Übersetzung: The Force of Habit von Anna Amuse

GeschichteRomanze / P12 Slash
28.02.2010
02.03.2010
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Die Macht der Gewohnheit

von

Anna Amuse



Der Klang von Schritten näherte sich entschieden. Spock erhob sich von einem schmalen metallenen Feldbett und stellte sich wartend neben die Gitterstäbe. Er wusste, dass er keinen erfreulichen Anblick bot. Er wusste, dass es den Menschen, der stetig näher kam, nicht kümmern würde. Als der Mann direkt vor ihm anhielt, neigte Spock leicht den Kopf.

"Captain."

Kirk antwortet nicht sofort und musterte ihn von Kopf bis Fuß mit schonungsloser Genauigkeit. Erst dann sah er Spock in die Augen.

Er seufzte.

„Wir sollten aufhören, uns auf diese Art zu treffen,“ sagte er.

Spock sah ihn nur an.

“Ich hatte mich auf einen geruhsamen Urlaub gefreut.“ Kirk verschränkte die Hände hinter dem Rücken. „Das hier war nicht, was ich im Sinn hatte.“

„Ich bedaure die Unannehmlichkeit.“

Kirk nickte nachdenklich. Spock ließ sich nicht von seiner scheinbaren Gleichgültigkeit täuschen. Er kannte seinen Captain gut.

„Warum hat man Sie verhaftet?“

Spock hob eine Augenbraue.

“Ich hatte gehofft, Sie könnten mich diesbezüglich aufklären.”

Kirk starrte ihn an und rieb sich müde die Augen.

“Wissen Sie, ich möchte nur ein einziges Mal ohne diese Routine auskommen. Diese fremden neuen Welten scheinen alle von derselben Sorte zu sein.“

„Ich stimme zu, es ist etwas anstrengend,“ gab Spock offen zu. „Werden Sie…“

“Ja,”, unterbrach Kirk ihn fest. „Sie kennen die Anklage nicht.“ Das war keine Frage. „Ich auch nicht, und niemand hier sagt etwas. Beschreiben Sie, was geschehen ist. Nein, warten Sie. Ich möchte zuerst wissen, wie viel Zeit uns bleibt.“

Spock neigte leicht den Kopf und sah ihn an.

„Die tranianische Justiz ist schnell, wie Sie wissen.“

“Und recht einfallslos bei Methoden des Strafvollzugs, ja. Wann wurden Sie festgenommen?“

„Um 2347 letzte Nacht.“

“Was uns ungefähr sechs Stunden Zeit lässt.” Kirk schüttelte den Kopf. „Ich nehme an, es hätte schlimmer kommen können. Nun, Mr. Spock. Was ist geschehen? Und fangen Sie bitte mit dem Anfang an.“

“Wie wir vereinbart hatten, beamte ich direkt in den Palast des Regenten, um die Formalitäten mit ihm durchzugehen. Er hatte mich erwartet. Wir brauchten 1.4 Stunden, um zu einer Übereinkunft hinsichtlich des Protokolls zu kommen, das unsere Crew beim Landurlaub beachten muss. Ich kontaktierte die Enterprise, um Sie darüber zu informieren.“

„Ich erinnere mich. Weiter.“

“Der Regent fragte mich, ob ich gern an einer Führung durch die Stadt teilnehmen würde. Ich war noch nie auf Tran Primus, also stimmte ich zu.“

„Leitete er die Führung selbst?“

„Nein. Er empfahl seine Tochter als Führerin. Eine höchst... faszinierende junge Dame.“

„Daran zweifle ich nicht,“, bemerkte Kirk verdrossen. „Was geschah dann?“

„Nichts von Bedeutung.“ Spock schien leicht verwirrt. „Sie zeigte mir einige recht faszinierende Sehenswürdigkeiten: Den Tempel der Verdammnis, das antike Theater. Es war eine höchst lehrreiche Exkursion. Als sie vorbei war, dankte ich ihr und unsere Wege trennten sich. Ich kehrte zurück zum Beampunkt, als die Wachen sich mir näherten. Ich leistete keinen Widerstand.“

Kirk beobachtete ihn mit durchbohrenden Blicken.

„Zeigte der Regent irgendwelche Anzeichen von Feindseligkeit Ihnen gegenüber?“

“Nein,”, Spock schürzte die Lippen und schüttelte leicht den Kopf. „Tatsächlich verhielt er sich sehr freundlich.“

“Ist während dieser Führung irgendetwas geschehen? Sie sagten, Sie hätten einen Tempel besucht – Sie haben nicht zufällig irgendetwas zu irgendeinem Priester gesagt?“

“Nein, Captain. Ich habe während der gesamten Führung mit niemandem außer Lady Mosina gesprochen.”

“Dann muss es etwas sein, was sie zu diesem Mädchen gesagt oder getan haben.”, schlussfolgerte Kirk und studierte den Vulkanier mit einem offensichtlich durchdringenden Blick. „Sind Sie sicher, dass Sie sie nicht in irgendeiner Weise… misshandelt haben?“

Spock verschränkte die Arme vor der Brust und sah Kirk ziemlich kalt an.

“Welche Art von ‘Misshandlung’ hatten Sie im Sinn, Jim?”. Sein Ton war eisig.

“Entschuldigung”, Kirk sah kurz zu Boden. ”Ich habe wohl einen Moment lang vergessen, mit wem ich spreche.“

“Offensichtlich,”, sagte Spock steif. „Obwohl ich gestehen muss, wäre unsere Position in Bezug auf diese Gitterstäbe umgekehrt, dann wäre es eine legitime Fragestellung.“

Kirk sah ihn scharf an. Es sah Spock nicht ähnlich, nach billigen Triumphen zu suchen. Die Tatsache, dass er es jetzt tat, sagte Jim sofort, dass seine Einschätzung der Lage ziemlich pessimistisch war. Kirk wusste auch, dass er dazu allen Grund hatte. Es war nur auch nicht Spocks Art, einfach aufzugeben. Er musterte seinen Freund genauer. Was war ihm entgangen?

“Sind Sie sicher, dass Sie in Ordnung sind?” fragte er wie nebenbei.

Spock würdigte ihn keiner Antwort.

“Schön,”, brummte Kirk. ”Ich sehe schon.  Wenn Sie mich dann entschuldigen würden, ich muss mit ein paar Leuten reden.“

“Captain, ich habe eine Bitte,” sagte Spock schnell und bannte ihn damit erfolgreich auf den Fleck.

“Ja?”, sagte Kirk vorsichtig, wobei er sein Erstaunen kaum verbergen konnte. Spock hatte ihn in der bekannten Geschichte nie um etwas gebeten.

“Bitte schließen Sie die Tochter des Regenten nicht in die Liste der Personen ein, die Sie befragen werden.”

Kirk stemmte die Hände auf die Hüften und hob herausfordernd den Kopf.

“Sie ist die Schlüsselzeugin. Warum sollte ich nicht?“

Spock seufzte tatsächlich.

"“Weil ich, so sehr ich Ihre Gesellschaft schätze, nicht wünsche, dass Sie mein Zellengenosse werden.“

Kirk konnte nicht verhindern, dass sich ein ziemlich idiotisches Grinsen auf seinem Gesicht ausbreitete. Spock musste sich von dem Anblick abwenden, aber den Captain kümmerte das in diesem Moment nicht. Er sah den gebeugten Kopf mit einem Ausdruck an, den er lieber nicht definieren wollte. Spock das sagen zu hören war es beinahe wert, dass er an diesem schaurigen Ort eingesperrt wurde. Beinahe.

“Ihr Vertrauen zu mir ist herzerwärmend,” sagte er laut mit mildem Sarkasmus. „Sie glauben, ich kann mit keiner Frau sprechen, ohne sie in irgendeiner Weise zu belästigen?“

Spock sah ihn ruhig an.

„Man kann nicht leugnen, dass Ihre Belästigungen üblicherweise willkommen sind, jedoch –„

“Mr. Spock,”, unterbrach Kirk ihn resolut. Aber sein offizieller Kommandoton wurde hoffnungslos untergraben durch das, was der Blick des Anderen ihm sagte. Er seufzte. „Verdammt. Ich glaube, Sie kennen mich inzwischen viel zu gut.”

Spock hob eine Braue.

“War dieses Ergebnis nicht zu erwarten?”

„Nein,“ Kirk schüttelte voller Überzeugung den Kopf. „Sie kamen nicht mit Warnschildern.”

Spock sah nicht weg. Ruhig merkte er an, “Sie auch nicht.“

“Allerdings,” stimmte Kirk zu. „Hören Sie, es ist unmöglich, dass ich nicht mit ihr spreche. Ich muss. Aber ich verspreche Ihnen, ich werde sehr vorsichtig sein. In der Zwischenzeit,“ fügte er hinzu und sah missbilligend auf Spocks skeptische Miene, „warum überraschen Sie mich nicht mit entsprechend gutem Betragen?“

Die Augenbraue schoss wieder nach oben. „Captain?“

“Sie sind zu berechenbar geworden, Herr Wissenschaftsoffizier. Ich bin fast versucht, Sie hier zu lassen und einen neuen zu verlangen. Warum strengen Sie sich nicht ernsthaft an, Ihre … Fluchtreflexe zu kontrollieren und ausnahmsweise an Ort und Stelle zu bleiben, während ich das in Ordnung bringe?“

“Fluchtreflexe, Captain?”, fragte Spock in seinem besten eingeschnappten Ton. „Ich glaube, Sie sind absichtlich beleidigend.“

“Nein, Mr. Spock,” Kirk schüttelte liebenswürdig lächelnd den Kopf. „Aber ich kenne Sie inzwischen ebenfalls viel zu gut. Offen gesagt verhandle ich lieber auf zivilisierte Weise über Ihre Freilassung als mich für zerstörtes Eigentum zu entschuldigen.“ Sein Blick verhärtete sich für einen Moment. „Kein Gefängnisausbruch. Das ist ein Befehl.“

Spock sah leicht verdutzt aus.

"Aye, Sir."

Kirk hatte Mitleid mit seinem offensichtlichen Elend.

„Ich bin sicher, Sie finden einen anderen Weg, Ihren Geist zu beschäftigen, während Sie warten. Außerdem wissen wir nichts über diese Leute. Möglicherweise muss ich mich Ihnen trotzdem anpassen.“

“Ich hoffe inständig, dass es nicht dazu kommt. Wie Sie wissen, sind Vulkanier ein überwiegend friedfertiges Volk. Wir schätzen es nicht, zu Gewaltmaßnahmen zu greifen.“

“Natürlich nicht, Mr. Spock,” sagte Kirk und rieb sich unbewusst die Brust. Seine Begegnung mit Spocks Lirpa auf dem roten Sand von Vulkan war jetzt über ein Jahr her. Auf seiner Haut war nicht einmal mehr ein Kratzer zu sehen, und doch konnte er die Narbe tief in sich spüren. „Ich mache mich dann auf den Weg. Oh, und Spock? Gehen Sie nirgends hin.“

Spock hob nur eine entrüstete Augenbraue.

Die Sonne blendete Kirk einen Moment lang nach dem Halbdunkel des Gefängnisses. Er blinzelte und zählte die schmalen Stufen, als sich ihm jemand näherte.

"Jim."

Kirk hielt abrupt an.

"Bones? Was machst du hier?"

“Ich habe gehört, was passiert ist, nicht wahr?”, grunzte McCoy und schloss zu ihm auf. „Hast du ihn gesehen? Wie geht es ihm?“

“Wie immer,”, murrte Kirk verdrossen, doch dann runzelte er die Stirn. „Tatsächlich habe ich ihn selten so nervös gesehen.“

“Das ist kaum überraschend,“ bemerkte McCoy trocken. „Spock ist so ein bedauernswertes Geschöpf. Er kann jemandem das Genick brechen, ohne mit der Wimper zu zucken, aber gib ihm eine fünfzigprozentige Unsicherheit, ob er unschuldig ist oder nicht, und er geht die Wände hoch. Es ist ein Jammer, dass ich zu spät kam, um dich zu begleiten. Ich hätte ihm die Mühe ersparen können, die Wahrscheinlichkeit auszurechnen.“

“Was meinst du damit? Kennst du die Anklage?“

“Natürlich kenne ich die Anklage,”, McCoy sah ihn seltsam an, dann seufzte er. „Gott, wie ihr zwei es geschafft habt, so lange ohne mich zu überleben, ist mir ein Rätsel.“

“Bones,” Kirks Stimme bekam einen warnenden Ton. Er zog den Doktor beiseite. „Du kannst später in Selbstzufriedenheit baden. Rede.“

McCoy zuckte die Achseln.

“Es gibt nicht viel zu erzählen, Jim, wirklich. Du hast von dem Mädchen gehört?“

“Was ist mit ihr? Spock sagt, er hat sie nicht angerührt.“

McCoy sah ihn an, als ob er Fieberphantasien hätte.

"Natürlich hat er sie nicht angerührt. Das ist das Problem."

"Bones, versuchst du schwierig zu sein?"

“Nein, Jim, ich versuche nützlich zu sein. Zu deiner Information, ich erwischte Spock, verdammt seien seine spitzen Ohren, kurz bevor er hinunterbeamte. Ich sagte ihm, dass ich schon einmal hier war. Ich bot ihm an, ihn über die lokalen Sitten in Kenntnis zu setzen. Weißt du, was dein unerträglich selbstgefälliger Erster Offizier sagte? ‚Ich bin vollkommen über das tranianische Protokoll im Bilde, Doktor. Ihre Dienste sind nicht erforderlich.’ „ McCoy schnitt eine Grimasse. „Irgendwann muss er anfangen, auf mich zu hören.“

“Bones, ich verliere die Geduld,” sagte Kirk verzweifelt. „Würdest du bitte die Selbstbeweihräucherung abkürzen und zum Punkt kommen?“

“Ich habe den Punkt bereits erklärt, Jim, Sie haben ihm eine Führung angeboten. Das ist hier eine Art Umschreibung für, du weißt schon, ein romantisches Angebot. Du kannst es ablehnen, und niemand nimmt es dir übel. Aber wenn du annimmst, musst du es auch durchziehen. Wenn nicht, wird das als Vertragsbruch betrachtet. Was ich Spock alles erklärt hätte, wenn er sich die Zeit genommen hätte zuzuhören.“

“Verdammt,” Kirk schüttelte in äußerster Frustration den Kopf. „Haben diese Leute keine andere Unterhaltung? Jemanden zu exekutieren, nur weil er nicht…“,  er brach ab und sah leicht ungläubig aus.

“Nun, wie du weißt, gibt es hier nur zwei Verbrechen, auf die nicht die Todesstrafe steht – die linken Schuhe älterer Frauen stehlen und um die Mittagszeit Wasser trinken. Die Tochter des Regenten zu beleidigen zählt zu keinem von beiden.“

“Oh Gott – verdammt!” Kirk rollte die Augen und ballte die Faust drohend in Richtung des Gefängnisgebäudes, als ob der Vulkanier ihn sehen konnte. „Ich habe genug von Spock, Bones, das sage ich dir. Konnte er in all diesen Jahren nicht ein paar Kleinigkeiten aufschnappen? Hätte er nicht wenigstens lernen können, wie man flirtet?“

“Ich würde sagen, er macht das ganz hervorragend, wenn er will,“, sagte McCoy spitz mit deutlich ironischem Tonfall.

Kirk schoss ihm einen warnenden Blick zu.

“Ich will das nicht hören.” Er seufzte und trat mit der Stiefelspitze gegen einen losen Stein. „Ich muss mit dieser Frau reden und versuchen, ob wir dieses Missverständnis wieder gutmachen können. Es muss etwas geben, das diese Leute wollen und das wir haben.“ Er sah den Doktor streng an. „Du hältst dich von Spock fern, oder er könnte wirklich verrückt werden von deiner Schadenfreude.“

„Nein, das versuche ich schon seit Jahren. Es klappt nicht. – Jim.“

„Ja?“

“Wenn du mit diesem Mädchen redest, versuch dich … anständig zu benehmen.”

„Oh, Herrgott noch mal. Wenn man dich und Spock hört, ist es ein Wunder, das es immer noch ein paar Frauen gibt, die bei meinem Anblick nicht die Flucht ergreifen. Wir sehen uns später.“

McCoy sah ihn gehen, einen Ausdruck des Zweifels auf dem Gesicht. Dann drehte er sich langsam auf und machte sich in Richtung des Haupteingangs des Gefängnisses auf den Weg.
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