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Ein Leben mehr

SongficAllgemein / P12 / Gen
16.02.2010
16.02.2010
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Langsam komme ich zur Besinnung. Ich habe eine Gänsehaut, doch es liegt nicht an der Kälte.

Wo bin ich, was ist geschehen?

Ich sehe an mir hinunter. Ich trage ein schulterfreies schwarzes Kleid mit einer langen Schleppe. Das rote Futter schimmert bedrohlich im Licht der wenigen Kerzen, die brennen. Es scheint, ich befinde mich in einer Art Ballsaal.
Ich wundere mich noch über das spärliche, aber prunkvolle Mobiliar, als ich plötzlich einen heißen Luftzug im Nacken spüre, der mehrere Schauer meinen Rücken hinunterjagt.
Ich drehe mich nicht um. Ich weiß, dass er es ist. Er berührt mich sanft an der Schulter, die Spitze an seinem Ärmel kitzelt und verursacht noch mehr Gänsehaut. Mein Atem stockt. Er geht langsam um mich herum, löst dabei weder Hand, noch Blick von mir, in dem eine rote Glut zu flackern scheint, als er seinen Arm sanft über mein Dekolltee streifen lässt.
Ich schließe die Augen und genieße die zärtliche Berührung, die ein angenehmes Kribbeln in meinem ganzen Körper verursacht. Er weiß, dass ich ihm gänzlich verfallen bin. Wir beide wissen es und wir wissen auch, was heute Nacht passieren wird.
Nun fährt seine Hand gemächlich zu meiner Tallie, nur um mit den Fingerspitzen wieder über den Rücken hinauf zu meinem Nacken zu wandern. Er berührt kaum die empfindsame Stelle unterhalb meines Ohres, doch nehme ich es intensiv mit allen Sinnen wahr.
Meine Knie werden weich, mein Körper zuckt vor Begierde. Ich lausche seinem schweren Atem. Mein Verlangen nach ihm wird beinahe unerträglich, doch ich bete im Stillen, dass er nie wieder mit diesen Berührungen aufhören würde. Sein Mund nähert sich meinem Ohr und er flüstert diese Worte, mit seiner vor Verlangen heiseren Stimme, die in mir eine nie gekannte Sehnsucht auslösen:

„Unsre Nachkommen werden sich prächtig vermehrn,
schon nach kürzester Zeit wirst du Göttin von London sein.
Jede Nacht wird zum Fest und wir schlachten ein Opferlamm.
Kinder trinkt euer Blut,
denn so blüht und gedeiht der Stamm
unsrer untoten Brut.
Ein Leben mehr, das ist mein Trost für deine Qual,
geh in die Welt, zeig ihr dein dunkles Potential.
Kinder der Nacht tauchen die Stadt in dunkles Rot,
wählen ein Opfer aus und saugen es leer.
Ein Leben mehr!“


Es übermannt mich. Ich will all das, was mir seine Worte versprechen. Jetzt und hier! Ich drehe mich um und blicke in seine tiefschwarzen Augen, in denen sich das flackernde Kerzenlicht widerspiegelt. Das leicht überhebliche Lächeln auf seinem Gesicht macht ihn begehrenswerter denn je. Mein übermäßiges Verlangen lässt mich kaum noch atmen.

„Ein Leben mehr...“, hauche ich.

Sein Lächeln wird breiter, er fasst mich behutsam an der Hüfte und bedeutet mir, mich umzudrehen. Ich zittre, ich weiß, was mich nun erwartet. Doch er lässt sich Zeit, spielt mit mir, steigert meine Lust ins Unermessliche. Sein Griff wird fester, er fährt mit seiner Hand über meinen Oberschenkel, nach oben über meinen Bauch, meine Brust, während er zärtlich meinen Hals küsst. Ich wage, nicht zu atmen.
Plötzlich packt er grob meine Oberarme und ich ahne, dass nun der lang ersehnte Augenblick gekommen ist.
Ich stöhne ein letztes Mal lustvoll auf, als er zubeisst.
Worte zucken in meinen Gedanken auf, sie ziehen vorüber und ich weiß, dass alles gut wird, während ich von der alles verschlingenden Schwärze mitgerissen werde.

Ein  Leben mehr und du entkommst dem kühlen Grab,
brauchst kein Gebet, steigst nicht ins Totenreich hinab.
Kinder der Nacht tauchen die Stadt in dunkles Rot,
wählen ein Opfer aus und saugen es leer.
Ein Leben mehr.
Leben um Leben um Leben um Leben um Leben...
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