Übersetzung: The Force of Habit von Anna Amuse

GeschichteRomanze / P12 Slash
James T. Kirk Spock
28.02.2010
02.03.2010
4
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A/N: Szenenwechsel. Ich fand das im Original anfangs verwirrend, darum hier der Hinweis: Jedes Kapitel enthält eine separate Szene.
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Er wollte die Augen nicht öffnen. Er wollte für immer in dieser gesegneten dunklen Blase der Bewusstlosigkeit bleiben, ohne seinen Körper oder seine Wunden zu spüren. Er war schwach, das konnte er fühlen. So schwach, selbst das Denken fiel schwer. Aber etwas zog ihn aus seinem bequemen Versteck. Etwas sehr Beharrliches zerrte ihn gewaltsam an die Oberfläche. Schockartig wurde ihm klar, dass es Schmerz war. Er stöhnte leise. Alles tat ihm weh. Wie hatte er es fertiggebracht, sich das anzutun?

Endlich öffnete er die Augen, aber sein Blick war verschwommen und das Bild schwankte und drehte sich vor ihm. Mit ungeheurer Anstrengung konzentrierte er sich auf das Gesicht, das hoch über ihm erschien. Es war vertraut, und es sah zu ihm hinunter. Dann bewegte es sich und sagte etwas. Er musste hören…

"Captain. Willkommen zurück."

Kirk blinzelte mehrfach, um das überwältigende Schwindelgefühl zu bekämpfen.

“Spock…” krächzte er heiser. Das Sprechen schmerzte. „Spock, Sie … Sie sehen katastrophal aus.“

Spock würdigte ihn nicht einmal einer Augenbraue und machte erst recht keine Anstalten, sein völlig zerzaustes Haar zu glätten oder sich den Ruß aus dem Gesicht zu wischen. Er fuhr einfach fort damit, auf ihn herunter zu starren.

“Katastrophal ist richtig,” kam ein vertrautes Knurren, das ihm mitteilte, dass auch McCoy hier war. „Katastrophal ist das Wort des Tages. Du siehst katastrophal aus, Jim. Die Krankenstation sieht katastrophal aus. Das ganze Schiff. Sogar Spock sieht katastrophal aus. Ich hoffe, du bist endlich zufrieden.“

Kirk versuchte sich ein wenig in die Höhe zu stemmen, stellte aber fest, dass die Anstrengung viel zu groß für ihn war. Er brachte jedoch erfolgreich ein paar Bioscanner durcheinander, und McCoy fluchte leise. Der Doktor ging zum Bett. Spock nahm McCoys üblichen Platz auf der rechten Seite des Bettes in beschlag, und McCoy fluchte wieder unhörbar und ging auf die andere Seite. Es hatte keinen Sinn, jetzt den Versuch zu unternehmen, den Vulkanier da weg zu bekommen. Nicht wenn er im besten Interesse des Patienten zu handeln gedachte.

“Bleib still liegen, Jim, bist du so gut?”, knurrte er, müde und genervt. „Du hast dir schon genug Schaden zugefügt.“

Kirk sah starr zu Spock auf.

„Die Mission. Hatten wir… Erfolg?“

“Ja, Captain. Der Tsunami wurde abgelenkt. Sechsundachtzig Prozent der Wasservorräte wurden durch den Konverter zurück auf die Planetenoberfläche gebracht.”

„Dann haben wir es rechtzeitig geschafft,“, seufzte Kirk erleichtert.

"Ja, Sir."

“Rechtzeitig,”, äffte McCoy ihn angeekelt nach. „Rechtzeitig, um dich beinahe umzubringen? Du kommst nie zu spät zu dieser Art Party, Jim, nicht wahr?“

Kirk ignorierte ihn.

"Schiffs…status?”

Spock sah kurz auf den Monitor über dem Bett, dann zu McCoy. Der Doktor hob die Augen nicht von seinem Scanner, nickte aber fast unmerklich. Spock konzentrierte sich wieder auf seinen Captain.

“Funktionstüchtig, allerdings… Mr. Scott ist… verärgert.”

Kirks Augen weiteten sich leicht.

Wie verärgert?“

Sehr verärgert, Captain. Ich empfehle, dass Sie sich vom Maschinenraum fernhalten… eine Zeitlang.“

“So schlimm, hm?”

“In der Tat.”

Spock hätte es zweifellos unlogisch gefunden, aber Kirk fühlte sich sofort besser. Es war nur zum Teil scherzhaft gemeint, dass Scottys Stimmung ein zuverlässigeres Mittel waren, den Status des Schiffs festzustellen, als der gründlichste Computercheck aller Systeme. Aber allein die Tatsache, dass Spock dieses spezielle Messinstrument erwähnte, sagte ihm, dass sie das Gröbste überstanden hatte. Es bestand kaum ein Zweifel daran, dass sein Erster Offizier das absichtlich getan hatte.

“Warum sind Sie dann hier?”, fragte Kirk und zuckte zusammen, als McCoy vorsichtig seinen Arm untersuchte. „Sie müssen alle Hände voll zu tun haben.“

“Sehr richtig,”, Spocks Blick bohrte sich erneut in den Chefmediziner. „Und ich habe das dem guten Doktor mehrfach erklärt. Aus irgendeinem Grund besteht er darauf, mich hier als Geisel zu halten.“

“Geisel,”, schnaubte McCoy, ließ Kirks Arm los und lud sein Hypospray. „Soweit kommt’s noch.“ Er presste das Hypo an Kirks Schulter, trotz dessen schwacher Proteste. „Ich erwarte Sie in einer Minute in meinem Büro, Spock. Ich werde Sie durchchecken, und dann gehen Sie mir um Himmels Willen aus den Augen.“

„Worte reichen nicht aus, um meine Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, Doktor,“ sagte Spock sarkastisch.

“Eine Minute,” wiederholte McCoy betont. Er wartete lang genug, um Spock zustimmend nicken zu sehen, und verließ den Raum.

Für einen langen Augenblick herrschte nichts als Stille. Wie vorauszusehen war Kirk der erste, der es nicht mehr aushielt.

“Spock, ich werde jetzt jede Sekunde einschlafen,” sagte er müde. „Wenn Sie eine Entschuldigung wollen…“

„Das will ich nicht.“

„Sehen Sie, ich…“

“Captain. Sie sind mein vorgesetzter Offizier. Die Dienstvorschrift
verlangt nicht, dass Sie Ihr Verhalten mir gegenüber rechtfertigen.“

„Das hatte ich nicht vor. Ich wollte nur, dass Sie verstehen…“

“Ich verstehe sehr wohl, Sir. Als mein Kommandant sind sie nicht im Mindesten verpflichtet, meinem Rat zu folgen, sich auf meine Erfahrung zu verlassen oder auch nur nach meiner Meinung zu fragen. Meine Pflicht ist es, mich Ihren Befehlen zu fügen. Meine Hauptfunktion ist es offenbar, bereit zu stehen und zuzusehen, wie Sie Ihr Leben in einem wenig durchdachten, schlecht getimten und höchst unvernünftigen Wagnis riskieren, das niemand mit auch nur rudimentärer Intelligenz versteht. Es ist jedoch Ihr Vorrecht zu tun, was Sie wollen. Ich würde mich nicht erdreisten, Ihre Autorität in Frage zu stellen. Der Dienst ist die Ehre.“

Kirk beobachte, wie das ernste Gesicht versteinerte und begriff, dass Mr. Scott nicht der einzige war, der sich momentan sehr über ihn ärgerte.

“Wow,” sagte er ruhig. „So bin ich seit dem ersten Semester nicht mehr heruntergeputzt worden.“

"Captain—"

“Ich habe Ihnen Angst gemacht, nicht wahr?”

Spock sah abrupt weg.

"Vulkanier—"

"—haben keine Angst. Ja. Das können Sie Ihrer Großmutter erzählen."

Spock presste die Lippen fest zusammen.

“War das alles, Sir? Sie sollten ruhen.“

Nein, das war nicht alles, verdammt, dachte Kirk, der langsam verzweifelte. Aber er war nicht in der Verfassung zu streiten, ganz bestimmt nicht mit Spock. Für den Augenblick musste er es dabei belassen.

“Ja, das war alles, Commander. Wegtreten.“

Es war eine Erleichterung, den Widerstand endlich aufzugeben und die Augen zu schließen.

"Jim."

Die Anstrengung, seine Augen zu öffnen, brachte ihn fast um. Unter großen Schwierigkeiten konzentrierte er sich auf die Gestalt im Türrahmen.

"Hm?"

“Wir sollten aufhören, uns auf diese Art zu treffen.”

Der Raum kam in einer Spirale auf ihn zu, und die seltsame Mischung aus äußerster Hochstimmung und Beschützerinstinkt, die ihn überwältigte, gab ihm neue Kraft. Kirk ließ ein leises ‚Mhhmm’ hören, ob vor Erschöpfung oder Zustimmung war nicht ganz klar, und glitt in den willkommenen Schutz des Schlafs.
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