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Außer Kontrolle

von MariLuna
GeschichteDrama / P18 / MaleSlash
Brave Starr Tex Hex
04.02.2010
02.03.2010
21
45.839
1
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Dieses Kapitel
8 Reviews
 
04.02.2010 1.491
 
8. KAPITEL

Glitzerndes Wasser.
Grünes Gras.
Ein einsamer Joshua Tree.
Es war genau derselbe wie vor vier Tagen.
Sogar der Schatten fiel ähnlich.
Früher Nachmittag.
Und er saß genauso dort wie das letzte Mal. Mit dem Rücken an den Stamm gelehnt, die langen Beine ausgestreckt. Wieder war er barfuß und die Jeans bis zu den Knien hochgerollt.
Ein grünes, ärmelloses Shirt.
Und genau wie beim letzten Mal, hatte er den Hut tief ins Gesicht gezogen und hielt eine Angel in den Händen.
Das Shirt hatte einen ziemlich großzügigen Halsausschnitt und entblößte eine Menge lilafarbener Haut.
Diesmal trug er ein Lederband um den Hals, an dem ein kleiner Totenkopf hing, der sich bei jedem seiner Atemzüge hob und senkte. Gleichmäßig, fast hypnotisch.
Knochenweiß auf lila, umgeben von grün …


Entschlossen sprang Marshall Brave Starr hinter seinem Schreibtisch auf und erntete dafür verwirrte Blicke von seinen Deputies.

„Was ist los?“ erkundigte sich Thirty-Thirty und machte Anstalten, sich ebenfalls zu erheben.
„Was ist passiert?“

„Mir ist eingefallen, ich muß da noch etwas erledigen. Ich nehme mir für den Rest des Tages frei, okay?“

„Was?“ Thirty kratzte sich am Ohr und zuckte dann mit den Schultern.
„Okay, von mir aus…“

Doch Brave Starr wartete die Antwort gar nicht richtig ab und war schon zur Tür heraus, bevor sein Deputy ausgesprochen hatte.
Verdutzt sahen ihm die beiden nach.

„Wir nicht hinterher?“ fragte Fuzz leise. „Er komisch benehmen.“

Doch der Hippodroide winkte ab.

„Er ist erwachsen. Irgendwann wird er uns seine Freundin schon vorstellen.“

Fuzz bekam ganz große Augen.
„Du glauben, er haben Date?“

Thirty-Thirty nickte selbstsicher.
„Was sollte es sonst sein?“

***


Die frische Brise, die vom Crystal Lake herüberwehte, tat ihm wirklich gut. Seine Kopfschmerzen waren schon fast verschwunden, und mit jedem weiteren, ganz bewußt tiefen Atemzug, fühlte Tex Hex, wie seine innere Ruhe zurückkehrte.
Es gab manchmal wirklich nichts Besseres als faul herumzuliegen und vor sich hinzudösen – und das ganze dann auch noch unter dem Deckmantel, den anderen ein schönes Abendessen fangen zu wollen.

Tex Hex fühlte sich wirklich sehr, sehr entspannt und zufrieden, als er plötzlich eine Präsenz spürte.
Da war auf einmal ein warmer Lufthauch an seiner linken Halsseite, es roch penetrant nach grünem Tee, und im selben Augenblick, wo er dies realisierte, wurde sein Anhänger beiseite geschoben und ihm ein Kuß in die Halskuhle gesetzt.

Tex zuckte zusammen, seine Hand fuhr hoch zu seinem Kopf, schob ihm den Hut aus den Augen, und dann blinzelte er auf einen pechschwarzen Haarschopf.

„Hi“, begrüßte ihn Marshall Brave Starr leise, hob den Kopf von seinem Schlüsselbein, strahlte ihn kurz an und hauchte ihm dann einen Kuß mitten auf den Mund.

Tex erstarrte.

„Was…“ fassungslos starrte er den Marshall an, der sich jetzt wie selbstverständlich neben ihn ins Gras kniete, und dessen glühender Blick ihm fast den Atem verschlug.

Und weil er nicht wußte, was er sonst machen sollte, unterzog Tex Hex den jüngeren Mann erst einmal einer eindringlichen Musterung. Merkwürdig, aber ihm war niemals in den Sinn gekommen, daß der Marshall auch anderes trug als diese goldene Uniform.
Und dann auch noch so etwas: nietenverzierte Lederjacke, Blue Jeans und ein hautenges Shirt. Kein Stern, keine Waffe, kein Hut, keine Handschuhe, und das Haar fiel ihm in leichten Wellen bis weit über die Schultern.
Für einen kurzen Herzschlag lang versank Tex ganz im Anblick dieses Gesichtes.
Braune Augen, eine leicht gebogene Nase, ausgeprägte Wangenknochen und eine Haut, so dunkel wie Cappuccino.
Nie war Brave Starr seine New-Cheyenne-Herkunft deutlicher anzusehen gewesen als jetzt.
Tex kam es vor, als säße ein völlig anderer Mensch vor ihm.

„Marshall“, er fand endlich seine Stimme wieder, „was machst du hier?“

„Angeln“, erwiderte Brave Starr lächelnd.

„Ohne Angelrute?“ spottete Tex Hex.

„Vielleicht will ich mir ja einen ganz besonderen Fisch angeln“, erklärte Brave Starr mit einem Augenzwinkern.

Irgend etwas lag in seinem Blick und seinem Tonfall, das Tex Hex eine Gänsehaut bescherte.
Er schluckte schwer, während sein Herz schier zu rasen begann.
Jetzt wäre er wirklich gerne zurückgewichen – nur war da dieser Baum im Weg!
Und Teleportation ging bei diesen Kopfschmerzen leider auch nicht problemlos.

„Auch wenn ich meinen Hexmaker nicht dabei habe, heißt das noch lange nicht, daß ich unbewaffnet bin“, stieß er hastig hervor.

„Ach ja?“ gab Brave Starr zurück und musterte ihn kritisch von Kopf bis Fuß.

Dabei ließ er sich allerdings sehr viel Zeit. Tex konnte förmlich spüren, wie ihn diese glühenden Blicke Zentimeter für Zentimeter abtasteten und sich irgendwann tatsächlich auf Höhe seiner Körpermitte einpendelten.

„Wo denn?“ fragte Brave Starr in einem geradezu schnurrenden Tonfall.

Und bevor Tex Hex wußte, wie ihm geschah, hatte der Marshall schon beide Hände auf seine bloßen Unterschenkel gelegt und strich mit diesen nun betont langsam an seinen Beinen hoch. Über die Knie, die Oberschenkel und immer höher, während er ihn dabei mit diesen lodernden Augen fixierte.

Tex sog zischend die Luft in die Lungen und wollte sich ihm irgendwie entwinden, doch er erstarrte nur.
Mal wieder.

„Wo denn, hm?“ raunte Brave Starr, während seine Fingernägel hörbar über die Außennaht von Tex’ Jeans schabten.
„Wo hast du deine Waffen versteckt, hm?“

Tex keuchte unwillkürlich auf. Nicht nur, weil Brave Starr gerade eine sehr empfindliche Stelle erreichte, sondern auch, weil diese Worte so doppeldeutig klangen.
Dann erinnerte er sich wieder an die Angel zwischen seinen Fingern.
Mit einer schnellen Drehung des Handgelenks ließ er sie zur Seite schnellen, doch der Marshall duckte sich blitzschnell darunter hinweg. Die Kevlarrute zischte knapp über dessen Kopf durch die leere Luft, erwischte – wenn überhaupt – höchstens die eine oder andere Haarspitze.
Das einzige, was er dadurch erreicht hatte, war das zweifelhafte Vergnügen, daß Brave Starr nun fast auf ihm lag.

„Warum immer so abweisend?“ schnurrte der Marshall, riß ihm blitzschnell die Angel aus der Hand und warf sie achtlos ins Gras. Wenigstens lag er bei dieser Aktion nun nicht mehr direkt auf ihm.

„Hast du etwa Angst vor mir?“

Tex hätte beinahe laut aufgelacht.
Was war denn das bitteschön für eine Frage?

„Marshall“, schmunzelte er, „bist du es nicht, der mich immer einen Feigling schimpft?“

„Aber Tex“, Brave Starrs Finger nahmen ihre unterbrochene Wanderung wieder auf und krabbelten ungeniert wie zehn Käfer und beinahe genauso leicht über seinen Schritt hoch zu seinem Gürtel.
„Das sage ich doch nur, um dich zu ärgern.“

Grinsend beugte sich Brave Starr wieder zu ihm vor.

„Wie ich schon vorgestern sagte: du siehst süß aus, wenn du dich ärgerst.“

„Ah …“ zunehmend beunruhigt verfolgte Tex, wie sich ihm das dunkle Gesicht des anderen näherte, „…was hast du vor, Marshall?“

„Hm, ich weiß nicht.“

Brave Starrs Miene nahm einen verträumten Ausdruck an, und er zog die Luft so nachdrücklich durch die Nase ein, als wäre er ein wildes Tier, das gerade Witterung aufnahm. Und dann begann er wieder zu schnurren.

„Du riechst sooooooo gut.“

„Nein!“ Plötzlich von Panik erfaßt, versuchte Tex Hex, ihn fortzuschieben.
„Hör auf!“

Wider besseren Wissens versuchte er zu teleportieren. Sofort explodierte sengender Schmerz hinter seiner Stirn und für einen unendlich langen Augenblick wurde ihm schwarz vor Augen.

Als seine Welt wieder einigermaßen feste Formen annahm, lag er rücklings im Gras und der Marshall lag auf ihm und erforschte gerade begeistert mit seiner Zunge Tex’ Mundhöhle.
Tex verspannte sich augenblicklich.
Für die Dauer der nächsten Sekunden kämpfte er nicht nur gegen den zudringlichen Marshall, sondern auch ganz erheblich gegen sich selbst. Vor allem gegen seinen verräterischen Körper, der schon äußerst heftig und eindeutig auf den anderen reagierte, aber noch viel mehr kämpfte er gegen all die Gefühle, die plötzlich in ihm aufbrandeten.

„Nein!“

Als Brave Starr einmal Luft holen mußte, nutzte Tex die Gelegenheit und drehte seinen Kopf beiseite. Brave Starrs Lippen landeten wie in der Höhle gestern nur auf Tex’ Wange.
Frustriert knurrte der Marshall auf.

„Was soll das, Tex? Nachts bist du nicht so prüde.“

Tex erstarrte.
„Was?“ brachte er schließlich flüsternd hervor.

„Hast mich schon verstanden.“

Dunkle Finger klemmten sich unter Tex’ Kinn und zwangen seinen Kopf mit sanfter Gewalt wieder in die Ausgangsposition.
Rote, entsetzt aufgerissene Augen begegneten dunkelglühenden, fast schwarzen, in denen neben Wärme auch leidenschaftliche Gier leuchtete.
Tex keuchte unwillkürlich auf, als er diesen Blick sah und sofort wiedererkannte.

„Das … war doch nur ein Traum?“
Oja, ganz bestimmt sogar.
Und das hier jetzt war auch wieder nur einer.
Es gab für alles immer eine ganz logische Erklärung, und die hieß im Moment:
er war beim Fischen eingeschlafen.

„Ein Traum?“ Um Brave Starrs Lippen spielte plötzlich ein verschmitztes Lächeln. „Wenn es dir lieber ist, dann stell dir ruhig vor, daß es nur ein Traum ist.“

Dunkle Finger strichen sanft über eine warme Wange.

„Mein armer Desperado. Mein wunderschöner, stolzer, wilder Desperado. Sieh es ein: wir sind füreinander bestimmt.“

Scheinbar ergeben schloß Tex Hex die Augen. Er spürte Brave Starrs Lippen, wie dessen Zunge Einlaß begehrte und gab nach. In jenem Moment, als die fremde Zunge nach seiner eigenen tauchte, konzentrierte er sich.
In seiner rechten Hand materialisierte sich eine leere Flasche, die er dem zudringlichen Gesetzeshüter ohne zu zögern über den Schädel zog.

***
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