Tilbake igjen

von sjoe
GeschichteRomanze / P18
03.03.2010
06.12.2018
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Dieses Kapitel
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Emma und Liv sahen den beiden hinterher, dann tauschten sie einen Blick.

„Revival?“ Tine sah zweifelnd drein.

„Glaube ich eher nicht!“ konnte Liv sich das nicht vorstellen und auch Emma schüttelte den Kopf.

„Andererseits ist das ja schon ein irrer Zufall, dass die beiden sich hier und heute wiedertreffen!“ gab Liv dann zu bedenken.

„Scheint so ein Ding zwischen deutschen Frauen und norwegischen Männern zu sein…“, grinste Emma.

„Stimmt. Ist nicht nur bei Eirik und mir vorgekommen, sondern auch bei Sigurd und dir und man sieht ja, wo das hingeführt hat. Wer weiß also, was das bei Nike und Gunnar wird!“

„Was ist mit mir?“ Sigurd, der noch mit Bjørn Einar, Eirik, den beiden Anders‘ und Tom zusammen gestanden hatte, hatte beim zu ihnen Herüberkommen seinen Namen gehört.

„Ach, es ging darum, dass es passieren kann, dass eine Deutsche und ein Norweger überraschend wieder aufeinander treffen“, erklärte Tine.

„Oh ja, das kommt vor!“ nickte er, legte den Arm um Emma, zog sie an sich und küsste sie liebevoll auf die Schläfe. „Diesen Augenblick werde ich wohl nie vergessen!“

„Ich auch nicht!“ lächelte sie zu ihm hinauf.

„Fragt mich mal! Als Tine da plötzlich in Engelberg auftauchte, mannoman! Das hatte Lawinencharakter!“

Tine sah ihren Freund mit hochgezogenen Augenbrauen an: „Was willst du bitte damit andeuten?“

„Nur, dass du mir damals voll den Boden unter den Füßen weggerissen hast und das auch heute noch tust!“ Um das zu unterstreichen zog er sie an sich und küsste sie stürmisch.

„Aber wenn wir es schon von unerwarteten Begegnungen haben, Dark wird nicht auch noch hier auftauchen?“ wollte er wissen, nachdem er sie wieder losgelassen hatte.

Emma machte große Augen. Das wäre natürlich eine Überraschung!

„Nicht, dass ich wüsste, nein. Den sehen wir wohl erst im Februar!“ verneinte Tine.

Eirik schien erleichtert und Sigurd sah ihn von der Seite her an: „Ich glaube, so wie du reagierst, muss ich mir den unbedingt anschauen, wenn er nach Norge kommt!“

„Diesbezüglich darfst du Eirik nicht ernst nehmen!“ wandte dessen Freundin sofort ein. „Dark ist einfach ein total netter Kerl und vollkommen harmlos.“

„Ach so. Deshalb auch der Name!“

„Den hat er nur wegen seiner dunklen Haare und Augen und weil ihm ‚Johannes‘, wie er wirklich heißt, zu fromm ist. Er steht mehr so auf düsteres Metal!“

„Das habe ich dir doch schon mal erzählt!“ erinnerte Emma ihn.

„Ja. Und auch, dass er der beste Freund von deinem Ex ist.“

„War! Die haben kaum noch Kontakt!“ kam es sofort von Tine.

„Wie auch immer, ich würde ihn gern treffen, wenn er da ist.“

„Kannst du doch!“ nickte Emma sofort.

Eirik warf einen Blick auf seine Uhr und sagte dann mit leisem Bedauern: „Die Arbeit ruft. Ich treffe mich in zehn Minuten mit Halvard im Pressezentrum, ich glaube, ich sollte mich so langsam auf den Weg machen!“

Er gab seiner Freundin einen kurzen Abschiedskuss und nickte dann in die Runde: „Bis später!“

„Bis später!“

Sigurd sah Emma fragend an: „Was machen wir jetzt?“

„Ich warte hier auf Bernar“, erklärte Liv.

„Dann warten wir mit dir und dann… hm…“ Emma hob die Schultern.

Ihr Mobiltelefon piepste und sie zog es aus der Jackentasche.

„Sören hat mir etwas geschickt“, erklärte sie nach einem Blick auf das Display.

Dann runzelte sie die Stirn: „Eine MMS. Muss ich erst noch runterladen.“

Es dauerte einen Moment, dann begann sich langsam ein Bild aufzubauen, quasi Pixel für Pixel.

Sigurd sah ihr neugierig über die Schulter, dann begann er breit zu grinsen: „Ach!“

Da das Bild gerade mal zur Hälfte geladen war, konnte sich Emma noch keinen Reim darauf machen und sah ihn fragend an.

„Ja guck doch!“ deutete er immer noch grinsend mit dem Kinn auf das Telefon.

Den Umrissen nach handelte es sich um die Oberkörper und Köpfe von zwei Personen.

„Da sieht man doch noch gar nicht, wer das ist!“ schüttelte sie den Kopf.
Sigurd lachte.

Nun beugten sich auch Liv und Tine neugierig über das Mobiltelefon und versuchten, einen Blick auf das Display zu erhaschen.

„Sören und irgendein Mädel würde ich mal sagen!“ mutmaßte Tine.

„OHHH!“ Nun fiel es Emma wie Schuppen von den Augen. „Das ist Theresa!“

„Natürlich ist das Theresa! Wer denn sonst?“ amüsierte sich ihr Freund.

Nun hatte sich das Bild auch komplett aufgebaut, so dass man auch Details erkennen konnte: Sören und Theresa saßen dicht nebeneinander auf einer Couch, sie lehnte sich gegen ihn und er hatte den Arm um sie gelegt. Sie sahen einander glücklich lächelnd an.

„Holla die Waldfee. Da hat sich Sören aber eine ganz Süße geangelt!“ war Tine beeindruckt.

„Ich glaube, sie ist außerdem noch richtig nett, wir haben sie zwar nur kurz beim Kaffeetrinken kennengelernt, aber ich fand sie total sympathisch!“

„Sie war zum Kaffeetrinken bei euch? Und dann kommst du nicht drauf, was dein Bruder dir schickt?“

„Meine Rede!“ schlug Sigurd in die gleiche Kerbe.

„Sie war ja nur zum Kaffeetrinken dabei, weil Sören und du noch nicht da wart und meine Mutter sie mit ihrer Einladung total überrumpelt hat. Da waren sie ja noch nicht zusammen.“

„Mit Betonung auf ‚noch‘! Du hättest Sörens Geschwärme mitanhören sollen, dann wäre dir alles klar gewesen!“ wandte ihr Freund ein.

„Das war es mir beim Kaffeetrinken dann auch. Zudem hatte ich den Eindruck, dass Theresa nicht gerade abgeneigt war, aber man kann ja nie wissen! Schließlich haben sie ja auch noch bis heute gebraucht…“

„Gut Ding will eben Weile haben!“ merkte Liv mit einem Zwinkern an.

„Das Kaffeetrinken war vorgestern!“ entgegnete Sigurd trocken.
Tine kicherte.

***

Gunnar und Nike setzten sich in Bewegung und liefen nebeneinander her, auch wenn sie immer mal wieder im Weg herumstehenden Personen ausweichen mussten.

Keiner von beiden sagte etwas, bis sie das Stadionportal hinter sich gelassen hatten, dann atmeten sie unisono auf und mussten daraufhin lachen.

„Ich weiß nicht, irgendwie hat mich das jetzt gestresst gerade, mit den vielen Leuten!“ bekannte sie.

„Ja, mich auch!“

„Normaler weise macht mir das nichts aus!“

„Nein, mir auch nicht. Wenn das morgen immer noch der Fall ist, kann das ja echt heiter werden, denn da wird es mit Sicherheit deutlich voller.“

„Ich weiß.“

Sie schwiegen einen Moment, dann fragte sie: „Du hast den anderen also gar nicht gesagt, dass du kommst?“

„Nein. Also, ich hatte Bernar gestern angeschrieben, weil ich wissen wollte, ob er noch an Karten kommt und als er das bejahte, habe ich kurzerhand Zimmer und Flug gebucht und bin hergekommen.“

„Das ist aber ganz schön spontan!“ grinste sie.

„Ich weiß. Aber mir war einfach danach!“

„Siehst du und ich habe die Karte sicher schon drei Monate oder noch länger.“

„Gehst du noch regelmäßig zu Springen?“

„Nein. Ich war vor zwei Jahren schon mal hier in Garmisch, einfach, weil es das nächste von München aus ist. Letztes Jahr war ich im Sommer in Hinterzarten. Und jetzt halt wieder Garmisch. Wenn also eine Regelmäßigkeit zu erkennen ist, dann darin, dass ich einmal im Jahr wo bin. Du?“

„Die üblichen Springen halt. Lillehammer, Vikersund, Oslo“, zuckte er mit den Schultern. „Und du bist jetzt in München?“

„Ja. Ich studiere da. Physik. Allerdings wohne ich ein wenig außerhalb, in der Stadt direkt kann sich das niemand leisten. Und ich jobbe nebenher als Kellnerin.“
Physik. Er erinnerte sich dunkel, dass sie das auch damals schon gemocht hatte.

„Gefällt‘s dir?“

„Was? Das Studium? Oh ja. Es ist zwar teilweise echt anstrengend, aber das ist genau das, was ich immer machen wollte. Wir sind nur relativ wenig Frauen, aber mit denen verstehe ich mich ganz gut, wobei ich eigentlich meist mit den Männern noch besser klarkomme.“

Klar. Weil die vermutlich alle insgeheim ein Auge auf sie geworfen hatten!

„Klingt gut. Und der Job?“

„Der Job?“ sie zuckte mit den Schultern. „Naja, ist halt ein Job, viel Gerenne, aber das hält fit, dann gibt es gutes Trinkgeld  und das Wichtigste: ich habe wirklich nette Kollegen und Kolleginnen, das macht Vieles wieder wett!“

„Ja, das stimmt.“

„Und du bist immer noch Lehrer, nehme ich mal an?“

„Klar. Was sollte ich auch sonst anderes machen? Nein, alles noch beim Alten.“

„Macht es dir denn noch Spaß?“ Sie sah ihn an, als würde sie das tatsächlich interessieren.

Davon ermutigt, sagte er: „Natürlich nicht immer, aber ja, überwiegend schon. Das ist einfach genau mein Ding!“

„Das ist gut. Haben wir also beide das gefunden, was zu uns passt.“

„Diesbezüglich schon, ja.“ Und dann biss er sich im gleichen Moment auf die Zunge. Verdammt, hätte er nicht erst nachdenken können, ehe er das sagte?

Aber er hatte angefangen, sich wieder an ihre Gegenwart zu gewöhnen und sich damit dann auch zu entspannen und dann passierte so was natürlich.
Ganz toll, Gunnar!

„Klingt nicht, als würde es dir Beziehungstechnisch gut gehen!“ konstatierte sie sofort.

„Nein. Ich war an Heiligabendvormittag mit meiner Freundin auf dem Weg zur Eisbahn, als uns zufällig ihre erste große Liebe begegnet ist. Er war wohl zwei Jahre weg, bis dato. Und das war dann der Anfang vom Ende.“

Nike verzog das Gesicht: „Ooh, das ist ja fies! An Weihnachten und dann auch noch an den wiederaufgetauchten Ex!“

„Tja.“

„Wie lange wart ihr zusammen?“

„Vier Monate. Wobei man da noch mal einen Monat abziehen muss, in dem wir eine Auszeit hatten, an der ich nicht ganz unschuldig war. Aber seitdem lief es eigentlich ziemlich gut. Allerdings muss ich dazu sagen, dass sie Mitte Januar für ein Studium nach England gehen wird. Vielleicht war das also einfach nur ein schnelleres Ende, als es auch so gewesen wäre.“

„Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Außerdem ist es ja wohl eine Sache, wenn es wegen der Entfernung auseinander geht, aber ein anderer Kerl…“ Kaum hatte sie das ausgesprochen, biss Nike sich auf die Lippen.

Die Parallelen zu ihrer eigenen Geschichte waren nicht zu übersehen.

Gunnar schwieg dazu, aber ehe die Stille dann zu unangenehm wurde, fragte er: „Und bei dir? Oder ist das das nächste Fettnäpfchen?“

Sie lachte ein wenig unsicher auf, dann schüttelte sie den Kopf.

„Nein. Ich war eine ganze Weile mit Simon zusammen, auch noch nach dem Abi, bis kurz vor meinem Weggang nach München. Hatte sich einfach ein wenig abgekühlt, alles und so haben wir uns in aller Freundschaft getrennt. Er besucht mich ab und an noch und dann gehen wir zusammen weg. Ansonsten…“, sie zuckte mit den Schultern. „Einmal war da ein Student, den ich ganz klassisch auf einer Party getroffen habe, aber das war ganz schnell wieder vorbei, als ich ihn etwas näher kennengelernt hatte.“

„Wieso? Nerdig? Arrogant? Gruselig? Klammerer? BDSM-Jünger?“ zählte Gunnar auf und sie musste lachen.

„Gruselig!“ sagte sie dann. „Er hat so ganz düstere Rollenspiele gespielt und ich hatte mehr und mehr den Eindruck, dass DAS eigentlich seine Realität ist und das richtige Leben nur ein notwendiges Übel. Ob er auch auf BDSM stand, habe ich zum Glück gar nicht erst ausprobiert.“

„Oj, okay. Ich dachte, solche Leute gibt es nur in Filmen.“

„Nein. Offenbar nicht.“

Sie schwiegen wieder und Gunnar betrachtete sie von der Seite.
Er konnte sich kaum vorstellen, dass bei ihr die Kerle nicht Schlange standen, aber gut, das konnte ja trotzdem der Fall sein, nur, dass sie sich aus keinem von denen etwas machte.

Sie sah ihn an und er blickte ertappt zu Boden.

„Sollen wir umdrehen?“ schlug sie vor.

Ein wenig enttäuscht nickte er. Jetzt, wo sie alle Fakten abgeklärt hatten, war er wohl nicht länger interessant.

Aber gut, was hatte er erwartet?
Dass sie sich ihm nach drei Jahren sofort wieder an den Hals schmiss?
Nicht wirklich!

Und schon gar nicht, wenn man sein Glück in Bezug auf Beziehungen näher betrachtete.  

Außerdem war er frisch getrennt und hatte eigentlich keinen Nerv auf die nächste Scheiße, was sie sich natürlich an drei Fingern abzählen konnte.

Warum also sollte sie mehr Zeit mit ihm verbringen, als notwendig?

„Wir könnten ja noch einen Kaffee trinken, oder?“ widerlegte ihre Frage seine düsteren Gedanken sofort. „Ich finde nur, es wird so langsam dämmerig und…“

Überrascht sah er sich um und nahm jetzt erst seine Umgebung so richtig wahr.

Sie liefen an einer Straße außerhalb des Ortes entlang und in ein paar hundert Metern begann ein Wald.
Da die Sonne bereits hinter den Bergen verschwunden war, ging es tatsächlich schon fast der Dämmerung entgegen.

„Oj, ähm ja. Nein, lass uns umdrehen, wir finden sicher ein Cafe oder so.“

„In Oberstdorf wüsste ich sofort, wo ich hingehen wollte!“ lächelte sie in der Erinnerung daran.

„Ich auch! Hier dagegen… Hast du beim letzten Mal keines getestet?“

„Nein, irgendwie nicht. Aber gut, da war ich tatsächlich nur zum Springen da, also, am Neujahrstag und bin dann anschließend ziemlich direkt wieder nach München gefahren.“

„Das klingt aber stressig!“

„War es auch. Ich musste noch an einem Referat arbeiten, das im Januar anstand, aber ich wollte auch unbedingt wenigstens das eine Springen live sehen. Zum Glück geht das echt ganz gut, von München aus, herzukommen.“
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