Das Blut des heiligen Baumes

von Frostzahn
GeschichteAbenteuer / P12
07.02.2010
13.03.2013
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Jake lächelte, als er Neytiri betrachtete. Wie sie schlafend in seinem Arm lag, erinnerte sie ihn an….
Nein. Keine Erinnerungen. Dies war nicht mehr seine Welt. Nicht sein Leben. Er war ein Na’vi.
Jake schloss die Augen. Er spürte, wie etwas gegen seine Hüfte trat, und lächelte. Bald schon würde er Vater sein.
Er wand sich aus Neytiris liebevoller Umarmung (Die einem Ringkampf gleichkam) und trat in die Nacht hinaus.
Der Baum der Seelen strahlte im Mondlicht, doch in der Ferne glühte der Himmel in sanftem Rot. Er seufzte. Das war nicht der Morgen. Das war der Heimatbaum.

Trotz aller Versuche, die die Na’vi unternommen hatten, ließen sich die Flammen des Heimatbaumes nicht löschen. Das war nicht nur ungewöhnlich, das war unmöglich. Wenn Grace nur bei ihm wäre, sie hätte eine Lösung gefunden. Jake streckte sich und tapste zu Neytiri zurück, die ihre Arme im Halbschlaf so fest um ihn schloss, als würde sie ihn nie wieder los lassen wollen.


„Jaksully!“

Jake blinzelte ins grelle Tageslicht. Er wusste nicht wo er war, wer er war, er wusste nicht mal wo oben und unten war. Er blinzelte erneut, und das Bild wurde schärfer. Er wurde wach. Über ihm stand ein besorgter Na’vi.

„Wasnlos?“, murmelte er.

„Schau, was wir gefunden haben!“

Jake, immer noch nicht ganz wach betrachtete das, was ihm der Na’vi zeigte. Er hielt den Atem an.
Ein Messer an der Kehle, stand vor ihm ein Mensch. Die Maske saß ihm schief auf dem Gesicht und seine Miene drückte Unbehagen aus. Er wehrte sich nicht gegen die Na’vi, sondern starrte nur mit großen Augen zu Jake. Seltsame Augen. Das eine war leuchtend grün, wie Pandoras Wälder. Das andere jedoch war schwarz und ausdruckslos. Dort, wo die Iris hätte sein müssen waren kleine goldene Sprenkel. Seine Kleider waren zerrissen, über seine linke Brusthälfte zog sich ein blutender Schnitt. Doch seine Augen zeigten keine Furcht. Nur Neugier.

„Wer bist du?“, fragte Jake, etwas forscher als er eigentlich geplant hatte.

„Ich bin James Jelsey. Ich habe am Avatar-projekt mitgewirkt und…“

Weiter kam er nicht, denn der Na’vi zog ihn hoch und drückte ihm das Messer noch etwas fester an den Hals.
„Lasst ihn!“, fauchte Jake und hob einen Arm.
James landete unsanft im Matsch.

„Was ist denn mit dem?“

„Wir sind nicht allzu gut auf Menschen zu sprechen.“

„Das ist klar. Führt mich einer von ihnen bitte zur Station der Menschen, vielleicht klärt sich dann alles auf.“

„Wohl kaum. Es gibt keine Menschen mehr hier, die auf der Station arbeiten.“
James hob eine Augenbraue.
„Ach?“

„Sie wollten uns alle töten, und da sind wir ihnen zuvorgekommen!“, knurrte der Na’vi mit seinem kehligen Dialekt.
James zuckte die Schultern.
„Dann kann ich ja wieder gehen. Ich wollte nur sehen, wie mein Projekt voran kommt.“

Dein Projekt?“

„Ja. Ich habe das Avatar-Programm erfunden und ins Leben gerufen. Ich habe die biogenetischen Möglichkeiten neu zusammengefügt und erkannt, dass Gedächtnislinks möglich sind.“

„Wie alt bist du denn? 17?“

„In der Tat.“

„Und du erwartest, dass ich dir glaube?“

„Nein. Zweifel ist Menschlich, deswegen vermute ich, dass auch sie ein Avatar sind?“

„Ich war einer. Doch jetzt nicht mehr.“

„Was ist aus ihrem Körper geworden?“

„Wieder zu Schlamm geworden.“
„Oh.“ Pause. „Nun, vielleicht kann ich ihnen dann behilflich sein, denn…“

James brachte den Satz nicht mehr zuende, denn ein Pfeil zischte heran und bohrte sich nur einen fingerbreit von Neytiris Kehle in einen Baum. Neytiri zuckte hoch, Jake sprang auf, die Na’vi zogen ihre Bögen und zielten in den Wald.
„Wer war das?“

„Deswegen wollte ich ihnen helfen. Diese…Schnitte…“, James sah an sich herunter. „Das waren nicht die Na’vi. Jemand anderes hat mich hinterrücks überfallen und wollte mich töten. Mit einem scharfen Messer. Wer, weiß ich nicht. Aber ihre Freunde fanden mich, als ich ziellos durch den Wald rannte.“

Jake blinzelte zu einem der Na’vi.
„Stimmt das?“
„Ja.“, murmelte der Wächter. „Wir haben ihn so gefunden.“
Jake rieb sich die Augen. „Kommt mit. Alle.“
„Wohin gehen wir?“
Jake grinste. „Zu deiner Station.“