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Heroes of Might and Magic V - Elfenkrieg

GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
15.02.2010
15.02.2010
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Elfenkrieg

Angriff der Dunkelelfen















Ylthin war eine angesehene Kämpferin und Diplomatin bei ihrem Volk. Die Waldelfen waren friedliebend, aber hin und wieder mussten auch sie sich mit schwierigen Situationen auseinandersetzen.
Es war ein wunderschöner Morgen und Ylthin hatte sich ihren Lieblingsplatz ausgesucht um ihn zu verbringen, die Einhornlichtung. Sie liebte die Einhörner über alles. Als sie noch ein Kind gewesen war, hatten Sklavenjäger der Dunkelelfen auf sie Jagd gemacht. Ein Einhorn stellte sich ihnen in den Weg und schützte Ylthin so vor einem Leben als Sklavin. Von diesem Tag an liebte sie die Einhörner. Heute arbeitete sie mit ihnen zusammen und, sollte es erforderlich sein Sylina, ihre Stadt, zu schützen, kämpfte sie mit den Einhörnern gegen ihre Feinde. Ylthin streichelte ihrem Lieblingseinhorn den Kopf und das Tier erwiderte die Zuneigung.
Dies war ein Moment vollkommen Glücks, doch er währte nur kurz.
Ein junger Elf kam auf die Einhornlichtung. Als er sich vor sie stellte, erkannte Ylthin das es ein Kundschafter war. Sein Gesichtsausdruck verriet nichts Gutes.
„Ylthin, es ist etwas furchtbares geschehen. Die Dunkelelfen sind in unseren Wald eingedrungen.“
„Was?!“ Ylthin war mehr als überrascht, doch die Überraschung wich sehr bald der Besorgnis.
Die Dunkelelfen waren zwar mit ihnen Verwandt, doch sie lebten nicht im Wald mit den Bäumen zusammen, sondern unter der Erde, in den dunklen Gängen und Höhlen.
Bei dem Gedanken an diesen Lebensraum drehte sich Ylthin der Magen um. Sie könnte sich niemals vorstellen dort zu leben. Wahrscheinlich wäre es die schlimmste aller Strafen für sie. Sie brauchte die Einhörner, die Bäume und das Licht.
„Dunkelelfen, in unserem Wald?“ fragte Ylthin nach um mehr zu erfahren.
„Ja. Sie haben bereits einige unserer Rohstoffquellen eingenommen und begonnen die Bäume abzuholzen um Kriegsmaschinen zu bauen.“
„Was?!“
Der Ausdruck der Besorgnis in ihrem Gesicht hatte sich in blankes Entsetzen verwandelt und plötzlich stieg eine ungekannte Wut in ihr hoch. Die Erinnerungen aus Kindertagen kehrten zurück. Die Erinnerung an die Sklavenjäger der Dunkelelfen. Mit der Erinnerung kam die Angst zurück und mit der Angst die Wut.
Am liebsten würde sie gleich losmarschieren um diese Unterweltler aus ihrem geliebten Wald zu vertreiben. Doch Ylthin wusste, dass sie nichts überstürzen durfte. Sie musste zuerst die Truppenstärke des Feindes auskundschaften, sonst würde sie womöglich noch in ihr Verderben rennen.
Ylthin schickte den Kundschafter fort und setzte sich in das hohe, saftig grüne Gras um Nachzudenken. Das Einhorn spürte ihre Besorgnis. Es legte sich neben sie und versuchte sie zu beruhigen.

Bald eilte Ylthin los um die Lage auszukundschaften. Sie selbst ritt auf ihrem Lieblingseinhorn. Außerdem begleiteten sie ein weiteres Einhorn und zehn Meisterjäger. Jene erfahrenen Bogenschützen der Elfen, die auch aus großer Distanz treffsicher waren und schneller schießen konnten, als ein Mensch es je könnte.
„Wo wollen wir mit der Suche beginnen, Herrin?“ fragte Gilreon, der Anführer der Meisterjäger.
„Unsere Kundschafter berichteten die Dunkelelfen marschieren von Norden her ein. Dort werden wir mit unserer Suche beginnen.“ erklärte Ylthin.
Ihr kleiner Trupp kam leicht durch den großen Wald, den die Elfen und viele andere Lebewesen bewohnten. Ylthin hatte darauf bestanden nicht gleich alle Streitkräfte in Marschbereitschaft zu versetzen. Eine so große Armee würde vielmehr Aufsehen erregen, als ihre kleine Gruppe. Die Kämpferin war auch sehr froh von den Meisterjägern begleitet zu werden. Sie kannten jeden Winkel des Waldes und konnten sich fast geräuschlos im Unterholz bewegen.

Die Streitmacht der Dunkelelfen war leicht aufzuspüren. Sie hatten acht schwarze Drachen dabei, die anscheinend einzig und allein der puren Freude wegen den umliegenden Wald mit ihrem Feueratem angezündet hatten. Die Armee war riesig. Außer den schwarzen Drachen hatten sie auch noch sechsunddreißig Gardeminotauren, einunddreißig Hydren, zweiundvierzig Assassinen, achtundvierzig Blutfurien, wilde Dunkelelfenkriegerinnen bewaffnet mit zwei Kurzschwertern und bekannt wegen ihrer schnellen Angriffsweise, zehn Schattengebieterinnen, das sind dunkelelfische Hexenmeisterinnen und zweiunddreißig Echsenritter, gut ausgebildete Lanzenträger, die auf großen zweibeinigen Echsen ritten.
Ylthin war erschrocken über die Stärke der Streitmacht und kam mit den Meisterjägern darüber ein, dass sie sofort zur Stadt zurückreiten und ihre eigene Armee aufstellen sollten. Sie sah noch einmal zu der Streitmacht der Dunkelelfen. Sie hatten nicht bemerkt, dass sie ausgespäht wurden. Die Sonne berührte gerade wie ein unheimlicher roter Feuerball den Horizont und warf einen blutroten Schimmer auf die Schuppen der schwarzen Drachen.
Ylthin streichelte ihrem Einhorn sanft über den Hals und es galoppierte los. Die Meisterjäger mussten sich sehr beeilen um Ylthin nicht aus den Augen zu verlieren. Das andere Einhorn hatte dagegen keine Schwierigkeiten Schritt zu halten.
Die Nacht senkte sich über den Wald herab. Die funkelnden Sterne und der helle Halbmond beleuchteten die Bäume und das saftige Gras. Es war ruhig hier. Hin und wieder raschelte etwas in den Tiefen des dichten Waldes, aber es war friedlich. Nichts deutete daraufhin, dass sehr bald schon ein erbarmungsloser Kampf um diesen Wald losbrechen würde.

Ylthin schritt ihre Armee ab. Sie war sehr zufrieden. Eine Großzahl der Elfen war bereit für ihre Heimat zu kämpfen. Einhundert einunddreißig Meisterjäger hatten sich eingefunden, dazu siebzig Kriegstänzer, starke, athletische Kämpfer, bewaffnet mit zwei leichten, aber sehr langen Klingen, die sie meisterhaft zu führen wussten. Eilig waren auch mehrere Ballisten gefertigt wurden, die sie in der Schlacht unterstützen sollten. Sechzehn Druidenälteste kamen hinzu. Sylina war eine Stadt der Druiden. Hier suchten sie nach Inspiration und Frieden. Doch wenn ein Feind vor der Tür stand, waren sie bereit alles für den Schutz der Stadt zu geben. Auch dreiunddreißig Nymphen, kleine zierliche Geschöpfe, die auch in diesem Wald lebten, waren bereit ihre Heimat zu verteidigen. Sie waren nicht sehr kräftig, doch ihre Stärke lag in ihrer Magie. Ylthin hatte fünfunddreißig Einhörner für ihre Sache gewinnen können. Sie schnaubten nervös und scharrten mit den Hufen. Sogar die Drachen waren gekommen. Neun Stück. Es waren Smaragddrachen. Anders als ihre schwarzen Vettern hatten diese Drachen ein sanftmütiges Wesen. Sie waren die Wächter des Waldes und sollte jemand ihn gefährden vergaßen sie ihre Freundlichkeit und kämpften mit allen Mitteln um ihren Lebensraum.
Ylthin fand, dass sie der gegnerischen Streitmacht gewachsen waren. Sie stieg auf ihr Lieblingseinhorn und gab den Befehl zum Aufbruch. Sie waren noch nicht weit gekommen, da schien sich der Wald selbst in Bewegung zu versetzen. Aus den Schatten der Bäume traten acht alte Baumriesen hervor. Sie sahen aus wie uralte Bäume, aber sie konnten sich auf ihren vier starken beinähnlichen Wurzeln fortbewegen. So wie die Drachen bewachten sie den Wald und es gefiel ihnen gar nicht, wie die feindliche Armee ihren geliebten Wald zerstörte.
„Sie wollen sich uns anschließen.“ sagte Gilreon.
Ylthin nickte und lächelte. Je mehr Unterstützung sie bekamen desto größer wurden ihre Chancen die Dunkelelfen zu vertreiben.

Die Sonne stand hoch am Himmel, als sich die zwei feindlichen Armeen auf einer großen Waldlichtung gegenüberstanden. Ylthin stand mit ihrem Einhorn auf einem Hügel und sie rief laut über die Lichtung: „Warum seid ihr gekommen?“
Der Anführer der Dunkelelfen, ein verschlagener und wild aussehender Elf, der auf einer grässlichen, großen Echse ritt, die unter der Erde lebte, trat vor und antwortete: „Wir sind gekommen um uns zu holen was uns gehört. Wir mögen Dunkelelfen sein, aber wir beanspruchen diesen Wald für uns.“
„Euer Volk ist damals freiwillig in den Untergrund gegangen.“ erwiderte Ylthin.
„Das hab ich anders gehört. Wir möchten gerne auch ein Stück aus der Welt hier oben für uns.“ meinte der Dunkelelf.
Ylthin dachte fieberhaft nach. Sie versuchte einen Weg zu finden um beide Seiten ohne einen sinnlosen, blutigen Kampf zufriedenzustellen.
„Wir können gerne verhandeln. Ihr bekommt einen Teil des Waldes, wenn ihr versprecht der Natur keinen Schaden mehr zuzufügen.“
Der Dunkelelf lachte und es war kalt wie Eis.
„Wir werden schon sehr bald hier wohnen. Nur, dass ihr dann nicht mehr da sein werdet.“
Der Dunkelelf wirkte einen Zauber, einen magischen Pfeil, den er auf Ylthin richtete. Die Elfe duckte sich tief über den Hals des Einhorns und entkam dem  tödlichen Geschoss um Haaresbreite. Ylthin wurde bewusst, dass es keinen anderen Ausweg geben würde, als zu kämpfen. Trauer überkam sie. So viele Leben, die unnötig vergeudet wurden.
Sie ritt den Hügel hinab und formierte ihre Armee. Sie war bereit ihre Heimat bis zum letzten Atemzug zu verteidigen. Ylthin schätzte ihre Lage ab. Sie hatten viel mehr Fernkämpfer als ihre Gegner. Sie ließ die Kriegstänzer und die Einhörner die Druiden beschützen während die alten Baumriesen und die Nymphen die Meisterjäger verteidigten. Bald bildete ihre Armee einen undurchdringlichen Verteidigungswall, nur die Smaragddrachen standen etwas abseits um dorthin zu fliegen wo es brenzlig wurde.
Auch die Gegnerische Armee hatte sich formiert.
Schnell wie der Wind griffen die achtundvierzig Blutfurien an. Sie rannten auf die Smaragddrachen zu und bevor diese reagieren konnten, hatten sie ihre Kurzschwerter in den Körpern der Drachen versenkt. Die Klingen zerschnitten Sehnen, Muskeln und Flügelmembrane. Es sah fast so aus, als fegten sie wie ein wilder Bienenschwarm über die Drachen hinweg. Die Drachen brüllten und wollten sich wehren, aber die Blutfurien waren schon wieder an ihrem alten Platz in den Reihen ihrer Armee zurückgekehrt. Ylthin war mehr als überrascht. Sie hatte von der Schnelligkeit der Blutfurien gehört, aber das übertraf ihre schlimmsten Befürchtungen. Ohne Zeit zu verlieren griffen die Assassinen an. Sie waren mit leichten Armbrüsten bewaffnet und hatten vergiftete Bolzen eingespannt, die sie nun auf die Smaragddrachen abfeuerten. Voller Schmerzen brüllten die Drachen auf. Immerhin war noch keiner gefallen, aber das Gift würde sehr bald seinen Tribut fordern.
„Verdammte Dunkelelfen.“ fluchte Ylthin.
Sie ließ ihre Truppen weiter die Bogenschützen verteidigen. Es brachte nichts nun ihre verwundbarsten Stellen preiszugeben.
Wild brüllend kamen nun die Echsen auf sie zugerannt. Die zweiunddreißig Echsenritter schwangen ihre Lanzen und brachen durch die Reihen der Drachen wie eine Flutwelle. Vier Smaragddrachen fielen ihnen zum Opfer. Doch die Smaragddrachen rächten sich für ihre getöteten Brüder. Sie flogen über die Echsen und besprühten sie mit ihrer Säure. Anders als die schwarzen Drachen spuckten die Smaragddrachen kein Feuer, sondern hochätzende Säure, die die Körper ihrer Feinde auflöste und in die wartende Erde einfließen ließ. Durch die neuen Nährstoffe würden hier nun schon bald viele neue Pflanzen sprießen.
Ylthin gab das Kommando und die einhundert einunddreißig Meisterjäger ließen einen Pfeilhagel auf die übrig gebliebenen Echsenritter niedergehen. Schreie erfüllten die Luft, als die Pfeile die Panzerungen und Schuppen durchschlugen, dann wurde es still. Der meisterhaften Präzision der elfischen Bogenschützen war keiner entkommen. Ylthin gab ein weiteres Kommando und ihre Ballisten feuerten und zehn Blutfurien starben. Doch schon braute sich neues Unheil zusammen. Die schwarzen Drachen kamen wie eine nachtschwarze Wolke, die die Sonne verdunkelte über ihre rechte Flanke und entfesselten ihren Feueratem. Gnadenlos äscherten sie die Kriegstänzer und Druiden ein. Keiner überlebte dieses Inferno. Der Anführer der Dunkelelfen grinste und vollzog dann einen schrecklichen Zauber, der zwischen die Smaragddrachen und Baumriesen schoss und explodierte. Die Druckwelle erfasste die Drachen und tötete drei weitere. Gierig leckten die Flammen am Holz der Baumriesen und zwei von ihnen verbrannten. Ylthins Augen füllten sich mit Tränen. So viel Leid und Schmerz. Wieso musste das sein? Warum war keine friedliche Übereinkunft möglich? Die Smaragddrachen teilten ihre Auffassung offenbar nicht. Sie sinnten auf  Rache und flogen über das Schlachtfeld um die Blutfurien anzugreifen. Ihre Säure fraß sich durch die Kleidung und das Fleisch ihrer Feinde. Hell wie Glocken waren die Schreie der Blutfurien als siebenunddreißig von ihnen ihr Leben aushauchten. Obwohl viele der Blutfurien nun tot waren, wusste Ylthin, dass es schlecht um ihre Streitmacht stand. Sie musste schnell etwas unternehmen um den Kampf für sich zu entscheiden. Die Kämpferin webte einen Zauber und ließ ihn auf die Blutfurien los. Fünf von ihnen fanden den Tod. Die Minotauren, die gleich neben den Blutfurien standen wurden wild und griffen die Smaragddrachen an. Einer konnte sich der schmetternden Äxte nicht länger erwehren und brüllend krachte er auf die Erde. Der letzte Drache war so wütend, dass er elf der Gardeminotauren in den Tod riss. Ylthin wusste, dass der letzte Smaragddrache ohne Unterstützung nicht lange überleben würde uns so schickte sie die Nymphen los um dem Drachen zu helfen, während die Baumriesen weiterhin die Meisterjäger beschützen sollten. Aber sie hatte ihre Rechnung ohne die Hydren der Dunkelelfen gemacht. Sie rannten zwischen die Nymphen und die Smaragddrachen und ihre vielen Köpfe bissen und schnappten nach allen Richtungen. Sowohl der Drache als auch die Nymphen starben. Die Schattengebieterinnen wirkten derweil einen Zauber auf die Einhörner, der sie verlangsamte. So schnell würden sie davon nicht mehr loskommen. Die schwarzen Drachen hatten nur darauf gewartet und jagten mit ihren Flammen nach den Einhörnern. Elf von ihnen kamen in den Flammen um. Doch kampflos gaben sie nicht auf. Sie stachen mit ihren spitzen Hörnern nach den schwarzen Drachen und einer musste sich seinen zahlreichen Wunden letztendlich ergeben. Die Assassinen feuerten in der Zeit auf die Meisterjäger. Vier starben und die anderen, die getroffen wurden, hatten nun mit dem Gift zu kämpfen, dass jetzt durch ihre Adern floss. Als währe das noch nicht genug feuerte der Befehlshaber der Dunkelelfen einen magischen Pfeil auf einen der alten Baumriesen. Der uralte Koloss gab in seinen Wurzeln nach und stürzte zur Seite.
Nun waren die Einhörner bereit für einen geordneten Gegenangriff, aber auch sie waren im Schlachtengetümmel von den Assassinen vergiftet wurden und eines von ihnen brach zusammen. Die anderen griffen die schwarzen Drachen mit ihren Hörnern und Hufen an und wieder starb ein Drache, aber die Vergeltung der Drachen war verheerend. Weitere elf Einhörner starben in ihrem Feuer.
Ylthins Augen brannten vor Zorn. Die Drachen sollten bezahlen für das was sie angerichtet hatten. Ylthin zog drei ihrer Pfeile und feuerte sie zielsicher auf die schwarzen Drachen ab. Einen traf sie in den Kopf und er krachte leblos auf die Erde. Die Schattengebieterinnen und die Minotauren rückten derweil beängstigend schnell vor. Und wieder fielen die schwarzen Drachen über die Einhörner her und verbrannten acht von ihnen zu Asche. Sie wehrten sich, aber ohne viel Erfolg. Der Anführer der Dunkelelfen lachte. Es war kalt und grausam. Er bediente sich wieder seiner Magie und ließ einen Eisregen auf die Meisterjäger niedergehen. Die Eissplitter bohrten sich wie Dolche durch ihr Fleisch und rotes Blut tränkte einmal mehr die Erde.
„Durchhalten! Wir dürfen sie nicht siegen lassen.“ schrie Gilreon und trieb seine kleiner werdende Truppe zu neuen Anstrengungen an. Aber immerhin waren noch einundsiebzig Meisterjäger übrig, die ihre Heimat verteidigen konnten. Die Einhörner ließen nun von den Drachen ab und galoppierten mit donnernden Hufen über das Schlachtfeld auf die Assassinen zu. Eines gab einen qualvollen Laut von sich und brach unter dem Einfluss des Giftes, das durch seine Adern peitschte, zusammen. Die alten Baumriesen verteidigten die Meisterjäger mit all ihrer Kraft gegen die Hydren, die ständig versuchten mit ihren langen Hälsen an ihnen vorbeizukommen um nach den Meisterjägern zu schnappen. Aber die Baumriesen konnten nur zwei der Schuppenwesen in die Knie zwingen und es waren noch so viele dieser Untiere übrig. Die Assassinen sahen die Einhörner heran donnern, aber anstatt auf sie schossen sie abermals auf die Meisterjäger. Sechs Leben vernichteten die vergifteten Bolzen. Ylthins Herz verkrampfte sich. Die Gräuel der Schlacht traumatisierten sie. So etwas hatte sie noch nie gesehen. So etwas hatte sie sich noch nicht einmal vorstellen können. Es war als wäre ein Albtraum wahr geworden. Sie versuchte einen kühlen Kopf zu bewahren, aber sie merkte, dass das für sie unmöglich geworden war. Sie gab den Befehl für die Ballisten ein weiteres Mal zu schießen, dieses Mal gegen die Hydren, die die Baumriesen bedrängten. Eine von ihnen brach in ihrem eigenen Blut zusammen. Aber Ylthin konnte das keinesfalls beruhigen. Sie war verzweifelt. Ihre Feinde hatten zwar herbe Verluste erlitten, aber ihre einst so starke Armee war kaum noch existent. Es waren nur noch drei Einhörner, drei Baumriesen und fünfundsechzig Meisterjäger übrig. Die Dunkelelfen hatten dagegen noch fast die Hälfte ihrer Streitmacht. Ylthin wollte aber nicht aufgeben. Sie zog fünf Pfeile, verzauberte sie und schoss sie auf die Hydren. Fünf von ihnen mussten sich Ylthins Zauberkraft beugen.
Immer noch rannten die Einhörner auf die Assassinen zu. Sie hatten ihr Ziel fast erreicht, da kamen die Schattengebieterinnen wie aus dem Nichts und brachten sie zur Strecke. Währenddessen reagierten sich die wütenden Hydren an den alten Baumriesen ab, doch sie konnten standhalten. Für die Meisterjäger sah es nicht so gut aus. Drei weitere erlagen dem Gift der Assassinen. Doch Gilreon sprach ihnen Mut zu. Die Elfen bissen die Zähne zusammen und feuerten eine weitere Salve auf die Hydren ab. Die Pfeile durchbohrten ihre Schuppen und acht von ihnen brachen laut brüllen zusammen. Das Gesicht des Anführers der Dunkelelfen verzerrte sich vor Zorn. Er wirkte einen Flächenzauber auf die Meisterjäger und die Baumriesen. Es war katastrophal. Zweiundzwanzig Meisterjäger und zwei der Baumriesen verloren ihr Leben. Dann kamen auch noch die schwarzen Drachen und gaben den Baumriesen den Rest. Ihr Holz brannte Lichterloh und bald war von ihnen nur noch Asche übrig. Die Assassinen, bestärkt durch den nahenden Sieg, feuerten wieder auf die Meisterjäger und fünf von ihnen wurden getötet. Drei weitere ergaben sich dem Gift. Die Meisterjäger wurden nun von allen Seiten von ihren Feinden bedrängt. Sie mochten außerordentlich gute Schützen sein, aber umringt von Drachen und Hydren waren sie chancenlos. Doch ihr Mut war sagenhaft. Selbst im Angesicht dieser Übermacht standen sie geschlossen zusammen und feuerten eine Salve auf die herannahenden Gardeminotauren. Sie alle kamen in dem Pfeilhagel um. Ein weiterer Befehl von ihrer Anführerin und die Ballisten der Elfen feuerten und rissen acht Assassinen in den Tod. Währenddessen liefen nun auch noch die Schattengebieterinnen auf die Meisterjäger zu. Ylthin wusste, es war aussichtslos, sie würden verlieren. Auch die Meisterjäger wussten, dass sie gleich sterben würden.
„Flieht! Wir werden versuchen sie so lange wie möglich in Schach zu halten, damit ihr entkommen könnt.“ rief Gilreon Ylthin über das Schlachtfeld zu.
Ylthin blieb das Herz fast stehen. Fliehen? Lieber würde sie hier zusammen mit ihren Truppen sterben, als sie im Stich zu lassen.
Gilreon wusste was sie dachte.
„Ylthin du musst die Stadt verteidigen. Nun geh. Wir können sie nicht mehr lange aufhalten.“ brüllte er und wich gleichzeitig den wütenden Bissen einer dreiköpfigen Hydra aus.
Ylthin wusste, dass er recht hatte. Sie musste ihren Stolz hinunterschlucken und verschwinden. Ylthins Einhorn rannte los. Weg von dem Irrsinn der grausamen Schlacht. Weg von den Schreien der Meisterjäger, die einer nach dem anderen den Tod in den Flammen der schwarzen Drachen und den spitzen Zähnen der fauchenden Hydren fanden.
Ylthins Herz schmerzte, als würde es gleich aufhören zu schlagen. Sie hatte Tränen in den Augen. Ihre Truppen hatten ihr vertraut, sie hatten ihr Leben in ihre Hände gelegt und sie hatte versagt.
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