Circle Of Life

GeschichteDrama / P12 Slash
Nathan Petrelli Peter Petrelli
22.02.2010
22.02.2010
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22.02.2010 1.223
 
Als Nathan Petrelli mit 40 Jahren starb, sah er sein Leben vor sich. Jede Erinnerung klar und deutlich. Jede Emotion real und greifbar.

Er war 13 Jahre alt, als er ein Baby in seinen Armen hielt. Peter, seinen kleinen Bruder.
Mit großen Augen betrachtete der Säugling die Hand, die über seinen Bauch streichelte, und gluckste glücklich, nachdem er seit drei Stunden zum ersten Mal mit dem Schreien aufgehört hatte.

Ein Jahr später hielt er zwei kleine Hände in seinen eigenen und setzte einen Fuß langsam vor den anderen, einen tappelnden Peter zwischen seinen Beinen.
„Na komm, Kleiner. Wir wollen doch zu Papa Bär, oder? Dann müssen wir schneller laufen, sonst geht er weg!“
Als hätte er alles genau verstanden, drehte sich Peter mit einem empörten Gesichtsausdruck herum und blickte schmollend hoch zu Nathan. Eindeutig hatte er seine Chancen eingeschätzt, rechtzeitig zu Papa Bär zu kommen. Er würde es nicht schaffen.
Lachend hob ihn Nathan nach oben und schwang ihn durch die Luft, was Peter dazu bewegte,  ein schiefes, herzliches Grinsen hervorzubringen, seine Arme glücklich nach seinem Bruder ausstreckend.

Nathan war 18, als er sich mit Peter in sein Zimmer einschloss. Die nächtliche Stille war zerrissen durch das unaufhörliche Klopfen ihres Vaters an die Tür, durch sein Rufen, endlich aufzumachen, und Peters herzzerreissendem Schluchzen. Nathan fuhr immer wieder durch die vollen, dunkelbraunen Haare und presste den kleinen Körper an seinen eigenen.
„Ich werd' immer bei dir sein, Pete, das verspreche ich. Wenn er dir nochmal wehtut, bring ich ihn um.“
Der ältere Bruder wiederholte diesen Satz wie ein Mantra, drängte sich immer weiter in die Ecke, seine Augen schreckgeweitet und mit aufgebrachter Atmung.
Seine aufgeplatzte Lippe blutete und schmerzte noch immer.
Erst später würde er herausfinden, dass es nicht seine Lippe war, sondern sein Kinn, in dem eine Glasscherbe der teuren Sherryflasche seines Vaters steckte.

Wenige Monate später musste er sein Versprechen brechen und er fühlte sich wie ein Monster, als er in die verängstigten Augen seines Bruders blickte.
„Natürlich komme ich wieder. Du schaffst das schon, bist doch schon groß, Pete. Du lernst lesen und ich lerne fliegen. Ich liebe dich.“
Bei jedem seiner monatlichen Besuche konnte ihm Peter mehr vorlesen und Nathan erzählte ihm, wie es war, im Himmel mit den Vögeln zu fliegen. In jeder dieser kostbaren Nächte stahl sich Peter zu seinem Bruder ins Bett und sie schliefen Arm in Arm ein.
Trotz der Nähe spürte Nathan, dass etwas zwischen ihnen lag. In schnellster Zeit war der Kleine nicht mehr allzu klein und veränderte sich stetig.
Er bemerkte, dass während seiner Zeit in der Navy viel zu viel von Peters Entwicklung an ihm vorüberging.

Als Nathan 28 Jahre alt war, war sein kleiner Bruder kein Kind mehr. Er wusste nicht, wie es passieren konnte, doch in einer lauen Sommernacht küsste ihn Peter, seine schlanken Finger wanderten neugierig über Nathans Körper, in jugendlichem Fieber und in hingebungsvoller Liebe.
Er wusste nicht, wie er sich darauf einlassen konnte, doch er tat es, benebelt von den Gefühlen, die diese tiefbraunen Augen ihm gegenüber auslösen konnten.
„Ich liebe dich.“
Peter hatte diesen Worten eine völlig neue Bedeutung gegeben und Nathan erwiderte es.

Mit 33 Jahren stand er mit dem Rücken zur Wand in Peters Apartment, nachdem sie sich zwanzig Minuten lang nur angeschrieen hatten. Sein jüngerer Bruder saß nun auf dem Bett, seinen Kopf auf seine verschränkten Arme bettend, und weinte. Nathan hatte ihn schon so oft weinen sehen, viel zu oft, es brach ihm jedesmal das Herz. Dieses Mal kamen die Tränen vorallem aus Erschöpfung und Enttäuschung.
„Pete“, Nathan klang weicher als zuvor, „Ich habe es dir doch schon erklärt. Ich liebe dich. Aber du weißt, dass wir nie normal damit umgehen können. Ich kann nicht mein Leben lang unverheiratet bleiben. Und Dad wünscht sich-“
„Ich weiß.“
Peters Tränenfluss war zu einem Ende gekommen, seine Stimme jedoch war noch immer gebrochen.
„Ich weiß. Trotzdem kann ich mich über diese Ungerechtigkeit aufregen. Heidi darf offiziell mit dir zusammen sein und ich muss immer schauen, was für mich rumkommt. Und wenn ich mir nur vorstelle, wie du-...“
„Pete, die Eifersucht macht uns krank wenn wir uns darauf einlassen.“
„Ich weiß. Wir waren nie dazu bestimmt, in ein normales Leben geboren zu werden.“
Nathan ging langsam auf seinen Bruder zu und den Rest der Nacht verbrachten sie still Arm in Arm. Wie früher.

Im Alter von 39 fand sich Nathan am Fuße eines Hochhauses wieder. Erschrocken sah er Peter auf dem Dach stehen und seine Innereien zogen sich zusammen, als dieser sprang. Um zu fliegen?! Es war so absolut lächerlich, Nathan hätte gelacht, wenn die Situation nicht so grausam real wäre. Fliegen. Das war absolut unmöglich-...
Wenige Sekunden später ergriff er seinen Bruder in der Luft und versuchte sein Bestes, ihn bei sich zu halten.
„Nathan, du fliegst! Wie hast du-...?“
„Ich weiß es nicht!“

Die Fähigkeiten veränderten alles.
Nathan wusste nicht mehr, wer er war. Er war unsicher und ängstlich, Gefühle, die er sonst kaum kannte. Nicht kennen wollte.
Mehr als einmal war er in dem Glauben gelassen, sein Bruder wäre tot. Peter, den er über alles liebte. Er hatte sich geschworen, ihn zu beschützen, und hatte versagt.
Sein Leben geriet aus den Fugen. Er traf falsche Entscheidungen, nahm den falschen Weg, verwirrt von all den Auswirkungen. Sein Vater hatte für ihn den Platz eines Anführers auserkoren, doch die Dinge, in die er hineingeriet, waren zu groß für ihn, zu unverständlich.

Er wollte alles besser machen.

Letztendlich hatte er den Druck einer Pistole an seiner Schläfe gespürt, geführt von Peter.  Peter.
In diesem Moment wusste er nicht, ob er sich wünschte, dass er abdrücken würde. Er hatte ihn fürchterlich behandelt. Ihn geschlagen. Verraten. Aus Angst, aus Enttäuschung, dass er ihn nicht mehr verstand. Doch die Hintergründe waren nichtig geworden.
Nathan musste umkehren. Alles richten. Seine Fehler beheben.




Als er mit seinem Bruder den Gang hinablief, um sich Sylar zu stellen, wusste er, dass Peter immer an seiner Seite sein würde. Der wichtigste Mensch in seinem Leben.
„Ich liebe dich, Pete, das weißt du?“
„Natürlich. Ich liebe dich auch, Nathan.“
Ihre Gefühle würden bestehen, ungeachtet der Dinge, die versuchten, sie zu trennen. Sie würden sich immer vergeben. Sie würden immer füreinander da sein. Sich immer lieben.


Ein markerschütternder Schrei erklang, nachdem Sylar eine Sherryflasche an Peters Kopf zerschmettern ließ und ihn unter Möbelstücken begrub.
Eine unglaubliche Rage entbrannte in Nathan. Er hatte geschworen, seinen kleinen Bruder zu beschützen. Er würde ihn nicht sterben lassen. Niemals.
Mit einem animalischen Instinkt packte er Sylar und flog mit ihm aus dem Fenster. Er wusste, dass er ihm nicht gewachsen war. Doch wenn er Peter retten konnte-...

Durch gewaltige telekinetische Kraft stürzte Nathan wenige Minuten später zurück in den völlig zerstörten Raum. Ehe er klar denken konnte, spürte er den schneidenden Schmerz an seiner Kehle. Das warme Blut rann über sein Schlüsselbein hinab, über die Brust, füllte langsam seine Luftröhre.

Pete. Pete.

Sein zu junges Leben verließ ihn.
Doch in seinen letzten Sekunden bemerkte er, dass er das Glück, nachdem er immer gestrebt hatte, bereits in seiner Kindheit fand.
Sein Bruder Peter hatte ihm das Leben lebenswert gemacht. Die Erinnerungen würden nie vergehen. Ihre gemeinsame Zeit war unwiderruflich in die Geschichte ihrer Herzen geschrieben.


Als Nathan Petrelli mit 40 Jahren starb, spürte er bedingungslose Liebe in sich. Es kam keine Kälte. Nur Wärme erfasste seine Seele.
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