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Laras Lovestory

GeschichteDrama / P12 / Gen
Kristina Boaz Kurtis Trent Lara Croft Pieter Van Eckhardt
21.02.2010
21.02.2010
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1.472
 
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Lara strich mit der Hand vorsichtig über die fleckige, rissige Oberfläche des Tisches in Pierres Cafe. Hier war sie ihm zum ersten, zum allerersten Mal begegnet.. Hatte er sie damals schon verfolgt? Sie hatte ihn nie danach gefragt. Und jetzt konnte sie es auch nie mehr tun. Sie spürte, wie ein Schluchzer in ihrer Brust aufstieg, verzweifelt schloss sie die Augen.


Er fiel ihr zunächst nicht auf. Sie war noch zu gehetzt und ängstlich, als dass sie auf den Gast geachtet hätte, der in einer Ecke saß und Zeitung las. Doch dann besann sie sich und blickte ihn von der Seite misstrauisch genauer an. Eine große Flasche stand neben ihm auf dem Tisch. Das letzte, was sie jetzt brauchen konnte, war ein Betrunkener, der Ärger machte. Wenn er ihr zu nahe kommen wür... Oh. Auf einmal war ihr, als wäre ihr Herz auf die doppelte Größe angeschwollen. Er.. er sah nicht wie ein Betrunkener aus. Er hatte den Kopf auf einen kräftigen, gebräunten Arm gestützt, die Ärmel seines schwarzblauen T-Shirts waren hochgekrempelt, die Strähnen seines dunkelbraunen Haars fielen ihm mit einer Art lässigen Eleganz ins Gesicht und er.. seine Augen waren blau, dunkelblau. Mit leicht gerunzelter Stirn blätterte er in der Zeitung, die er vor sich auf dem kleinen Tisch ausgebreitet hatte. Er wirkte bedrückt, als mache ihm etwas große Sorgen, aber um seinen schmalen Mund spielte eine Entschlossenheit, wie sie Lara noch bei niemandem vor ihm gesehen hatte. Rasch wandte sie sich ab, bevor er sie bemerkte.


Lara konnte die Tränen jetzt nicht mehr zurückhalten, sie kamen aus dem Innersten ihres Herzens, und sie ließ es zu. Was waren sie beide nur für Dickköpfe gewesen, Kurtis und sie! Zu stolz, um sich dem anderen zu erkennen zu geben,  zu edelmütig, um es einmal zu lassen, sich in die größtmögliche Gefahr zu stürzen. Wenn sie nur miteinander geredet hätten, es hätte vielleicht nie so weit kommen müssen.. Lara kümmerte sich nicht um Pierres verwirrte Blicke, als er versuchte, das schöne aber müde Gesicht dieser jungen Frau am hinteren Tisch, die jetzt den Kopf in den Armen vergrub und herzzerreißend schluchzte, mit einer Erinnerung in Verbindung zu bringen.


"Lara! Bring dich in Sicherheit!" Zum ersten Mal sah sie, wie wirkliche Angst sein Gesicht verzerrte. "Kurtis, nein.. Ich lass dich hier nicht zurück!" Die riesige Spinne kam immer näher. "Schnell!" Kurtis packte sie und half ihr über die hohe Steinmauer. "NEIN!" schrie sie verzweifelt. "KURTIS!"



Mit einem leisen Klingeln schloss sich die Ladentür hinter ihr. Schnell wischte sie sich mit dem Arm über das Gesicht. Es tat gut, noch einmal hier gewesen zu sein. Aber alles war anders als damals. Die Stadt erwachte langsam. Das Monster war verschwunden, Bouchard, Carvier und Daniel Rennes waren tot, das Serpent Rouge geschlossen. Und Janice hatte einen neuen Job gefunden. Zum ersten und letzten Mal an diesem Tag musste Lara lächeln. Friseuse.. Aber sie war lange genug in Paris gewesen, es half nichts, noch länger traurigen Erinnerungen an vergangene Zeiten nachzuhängen. Sie musste nach Hause, nach England. Ihr treuer Butler erwartete sie. Und Zip. Es gab neue Abenteuer, die bestanden werden wollten, neue Gefahren, denen sie sich zu stellen hatte.



Sie war lange fort gewesen, so lange. Jetzt stand sie zögernd da, die Hand an dem schmiedeeisernen Tor, das ihr Grundstück von den umliegenden Herrenhäusern trennte. Es ist mein Haus, hier bin ich aufgewachsen. Warum zögere ich?
Vielleicht bin ich noch nicht bereit. Es kommt mir nicht richtig vor, nach der kurzen Zeit, die wir miteinander verbracht haben, wieder zu meinem normalen Leben zurückzukehren. Es ist, als würde ich ihn vergessen.



Alles, was sie hörte, war ein Klicken, dann presste sich das kühle Metall der Pistole schon gegen ihre Schläfe. Entsetzt keuchte Lara auf. Was in aller Welt... In einem verzweifelten Versuch wirbelte sie herum und wollte dem Angreifer die Waffe aus der Hand schlagen. Er packte sie mühelos am Arm, nicht brutal, fast vorsichtig. Sie starrte in diese sanften, gnadenlosen blauen Augen... Und eine Sekunde der Ewigkeit umfasste sie beide. Sie konnte den Blick nicht von diesem Gesicht wenden, so ängstlich, sie zu verletzen, so entschlossen, sich zu holen was ihm zustand. Die Zeit lief weiter und er stieß sie von sich, zog eine kleine, hell leuchtende Scheibe aus seiner Tasche und ließ die Waffe auf sie zusausen, doch sie wusste, dass er sie nicht umbringen würde. Sie stand wie betäubt da, während die Scheibe wieder zu ihm zurückkehrte, magisch goldene und orangene Funken hinter sich herziehend und er sich auf dem Absatz umdrehte und rannte.



In ihrem Rucksack fand sie das Tagebuch von Werner. Wie seltsam. Sie hatte es vollkommen vergessen, denn in ihrem Herz und in ihrem Kopf gab es nur einen. Mit zitternden Fingern blätterte sie die Seiten des Buchs durch, las Werners Aufzeichnungen über die Lux Veritatis und ihr wurde klar, das sie immer noch sehr wenig über Kurtis Trents Leben wusste. Sie würde sich darum kümmern. Aber zuerst.. Die schlimmste Erinnerung..


Für einen Moment hatte sie tatsächlich geglaubt, dass es Kurtis war. Ein spöttisches Lächeln umspielte seine Lippen, denen sie einmal so nah gewesen war. Zu Tode erschrocken riss sie die Augen auf. War das möglich? Nein, Eckhardt konnte nicht auch Kurtis einfach.. Bouchard, na gut, und auch der Reporter aus Prag und der Pitbullmann, aber doch nicht Kurtis? Ihr Kurtis? Doch sofort sagte ihr ihr Gefühl, dass er es nicht war. Eckhardt versuchte, ihren Willen zu brechen, doch das würde ihn nicht retten. Entschlossen zog Lara die Splitter hervor.


Am Ende hatte sie es geschafft, der Böse war tot und die Welt war ein Stück besser. Aber um welchen Preis.. Unglücklich schlang Lara ihre schmalen Finger ineinander. Sie durfte sich nicht von der Verzweiflung beherrschen lassen. Das hätte Kurtis nicht gewollt. Ihr wurde klar, dass sie schon immer von ihm geträumt hatte. Schon als kleines Mädchen mit langen roten Zöpfen hatte sie an ihn gedacht, den Mann, an dessen Seite sie später, wenn sie groß war, kämpfen würde. Er würde tapfer, mutig, klug und entschlossen sein, er würde eher sterben als zuzulassen, dass ihr etwas zustieß. Manchmal würde er ruhig und nachdenklich am Fenster des Salons sitzen, mit dieser leicht gerunzelten Stirn, und sie hätte Zeit, sein braunes Haar zu betrachten, das in der Nachmittagssonne schimmerte, als sei es mit Gold bestäubt worden.. Morgens würden sie Seite an Seite aufwachen, beide mit dem Gefühl, dass sie genau da waren, wo sie hingehörten. Sie würden aufstehen, die Welt entdecken und Abenteuer erleben, und das nicht wie bisher allein, sondern gemeinsam.


Aber in ihren Träumen war die Geschichte immer gut ausgegangen. Sie waren zusammen hierher gezogen und waren für immer und ewig glücklich gewesen. Und das würde nie mehr Wirklichkeit werden.



Mit einem Wutschrei rammte sie die Splitter in Eckhardts Brust. Er stieß ein schreckliches Brüllen aus und für einen Moment waren sie alle in gleißend helles Licht getaucht. Dann spürte sie, wie sie das Bewusstsein verlor.
Als sie wieder zu sich kam, war sie allein. Sie blinzelte und versuchte, sich an irgendetwas zu erinnern. Natürlich, sie hatte gegen Eckhardt gekämpft.. Aber er war es nicht gewesen, sondern Karel. Vor Anstrengung verzog sie das Gesicht. Kurtis. Wo war er? Sie musste ihn finden! Der Arme, bestimmt ging es ihm schlecht.. Aber sie hatten es geschafft, das war das Wichtigste. Langsam richtete sie sich auf - und blickte auf eine dunkle Blutlache auf dem Steinboden. Daneben lag Kurtis' magische Scheibe. Sie leuchtete nicht mehr.

Bei dieser Erinnerung hielt es Lara nicht mehr auf der Bank aus. Sie konnte nicht mehr still dasitzen, während die Welt um sie herum so fröhlich war. Die Sonne ging unter, Insekten sammelten sich über den feuchten Rasenflächen und die Vögel zwitscherten. Lara schrie.



Eine eisige Hand krampfte sich um ihr Herz und sie hatte plötzlich das schreckliche Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ihr wurde schlecht. Nein.. Das konnte nicht sein. Kurtis durfte nicht tot sein!  Sie zitterte so stark, dass sie es kaum schaffte, die kleine Scheibe aufzuheben. Zaghafte goldene und orangene Funken schossen daraus hervor, wie um sie zu trösten. Doch sie achtete nicht auf die Scheibe, bis die ihre scharfen Klingen ausfuhr und durch das dunkle Tor verschwand.



Mit einem Schlag hörte Lara auf zu schreien. Wie hatte sie das nur vergessen können? Die Scheibe! Das Einzige, was mir hätte weiterhelfen können, habe ich einfach übersehen! Die Scheibe.. Sie war Kurtis' liebstes Spielzeug gewesen, er hatte sie immer bei sich getragen, und dank einer magischen Kraft war sie mit ihm verbunden und folgte ihm, wo immer er war. Aber dann.. Es konnte natürlich sein, dass die Scheibe nur durch einen Mechanismus davongeflogen war, da ihr Herr tot war. Aber das glaubte Lara nicht. Sie wurde ganz aufgeregt. Es gab eine Chance, dass er noch lebte! Irgendwo, verletzt, aber am Leben!


Ende
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