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Wurmlöcher

von Kiamara
GeschichteAbenteuer, Drama / P12 / Gen
Hermine Granger Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle
15.02.2010
21.07.2013
38
94.355
83
Alle Kapitel
362 Reviews
Dieses Kapitel
11 Reviews
 
15.02.2010 2.280
 
Hallo alle zusammen!
Ja, es hat wieder eine Weile gedauert, aber diesmal war ganz allein die Uni mit ihren Klausuren und dem Unichor mit seinen Konzerten Schuld, für die ich üben musste ;-)
Alle, die noch da sind - schön, euch wieder zu lesen! Viel Spaß mit dem neuen Kapitel!

Eure Kia


Kapitel 23 – Gegenwart und Realität

Hermine schluckte. Sie fühlte sich mit einem Mal so leer wie noch nie – weder Gefühle noch Gedanken wirbelten wie sonst durcheinander. Eigentlich wäre das jetzt der passende Augenblick für einen Nervenzusammenbruch, dachte sie zusammenhanglos. Doch der kam nicht.
Die Leere hielt an, und Hermine hielt den Blickkontakt mit diesen blutroten Augen, die im Gegensatz zu den ihren alle möglichen und unmöglichen Emotionen widerspiegelten.

Nach einem Moment, der eine Ewigkeit zu dauern schien, machte Voldemort wieder einen Schritt vorwärts – diesmal stolperte Hermine zurück. Sie gab es auch vor sich selbst nur ungern zu, doch in diesem Moment kehrte eine Emotion wieder – Angst. Sie wusste nicht, was in diesem brillianten Kopf vor ihr vor sich ging, doch sie ahnte, dass es nichts Gutes war.

Voldemort öffnete den Mund, als ob er etwas sagen wollte, wirkte mit einem Mal unsicher – und wirbelte auf dem Absatz herum. Einen Moment später fiel eine schwere Eichenholztür hinter ihm ins Schloss und Hermine war alleine.
Sie zuckte beim Knall der Tür zusammen. Das Geräusch durchschnitt die Stille wie ein Kanonenschuss und brachte irgendwo in Hermine einen Damm zum Bersten.

Schmerz brach so plötzlich über sie herein, dass sie unter dem Ansturm in die Knie ging. Mit einem Mal war jedes Puzzleteil auf seinen Platz gefallen. Die alte Angst vor Voldemort und der dumpfe Schmerz über Rons Tod, den sie erst jetzt wieder wahrnahm, der sie aber nie ganz verlassen hatte, vermischten sich mit der vergessenen Zuneigung zu Tom und dem frischen Verlust seines alten Ichs.

Denn verloren hatte sie es. Das, was gerade noch vor ihr gestanden war, hatte nichts mehr mit Tom gemeinsam. Das war der Dunkle Lord, nicht mehr und nicht weniger. Es war alles umsonst gewesen. Es hatte nicht ausgereicht.
Ein unkontrolliertes Schluchzen brach aus ihr heraus und hallte von den kahlen Steinwänden wider, erschreckte sie sogar selbst.

Als ob das nicht genug gewesen wäre, hatte sich ihr Hirn gerade diesen Moment ausgesucht, um seinen Dienst wieder aufzunehmen, wie immer schnell und logisch – auch wenn sie nicht bereit für die Erkenntnisse war, die es ihr lieferte.

Voldemort hatte ihr gesagt, sie hätte ihm etwas angetan. Natürlich, sie war sang- und klanglos verschwunden, und Dumbledores Erklärung dafür musste für ihn wie Hohn geklungen haben, schließlich wusste er, dass ihre Geschichte nicht stimmte. Er musste sich verraten vorgekommen sein. Er musste geglaubt haben, sie hätte ihn eiskalt fallen gelassen, gerade, als sie sich sein Vertrauen erschlichen hatte.

Hermine schnappte nach Luft, als ihre Gehirnzellen diesen Gedankengang ohne Rücksicht auf Verluste zu Ende führten.
Er war von Muggeln und Muggelstämmigen immer nur enttäuscht worden und hatte schließlich niemanden mehr an sich heran gelassen. Doch dann war sie aufgetaucht und hatte seine wohlgeordnete Welt durcheinander gebracht. Sie war sich zwar nicht sicher, inwieweit sie seine Ansichten bezüglich Muggeln revidiert hatte, doch es musste auf jeden Fall genug gewesen sein, um ihr bis zu einem bestimmten Punkt zu vertrauen.
Und was hatte sie getan? Sich in Luft aufgelöst, niemals existiert, egal, wie sehr er nach ihr gesucht haben mochte, und ihn auch enttäuscht.

Doch diesmal musste es ihn schwerer getroffen haben als all die anderen Male, sie hatte es schließlich geschafft, hinter seine Maske zu blicken. Wie tief, das wusste wohl nur er – doch es musste seinem Muggelhass neue Nahrung gegeben haben – und damit auch seiner Gewaltbereitschaft. Sämtliche Kompromisse, die er vielleicht im Sinn gehabt haben mochte, was die muggelstämmigen Zauberer und Hexen anging, mussten ihm wie ein Hohn vorgekommen sein. Er musste sich von sämtlichen Kompromissen wieder ab- und der Gewalt zugewandt haben – und Lord Voldemort geworden sein.

„Und ich bin Schuld“, wisperte Hermine erstickt, bevor sich ihr letzter Rest an Beherrschung verabschiedete und sie schluchzend zusammenbrach. Wie hatte das alles nur so schieflaufen und nach hinten losgehen können? Zitternd rollte sie sich auf den eisigen Steinen zu einer Kugel zusammen und ließ ihren Tränen freien Lauf.

Sie wusste nicht, wie lange sie dort lag und weinte, doch mit jedem Augenblick wurde die Kälte allmächtiger, kroch weiter in ihren Körper hinein und schüttelte sie, während sie das Gefühl in den Fingern und Zehen verlor. Dunkelheit kroch vom Rand ihres Bewusstseins auf sie zu, doch sie wehrte sich nicht dagegen.
Was hätte es schon geändert? Alles, was nur schieflaufen konnte, war bereits schiefgelaufen. Ihr Zittern und ihre Schluchzer ließen nach, doch die Tränen liefen weiter, als die Dunkelheit über ihr zusammenschlug und sie in Vergessen hüllte.

~*~

Als sie wieder erwachte, lag sie auf etwas erstaunlich weichem und warmen. Sie blinzelte und sah sich um.
Sie lag in einem großen Himmelbett mit einem blauen Baldachin über ihrem Kopf. Etwas störte sie an diesem Bild, sie brauchte allerdings etwas, bis sie wusste, was es war. Blau, nicht grün. Blau wie... Ravenclaw. War das gut oder schlecht?
Langsam setzte sie sich auf.

„Gut, Sie sind endlich wach“, ertönte eine dunkle Stimme neben ihr, die sie auf Anhieb wiedererkannte, auch wenn sie sie, wenn sie die Zeit in ihren Erinnerungen mitrechnete, lange nicht mehr gehört hatte. Sie zuckte zusammen und drehte sich zur Seite.
In einem Sessel neben ihrem Bett saß Severus Snape, den Zauberstab zwischen den Fingern zwirbelnd.

Sie schluckte. „Wo – wo bin ich?“
Er strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Sie befinden sich in einer Unterkunft im privaten Flügel des Dunklen Lords.“ Seine Augenbraue hob sich. „Und ich wurde offiziell zu Ihrem Kindermädchen ernannt. Also, falls Sie etwas brauchen, scheuen Sie sich nicht, mir auf die Nerven zu fallen – wäre ja nichts neues.“
Einen wundervollen Moment lang musste Hermine lachen, dann holten ihre Gedanken sie wieder ein. „Was hat er mit mir vor?“, fragte sie leise.

Snape zuckte mit den Schultern. „Das ist die Frage. Seit Sie hier sind, hat niemand ihn zu Gesicht bekommen. Er hat sich in seinen Räumen eingeschlossen und gibt nur noch per Patronus Anweisungen. Das war am Anfang vielleicht ein Chaos...“
„Am Anfang?“, unterbrach ihn Hermine. „Wie lange war ich denn bewusstlos?“
Er runzelte die Stirn. „Fast fünf Tage. Sie können von Glück reden, dass ich hier war und dafür gesorgt habe, dass Sie durchkommen. Sonst wären Sie vermutlich an Dehydration gestorben.“

Hermine ließ sich langsam in die Kissen zurückfallen, den Blick ins Leere gerichtet.
„Fünf Tage“, flüsterte sie.
Die Worte schienen einen Moment lang im Raum zu schweben, dann kam Hermine ein Gedanke und sie setzte sich so ruckartig wieder auf, dass ihr schwindlig wurde. Stöhnend fasste sie sich an den Kopf und wartete ungeduldig, bis die Welt wieder stillstand.
„Waren Sie durchgehend hier? Wie viel weiß Dumbledore?“

Snapes Augenbrauen zogen sich zusammen. „Er weiß gar nichts. Ich hatte genug damit zu tun, Sie davon abzuhalten, mir unter den Händen wegzusterben. Wussten Sie, dass Sie sich im bewusstlosen Zustand weigern, zu schlucken? Ich musste Sie unter Imperius aufwecken, damit Sie Flüssigkeit bekommen haben – und Sie sind mir jedes Mal wieder weggekippt, sobald ich ihn aufgehoben hatte.“

Nun war es Hermine, die irritiert die Brauen zusammen zog. „Haben Sie keine Infusionen?“
Snape verdrehte die Augen. „In einer Festung voller Muggelhasser. Natürlich. Haben Sie einen Schlag auf den Kopf bekommen?“
„Nein“, gab sie kleinlaut zurück, sich für ihre dumme Frage verfluchend.
„Das will ich doch hoffen“, brummte er. „Wir brauchen Ihren Kopf.“

Hermine legte den Kopf schief. „Wer ist wir?“
Snapes Mundwinkel zuckten, und für einen Augenblick spielte ein süffisantes Lächeln darum, welches Hermine ebenso kurz erwiderte.

„Der Orden und vor allem Potter ist mehr denn je auf Sie angewiesen, auch Dumbledore, da er in Weasley einen guten Strategen verloren hat. Auf der anderen Seite scheinen Sie das Einzige zu sein, was zwischen dem Dunklen Lord und seinem Temperament steht. Nur auf Sie nimmt er noch Rücksicht, ansonsten geht er bei jedem falschen Schritt oder Wort in die Luft. Wir sind alle froh, uns nur das Gebrüll seines Raben und nicht sein eigenes anhören zu müssen, das ist weniger schmerzhaft.“

Hermine schüttelte den Kopf, das Lächeln schlich sich erneut auf ihr Gesicht. „Sie haben es wieder einmal geschafft. Aber glauben Sie ja nicht, ich würde aufgeben – eines Tages komme ich noch dahinter.“
Er hob eine Augenbraue und sah tatsächlich belustigt aus. „Ich warte darauf.“

Jetzt grinste sie tatsächlich einen Moment lang offen. Es war gut, dass sich diese Sache nicht geändert hatte und wohl auch nie ändern würde. Seit Hermine zusammen mit Harry und Ron begonnen hatte, aktiv mit dem Orden zu arbeiten, hatte sie herausfinden wollen, auf welcher Seite Snape denn nun stand – Dumbledores Wort stand gegen die Vermutungen ihrer beiden Freunde sowie die Berichte einiger verhörter Todesser.

Doch Snape hatte sie gleich bei ihrem ersten Versuch, ihm etwas zu entlocken, durchschaut und gab ihr immer Antworten, die sie auslegen konnte, wie sie wollte. Es war ein regelrechtes Katz-und-Maus-Spiel zwischen ihnen geworden, ein Ritual, das sie jedes Mal, wenn sie zusammen arbeiteten, wiederholten.

Lächelnd dachte Hermine an die ein oder andere Antworte zurück, bei der sie ihn nur um seinen unglaublich raschen Verstand beneiden konnte, dann fiel ihr jedoch an der letzten etwas auf.
„Rabe? Sein Patronus ist ein Rabe?“
Snape nickte knapp. „Mittlerweile. Deswegen ja das Chaos. Wir waren seine Schlange gewohnt, aber seit fünf Tagen ist es ein Rabe.“

Irgendetwas in Hermines Gesichtsausdruck musste ihm gesagt haben, dass ihr Herz gerade einen Salto rückwärts veranstaltet hatte und ihr Puls mit einem Mal in die Höhe schnellte, denn er zog eine Augenbraue hoch und fragte mit einem fast schon befehlenden Unterton: „Wissen Sie, warum er seine Gestalt geändert hat? Haben Sie eine Ahnung, was mit ihm los ist? Und wagen Sie es ja nicht, einfach nein zu sagen – es ist eindeutig, dass Sie ihre Finger mit im Spiel haben.“

„Das ist leicht untertrieben“, murmelte sie fast unhörbar, dann erwiderte sie lauter: „Ich kann es mir denken, zumindest teilweise.“
Snapes zweite Augenbraue gesellte sich zu der ersten. „Ich höre.“

Hermine fällte in Sekundenschnelle einen Entschluss, und ihr Blick wurde hart. „Bei allem Respekt, Sir, aber das geht Sie nichts an.“
Sein Mund klappte für einen Sekundenbruchteil auf, bevor er offensichtlich merkte, was er tat und scharf erwiderte: „Das tut es sehr wohl. Ich muss Dumbledore Bericht erstatten, und diese Informationen sind sehr wichtig. So etwas ist noch nie vorgekommen.“

Hermine biss sich auf die Lippe und überlegte einen Moment. Im Grunde klang es vernünftig, was er sagte – doch mit einem Mal kehrte die Wut über Dumbledore zurück.
Die Wut, dass er sie zurückgeschickt hatte, obwohl er ganz genau wusste, dass sie scheitern würde. Die Wut darüber, dass der Dumbledore in der Vergangenheit Schuld an ihrem Scheitern war.

Und die Wut darüber, dass ausgerechnet jetzt einer seiner Ratschläge für schwierige Situationen in ihrem Kopf nachhallte.
„Wenn Sie nicht wissen, was Sie tun sollen, leeren Sie ihren Geist. Befreien Sie ihn von allen Gefühlen, die Ihr Urteilsvermögen trüben. Erst dann können Sie nachdenken und eine vernünftige Entscheidung treffen.“
Schließlich die Wut darüber, dass dieser Spruch wahr war.

Sie zwang sich, tief durchzuatmen. Dann leerte sie ihren Geist. Wunderbare, klare Linien empfingen sie unter dem Wirrwarr ihrer Gefühle, und die legte sie eine nach der andren frei. Schließlich rekapitulierte sie noch einmal alles – und sah Dumbledore aus seinen eigene Augen.

Der Dumbledore in der Vergangenheit hatte ihr nichts Böses gewollt – er hatte lediglich befürchtet, sie würde die Zeitlinie durcheinander bringen und zwar stark genug, um Geburten zu verhindern oder ähnliches. Kein Wunder, dass er schließlich nicht gezögert hatte, sie mit Gewalt zurück zu schicken, sie wusste im Grunde ja selbst, was alles schon passiert war.
Da fiel ihr auf – wie hatte er eigentlich gewusst, an welchen Zeitpunkt er sie hatte schicken müssen?

Sie behielt die Frage im Hinterkopf und dachte ihren angefangenen Gedanken zu Ende.
Der Dumbledore aus der Gegenwart hatte schon gewusst, dass es schiefgehen würde. Warum hatte er sie trotzdem gehen lassen, nein, ihr sogar den Weg zum Zeitumkehrer erleichtert?

Im Grunde war es lächerlich, noch zu grübeln. Er hatte es selbst gesagt, und er hatte wie immer Recht gehabt: Zeitreisen waren oft selbsterfüllende Prophezeiungen. Er hatte gewusst, dass sie die Zeitreise antreten würde, weil es zu dem Zeitpunkt, als ihr die Idee kam, ja schon geschehen war. Er hätte es nicht verhindern können, also war es durchaus vernünftig gewesen, ihr den Zeitumkehrer zu besorgen, bevor sie am Ende noch etwas dummes anstellte wie ins Ministerium einzubrechen.

Und der Gedächtniszauber... Es war vielleicht nicht anständig von ihm, diese Episode ihres Lebens einfach wegzuschließen, aber in Anbetracht des Krieges war es die einzige Entscheidung gewesen, die sie von Dumbledore erwartet hatte – und vielleicht auch selbst getroffen hätte, wäre sie an seiner Stelle gewesen.
Es war nicht das beste für sie gewesen, doch der Orden hatte sie gebraucht – und zwar nicht noch kaputter, als sie nach Rons Tod sowieso schon war.

So gesehen hatte Dumbledore zwar nicht immer die richtige Entscheidung getroffen, ihr aber auch nie etwas Böses gewollt. Er hatte einfach nicht hellsehen können und hatte später Schadensbegrenzung betrieben.

Hermine dachte noch einen Moment nach, dann nickte sie Snape zu. Sie würde Dumbledore Bericht erstatten – aber ohne Snape einzuweihen.

„Sagen Sie ihm, dass sein Zauber auf mir gelöst wurde und es mir gut geht, ich allerdings im Augenblick nicht allzu gut auf ihn zu sprechen bin, auch wenn ich seine Beweggründe verstehe.“
Snape musterte sie eindeutig überrascht. Mit dieser Antwort hatte er wohl nicht gerechnet. „Miss Granger, Sie-“
„Tut mir Leid, aber von mir erfahren Sie nicht ein Wort mehr. Wie gesagt, es geht Sie nichts an – und Sie wissen genug, damit Dumbledore Bescheid weiß.“
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