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Jerusalem sei dein Leben

von Sharaku
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P16 / Gen
Balian von Ibelin Guy de Lusignan Reynald Saladin Sibylla Tiberias
01.03.2010
08.10.2011
47
66.225
 
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01.03.2010 1.079
 
Jerusalem sei dein Leben

Vorwort:

Ich versuche mich auch mal wieder an einer Kingdom of Heaven-FF ^-^" Die Geschichte spielt um das Jahr 1183, die meisten Charaktere sind frei erfunden. Im Übrigen ist es keine Liebesgeschichte oder dergleichen, sondern eine Erzählung über König Balduin IV und sein Leben. Einiges beruht auf echte Fakten, anderes ist einfach dazugedichtet. ;)

Außerdem wage ich zu bezweifeln, dass es die Grafschaft Tabgha damals gegeben hat, aber das ist ein kleiner Ort in der Nähe von der Hauptstadt des Heiligen Landes, der ebenfalls ein Schauplatz der Geschichte ist.

Der im Film vorkommende Tiberias wird in dieser FF als Raimund von Tripolis bezeichnet, was ja eigentlich sein richtiger Name ist.^^ Ridley Scott hat ihn nur umbenannt, damit man ihn nicht mit Reynard de Châtillon verwechselt.

Und jetzt ... viel Spaß beim Lesen :D



1. Kapitel: Die Heilige Stadt

Ich sah auf. Über uns glitt der Torbogen hinweg, als unsere Pferde uns in die Stadt trugen. Es war überwältigend schön.
„Wie gefällt dir Jerusalem, Sania? Es macht doch einen netten Eindruck, nicht wahr?“ Darel ließ seinen Blick über die Gebäude schweifen, die vor uns aufragten. Sein dunkelblondes Haar war von der langen Reise zerzaust und auch sonst sah er, wie ich nebenbei bemerkt ebneso, sehr mitgenommen aus. Aber seine blauen Augen strahlten.
„Hmhm“, murmelte ich bloß. Den Triumph, dass mir die Stadt auch gefiel, wollte ich ihm nicht gönnen. Ich hatte mich die ganze Zeit dagegen gesträubt, ihn hierher zu begleiten.

Von irgendeinem verstorbenen Verwandten hatte er eine kleine Grafschaft in der Nähe von Jerusalem bekommen, Tabgha hieß sie. Begeistert von der Aussicht, endlich im Heiligen Land leben zu können, war mein Bruder sofort aufgebrochen und hatte mich natürlich mitschleifen müssen. Wir zählten nur zum niederen Adel, deswegen hatten wir kaum etwas zu verlieren.

Ich seufzte. Überall wo man hinsah nur Sand und Staub. Selbst die meisten Gebäude waren von sandiger Farbe. Nur die vielen Menschen um uns herum brachten mehr oder weniger Farben in die eintönige Umgebung. Neugierig musterte ich die schlichten, aber schönen Schmuckstücke, die ein Händler auf einem etwas größeren Platz feilbot. Alles war hier so sehr anders als zuhause, es war, als würde man in eine andere Welt eintauchen.

„Wir besitzen auch ein Haus in Jerusalem. Ich habe dem Statthalter hier, Raimund von Tripolis, schon einen Brief geschrieben. Er empfängt uns in seinem Haus hier.“ Darel lächelte. Er war glücklicher als ein kleiner Junge unterm Weihnachtsbaum. Auch ich musste anfangen zu grinsen, was nach einer so entbehrungsreichen Reise ein Wunder war.

Unsere Begleiter und Diener waren gleich nach Tabgha geritten und ich würde zu gerne mit ihnen tauschen. Mein Bruder hatte natürlich sofort nach Jerusalem reisen müssen, dieser Fanatiker. In meinen langen braunen Haaren hatten sich die Sandkörner der Wüste, die wir durchqueren mussten, verfangen. Außerdem sah ich bestimmt schrecklich aus. Aber Darel war das völlig egal.

Er hielt mit einer Hand die Zügel seines Pferdes Sorian, mit der anderen den Brief, den er vor etlichen Tagen von dem Statthalter Jerusalems bekommen hatte und der der Grund für unseren Aufbruch war.
„Hier müsste es sein.“ Er sah auf und hielt vor einem großen Haus. „Das Verwaltungsgebäude von Jerusalem.“ Darel warf mir einen Blick zu. „Bist du mir immer noch böse? Du wirst sehen, es wird dir gefallen. Immerhin ist das hier das Heilige Land“, erklärte er so inbrünstig, als müsste ich dieses ausgetrocknete Stück Wüste, dass sich ein Land schimpfte, allein schon aus dem Grund mögen.

Ich verkniff mir jeglichen Kommentar und stieg ab, um einem herbeieilenden Diener die Zügel meiner Stute Hariza in die Hand zu drücken. Ein weiterer in weiße Gewänder gehüllter Mann verbeugte sich vor uns und führte uns zu dem Haus.
Als wir durch das Tor traten, empfing uns ein angenehm kühler Windhauch, und ich atmete erleichtert aus. „Endlich! Ich wäre in dieser grässlichen Hitze schon bald so gar geworden wie ein Brathähnchen!“
Darel warf mir einen erschrockenen Blick zu. „Sania! Wir befinden uns gleich in hoher Gesellschaft, benimm dich bitte. Oder versuch es zumindest …“
Ich streckte ihm frech die Zunge heraus, als vor uns plötzlich ein verhaltenes Räuspern ertönte.

„Willkommen in Jerusalem, Graf Darel. Darf ich annehmen, dass die hübsche Frau an Eurer Seite Eure Gemahlin ist?“, fragte ein älterer Mann, der wie aus dem Nichts vor uns stand.
„Sania ist meine Schwester“, erwiderte mein Bruder verlegen über das Benehmen, das ich an den Tag legte. Aber ich hatte auch gar nicht vor, mich zu ändern.
„Ah, auch gut. Also, Lady Sania, auch Ihr seid willkommen. Ich bin Raimund von Tripolis, wie sich vermuten lässt.“ Er nahm meine Hand und hauchte mir einen Kuss auf den Handrücken.
„Auch ich freue mich, Euch kennen zu lernen.“ Ich unterdrückte einen weiteren Seufzer, den mindestens tausendsten, seitdem wir dieses dumme Land erreicht hatten.

Raimund führte uns in einen anderen Raum, in dem ein Tisch mit mehreren Stühlen darum herum stand. Für einen Moment vergaß ich auch den letzten Rest an Etikette und sah mich staunend in dem Zimmer um.
Die Wände waren prachtvoll verziert und in den Ecken standen Behältnisse, denen der sanfte Geruch nach würzigem Weihrauch entströmte. Durch die von hauchdünnen Seidentüchern verdeckten Fenster schimmerte ein schwacher Lichtschein von draußen herein und die gedämpften Geräusche der lebendigen Stadt.

„Setzt Euch doch. Ihr habt eine lange Reise hinter Euch.“ Der Statthalter wies auf die Stühle und zog sich selbst einen heran, um darauf Platz zu nehmen. „Junger Graf von Tabgha.“ Er musterte meinen Bruder eingehend. „Euer Onkel war ein sehr guter Freund von König Amalrich. Ich hoffe, wir können auch auf Eure Unterstützung zählen.“
„Wie meint Ihr das?“, fragte Darel leicht irritiert. Auch ich betrachtete den grauhaarigen Mann uns gegenüber überrascht.
„Es gibt geteilte Meinungen am Hofe unseres Königs. Ihr werdet schon sehen, was ich damit meine.“ Raimund nahm einen Schluck aus dem Becher, der ihm von einem Diener gereicht wurde. Auch vor uns wurde eine Weinkaraffe und Trinkkelche abgestellt. „Wo wir gerade bei dem Thema sind, heute Mittag seid Ihr eingeladen, bei seiner Majestät zu speisen. Allen Grafen von Jerusalem ist diese Ehre zuteil.“
„Ich nehme das Angebot gerne an. Sania?“ Mein Bruder warf mir einen hilfesuchenden Blick zu und ich musste unwillkürlich lächeln. Er war perfektionistisch und immer sehr darauf bedacht, einen guten Eindruck zu  hinterlassen, gerade in der Gesellschaft eines Königs. Deswegen wirkte er oftmals etwas steif und war in der Gegenwart hochrangiger Menschen erstaunlich ruhig.
„Ich werde auch mitkommen.“
„Gut. Macht Euch am besten erst einmal frisch, dann können wir zum Palast aufbrechen.“
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