Der Tod

von Allei
GeschichteDrama / P12
24.02.2010
12.03.2010
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24.02.2010 516
 
Sue war weg. Bedächtig zog ich weiter, immer neue Seelen an meiner Hand haltend, ohne Pause. Auf der Welt sterben so viele Menschen pro Sekunde, aber ich schaffe es immer dort zu sein. Wie ich das kann werde ich nicht verraten. Viele Tode berühren mich und manchmal fühlt es sich so an als würde mein Herz zerbspringen. Ja, auch der Tod hat ein Herz.

Oft versuche ich nicht genau hinzusehen und einfach meine Aufgabe zu erfüllen, doch nicht immer gelingt es mir.Einmal starb ein kleines Mädchen in den Armen seines Bruders. Nachdem ich die Seele auf meine Arme genommen und geküsst hatte ging ich jedoch noch nicht.Der Junge flehte mich an auch ihn zu nehmen. Lange blickte ich ihm in die Augen ohne dass er es bemerkte. Schließlich winkte ich ihm und verschwand. Er winkte nicht zurück.

Jedes mal wenn eine Seele stirbt hat der Himmel eine andere Farbe. Bei jedem sieht er anders aus. Mal ist er weiß mit einem Hauch Farbe, mal ist er nahezu schwarz. Aber oft sind es bunte Farben wie Gelb mit einem schimmer Grün oder Orange dass sich im Rot verliert. ich sehe gerne den Himmel an. Er erinnert mich an ein Bild auf dem die Persönlichkeit der Menschen gemalt ist. Für jedes Ereignis im Leben bekommt das Bild einen neuen Pinselstrich.

Bevor ich mich im Poethischen verliere möchte ich euch noch erzählen, was es mit dem Buch auf sich hat. Nur allzu oft sehen mich die Seelen überrascht an, wenn ich ihnen das Buch überreiche. In diesem Buch steht alles geschrieben was ich beobachtet habe und nur derjenige dem es gehört kann daraus lesen und auch alles verstehen. Doch manche, sehr düstere und böse Seelen werden es nie aufschlagen, denn sie fürchten sich vor dem was darin geschrieben steht.

Die dunklen Seelen klammern sich oft an ihren Körper, wollen nicht von mir mitgenommen werden. Sie sind anstrengend. Die guten, so wie Sue sitzen aufrecht und kommen mir entgegen. Sie haben in ihrem Leben alles erreicht was eine gute Seele erreichen kann. Sie haben keine Angst vor mir und dem Buch. Und doch darf ich nicht urteilen.

Ich sehe sie, sie alle und manchmal hat jede Seele einen guten Grund warum sie eine Schandtat begeht. Ich habe auch noch nie mit einer Seele geschimpft oder sie getadelt. Räuber, Mörder, reuelose Kriegstreiber. Sie alle wurden gütig von mir behandelt. Aber es ist nicht immer leicht, wenn man sie am liebsten anschreien würde warum sie mir so viele Seelen überlassen haben, die noch nicht dazu bestimmt waren zu sterben.

Nur muss ich mich beherrschen, da das meine Aufgabe ist. Meine Aufgabe ist nicht die Menschen zurecht zu weißen. Dieser Teil gebührt einem Anderen. Ich kenne ihn nicht und ich weiß nur das er so etwas ist wie ich, eine Art Erscheinung, die die Menschen nicht sehen können sondern nur spüren.

Nachdem ich eine Seele ins Jehnseits entlassen habe kommt er und belehrt sie. Manche mehr manche weniger. Seine Name lautet Gewissen. Bei Sue sollte er nicht lange geredet haben, denn sie war ein guter, wirklich sehr guter Mensch gewesen.