Trixie und Ronni

GeschichteHumor / P6
Freddie Faulig Sportacus Stephanie
22.02.2010
25.04.2010
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„Haltestelle Lazy Town! Bitte aussteigen!“ Der Busfahrer sah Stephanie durch den Fahrerspiegel an. „Aussteigen, junge Dame“, sprach er freundlich, „wir sind in Lazy Town!“
Stephanie schreckte auf. „Schon?!“
„Bist wohl eingeschlafen?“, fragte der Busfahrer mit dem grauen Oberlippenbart und lächelte. „War auch eine lange Fahrt.“ Stephanie reckte und streckte sich auf ihrem Sitz. Sie war der einzige Fahrgast. Eigentlich wurde sie niemals während der Fahrt müde, schon gar nicht wenn sie zu ihrem Onkel nach Lazy Town reiste. Aber das trübe Herbstwetter hatte sie schon im Zug ganz schläfrig werden lassen. Ein Glück, dass sie nicht bereits dort eingeschlafen war. Wer weiß, wo sie dann gelandet wäre. „Warte, ich helfe dir.“ Der freundliche Busfahrer trug Stephanies Koffer aus dem Bus und überreichte sie dem Mädchen. „Vielen Dank“, sagte Stephanie und machte sich auf den Weg zu ihrem Onkel. „Nichts zu danken, gern geschehen.“ Der Busfahrer setzte sich, schloss die Tür und machte erst einmal seine Pause, bevor er wieder die lange Strecke zurück in die Großstadt fuhr. Zum Glück hatte der Regen aufgehört. Auf den Wegen und Wiesen hatten sich tiefe Pfützen gebildet und der Wind wehte die bunten Blätter vor sich her. Heute zeigte sich Lazy Town nicht von der schönsten Seite, aber das störte Stephanie kaum. Es waren Herbstferien und sie war wieder hier in ihrer Lieblingsstadt bei ihren Freunden.

„AAAAACHTTUNNG!!“ Stephanie erschrak und zuckte zusammen. Sie wusste nicht was es war, aber irgendwas war mit Karacho von hinten angebraust und rechts von ihr zum Stillstand gekommen. Ein Schwall kaltes Regenwasser ergoss sich über ihr pinkfarbenes kariertes Kleid, ihre weiße Wollstrumpfhose und pinkfarbenen Stiefel. „Willkommen in Lazy Town, Pinkie!“ Stephanie sah entsetzt an sich herunter, bevor sie wutentbrannt ihre Freundin anstarrte. „TRIXIE!“
„Ich wollte mit meinem Roller bloß abbremsen. Aber ich habe die Pfütze zu spät gesehen.“
„Und mich hast du wohl auch zu spät gesehen, oder wie? Wolltest du mich umfahren?!“
„Dich kann man gar nicht übersehen in deinem pinken Zeugs.“
„Ach lass mich doch in Ruhe!“ Stephanie stiefelte wütend weiter. Trixie sah ihr schuldbewusst nach. „Bis nachher...vielleicht!“ Sie stieß sich mit ihrem Roller ab, fuhr einen Bogen, um in die Richtung zu fahren aus der sie gekommen war, und zischte wie ein roter Blitz durch die Straßen. Sie achtete in ihrer Wut darauf, ja keine Pfütze auszulassen. Der Bürgermeister bereitete sich indessen auf die Ankunft seiner Nichte vor. Und weil er gerade nichts anderes zu tun hatte, machte er es sich mit einer Tasse Kaffee vor dem Fernseher gemütlich. Soeben lief eine Dokumentation über Naturgeister. Obwohl sich Meinhards Glaube daran eher in Grenzen hielt, hörte er gebannt zu. „Wasser, Feuer, Erde und Wind – vier Elemente, deren Kräfte man in alten Zeiten Göttern oder auch Naturgeistern zuschrieb...“ WUMM! Meinhard schreckte aus dem Sessel auf. Um ein Haar hätte er auch noch seinen Kaffee verschüttet. „Ach Gottchen, ach Gottchen! Wer hat denn die Tür so zugeschlagen? War das der Wind, das himmlische Kind?“ Dann sah er Stephanie an der Tür stehen. „Wohl eher meine himmlische Nichte! Herzlich Willkommen in Lazy Town!“
„Hallo Onkel. Das waren der Wind und ich“, gab Stephanie etwas beschämt zu. „Ich habe die Tür etwas zu fest zugeschlagen und der Wind hat das Übrige getan. Ich hätte auch eigentlich vorher klingeln sollen. Aber ich war so sauer auf...“
„Ach Gottchen, wie siehst du denn aus? Bist wohl wieder in eine Pfütze gesprungen“, lachte Meinhard. Stephanie zog sich verärgert ihre Stiefel aus. „Ich bin noch nie in eine Pfütze gesprungen, kann mich gar nicht erinnern, dass je getan zu haben!“
„Aber ich! Und dann hast du bis zu den Knien dringestanden. Aber da warst du auch erst drei Jahre alt.“
„Das wird wohl der Grund gewesen sein, warum ich nicht gerne in Pfützen springe!“
„Wahrscheinlich“, sagte Meinhard noch immer lachend. Stephanie verschwand mit ihrem Gepäck Richtung Badezimmer. „Bin gleich wieder da, Onkel Meinhard,  ich ziehe mich nur schnell um.“
„Lass dir Zeit. Ich mache inzwischen das Essen für uns warm.“ Meinhard drehte den Fernseher ein klein wenig lauter und lauschte in der Küche weiter. Gerade war von Feuerwesen die Rede. „Heißblütig, aufbrausend und zerstörerisch...“ Und in dem Moment stand plötzlich Senta in der Wohnung. Ihre Augen sprachen Bände. „MEINHARD!“
„Ach Gottchen! Guten Tag, Senta!“, grüßte der Bürgermeister erschrocken. „Was gibt es denn? Oh...“

Meinhard sah seine Freundin an: Ihr guter Mantel, ihre Hose und Schuhe waren von oben bis unten mit Dreck bekleckert. Der Bürgermeister brauchte nicht weiter zu fragen. Er wusste auch so, dass Senta niemals in Pfützen sprang. „Ja, sehen Sie mich nur an! Genau das wollte ich Ihnen nämlich zeigen! Das war dieses schreckliche Kind, das nie zu bändigen ist! Diese Trine, ich meine Pixie, äh...“
„Trixie!“, hallte es aus dem Flur.
„Richtig, Stephanie. Trixie. Die meinte ich! Huch! Stephanie?“
„Jaja, sie ist wieder bei uns“, bestätigte der Bürgermeister voller Freude. „Sie ist vor einer Minute angekommen. Sie zieht sich bloß um. Ihre Kleider waren nämlich genauso schmutzig wie Ihr Anzug. Wahrscheinlich wird sie mir gleich erzählen, warum“, sagte Meinhard und rührte in den Kochtöpfen. „Da braucht es keine langen Reden. Ich weiß schon, wer dahintersteckt. Mit Sicherheit auch wieder Trixie. Nichts gegen dieses Mädchen – aber manchmal ist sie ein wildes Biest! Fährt einfach mit ihrem Roller durch die Pfützen und...aber das Ergebnis sieht man ja! Stephanie kann sie gerne von mir grüßen!“
„Möchten Sie einen Tee zur Beruhigung?“, fragte Meinhard.
„Nachher. Erst muss ich mich umziehen. Höchstwahrscheinlich muss ich den Anzug in die Reinigung geben. Die Rechnung werde ich aber Trixies Eltern schicken!“
„Oha, die werden sich freuen“, seufzte Meinhard.
„Allerdings. Bis nachher!“ Kurz darauf kam Stephanie in die Küche. Sie nahm sich einen Teller und füllte ihn auf. Nach dieser langen Reise hatten sie einen Bärenhunger und es tat gut, etwas warmes in den Magen zu bekommen. „Du wolltest mir soeben was erzählen. Du hast dich doch auch über jemanden geärgert?“
„Ja, allerdings. Senta hat richtig vermutet: Trixie war es, die mir meine Sachen schmutzig gemacht hat.“
„Dann muss ich wohl dein Kleid auch in die Reinigung geben und Trixies Eltern eine Rechnung schreiben? Ach Gottchen. Die tun mir jetzt schon leid.“
„Das brauchst du nicht. Es war wirklich nur ein Versehen“, sprach Stephanie und biss von einer gekochten Karotte ab.
„Aha? Und vorhin warst du doch noch so böse auf sie?“
„Ja, schon. Sie hätte wirklich besser aufpassen müssen, aber es war keine böse Absicht von ihr.
Bloß....bei Senta bin ich mir nicht ganz sicher.“ Meinhard stellte seiner Nichte eine Tasse Tee hin. „Trixie muss lernen, sich zusammenzunehmen oder ihre Energien für etwas anderes einzusetzen. Obwohl ich sagen muss: Es war schon mal schlimmer mit ihr. Früher war sie überhaupt nicht mehr zu halten. Aber wahrscheinlich liegt es auch nur am Herbstwetter, da wird jedes Kind kribbelig, wenn es nicht draußen spielen kann. Und vielleicht war es bei Senta auch ein Versehen. Genau wie bei dir.“

Nein, es war kein Versehen gewesen. Trixie war nach dieser vermurksten Begrüßung mit ihrer besten Freundin so wütend, dass sie Senta mit voller Absicht hatte schaden wollen. Es hätte aber auch jemand anderes sein können, das wäre ihr egal gewesen. Aber jetzt nagte das schlechte Gewissen an ihr. Der Vorfall würde nicht ohne Folgen bleiben und das bedeutete mit Sicherheit weniger Taschengeld. Trixie fuhr auf ein rotes Haus zu, deren Fassade um die Fenster herum gelb umrandet waren. Es gab nicht viele rote Häuser in Lazy Town, aber von diesen wenigen roten Gebäuden fand sie ihres doch am schönsten. Da war es ganz gleich, ob es größere Häuser als ihres gab. Es passte einfach alles: Nicht zu groß, nicht zu klein, und schön rot mit einem Stich knalligem Gelb. Sie parkte ihren Roller vor der Haustür und trat ein. „Trixie, bist du das?“, hörte man ihre Mutter aus der Küche rufen. „Hmmm“, brummte Trixie und warf ihre schmutzige Jacke über den Kleiderhaken. Danach ging sie die Treppen hoch um ihr Zimmer aufzusuchen. Ihren Helm, den sie beim Roller fahren immer trug, behielt sie jedoch an. „Also doch. Hast du deine Freundin begrüßt?“ „Hmm“, brummte die Tochter abermals und verschwand im Kinderzimmer.
„Wohl eher nicht. Du bist heute wieder sehr gesprächig, das muss man sagen“, seufzte die Mutter und goss Spülmittel in eine angebrannte Auflaufform. Trixie durchwühlte derweil den Schrank nach einer Hose und einem Paar Strümpfe. Sie selbst sah aus, als hätte sie sich im Dreck gewälzt. Außerdem war sie halb durchnässt. Nachdem sie Hose und Strümpfe gewechselt hatte, lief sie wieder hinunter, Richtung Haustür. „Willst du nicht lieber im Haus bleiben? Draußen ist es doch so ungemütlich“, hörte sie wieder ihre Mutter. „Nö“, war die kurze Antwort und schon war Trixie wieder weg. „Auch gut“, meinte die  Mutter. „Wenn sie schlechte Laune hat, ist es besser wenn sie draußen bleibt.“

Sie trat aus der Küche und blieb wie angewurzelt stehen: Der eben noch saubere Teppich war übersät von Matschspuren, die von der Haustür bis zum Kinderzimmer und wieder zurück führten. Die Mutter griff sich mit beiden Händen in den Haarschopf. „Das darf doch nicht...! Na, die kann was erleben!“ Trixie hatte eine Ahnung, was sie erwartete. Manchmal war es pure Absicht, dass sie ihre Eltern zur Weißglut trieb, manchmal war es einfach die Vergesslichkeit. Und diesmal hatte sie vergessen, ihre schmutzigen Schuhe vor der Haustür auszuziehen und es erst gemerkt, als sie längst im Kinderzimmer war. Nur dann hätte sie den Teppich sofort saubermachen müssen. „Kann ich auch nachher machen“, sagte sie zu sich selbst. „Dreck läuft nicht weg und Ärger kriege ich sowieso.“
Recht hatte sie. Der große Ärger folgte am Abend. Ihre Mutter war vollkommen entnervt, weil sie den ganzen Matsch hatte beseitigen müssen, bevor dieser im Teppich eintrocknen konnte. Danach folgte die Standpauke wegen Senta, die inzwischen bei der Familie angerufen hatte um mitzuteilen, dass demnächst eine saftige Rechnung aus der Reinigung kommen würde. „War doch ein Versehen“, schwindelte die Tochter. „Warum hast du dich dann nicht gleich entschuldigt?!“, wollte ihr Vater wissen. „Hm, keine Ahnung. Hätte wohl doch nichts gebracht.“ Die Mutter schlug mit der Hand auf den Küchentisch. „Okay, du weißt was das heißt: Kein Taschengeld, bis Sentas Mantel und die Hose bezahlt sind! Und Stephanies Kleid kommt auch noch hinzu!“ Jetzt machte Trixie aber doch große Augen. „Wieso denn Stephanie?“
„Tu nicht so, das weißt du doch ganz genau! Senta hat es mir erzählt und daraufhin angedeutet, dass der Bürgermeister auch noch eine Rechnung schickt! Jetzt hast du dein Maß aber voll, Frolleinchen!“
Trixie sah finster auf ihre Tasse heißen Kakao. Dann rutschte sie vom Stuhl und lief wütend in ihr Zimmer. „Und das, wo gerade die Waschmaschine im Begriff ist, ihren Geist aufzugeben“, seufzte die Mutter.
„Vielleicht sollten wir den Wohnwagen verkaufen“, riet ihr Mann.
„Nein, auf keinen Fall! Ich weiß, das alte Ding nimmt in der Garage viel Platz weg. Aber ich werde mich auf keinen Fall davon trennen. Außerdem zahlt uns niemand auch nur einen Cent dafür.“
„War auch nur ein Vorschlag.“
„Willst du es denn unbedingt loswerden?“
„Nein“, sagte ihr Mann kopfschüttelnd. „Es war einfach nur eine schnelle Idee.“ Dann lächelte er. „Kannst du dir vorstellen, jemals wieder in einen Wohnwagen zu ziehen?“
„Nein, ganz bestimmt nicht. Besonders in dieser kalten Jahreszeit wird mir immer bewusst, wie gut wir es jetzt haben. Ich habe allerdings ständig darüber nachgedacht, ob wir in den nächsten Sommerferien...“ Dann schwieg sie einen Moment. „Aber jetzt haben wir andere Sorgen. Was machen wir wegen den Rechnungen?“
„Wir könnten zumindest den Bürgermeister fragen, ob er mit der Begleichung seiner Rechnung noch etwas warten kann. Er lässt doch meistens mit sich reden.“
„Da solltest du lieber versuchen, mit Senta zu reden. Stephanies Kleid wird unser kleinstes Problem sein, fürchte ich.“ Ein lautes Krachen aus dem Kinderzimmer ließ die Eltern zusammenfahren. Sie stürmten nach oben und entdeckten ihre Tochter, die vor einem zusammengekrachten Spielzeugregal stand. „Was ist passiert?!“, rief ihr Vater. „Siehste doch. Ich bin nur mit dem Fuß dagegengestoßen und schon ist es umgekippt.“
„Du meinst, du hast in deiner Wut dagegengetreten.
„Du kennst mich einfach zu gut, Papa.“ Ihre Mutter schnappte nach Luft. „Ich muss hier raus!“, rief sie, „Bevor ich auch noch irgendwas kaputtmache!“ und sie stürmte nach unten in die Küche.

Am nächsten Morgen war Trixies Wut noch lange nicht verraucht. Gleich nach dem Frühstück sauste sie wieder auf ihrem Roller quer durch die Stadt und so manch einer musste aufpassen, von der kleinen Furie nicht umgefahren zu werden. „Die ist verrückt geworden“, glaubte Pixel, „oder sie hat wieder einmal eine Stinkwut im Bauch!“
„Letzteres wird es sein“, sagte Stephanie. „Die Kinder saßen im Baumhaus und sahen ihrer Freundin hinterher. „Sie ist wütend wegen gestern, weil ich mit ihr so geschimpft habe. Und seitdem habe ich kein Wort mehr mit ihr gesprochen.“ Stephanie öffnete die Luke und stieg die Leiter hinunter. „Ich werde mal mit ihr reden.“
„Na, viel Glück“, wünschte Ziggy. „Wenn du sie überhaupt erwischst!“
„Sie fährt auf den Lazy Park zu!“, rief Pixel. Stephanie lief los und hatte wirklich Glück. Trixie machte gerade eine kleine Pause und fühlte sich richtig erleichtert. Das Gefühl hielt aber nur solange an, bis sie Stephanie sah. „Hallo Trixie! Bist du noch böse wegen gestern?“, fragte Stephanie, obwohl diese Frage doch eigentlich von ihrer besten Freundin hätte kommen sollen.
„Ob ich böse bin? Du hast ja keine Ahnung!“, fauchte Trixie. Stephanie blieb abrupt stehen. Sie wagte keinen einzigen Schritt mehr. „Danke übrigens für die Rechnung, die dein Onkel an uns schicken wird!“
„Wovon redest du denn überhaupt, wenn ich fragen darf?!“
„Das weißt du ganz gut! Von deinem bescheuerten pinken Kleid, dass ich dir schmutzig gemacht habe, und dabei war das nur ein Versehen!“
„Du hättest trotzdem aufpassen können! Aber egal, mein Onkel hat überhaupt keine...“
Trixie unterbrach sie einfach und erzählte von Sentas Anruf.
„Ja“, bestätigte Stephanie, „gestern beim Tee haben sie und mein Onkel darüber gesprochen. Senta hat gemeint, dass mein Onkel euch das Kleid auch in Rechnung stellen sollte. Und jetzt versuche ich dir nochmal zu sagen, dass Onkel Meinhard das nicht machen wird. Du brauchst dir wirklich keine Sorgen zu machen.“
„Du hast gut reden! Dir wird ja auch nicht das Taschengeld gestrichen! Sentas Klamotten muss ich nämlich auf jeden Fall bezahlen, und die trägt doch immer so teuren Fummel!“
„Das mit Senta war ja auch volle Absicht, oder? Du kannst es mir doch sagen.“
„Pinkie, mach den Mund zu! Halt einfach mal den Rand!“
„Auszeit!“ Sportacus stand hinter einer Mauer. Mit einem Salto vorwärts sprang er darüber hinweg und landete vor den beiden Mädchen. „Ab hier sollten wir ruhig und vernünftig miteinander reden. Aber erst einmal begrüße ich unsere Stephanie. Schön, dass du wieder da bist!“
„Danke, Sportacus!“ Ihre Augen strahlten.
„Und dann müsst ihr euch so streiten? Ist es nicht eher ein Grund zum feiern, wenn man gute Freunde wiedersieht?“
„Mir ist gar nicht zum feiern“, sagte Trixie traurig. „Seit gestern ist mir alles verdorben.“
„Das tut mir leid“, sagte Stephanie mitfühlend. Sie seufzte. Trixie war doch selbst Schuld an ihrem Unglück, aber das wollte sie jetzt bestimmt nicht hören. „Möchtest du mit uns ins Baumhaus kommen?“, lud sie ein.
„Wir vermissen dich dort.“
„Nachher“, sagte Trixie.
„Okay. Bis dann.“
„Wir sehen uns“, sagte Sportacus und Stephanie kehrte ins Baumhaus zurück.
„Und?“, fragte Pixel. Stephanie erklärte ihnen was geschehen war und das Trixie vielleicht nachher zu ihnen kommen würde. Mittlerweile machte sich aber auch Stephanie ihre Gedanken. „Vielleicht habe ich sie gerade zu Unrecht beschuldigt.  Ich bin ja nicht dabei gewesen, als es passiert ist.“
„Es war Absicht“,sagte Pixel und machte dabei eine so ernste Miene, als würde er das große Unheil verkünden. „Ich habe es mit meiner Kamera gesehen. Sie ist zielstrebig auf die Pfütze zugefahren. Und genau daneben stand Senta. Glaub mir, das war kein Versehen. Das war blanke Wut oder einfach wieder nur ein Streich von ihr.“
„Ich...ich würde mir nur wünschen, dass sie selbst einsieht, was sie manchmal für einen Quatsch macht“, sagte das Mädchen niedergeschlagen. „Der Wahn ist kurz, die Reu' ist lang“, zitierte Meini. „Das heißt, dass die blinde Wut nur kurz andauert, aber man sich danach lange schämt.“
„Ich habe noch nie erlebt, dass sich Trixie für irgendetwas geschämt hätte“, sagte Pixel.
„Aber vielleicht redet Sportacus ihr gerade ins Gewissen“, hoffte Stephanie.

Das erwartete Gespräch kam aber nicht zustande, weil Senta in diesem Augenblick zielstrebig auf die beiden zuging. Sie wollte mit dem Kind persönlich ein paar ernste Worte wechseln. „Ich hoffe du bist in Zukunft etwas vorsichtiger, junge Dame“, mahnte Senta.
„Ich bin keine junge Dame!“, rief Trixie trotzig. „Und außerdem war es ein Versehen!“, log sie, denn sie wollte einfach nicht zugeben, dass sie einfach nur schrecklich wütend gewesen war.
„Aber entschuldigt hast du dich bis jetzt trotzdem noch nicht!“
„ENTSCHULDIGUNG!!“, brüllte Trixie, dass Senta und Sportacus zusammenzuckten.
„Na, das geht aber auch anders“, meinte Senta.
„WIE DENN?!“
„Freundlicher!“
Trixie zitterte innerlich vor Wut. Sie stieg auf ihren Roller und brauste davon.
Senta schüttelte nur den Kopf. „Kein Benehmen! Einfach kein Benehmen! Sportacus, geben Sie es auf mit ihr. Da ist Hopfen und Malz verloren!“ Das wiederum glaubte Sportacus nun wirklich nicht. Trixies Schrei war so durchdringend gewesen, dass Freddie Faulig in seinem Versteck vom Stuhl gefallen war. Er hatte sich soeben an seinen Labortisch setzen und ein kleines Experiment wagen wollen. „Ein Glück, dass ich mit meinem Versuch noch gar nicht begonnen hatte“, sagte er und atmete erleichtert aus. Er wollte gerade einen besonders sahnigen Milchshake mixen, der fünf verschiedene Geschmacksrichtungen gleichzeitig beinhaltete. Aber jetzt wollte er einfach nur wissen, wer der Störenfried gewesen war, der ihn so aus den Gedanken gerissen hatte. Er lief zum Periskop, riss es wütend herum und suchte so lange, bis sich seine Vermutung bestätigt hatte: Von der Stimme und der frechen Art her konnte es nur dieses Mädchen auf dem Roller gewesen sein. Sportacus war Trixie hinterhergelaufen und hatte sie auch bald eingeholt.
„Bitte warte auf mich!“, rief er. Trixie wurde langsamer und bremste ab. „Ärgere dich einfach nicht mehr“, riet Sportacus. „Versuche es zumindest, auch wenn es schwer fällt. Kann ich dir irgendwie helfen?“

Das Mädchen antwortete nicht, ließ aber den Roller einfach fallen und ging auf eine Mauer zu. Dann lehnte sie sich mit dem Rücken an und machte ein grimmiges Gesicht. Sportacus ging zu ihr, lehnte sich ebenfalls an und wartete einfach ab. Bald glätteten sich Trixies Gesichtszüge und sie sah Sportacus ein wenig traurig an. „Was machst du wenn du wütend bist? Kennst du das Gefühl eigentlich?“
„Natürlich. Jeder Mensch wird doch über irgendetwas wütend.“
„Aber ich habe noch nie gesehen, dass du dich über etwas aufregst.“
„Ich versuche möglichst, ganz ruhig zu bleiben und mich nie über etwas zu ärgern.“
„Das geht?“, Trixie war ganz erstaunt. „Das solltest du unbedingt meinen Eltern beibringen! Die regen sich andauernd über mich auf. Und ich....rege mich auch immer sehr schnell auf. Und dann passiert manchmal was, was ich gar nicht will.“
„Das wäre?“
„Kommt drauf an, was sich mir gerade in den Weg stellt. Ich hab gestern ein Regal kleingekriegt. Ich habe nur einmal dagegengetreten und das war's. Und als Stephanie wütend auf mich war, da war ich gleich auf 180 und bin mit dem Roller wie eine Wilde durch alle Pfützen gerast. Nur leider stand Senta daneben...und es war mir egal.“ Trixie ging ein wenig in sich. „Weißt du, es gibt viele Dinge die mich ärgern. Und dann möchte ich mich austoben und darf es nicht, weil mir überall etwas im Weg steht. Aber wenn mir etwas im Weg steht, dann überlege ich auch nicht lange.“
„Dann musst du dir einen Platz suchen, an dem du dich austoben kannst“, sagte Sportacus. „Such dir im Park einen freien Flecken und lass deiner Wut freien Lauf. Aber du solltest darauf achten, keinen Menschen zu schaden und keine Gegenstände zu zerstören.“
„Und gerade das macht mir so einen Spaß! Ich meine, ich würde nie jemanden wehtun wollen, ganz bestimmt nicht, zumindest nicht ernsthaft. Oder ist das wirklich schlimm, wenn ich meine alte Steinschleuder benutze?“ Bevor Sportacus Antwort darauf geben konnte, fügte Trixie schnell hinzu: „Die habe ich auch gar nicht bei mir. Kannst in meinen Taschen nachschauen!“
„Ich glaube dir auch so“, sagte Sportacus. „Also, was ich dir vorhin sagen wollte: Wenn du so weitermachst wie bisher, wirst du bald keine Freunde mehr haben.“
Trixie senkte traurig den Kopf. „Und was soll ich dagegen tun?“
„Also, wenn ich früher richtig wütend war, dann habe ich mich einfach im Luftschiff abreagiert. Dort habe ich genug Platz für meine Übungen.“
„Aha!“, machte Trixie und sah ihn an. „Du hast gelogen, du wirst also doch wütend!“
„Damals war das so, heute nicht mehr. Da müsste schon etwas ganz schlimmes passieren. Aber sich immer nur zu ärgern, nimmt einem die ganze Energie. Und es bringt dich auch nicht weiter. Probleme lösen sich dadurch nicht.“
„Ja, das stimmt leider.“
„Ich weiß, dass es alles andere als einfach ist. Ich werde dir aber helfen, damit alles wieder in Ordnung kommt.“
„Okay – kannst du mir Geld leihen? Schon gut, war nicht ernst gemeint!“, lachte Trixie.
„Ist deine Wut schon wieder weg?“, fragte Sportacus lächelnd.
„Ein kleines bisschen Wut ist noch da, aber die vergeht hoffentlich gleich. Gehen wir dann ins Baumhaus?“
„Klar doch.“ Trixie hob ihren Roller auf und ging mit Sportacus in die Richtung, in der das Baumhaus ihrer Freunde war. Aber eines interessierte Trixie wirklich brennend.
„Über was hast du dich früher so geärgert?“, wollte sie wissen.
„Am meisten habe ich mich darüber geärgert, wenn mir etwas nicht sofort gelang. Ich wollte immer  alles besonders gut können, und das am liebsten hier, jetzt und sofort. Und wenn ich es nicht geschafft habe, dann wurde ich eben wütend. Dabei hätte ich bloß Geduld aufbringen müssen.“
„Und gibt es heute noch etwas, was dich richtig ärgert? Irgendetwas muss es doch geben.“
„Doch, da gibt es tatsächlich etwas“, sagte Sportacus und wurde sehr ernst. „Mich ärgert Ungerechtigkeit. Gerade Kindern gegenüber. Wenn ich so etwas höre oder sehe, wird mir im ersten Moment ganz anders. Das macht mich nicht nur wütend, sondern auch sehr traurig.“
„Ja...das kann ich verstehen.“

Kaum hatten sich die Zwei von der Mauer entfernt, schoss Freddies Periskop wieder zurück in den Unterschlupf. Er hatte die Unterhaltung mitgehört und konnte nicht anders, als sich darüber wieder einmal auszulassen. „Ungerechtigkeit gegenüber Kindern, wo gibt’s denn sowas? Sind es nicht wir Erwachsenen, die sich ständig gegen die frechen Kinder zur Wehr setzen müssen und ungerecht behandelt werden?“ Freddie verschränkte die Arme und sah verdrießlich in eine Richtung. Aber nach einem Moment zogen sich seine Mundwinkel wieder nach oben. „Damals, als ich selbst noch eine kleine Nervensäge war, da habe ich die Erwachsenen in den Wahnsinn getrieben!  Das hat sich auch nicht geändert, als ich etwas älter wurde. Wenn ich die Kleine mit den Zöpfen überreden könnte, ihr volles Potenzial zu entfalten, würde Lazy Town bald im Chaos versinken! HAHAHAHA! Jetzt heißt es wieder einmal: Tarnen, tricksen, täuschen!“
Er lief auf seine Verkleidungsröhren zu und betrachtete eine nach der anderen. Sich als Baby zu verkleiden wäre wirklich sinnlos gewesen und hätte er sich für ein Kind ausgegeben, müsste er dauernd auf den Knien herumrutschen. Da lag doch der Einfall näher, die Identität eines Halbstarken anzunehmen. Freddie bediente die Maschine und im Nu fühlte er sich wieder wie ein Teenager: Er trug eine Lederjacke, Stiefel und Jeans in Schwarz. Das T – Shirt war violett und trug eine knallige Schrift in Orange: „Bad“. Das hieß schlicht und einfach nur „böse“. Eine coole Sonnenbrille mit violetten Gläsern war für Freddie das Sahnehäubchen. Nur was seine Frisur anging, da war er gar nicht zufrieden. „Bin doch kein Punker!“, und er riss sich die orangefarbige und stachelige Perücke vom Kopf. „Eigentlich könnte ich ja meine gewohnte Frisur behalten. Die ist einfach zeitlos und steht mir am besten“, und er strich sich über seine dunkle Haartolle.
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