Märchenprinz findet Märchenprinzessin

von Ylvi
GeschichteRomanze / P6
Nate Archibald Serena van der Woodsen
19.02.2010
19.02.2010
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Hallo alle zusammen!
Dies ist ein Oneshot über Serena und Nate in der 3. Staffel über das, was während und nach der 12. Folge ("The Debarted") passiert. Ich hab die Folge heute Abend angeschaut und musste einfach irgendetwas dazu schreiben.
Eigentlich war ich immer ein Dan/Serena-Fan, aber die Luft bei den beiden ist endgültig draußen und Serena und Nate waren so süß zusammen in den letzten Folgen.
Bitte schreibt mir ein Review, egal ob gute oder schlechte Kritik! Ich will immer wissen, wie die Leser das Geschrieben fanden.
viele liebe grüße
Ylvi

Titel: Die beiden haben einfach so etwas an sich...


Oneshot: Nate/Serena

Die Limo hielt und schon stand Nate draußen auf der Straße. Sein erster Blick fiel auf das demolierte Auto am Straßenrand und für einen Moment vertrieb der Schock alle Gedanken aus seinem Gehirn. Da war sie, verletzt aber bei Bewusstsein. Am Leben! Seine schlimmsten Befürchtungen, die wohl schlimmsten Sekunden seines Lebens, verwischten wie ein Ölbild auf das Wasser tropfte.
„Serena! Was ist passiert?“  
„Wo ist Trip?“
„Trip?“
„Ist er okay?“
„Serena, Trip ist nicht hier!“
„Er ist gefahren!“
Dieser verfluchte Idiot! Nate sah sich noch einmal um, aber Trip war wirklich nicht da. War er einfach abgehauen und hatte Serena hier allein gelassen? Er hatte sie nicht verdient, keine Sekunde lang hatte er daran geglaubt. Vor ein paar Tagen hatte er ihr noch die Wahl gelassen, aber jetzt, jetzt würde er dafür sorgen, dass Trip nicht mehr in ihre Nähe kam. Noch einmal sah er zum Auto, trat sogar noch ein paar Schritte näher. Er konnte einfach nicht fassen, dass sein Cousin sie dort alleine gelassen hatte. Er war so ein Feigling!
Nate zog sein Handy aus der Tasche und wählte Trips Nummer. Die Mailbox. Er hinterließ eine Nachricht. Dann stieg er zurück ins Auto und ließ sich zum Krankenhaus bringen.
Sein Herz schlug hart gegen seine Brust. Er versuchte sich zu beruhigen: Serena hatte nicht so ausgesehen als wäre sie schlimm verletzt. Sie hatte sich den Kopf gestoßen. Heftig. Er hatte das Blut gesehen. Nate schluckte. Nervös knetete er seine Finger. Er wünschte, der Fahrer würde schneller fahren, aber er sagte nichts. Glücklicherweise war es nicht weit bis zum Krankenhaus.
Er stieg direkt vor dem Eingang aus und schickte den Fahrer weg. Heute Nacht brauchte er ihn nicht mehr. Was auch immer passierte, er würde bei Serena bleiben. Er würde sie nicht alleine lassen, niemals! Er trat in die Eingangshalle und ging sofort zu dem großen Empfangstresen.
„Serena van der Woodsen“, sagte er nur. „Sie wurde eben eingeliefert, nach einem Autounfall.“ Die Schwester lächelte ihn an und senkte dann die Augen auf den Bildschirm. Ein paar Mausklicke.
„Sie ist im zweiten Stock“, meinte sie. „Zimmer 254.“ Nate nickte nur.
Der Aufzug brauchte eine Ewigkeit, schließlich öffneten sich die Metalltüren mit einem leisen Pling. Er stieg ein und drückte ein wenig zu heftig auf den Knopf für den zweiten Stock. Als der Aufzug sich in Bewegung setzte, lehnte er sich an die Wand, seine Finger trommelten auf dem Haltegriff herum. Im ersten Stock stieg eine Krankenschwester hinzu, die ihm einen langen Blick zuwarf und breit lächelte. Er erwiderte das Lächeln halbherzig. Dann surrten die Türen erneut und er trat auf den Flur.
250. 251. 252. 253. 254. Nate atmete noch einmal tief durch. In welchem Zustand würde er sie vorfinden? Doch gerade als er die Klinke hinunterdrücken wollte, kam ein Arzt aus Serenas Zimmer. Über seine Schulter hinweg sah er ihre blonden Haare auf einem Kopfkissen, das Gesicht von der Tür abgewandt.
„Wie geht es Miss van der Woodsen?“, fragte er sofort.
„Sie wird schon wieder. Sie hat eine starke Gehirnerschütterung und ein paar Schrammen, aber sie wir wohl schon in den nächsten Tagen nach Hause gehen können.“ Nate schloss für einen Moment die Augen und atmete tief durch. In diesem Moment piepste sein Handy. Eine SMS von Tripp. Er war hier, vor dem Krankenhaus.
„Danke“, sagte er dem Arzt. Dieser nickte freundlich.
Den ganzen Weg noch einmal zurück. Dieses mal ging es viel schneller. Mit dem Wissen, dass es Serena gut ging. Nun – gut war vielleicht übertrieben, aber trotzdem. Schon stand er in der kühlen Abendluft. Er sah nach rechts, aber da war niemand, dann nach links.
Tripp kam auf ihn zu. Mit zwei schnellen Schritten war er bei seinem Cousin und packte ihn am Kragen.
„Was hast du dir dabei gedacht, Tripp?“
„Hast du sie gesehen? Ist Serena in Ordnung?“ Nate antwortete nicht. Jetzt, da er Tripp vor sich hatte wurde er noch wütender. Vorhin, als er ihm die Nachricht hinterlassen hatte, war er ruhig gewesen. Jetzt wurde sogar seine Stimme lauter: „Du hast sie allein gelassen, in einem demolierten Auto und hast sie auf den Fahrersitz gesetzt!“ Er ließ ihn wieder los und schnappte nach Luft. Er konnte einfach nicht glauben, was aus dem Mann geworden war, den er einmal für so ehrlich und selbstlos gehalten hatte. Für den er gelogen hatte, erst Serena und dann alle.
„Was ist mit dir passiert, Mann?“, fragte er. Eine kleine Falte war zwischen seinen Augenbrauen entstanden. Tripp sah auch nicht glücklich aus, aber das war egal. Nate würde ihm nie vergeben, niemals! Und das sagte er auch. Er freute sich beinahe schon darauf, den Cops zu erzählen, wer wirklich den Wagen gefahren hatte. Doch Maureen machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Dieses falsche Miststück! Wegen ihr hatte er gelogen, dabei war sie es die ganze Zeit gewesen, die die Wahlkampagne ihres Mannes auf ihre eigene Art und Weise hatte vorantreiben wollen. Und Trip wollte tatsächlich bei ihr bleiben. Nate schäumte vor Wut.
„Kommst du, Trip?“ Maureen drehte sich um, um wieder ins Auto zu steigen. Für sie war die Sache damit erledigt. Sie hatte dafür gesorgt, dass niemand Serena glauben würde, wenn sie erzählte, was wirklich passiert war. Jetzt war sie zufrieden. Intrigantes Biest! Und Trip, den er für so edel gehalten hatte ließ all das passieren. Für seine Karriere! Serena war ihm egal. Auch er wandte sich ab. Doch dann zögerte er.
„Ich würde sie gerne sehen. Glaubst du, du kannst-“ Weiter kam er nicht. Schon lag er auf dem Asphalt und drückte die Hand aufs Gesicht. Nate hätte es keine Sekunde länger ertragen können, ihm ins Gesicht zu sehen. Untätig. Eigentlich neigte er ja nicht zu Gewalt… aber jetzt fühlte er sich etwas besser.
„Du hälst dich verflucht noch mal von ihr fern!“, sagte er zu seinem am Boden liegenden Cousin, bevor er sich abwandte und zurück ins Krankenhaus ging. Zurück zu Serena.

Sie blinzelte müde und zog die Nase kraus. Das Licht einer Straßenlaterne schien durchs Fenster, direkt in ihr Gesicht. Wahrscheinlich war sie deshalb aufgewacht. Serena reckte sich ein bisschen. Ihr Kopf schmerzte, aber sonst ging es ihr gut. Ob sie Morgen schon nach Hause gehen durfte?
Sie kuschelte sich in die Decke und drehte sich, um eine bequemere Position zu finden. Vielleicht konnte sie ja noch einmal einschlafen, wenn sie dem Licht den Rücken zudrehte. Sie blinzelte noch einmal.
Nate saß auf einem Stuhl neben ihrem Bett und schlief. Sie lächelte. Er war noch hier. Ein leichtes Kribbeln breitete sich von ihrem Bauch aus und kroch bis in ihre Fingerspitzen.
Es war seltsam. Bis gestern Nachmittag war sie davon überzeugt gewesen, Trip zu lieben. Und jetzt? Er hatte sie belogen und allein gelassen. Sie war allein gewesen, als sie mit schmerzendem Kopf in dem demolierten Auto erwacht war. Zuerst hatte sie sich schreckliche Sorgen gemacht. Überall leuchten die bunten Lichter von Polizeiautos und dem Krankenwagen auf. Zwei Sanitäter sprachen auf sie ein, zwei weitere brachten eine Trage zu ihr. Aber wo war Trip?
Und dann hatte sie Nate gesehen. Ein wenig entsetzt vielleicht und besorgt, dachte sie und betrachtete sein schlafendes Gesicht. Er hatte gesagt, dass Trip nicht da war. Wütend ballte sie die Hände um die Bettdecke. So viel hatte sie für ihn aufgegeben. Ihre Mom hatte sie nicht einmal mehr nach Hause lassen wollen. Blair hatte von Anfang an Recht gehabt: Frau sollte nichts mit verheirateten Männern anfangen, auch wenn sie behaupteten, sich scheiden lassen zu wollen.
Sie hätte wissen müssen, dass er als Politiker sowieso nur in seine Karriere verliebt sein konnte. Sie, Serena, war ihm nicht einmal so viel Wert gewesen als das er sich davon überzeugt hatte, dass es ihr gut ging. Das war so entwürdigend!
Aber Nate war ganz anders, fiel ihr jetzt ein. Das Licht der Laterne fiel auf sein Gesicht und malte tiefe Schatten unter seine Augen. Sie wusste immer noch nicht, was sie für ihn empfand. Sicher, sie fühlte sich zu ihm hingezogen. Hatte sie das nicht immer ein wenig? Sonst wäre es wohl nie so weit zwischen ihnen gekommen. Sonst hätte sie doch nie mit ihm geschlafen, obwohl er Blairs Freund gewesen war.
Und ihm musste es auch so gehen. All die Zeit, all die Jahre seit der Hochzeit. Das war verrückt! Und sie hatte nichts bemerkt, nichts gewusst. Dann hatte er es ihr erzählt, alles und sie hatte ihn einfach stehen lassen. Für einen Mann, dem sie egal war. Sie war so dumm gewesen!
Serena wünschte plötzlich, sie könnte all das wieder gut machen. Fast hätte sie ihn geweckt. Aber das wäre selbstsüchtig gewesen. Nach allem, was sie ihm angetan hatte, konnte sie ihn jetzt wenigstens schlafen lassen, auch wenn das hieß, dass ihr Gewissen noch eine Weile auf ihr lastete.
Alle waren gegangen, aber Nate war geblieben.
Ihre Mom musste Rufus endlich die Geschichte mit Serenas Vater gestehen. Eric und Jenny hatten sich endlich wieder vertragen und sie waren mit ihr nach Hause gefahren. Blair war mit einem arg mitgenommenen Chuck verschwunden, wohin auch immer. Wo Dan und Vanessa hin waren, wusste sie ebenfalls nicht. Überhaupt bekam sie wenig mit von Dan. Sie sah ihn nur noch selten, dabei vermisste sie ihn immer noch. Nein, sie war nicht mehr in ihn verliebt, das war endgültig vorbei. Nach drei gescheiterten Versuchen konnte da einfach nichts mehr sein. Aber trotzdem hatte sie seit ihm keine Beziehung mehr gehabt, die lange gehalten hatte und die Vertrautheit mit einem Menschen – mit einem Mann – fehlte ihr. Trotzdem war sie sich nicht sicher was Nate anging. Sie war sich überhaupt nicht mehr sicher. Nicht nach der Enttäuschung mit Trip. Und dabei wusste sie noch nicht einmal die ganze Geschichte.
Ein leises Geräusch riss sie aus ihren Gedanken. Die Tür öffnete sich und ein Streifen Licht fiel auf den hässlichen grauen Krankenhausboden. Eine Silhouette erschien im Türrahmen, eine Gestalt, die leise die Tür hinter sich schloss, als sie eintrat.
„Serena?“ Es war Trip. Mit einem Schlag war sie hellwach. Sie richtete sich im Bett auf und ihr Bettzeug raschelte leise.
„Trip!“ Sie sprach leise, um Nate nicht zu wecken, dabei hätte sie ihn am liebsten angeschrieen. „Verschwinde, ich will dich nicht sehen!“ Doch statt auf sie zu hören, trat er näher an ihr Bett. Anscheinend wollte er genauso wenig, dass Nate aufwachte. Womöglich weniger Rücksicht auf seinen Cousin als auf sich selbst.
„Serena, wie geht es dir? Bist du okay?“
„Nein! Wo warst du? Du warst da, im Auto, du bist gefahren! Und dann warst du auf einmal verschwunden! Was soll das?“
„Ich musste es tun, Serena. Es tut mir Leid. Erzähl niemandem davon, dass ich gefahren bin, sonst kann ich meine Karriere vergessen.“
„Was?“ Darum ging es also wieder. Natürlich. Die Karriere. In den letzten Tagen hatte er ihr also wirklich nur etwas vorgelogen. Alles war gelogen. Nicht sie war das Wichtigste für ihn, sondern seine Karriere und er hatte sich auch nicht mit seinem Großvater getroffen, sondern mit Maureen, die nicht nur Serenas Leben gründlich durchgeschüttelt hatte, sondern auch dabei war das von ihrer Mom und Rufus zu zerstören. Wie konnte er sich nur mit so einer einlassen? Wie konnte er nur jemals glauben, dass sie seine Mätresse war, während er weiter mit Maureen verheiratet sein würde? Niemals!
„Serena, bitte. Ich will dich nicht verlieren.“
„Das hast du doch schon längst, das weißt du. Du bist ein widerlicher Lügner und Betrüger. Du bist in deine Karriere verliebt! Du manipulierst Menschen! Du bist keinen Deut besser als Maureen, mit der du auch noch verheiratet bist! Verheiratet! Jetzt verschwinde endlich von hier!“ Obwohl sie am liebsten geschrieen hätte, flüsterte sie. Trotzdem warf sie einen Seitenblick auf Nate, dessen Augen immer noch fest geschlossen waren. Beinahe hätte sie gelächelt. Wenn sie ihn so sah konnte sie fast vergessen, wer da bei ihr im Zimmer stand. Aber eben nur fast.
„Trip, es ist vorbei. Ich werde der Polizei nichts sagen, aber du musst mich in Ruhe lassen, hast du verstanden!“
„Aber ich liebe dich!“
„Ich glaube dir kein Wort mehr.“ Damit schwieg sie. Sie hatte alles gesagt. Jetzt musste er nur noch verschwinden, damit die Wunden heilen konnten, die er ihr zugefügt hatte. Gerade machte Trip den Mund auf, um noch etwas zu sagen, als Nate sich regte. Serena wandte den Kopf zu ihm um.
„Nate?“ Der Angesprochene öffnete langsam die Augen, blinzelte – dann fiel sein Blick auf Trip und schon stand er.
„Verflucht! Ich hab gesagt, du sollst dich von ihr fernhalten.“ Bestürzt musste Serena vom Bett aus zusehen wie Nate seinen Cousin am Kragen gepackt hatte und ihn zur Tür zog. So wütend hatte sie ihn noch nie gesehen.
„Nate!“, sagte sie, diesmal etwas lauter. Doch dieser zögerte nicht, riss die Tür auf, Licht flutete das Zimmer, und ging mit Trip nach draußen in den helleren Flur. Ein leiser Klick und es war wieder dunkel. Serena lauschte, hörte Nates Stimme, aber sie konnte nicht verstehen, was er sagte. Weil sie noch immer an irgendwelche Geräte angeschlossen war, blieb ihr nichts anderes übrig, als zu warten. Was passierte nur da draußen?

Nate schlug Trip nicht noch einmal. Er zog ihn nur zum Aufzug, vor sich hin schimpfend, fluchte und befahl seinem Cousin noch einmal, sich von Serena fern zu halten. Dann öffnete der Aufzug surrend die Türen und er beförderte Trip nach drinnen, drückte auf den Knopf für das Erdgeschoss und sah ein letztes mal das Gesicht des Menschen, der ihn so enttäuscht hatte, bevor sich surrend die Aufzugstüren schlossen. Dann atmete er noch einmal tief durch, wandte sich ab, um zurück in Serenas Zimmer zu gehen. Ob sie jetzt reden würden? Würde er noch einmal sagen, was er für sie empfand und sie würde ihn abermals zurückweisen? War sie dankbar, dass Trip weg war?
Er hatte ihr gesagt, dass er sie liebte, sie immer geliebt hatte. Doch als er sich ihr geöffnet hatte, hatte sie ihn zurückgestoßen. Er wusste nicht, ob sich ihre Gefühle jemals ändern würden. Er wusste nur eins: Sie hatte den Richtigen noch nicht gefunden. Vielleicht war er es ja.
„Serena…“ Er brachte nichts anderes hervor als er sie dort liegen sah, wieder in ihre Decke eingekuschelt, aber hellwach. Als sie ihn sah, richtete sie sich wieder ein wenig auf.
„Nate.“ Sie klopfte neben sich aufs Bett und er ging hinüber, um sich neben sie zu setzen.
„Wie geht es dir?“
„Gut.“ Sie lächelte ihr schönstes Serena-Lächeln, wurde aber schnell wieder ernst. „Wirklich.“ Anscheinend hatte sie ihm angesehen, dass er ihr nicht glaubte. „Mein Kopf tut nur etwas weh, das ist alles.“ Pause. „Ist Trip weg?“ Nate nickte. „Ich kann einfach nicht glauben, was passiert ist. Warum ist er gegangen? Warum hat er mich da allein gelassen?“ Sie schüttelte den Kopf und er sah ihr an, wie verletzt sie war. Innerlich. Es tat ihm beinahe selbst weh. Am liebsten würde er die Zeit zurückdrehen. Niemals hätte er Serena mit Trip wegfahren lassen, wenn er gewusst hätte, wie schlimm alles ausgehen würde.
„Er hatte Angst, was es für seine Karriere bedeuten würde, wenn herauskäme, dass er für den Unfall verantwortlich war. Und mit wem er im Auto saß. Es durfte keine private Verbindung zwischen euch entdeckt werden.“ Nate wich ihrem Blick aus und sah an ihr vorbei aus dem Fenster, beobachtete das Laternenlicht auf ihrem goldenen Haar und blickte dann auf seine Hände, die nur wenige Zentimeter von ihren entfernt lagen. Kurz entschlossen nahm er ihre Hand. Sie entzog sich ihm nicht. Überrascht schaute er auf und sah, dass sie lächelte.
„Es bedeutet mir viel, dass du heute Nacht hier bist“, sagte sie. „Danke. Für alles.“ Er drückte ihre Hand und lächelte zurück. Sie war so schön. Am liebsten hätte er sie für immer und ewig so angeschaut. Schon immer hatte er das gewollt. Auch als er mit Blair zusammen gewesen war, hatte er schon für Serena geschwärmt. Heimlich zwar, aber trotzdem. Nie hatte jemand etwas davon mitbekommen, bis zu dem Tag der Hochzeit…
Lange Zeit saßen sie so da, ohne zu sprechen und jeder hing seinen Gedanken nach. Schließlich schlief Serena ein. Wahrscheinlich war sie noch erschöpft von dem Unfall und Nate konnte sie ungestört betrachten. Er sah zu, wie die Schatten auf ihrem Gesicht sich veränderten, als draußen die Straßenlaterne aus- und die Sonne aufging. Immer heller wurde es. Sie schlief, ihre Hand immer noch in seiner.
Konnte er wirklich hoffen? Würden sie – endlich, nach all den Jahren, die sie sich jetzt schon kannten und in denen er sie immer geliebt hatte – endlich zusammen sein? Und es auch bleiben? Er war mit Blair zusammen gewesen, aber er hatte sie nicht geliebt. Catherine, die sowieso nur eine Affäre gewesen war. Jenny und Vanessa, für die er beide etwas empfunden hatte. Aber jetzt kamen ihm seine Gefühle von damals unecht vor, durchsichtig. Er hatte sich etwas vorgemacht, als er geglaubt hatte, sie zu lieben.

Wieder schlug sie die Augen auf. Diesmal schien die Sonne. Nate sah lächelnd zu ihr hinunter. Noch immer hielt er ihre Hand und noch immer saß er neben ihr. Die ganze Nacht war er bei ihr gewesen. Er hatte ihr so viel Trost gespendet und tat es noch immer. Sie spürte, dass sie ihn brauchte, auch wenn sie sich nicht sicher war, wie sehr.
„Guten Morgen“, sagte er sanft und seine schönen grauen Augen strahlten. „Wie hast du geschlafen? Wie geht es deinem Kopf?“
„Besser“, sagte sie. „Was hast du mit Trip gemacht? Ist er wiedergekommen?“
„Nein und ich denke, das wird er auch nicht. Hoffentlich.“ Nate runzelte die Stirn. Das Lächeln von eben war auf einmal wie weggewischt.
„Hoffentlich“, stimmte sie zu. Sie wollte ihn nicht wieder sehen, so weit es eben ging. „Hast du überhaupt noch mal geschlafen?“ Nate schüttelte den Kopf.
„Aber ich war vollkommen zufrieden.“ Jetzt stand er auf und wollte ihre Hand loslassen, aber sie hielt ihn fest. Wollte er jetzt etwa gehen? Nachdem er die ganze Zeit hier gewesen war und sie alles verschlafen hatte? Letzte Nacht war sie so müde gewesen, sie konnte einfach nicht wach bleiben. Aber jetzt war sie ausgeschlafen und wach und sie wollte über alles reden. Möglicherweise war es dazu noch etwas zu früh. Gestern noch war sie in einer Beziehung mit Trip gewesen, aber wenn es wirklich stimmte, dass er sie liebte, dürfte das keinen Unterschied für ihn machen. Wenn er wirklich so lange auf sie gewartet hatte… sie konnte sich das kaum vorstellen.
„Soll ich dir Frühstück besorgen?“
„Hm. Hunger hab ich schon. Aber am liebsten würde ich zu Hause frühstücken.“
„Meinst du, sie lassen dich schon gehen?“
„Vielleicht. Ich fühle mich auf jeden Fall gut genug dazu. Und du bist ja da, um auf mich aufzupassen.“ Sie lachte, aber eigentlich war es ihr ernst. Sie fühlte sich sicher bei ihm. Das war eigentlich immer schon so gewesen. Selbst wenn es in ihrer Freundschaft Krisen gegeben hatte – im Ernstfall hatte sie immer zu ihm kommen können. Er war ein guter Freund gewesen. Und vielleicht wurde er ja mehr als das.
Es klopfte an der Tür und der Arzt, der sie schon am Vortag untersucht hatte, kam herein.
„Guten Morgen, Miss van der Woodsen. Wie geht es Ihnen?“
„Gut. Wirklich gut.“ Serena strahlte ihn an. „Wann kann ich nach Hause?“
„Das werden wir gleich wissen.“ Widerwillig ließ Serena Nates Hand los, damit der Arzt sie untersuchen konnte. Als er fertig war, wirkte er sehr zufrieden.
„Meinetwegen dürfen Sie heute schon gehen. Aber wenn Ihnen schwindelig oder schlecht wird, suchen Sie sofort einen Arzt auf. Auch wenn Ihr Kopf stärker anfängt zu schmerzen. Und Sie passen auf sie auf.“ Der Arzt zwinkerte Nate zu und Serena lächelte.
„Das wird er bestimmt.“ Gleich darauf waren sie wieder alleine.
„Nate, danke, dass du hier bist“, sagte sie. „Ich weiß nicht, warum du das tust, aber… ich bin dir wirklich sehr dankbar. Nach der Sache mit Trip wollte ich nicht alleine sein und du warst da, also…“
„Doch, du weißt, warum. Du weißt, was ich empfinde, Serena. All die Jahre musste ich immer wieder an dich denken. Egal, mit wem ich zusammen war. Ich war eifersüchtig auf Dan, weil ihr so verliebt wart. Ich wünschte, du wärst auch verliebt in mich. Ich wünschte, dass deine Gefühle anders wären und du mehr in mir sehen könntest als einen Freund.“
„Ich glaube, das kann ich“, sagte Serena ernst. Ihre blauen Augen trafen auf seine grauen und fesselten sie. „Das kann ich“, wiederholte sie noch einmal mit fester Stimme. „Ich habe es nur nie gewusst.“ Sie machte eine Pause. „Es stimmt, ich war in Dan verliebt, aber jetzt – jetzt ist da nichts mehr. Und Aaron und Carter und schließlich Trip. Das war alles nichts. Es hat nie gehalten und ich hab mich nie so sicher gefühlt wie mit dir zusammen. Ich dachte, es wäre, weil wir Freunde sind, aber das ist es nicht nur.“
Nate schaute jetzt ungläubig. Anscheinend hatte er das wirklich nicht erwartet. Sie konnte das gut verstehen, schließlich hatte sie die ganzen letzten Jahre nichts dergleichen verlauten lassen.
„Ich wusste immer, dass da etwas Besonderes zwischen uns war“, sagte er jetzt. Serena nickte. Sie wusste genau, was er meinte. Wieder nahm er ihre Hand und sie sahen sich lange in die Augen, während draußen die Sonne immer heller schien und einen neuen, wunderschönen Tag prophezeite.
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