewesen sein, dass ich die ganze Zeit nicht entdeckt habe, was ich für dich empfinde, Nanaha. Wenn ich ehrlich bin, damals, hier in der Kabine, als du meine Narben sehen wolltest und meine Hände ergriffen hast, da wäre ich fast explodiert vor Glück. Aber ich bin ein Marine, und es war eine dienstliche Angelegenheit, und Marines, vor allem aber die Offiziere, haben gefälligst in ihrer Freizeit glücklich zu sein, nicht im Dienst."
"Und? Du bist jetzt im Dienst, oder, Marine?", spottete sie.
"Scheiß auf den Dienst! Entschuldigung, aber das hier ist wichtig! Es ist wichtiger. Ich hätte niemals gedacht, dass du mir deine Liebe gestehen würdest."
"E-es war ja eher so, dass ich dich gebeten habe dafür zu sorgen, dass ich mich nicht verliebe", begehrte sie auf.
"Dabei dachte ich immer, ich würde es sein, der einer Frau mal einen Liebesantrag machen würde. Und nun schau mich an. Umgehauen von dir, richtig von den Beinen geholt, und das nur mit ein paar Worten. Als du gesagt hast, das ich wieder gehen soll, dass so vieles ungesagt bleiben sollte, nachdem du gesagt hast, dass du dich nicht in mich verlieben darfst, da war mir so hundeelend, und alle meine Narben haben geschmerzt. Ich kam mir so alt, so kraftlos, ja so sinnlos vor. Ich war bereit, dem Dienst zu Willen tatsächlich zu gehen. Dachte ich. Aber da wusste ich noch nicht, das ich bereits in deiner Hand war." Er streckte ihr hilflos die Hände entgegen. "Hier bin ich, und ich ergebe mich, Nanaha. Wenn du willst, dann..."
Wieder schoss Röte in ihr Gesicht, die Flecken tanzten noch hektischer. "Ist das dein Liebesgeständnis, Jim?"
"Ja, Skipper. Ich liebe dich, Skipper. Da bin ich mir sehr sicher, Skipper."
Sie räusperte sich und rang um ihre Fassung. "Fürs Protokoll: Ich kann mich gar nicht in dich verlieben, Marine, denn das habe ich schon längst. Aber... Es bleibt dabei. Ich bin der befehlshabende Offizier, und du bist hier an Bord. Im Gegensatz zu allen anderen hier an Bord kann ich mir keine Liebeleien leisten, kein Techtelmechtel, kein Stelldichein. Ich muss hier funktionieren, Jim. Und du als Offizier weißt das auch."
"Natürlich, Skipper. Und ich respektiere das auch."
"Richtig, es gibt ein Aber. Und zwar genau dann, wenn die Pascal Magi festgemacht ist und wir das Schiff verlassen." Sie nahm sein Gesicht in beide Hände und lächelte. Sie war sich bewusst, dass es nicht besonders schön aussehen musste. Vollkommen verzerrt vor Glück und Hoffnung. "Wenn... Wenn wir Urlaub haben, dann vielleicht, wenn dann noch was zwischen uns ist, Jim, dann... Dann..."
"Ja, Himmelherrgott, meine Güte, Nanaha, nun küsst euch endlich, damit der Dienst hier weiter gehen kann!", klang Kojimas zornige Stimme vom Eingang her auf.
Erschrocken fuhren beide herum und erkannten Aquanaut, Kojima, Hyosuke, Tsubasa, Shimabara und - zu allem Überfluss - auch noch Louie in der Tür stehen. Wenigstens waren die Mädchen nicht dabei.
"Tür zu, Tanja", befahl Nanaha mit ruhiger, befehlsgewohnter Stimme.
Über Kojimas Gesicht huschte ein anerkennendes Grinsen. "Aye, Shorty." Sie schloss das Schott wieder unter dem Protest der anderen. "Staffort, decken Sie die Tür. Keiner geht rein oder macht auf, bevor der Skipper nicht von selbst raus kommt, haben Sie verstanden?", hörten sie gedämpft durch die Tür Kojimas Stimme.
"Und was mache ich wenn Jim raus will?"
"Wieder rein stopfen, bis die beiden endlich mal den ersten Schritt machen. Seit wir abgelegt haben geht es mir auf die Nerven, wie sich die beiden umkreisen, belauern, bespitzeln und dann doch nichts machen! Diesen beiden Dummköpfen muss ernsthaft auf die Sprünge geholfen werden."
Sie hörten Louie laut lachen. "Aye, Fellow."

Mit einem Seufzer brach Nanaha Misaki nun auch in die Knie, und James Cartridge beeilte sich, sie zu stützen. "Uff, ich dachte schon, als die rein gekommen sind, gleich sterbe ich vor Peinlichkeit, aber dann habe ich doch die Kurve gekriegt." Sie lächelte den Lieutenant an, erwartungsvoll, verheißungsvoll. "Bist du einverstanden? Wenn wir wieder anlegen? Ein gemeinsamer Urlaub, wenn da noch etwas zwischen uns ist?"
"Ich glaube nicht, dass das, was ich gerade fühle, jemals wieder abkühlen wird. Ich glaube, meine Gefühle bringen mich nüchternen, dummen Marine gerade Stück für Stück um."
Sie sahen sich in die Augen. Misaki nickte leicht. "Ich denke, du brauchst ein Ventil für deine Gefühle, Jim. Es schadet wohl nichts, wenn wir den Abstand zwischen uns erst... In ein paar Minuten errichten. Ich meine, Tanja lässt uns eh nicht raus, bevor... Und du hast gesehen, wer uns alles erwischt hat. Das war bestimmt Kyosuke. Dem werde ich was erzählen."
"Bah. Der hat genug mit Tsubasa zu tun", sagte Jim. "Darum mach dir also keine Sorgen. Also, was schlägst du vor? Einen züchtigen kleinen Kuss, als Versprechen auf später?"
"Kuss, ja. Züchtig und klein, nein. Du kannst doch küssen, Marine?"
"Ich denke, die Beurteilung überlasse ich Ihnen, Skipper", orakelte er.
Und als sie sich die letzte Nervosität so von der Seele geredet hatten, näherten sich ihre Gesichter. Misaki musste kichern. "Gleich stoßen unsere Nasen zusammen."
"Halt die Klappe, Skipper", sagte Jim, und senkte seine Lippen auf ihre. Erst tauschten sie einen zaghaften Kuss aus, und als der beider Gefallen fand, verstärkten sie ihre Bemühungen. Misakis Lippen öffneten sich leicht, und sie biss sanft in seine Unterlippe. Derart getriezt öffnete auch er die Lippen, und ihre Zungen begannen einander zu liebkosen.

Als sie merkte, wie ihre Hände in Richtung Knopfleiste von Cartridges Uniformjacke glitten, riss sie sich zusammen. "Stopp", sagte sie zu sich selbst, fügte aber noch ein paar zärtliche Küsse hinzu.
"Okay", kam es von Cartridge, der seine Hände von ihr nahm, vom Busen und vom Po.
"Ich meinte eigentlich mich selbst. Über dich habe ich mich nicht beschwert", sagte sie lächelnd und küsste ihn erneut.
"Ich habe mich über dich auch nicht beschwert", entgegnete Cartridge. Widerstrebend löste er sich von ihr und kam auf die Füße. Dabei half er ihr auch auf die Beine. "Okay", murmelte er. "Okay."
"Unser Urlaub", sagte sie hoffnungsvoll, und das obwohl ihr ganzer Kopf vor Glück und Hormonen rauschte. Cartridge ging es nicht besser, und nur ihrer beider großen Disziplin war es zu verdanken, das es bei einem Kuss geblieben war, dass sie sich nicht dem Rausch hingegeben hatten, der sie wegzufegen gedroht hatten. Nicht, solange Misaki ein Schiff kommandieren musste, nicht solange Cartridge die Marines befehligte. Aber an Land... An Land...
"Okay", sagte er ein letztes Mal, und sie gaben sich einen letzten Kuss.
Damit hätte der Zauber enden müssen. Aber für sie beide fing er jetzt erst an.
"Der Dienst ruft, Lieutenant", sagte Nanaha bestimmt. "Aber ich erwarte Sie zum Mittagessen an meinem Tisch."
"Selbstverständlich, Skipper." Er lächelte, und er wusste, dass er wie ein vollkommen debil gewordener Idiot lächelte.
"Und was machen wir jetzt gegen die Gerüchteküche?", fragte Cartridge.
"Was sollten wir dagegen machen sollen? Sie verbreiten ja keine Lügen, oder?", erwiderte Misaki trotzig. "Außerdem kann ich damit leben, wenn man mir eine Affäre mit dir nachsagt, Jim."
Cartridge lachte auf. "Ich glaube, ich bin doch gestorben, dies ist der Himmel, und du bist in Wirklichkeit ein Engel, der mich für mein Jammertal von Leben belohnen will."
"Donnerwetter, Marine. An dir ist ein Dichter verloren gegangen", stellte sie fest. Ein paar Schritte zog sie ihn hinter sich her. An der Tür aber ließ sie seine Hand fahren, straffte sich und ordnete ihre Uniform. Sie klopfte gegen die Tür. "Staffort, lassen Sie uns raus."
"Natürlich, Ma'am."
"Wie jetzt? Keine Nachfrage, ob wir uns wirklich geküsst haben, bevor Sie uns erlösen?", fragte Misaki amüsiert.
"Zwei Dinge, Ma'am. Erstens glaube ich nicht, dass sich mein Jimmie so eine Gelegenheit bei einer Klassefrau wie Ihnen entgehen lässt, Skipper."
"Oh." Erneut errötete Misaki. Derweil öffnete Louie die Tür und sah die beiden mit unbewegter Marines-Miene an, wenngleich die Fältchen um ihre Augen heiter tanzten.
"Und was ist das zweite Ding, Warrant Officer?", fragte Misaki.
"Nun, zweitens glaube ich nicht, dass Sie so dumm sind, einen Prachtkerl wie meinen Jimmie einfach so wieder ziehen zu lassen, Ma'am. Dafür sind Sie bei weitem nicht dumm genug. Entschuldigen Sie die Wortwahl, Ma'am."
Die beiden räusperten sich verlegen. "Ist in Ordnung, Warrant Officer. Weitermachen mit Dienst."
"Aye, Shorty", erwiderte die Frau, salutierte und öffnete die Tür vollends. Der Gang war leer. "Falls Sie die heimlichen Lauscher suchen, den Gang runter und dann rechts", informierte sie leise, bevor sie erneut salutierte, die Tür wieder schloss und zu Cartridge herüber sah. "Dienst, Sir?"
"Dienst, Louie."
"Verstehe, Sir. Ich gehe voran, Sir." Sie wandte sich um und ging in Richtung der provisorischen Marines-Unterkunft.
Nanaha und Jim sahen sich ein letztes Mal wehmütig an. Dann begann ihr Martyrium bis zu dem Moment, an dem die Pascal Magi endlich anlegen würde.
***
Atemloses Gelächter erfüllte die Brücke. Alle Gesichter waren mit Freude gefüllt. Und mittendrin stand Nanaha Misaki und sagte mit ernster Stimme: "Da sagte der Funker des Kreuzers wieder: Unbekannter Kontakt, weichen Sie aus! Wir sind ein Kreuzer der Nagasaki-Klasse! Und darauf wieder der unbekannte Kontakt: Weichen Sie aus! Wir sind ein Leuchtturm!"
Die Mädchen kreischten vor Vergnügen, als der Skipper die Geschichte beendet hatte. Selbst Kojima wischte sich die Lachtränen aus den Augenwinkeln. "Es ist doch immer wieder toll, der nächsten Generation diese Geschichte zu erzählen", sagte sie atemlos.
Ein Signal wischte die gesamte ausgelassene Stimmung weg und machte aus den lachenden Mädchen wieder eine gut funktionierende Brückencrew. "Funkanruf, Skipper! Schiff zu Schiff! Sie rufen die Alice Brand!"
Empört schnappte Misaki nach Luft, und für einen Moment befürchtete Kojima, die junge Frau würde explodieren.
"Ruft das Schiff, und verlangt den Skipper zu sprechen! Dieses Schiff ist die Pascal Magi, keines sonst! Aber wenn sie Ärger suchen, können sie den gerne haben!"
"Nanaha, komm, beruhige dich", versuchte Kojima die Freundin zu beschwichtigen.
In diesem Moment etablierte sich der Videofunk, und eine Frau mittleren Alters in der Uniform der EU-Flotte erschien auf dem Bild. Sie lächelte nicht. Nein, sie grinste, und das ziemlich breit. "Na also, dann stimmen die Gerüchte ja doch, und der Skipper der Pascal Magi hat mehr Eier als mancher Mann in der Hose, obwohl er eine Frau ist. Entschuldigen Sie meine verbale Entgleisung, Kapitän Misaki, aber es juckte mir in den Fingern, einmal auszuprobieren, wie viel an Ihnen und Ihrem Schiff Legende ist, und wie viel der Wahrheit entspricht. Der erste Eindruck enttäuscht mich nicht." Sie salutierte, und die Brückencrew der Pascal Magi tat es ihr nach. "Mein Name ist Captain Sandra Cesare, Kapitänin des EU-Flottenkreuzers Napoléon Bonaparte. Es ist mir eine Ehre, Sie und Ihr Schiff und Ihre Crew kennen zu lernen, Kapitän Misaki."
Einigermaßen beruhigt setzte sich die junge Frau an ihren Platz. "Sie müssen entschuldigen, aber Alice Brand ist ein Schimpfwort, das uns eifersüchtige Männer verpasst haben. Ich entschuldige mich für meinen Ausbruch."
"Nein, nein, da gibt es nichts zu entschuldigen. Dann stimmt es also? An Bord der Pascal Magi dienen nur Frauen? Ich habe es gehört, auch in den offiziellen Berichten, aber so recht glauben konnte ich es nicht. Ich meine, wenn ich versuchen würde, mit einer reinen Frauencrew auszulaufen, würden mir die Politiker und die Gleichstellungsbeauftragten derart im Nacken sitzen, das ich mir wünschte, ich würde mich pensionieren lassen. Besonders die Beauftragten für Männerrechte... Aber was belaste ich Sie mit meinen Problemen. Sie haben da Großartiges geleistet. Der Name Ihres Schiffs und der Firma HaruNico ist selbst in Europa in aller Munde."
"Das überrascht mich etwas", gestand Misaki. "Allerdings sind wir kein reines Frauenschiff mehr. Wir haben eine gemischte Abteilung Marines an Bord. Und wir sind froh darüber."
"Ah, ja. Ich habe von dem Anschlag gehört. Feiger Angriff, finde ich. Die Marines haben ihn abgeschlagen? Gut, dass Sie sie mit hatten. Da hat wohl ausnahmsweise einer mitgedacht im Oberkommando Pazifik." Die Frau nickte gewichtig. "Hören Sie, leider erlaubt es mein Zeitplan nicht, das ich längsseits gehe, um mich bei Ihnen einzuladen oder Sie und Ihre Führungscrew zum Essen bei mir einzuladen. Aber in acht Tagen ist die Bonaparte in Ihrem Heimathafen. Es würde mich freuen, wenn sich dann eine Gelegenheit ergeben würde, ein wenig miteinander zu plauschen, Kapitän Misaki, Commander Kojima."
Die beiden Frauen wechselten einen überraschten Blick. "Natürlich, Captain Cesare. Es wäre uns eine Freude und eine Ehre. Sie können unseren Liegeplatz jederzeit über unsere Firma erfahren. Ich freue mich."
"Ich auch. Hier muss ich leider ab. Aber nächste Woche haben wir vielleicht Zeit für ein längeres Gespräch. Hat mich sehr gefreut, meine Damen." Der Skipper des Europäers salutierte erneut, und die Brückencrew der Pascal Magi erwiderte den Gruß.
"Verdammt", sagte Kojima unbeherrscht. "Warum sind wir eigentlich nicht in der EU? Da ist es anscheinend leichter für fähige Frauen, ein gutes Kommando zu bekommen. Soweit ich weiß, ist die Napoléon Bonaparte ein Raketenkreuzer neuester Fertigung mit einer ganzen Staffette von Abwehrmaßnahmen, vom Laser über Projektilwaffen bis hin zu selbstlenkenden Mini-Raketen, die Creme der Flotte."
"Außerdem riesig, wenn sie selbst auf zwanzig Seemeilen Entfernung noch so gut zu sehen ist", sagte Misaki und deutete in Richtung des Europäers. "Gute Reise, Captain Cesare."
Kojima schloss sich stumm an. Es tat gut, jemanden zu treffen, der ihre Arbeit schätzte. Noch schöner war es, wenn es von einer Frau kam, von einer seefahrenden Kollegin. Und nicht nur sie, die gesamte Brückencrew sonnte sich in dieser Anerkennung.

"Anormalitäten bei Zerstörerverband!", meldete die Ortung. Sie hatten den Flottenverband, bestehend aus fünf Zerstörern der Midway-Klasse, vor einer halben Stunde das erste Mal in der Ortung gehabt. Sie waren ihnen auf Gegenkurs begegnet und würden sie auf achtzehn Kilometer passieren. Ihre Transponder wiesen sie als Schiffe der Pazifik-Flotte aus, deshalb hatte sich Misaki keine besonderen Gedanken gemacht. Ihr Transponder arbeitete zufriedenstellend, sodass jedermann sehen konnte, dass sie nur für Piraten ein Feind war. "Anormalitäten definieren, Ensign!"
"Aye, Shorty! Zerstörer Kobe und Los Angeles haben Kurs geändert und laufen mit Höchstfahrt auf uns zu! Zerstörer Shanghai und Sydney haben Kurs umgekehrt und schneiden tangential in achtzehn Minuten unsere Fahrtrichtung. Zerstörer Jotunheim beschleunigt und schneidet unser Kielwasser in achtzehn Minuten! Achtung, zweiter Verband geortet, Nordnordwest, multiple Signale! Erkenne Fregatten und Zerstörer, ein Kreuzer! Transponder bestätigen Pazifik-Flotte!" Entgeistert sah die junge Frau zu ihrem Skipper herüber. "Verifizierte Abschüsse! Laevetain in der Luft, markiere achtzehn Raketen!"
Misaki wurde bleich. Das sah nicht nur nach einem Versuch aus, ihnen den Weg abzuschneiden, das war auch einer. "Klar Schiff zum Gefecht! Raketenabwehr hoch fahren! Funk, sofort eine Verbindung zum Führungsschiff!"
"Aye, Shorty! Verbindung zur Kobe steht!"
"Hier spricht Kapitän Misaki von Bord der Pascal Magi! Kobe, Sie beschießen ein freundliches Schiff! Stellen Sie die Angriffe ein!"
Ein bärbeißiges Gesicht erschien auf der Videofunkverbindung. Der große alte Mann sah sie böse an. "Geben Sie sich keine Mühe, uns täuschen zu wollen. Wir wissen längst, dass die Alice Brand gestern gekapert wurde und niemand von der Besatzung mehr lebt! Wir wissen auch alles vom geplanten Angriff auf das Flottenhauptquartier! Ihre Mittelsmänner haben Sie verraten, und wir sind hier, um Ihren perfiden Plan zu verderben!"
"Verbindung abbrechen!", befahl Misaki. "Eigene Laevetain vorbereiten, Marines-Besatzung und Leckmannschaften in Bereitschaft!"
"Nanaha, willst du gegen Schiffe der Pazifik-Flotte kämpfen?", fragte Kojima entgeistert. "Das ist doch nur ein Miss..."
"Sie haben uns Alice Brand genannt, Tanja! Die wollen uns tot sehen! Ich weiß nicht, wer oder wie offizielle Kampfschiffe dazu bringen konnte, aber er hat es geschafft! Mach dich aufs Schlimmste gefasst!" Sie war aufgesprungen. "Du hast das Kommando! Ich bin in der CIC! Ruder Nordost, Richtung Grand Roar!"
"Aye, Shorty!" Mehr entsetzt als wirklich beunruhigt nahm Kojima in Misakis verwaisten Stuhl Platz. Durch das Schiff wimmerte der Gefechtsalarm. Der Skipper der Kobe hatte tatsächlich Alice Brand gesagt, und er hatte zufrieden ausgesehen als er das Todesurteil über die Pascal Magi ausgesprochen hatte. Auch sie konnte nicht wissen, wie jemand fünf Zerstörer der Navy dazu hatte bringen können, auf ein ziviles Begleitschiff Jagd zu machen, aber sie konnte sich einiges denken. Und die fadenscheinige Ausrede mit der Kaperung und dem geplanten Anschlag mochte einigen Menschen tatsächlich plausibel erscheinen. Derweil überbrückten achtzehn Laevetain-Raketen die zwanzig Kilometer Distanz bis zur Pascal Magi. Das war ihr primäres Hauptproblem, nichts sonst. Über die Frage nach dem Warum konnte man sich später den Kopf zerbrechen. Sie öffnete den Rundrufkanal. "Commander Kojima an alle: Bereit machen für Einschlag! Jeder hat einen festen Halt!"
Die Raketenabwehr der Pascal Magi konnte höchstens, allerhöchstens zwölf der Raketen runter holen - mit Glück - und das Schiff selbst vielleicht sechs direkte Treffer überstehen. Pech und Glück würden entscheiden, wie es weiter ging. Wenn keine Blindgänger dabei waren, Pech. Wenn die Raketenabwehr weniger als zwölf erwischte, noch mehr Pech. Sie fuhren rosigen Zeiten entgegen, ging es ihr ironisch durch den Kopf, bevor sie auf Professionalität umschaltete. Noch schwamm die Pascal Magi.
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