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Medusa

von Ailin
GeschichteDrama / P16
22.02.2010
23.02.2010
2
3.319
 
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10 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
22.02.2010 835
 
Disclaimer: Die Idee an den X-Men oder der Sache mit den Mutationen gemeinhin gehört nicht mir, sondern Marvel oder dem kreativen Kopf, der dafür verantwortlich ist ;) Schade vielleicht, aber ist so.

A/N: Ja *hust*. Es ist ungefähr ein Jahr her, dass ich mich mit dem X-Men-Fieber infiziert habe, glaube ich. Ich kann mich mit den Filmen (insbesondere X3) nicht so recht anfreunden, aber an die Originalcomics bin ich bisher noch nicht herangekommen. Also muss ich mich mit dem über Wasser halten, was man über Wikipedia erfährt (und was an sich für einen Neuling schon nach einer ganzen Menge aussieht). Und ach ja, ich habe "X-Men: Evolution" gesehen und fand es lustig, aber ich vermute, man kann sich darüber streiten, ob es ernstzunehmen ist.

Trotz meiner also mangelhaften Canon-Kenntnisse hat mich die ganze Sache nicht losgelassen und irgendwann hatte ich diese Idee, die sich einfach in meinem Kopf festgesetzt hat und aufgeschrieben werden wollte. Eigentlich sollte ich heute ganz anderes tun, aber sie wollte jetzt fertiggeschrieben werden. Und weil ich seit Monaten sowieso total schreibgehemmt bin, freue ich mich über jedes Bisschen, das nicht gleich in die Tonne getreten werden muss.

Es ist ein Zweiteiler im Moment, aber er ist so angelegt, dass nicht unbedingt Schluss sein muss. Vielleicht entwickle ich irgendwann eine Storyline, die das Potential für eine richtige Geschichte hat.

Sinn dieser ganzen langen Vorrede sollte eigentlich nur die Warnung sein, dass ich mich nicht wirklich auskenne. Wer also kritisieren oder schimpfen mag, darf das gerne, wenn auch bitte letzteres auf konstruktivem Niveau, tun. Ich freue mich aber auch über jeden anderen Kommentar - schließlich hibbele ich, wie immer, wenn ich vollkommenes Neuland betrete.

In diesem Sinne, hoffentlich viel Spaß beim Lesen!

0.


Helen war fünfzehn, als es passierte.

Sie war auf dem Weg nach Hause und schwang in der Hand fröhlich das kleine weiße Einkaufsnetz mit den rautenförmigen Maschen, das ihre kleine Schwester vor Jahren zu Weihnachten bekommen hatte, für ihren Kaufladen eigentlich, aber Helen ging gerne damit einkaufen, solange es sich nur um Kleinigkeiten handelte. In dem Netz waren drei runde, duftende Orangen. Helen hatte schon ein bisschen daran geschnuppert, kaum, dass sie aus dem Laden gewesen war, denn sie mochte den Geruch von Orangen. Sie schwang noch einmal das Netz in der Hand.

Der Abend war schon fast in die Nacht übergegangen und das weiße Netz leuchtete über ihrem Kopf. Es roch noch nicht nach Nacht, nicht ganz so kühl und frisch, aber die verbrauchte Luft des Tages war schon verflogen. Kaminrauch zog über den Himmel und verschleierte die ersten Sterne, und Helen betrachtete lächelnd die erleuchteten Fenster. Gebratenes Fleisch, Zimt, herbe Tannennadeln von der unteren Straßenecke, wo der Mann im blauen Mantel Weihnachtsbäume verkaufte. Sie überholte Passanten, zwei Männer im Gespräch, die Köpfe ernst einander zugeneigt, und sie fing das Wort auf. Mutanten, schon wieder Mutanten. Nichts anderes in den Nachrichten, aber jetzt nicht darüber nachdenken.

Kleine Flocken tanzten vom Himmel, verschwanden im Lichtkegel der Straßenlaterne und tauchten wieder auf, legten sich sacht auf die Straße und schmolzen auf dem Asphalt, der noch von der Sonne erwärmt war. Auf der anderen Straßenseite winkte Oliver aus der Parallelklasse, der bestimmt noch nicht mit der Hausaufgabe für Latein angefangen hatte und gleich fragen würde, ob sie ihm helfen wollte. Sie wollte nicht, winkte flüchtig zurück und ging schneller. Mama war schließlich zu Hause und buk Pfannkuchen, die kleine Schwester wartete mit dem angefangenen Film und außerdem hatte Helen ihre Handschuhe vergessen und ihr war kalt. Oliver sollte warten, jemand anderen fragen oder einmal in seinem Leben selber übersetzen.

„Helen! Hey, warte doch!“ Sie hatte ihn nicht gehört, dachte sie mit einem kleinen Lächeln und ging weiter, schwang das Netz über dem Kopf. Die Orangen würden Beulen haben, wenn sie nicht bald damit aufhörte, wenn Orangen überhaupt Beulen bekommen konnten; aber der Weg war auch nicht mehr lang und sie konnte gut so weiterschwingen.

„Helen?“ Oliver war hartnäckig, das musste man ihm lassen. Wenn er mit Latein auch so hartnäckig wäre, wären seine Noten bestimmt um einiges besser, dachte Helen. Unter ihren Füßen blieben die ersten Flocken liegen und die Nachbarn hatten Lichter in den Fenstern stehen.

„Hörst du nicht? Hey! Helen!“ Da waren Schritte gewesen, die schneller geworden waren, Oliver trampelte so mit den dicken Schuhen, die er trug. Sie wusste nicht, ob das letzte Wort ihr Name war oder nicht, sie wusste nur, dass es in etwas Entsetzlichem erstarb, in einer Art Schrei, aber so, wie sie noch nie jemanden hatte schreien hören. Und im wütenden Kreischen einer Bremse, die bis zum Anschlag durchgetreten wird.

Helen war fünfzehn, und sie stand im Lichtkegel einer Straßenlaterne. Schnee fiel auf sie herab und es roch nach Zimt und Tannen. Sie starrte auf ein kleines weißes Einkaufsnetz, ein Kinderspielzeug eigentlich, das vor ihr auf der Straße lag, und auf die drei runden Orangen, die herausgerollt waren.

Es war der siebzehnte Dezember und Helen hatte Angst, sich umzudrehen.

© by Ailin, Dezember 09 bis Februar 10
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