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Wurmlöcher

von Kiamara
GeschichteAbenteuer, Drama / P12 / Gen
Hermine Granger Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle
15.02.2010
21.07.2013
38
94.355
81
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Dieses Kapitel
35 Reviews
 
 
15.02.2010 1.433
 
Hallo! Schön, dass ihr hergefunden habt!

Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld.

Viel Spaß beim Lesen!


~*~

1. Wiedersehen?


Oktober 1997

Es war düster und kalt in den Gängen. Nur vereinzelt brannten Fackeln an den Wänden, und ihre Flammen waren von einem eisigen Grün, das nichts als den Tod versprach. Wasser tropfte von der Decke.

Hermine fror entsetzlich, doch sie presste die Lippen fest aufeinander und ging weiter. Stehen bleiben hätte nur weitere Schmerzen zur Folge. Unbarmherzig bohrte sich ein Zauberstab in ihren Rücken und zwang sie weiter vorwärts.

Einmal war sie bereits stehen geblieben. Warum, wusste sie nicht. Vielleicht aus Trotz. Doch sie würde es kein weiteres Mal tun. Noch einen Cruciatus brauchte sie nicht, bevor sie überhaupt angekommen war.

Der Todesser, der sie vorwärts trieb, hatte ihr mit einem schadenfrohen Lachen verkündet, dass der Dunkle Lord schon viel zu lange keine Schlammblüterin mehr zum Spielen gehabt hatte.
Man sah es ihrer versteinerten Miene vielleicht nicht an, doch Hermine hatte Angst. Furchtbare Angst. Wer wusste schon, was Voldemort unter Spielen verstand...

Die Furcht schnürte ihr die Kehle zu, doch sie zeigte keine Regung und lief weiter. Sie hoffte auf einen schnellen Tod. Mehr konnte sie jetzt nicht mehr tun. Sie schwor sich, nicht um den Tod zu betteln - doch sie wünschte ihn sich. Er war der einzige Ausweg aus dieser Misere...

Und sie würde wieder bei Ron sein. Der Gedanke an ihn reichte aus, und sie konnte wieder etwas freier atmen. Nur noch Voldemort überstehen - und sie wäre wieder bei ihm. Ihre verkrampfte Haltung lockerte sich etwas. Nicht an Voldemort denken, ermahnte sie sich. Egal, was er mit dir anstellt, denk an Ron. Letztendlich wird er dich zu ihm schicken. Egal, was passiert, du wirst am Ende bei ihm sein.

Hermine holte tief Luft und reckte den Kopf in die Höhe. Sie würde keine Angst mehr vor Voldemort haben. Er sah den Tod als größtes Übel an - für sie war es der einzige Weg zu Ron. Sie hatte keine Angst vor dem Tod.

„Stehen bleiben“, raunzte der Todesser hinter ihr plötzlich.
Sie gehorchte und sah sich um. Sie waren vor einer großen, eisernen Tür angekommen. Der Todesser hob mit zitternden Händen einen Türklopfer in Form zweier umeinander gewickelter Schlangen an und klopfte. Einen Augenblick später schwang die Tür auf. Der Todesser richtete erneut seinen Zauberstab auf sie. „Rein da.“

Hermine schluckte und trat langsam durch die Tür. Ihr Herz pochte ihr bis zum Hals, doch sie ignorierte es, so gut sie konnte. Ihre Eingeweide schienen sich zu verknoten, als sie sich umsah.
Sie stand in einem lang gezogenen fensterlosen Saal, der ebenfalls nur von den gespenstisch grünen Fackeln erleuchtete wurde, die sie bereits kannte. Am Ende des Saales erhob sich ein Podest ein paar Schritte über den Boden, und auf diesem Podest stand er.
Lord Voldemort.

Hermine hatte ihn noch nie zuvor gesehen, und sie hätte sich bei seinem Anblick beinahe geschüttelt.
Seine weiße Haut erinnerte sie ein wenig an Sirius, als er gerade aus Askaban entkommen war - wächsern und fest über die Knochen gespannt. Da er im Gegenzug zu Sirius jedoch keine Haare mehr besaß, sah er aus wie ein lebendig gewordenes Skelett. Er war sehr dünn, seine tiefschwarze Robe wirkte ein ganzes Stück zu weit. Was ihm endgültig das Aussehen eines Totenschädels gab, waren die fehlende Nase und die rot glühenden Augen, die tief in ihren Höhlen saßen.

Hermine blieb unwillkürlich stehen. Eine unheimliche, düstere Aura der Macht umgab ihn wie einen Bannkreis, der durch die ganze Halle bis zu Hermine reichte. Mit einem Mal fühlte sie sich klein, winzig klein. Sie zuckte zusammen, als hinter ihr die Tür zuschlug, doch sie drehte sich nicht um. Sie konnte den Blick nicht von Voldemort nehmen.

Es schien, als würde die Welt einen Moment lang stehen bleiben - dann regte Voldemort sich das erste Mal. Doch es war nicht das, was sie erwartet hatte. Seine Augen weiteten sich, und für einen Moment huschte ein Ausdruck über sein Gesicht, den sie nicht recht benennen konnte, so schnell war er wieder verschwunden.

Er machte eine kurze, auffordernde Handbewegung, und Hermine vernahm Schritte hinter sich. Kurz darauf öffnete und schloss sich die Tür. Anscheinend waren Todesser an den Rückwänden postiert gewesen, die er weggeschickt hatte, doch sie hatte sich wiederum nicht umgedreht.

Voldemort würde ihr Tod sein. Irgendwie hatte ihre Welt bei seinem Anblick, in der Aussicht, in absehbarer Zeit zu sterben, aufgehört zu existieren.
Sie fühlte nichts mehr. Ihr war nicht einmal mehr kalt. Ihr Hirn arbeitete zwar noch, aber es fühlte sich seltsam losgelöst an, ohne Emotionen.

Kaum waren die Todesser verschwunden, kam Leben in Voldemorts starre Miene. Er trat mit raschen Schritten vom Podest, kam auf sie zu und blieb dicht vor ihr stehen. Sie wich nicht zurück. Als sie aufsah, erschrak sie trotzdem.

Sein Gesicht hatte den starren, kalten Ausdruck verloren und sah beinahe... verletzlich aus. Beinahe. Wenn da nicht die Fassungslosigkeit und die nur knapp gezügelte Wut gewesen wären, die seine Züge dominierten.
Er flüsterte ihr zu, als könne er nicht glauben, dass sie wirklich vor ihm stand: „Wie bist du unsterblich geworden?“

Perplex machte Hermine einen Schritt rückwärts. „Wie bitte?“, fragte sie leise.
„Du hast mich gehört“, zischte er bloß und packte sie an der Schulter.
Sie erstarrte und entgegnete leise, aber deutlich: „Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen, und ich will, dass Sie mich auf der Stelle loslassen.“
Er blitzte sie wütend an und schüttelte sie stattdessen. „Natürlich weißt du es! Und du wirst es mir jetzt sofort sagen!!“

Hermine riss sich mit einem Satz rückwärts aus seinem Griff los und gab nun, nicht minder wütend, zurück: „Hören Sie auf! Sie haben mir wehgetan! Und ich habe keine Ahnung, was Sie von mir wollen!“
Voldemort lachte kalt und ironisch auf, dann schrie er beinahe: „Ich soll dir wehgetan haben?! Das war noch gar nichts im Vergleich zu dem, was du mir angetan hast!!“

Hermine wich zurück, als er wiederum auf sie zukam. Doch er stoppte nicht, und so ging sie immer weiter rückwärts, bis sie gegen kalte Steinwand stieß. Sie schluckte, als Voldemort so nah vor ihr stehen blieb, dass er die Hände rechts und links von ihrem Kopf an der Wand abstützen konnte.

Hermine atmete tief durch, dann blickte sie ihm direkt in die Augen und sagte so klar und deutlich wie möglich: „Ich sehe Sie heute das erste Mal. Wie kann ich Ihnen wehgetan haben, wenn Sie mir noch nie begegnet sind?“
Sie hoffte, dass die Logik ihn erreichen würde, doch irgendwo erkannte sie bereits vor seiner Antwort in seinem Blick, dass sie das nicht getan hatte.

Er lächelte süßlich. Zu süßlich. „Wir sollen uns also niemals zuvor begegnet sein? All das soll niemals passiert sein?“ Mit einem Mal schrie er sie an, so dass sein Speichel sprühte. „FÜR WIE BLÖD HÄLTST DU MICH?!“

Hermine kniff die Augen zusammen und schwieg. Doch als er sie packte und wiederum schüttelte, war es auch mit ihrer Beherrschung vorbei. Sie würde sowieso sterben. Es war egal, was sie jetzt noch sagte oder tat.
Also brüllte sie aus voller Kehle entgegen: „ICH ERINNERE MICH NICHT DARAN, IHNEN JEMALS BEGEGNET ZU SEIN!!“

Dann trat sie ihm mit voller Wucht ans Schienbein, riss sich los, duckte sich unter seinen Armen weg und flüchtete in die Mitte des Saals, wo sie schwer atmend stehen blieb.

Einige lange Momente blieb Voldemort wo er war, mit einer Hand gegen die Wand gestützt, und sah beinahe erschöpft aus. Dann wirbelte er herum und kam wieder mit diesem gefährlichen Lächeln auf sie zu. Sein Gang war geschmeidig wie der einer Raubkatze. Wieder wich Hermine unwillkürlich zurück.

„Oh doch“, sagte er mit samtig weicher, absolut ruhiger Stimme. „Du erinnerst dich daran. Du weißt es bloß nicht mehr.“
Hermines Hirn setzte aus. „Wie bitte?“
Voldemort rollte mit den Augen und zog seinen Zauberstab. „Du bist doch sonst nicht so schwer von Begriff. Du stehst unter einem Gedächtniszauber. Vermutlich einem von Dumbledore.“

Er richtete den Zauberstab direkt auf ihren Kopf. Sie schluckte, rührte sich jedoch nicht. Sie hätte sowieso keine Chance.
Er lächelte triumphierend. „Jetzt werde ich endlich die Wahrheit erfahren“, wisperte er, drückte die Spitze des Stabes leicht an ihre Schläfe und flüsterte beinahe zärtlich: „Legilimens.“

Hermine spürte seine Anwesenheit in ihrem Geist. Er fegte ihre Okklumentikbarrieren beiseite, als wären sie Papier, und wanderte tiefer und tiefer in ihren Geist... bis hin zu einem Ort, von dem sie selbst nicht gewusst hatte, dass er existierte.
Dieser Ort war wie eine kleine, geschlossene Kugel; Sie konnte nicht bis ins Innerste sehen. Diese Kugel brach Voldemort nun auf, und ein Strom von Bilder und Geräuschen riss sie hinweg.
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