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Außer Kontrolle

von MariLuna
GeschichteDrama / P18 / MaleSlash
Brave Starr Tex Hex
04.02.2010
02.03.2010
21
45.839
1
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04.02.2010 1.490
 
5. KAPITEL

Brave Starr lag bäuchlings auf seinem Bett, eingewickelt in seine schöne, warme Decke und versuchte krampfhaft, sich auf sein Buch zu konzentrieren. Aber seine Gedanken schweiften immer wieder ab.
Nicht zum ersten Male an diesem Tage fragte er sich, wieso er seine Freunde eigentlich belogen hatte, nachdem er kurz nach dreizehn Uhr endlich wieder in seinem Büro ankam.
Wieso er sich mit einem Fehlalarm bei StarrPeak herausgeredet hatte.
Wieso er ihnen nicht sagte, daß er im Hexagon war und Tex Hex gerettet hatte.
Denn das hatte er doch getan, oder? Auch, wenn er nicht wußte, wieso er sich jetzt plötzlich um dessen Wohlergehen so sorgte.
Das alles war wirklich schon mehr als verrückt.
Vielleicht hatte der Doc ja doch recht, und er benötigte einfach mal Urlaub.
Die dunklen Buchstaben auf weißem Papier vor seinen Augen verschwammen plötzlich zu unleserlichen Symbolen. Für den Bruchteil eines Herzschlages kämpfte er dagegen an, doch dann entführte ihn schon wieder sein fliegender Tiergeist.


Zwei kleine, weiße Tabletten trudelten in einem Wasserglas zu Boden und lösten sich sprudelnd auf.
Eine Hand mit krallenartigen Fingernägeln legte eine Packung Schmerz- und Schlaftabletten zurück in einen gut sortierten Medizinschrank, bevor sie dieses Glas zu einem gierigen Mund führte.


Brave Starr schreckte in die Höhe, blinzelte, legte sein Buch auf den Nachttisch und raffte sich müde auf, um den Lichtschalter über dem Kopfende des Bettes zu betätigen.
Irgendwie erfüllte es ihn mit einer gewissen Genugtuung, daß sein Erzfeind augenscheinlich nachts auch nicht mehr ohne Hilfsmittel zur Ruhe kam. Auch, wenn er selbst sich heute nur eine halbe Tablette genehmigt hatte.
Für einen kurzen Moment allerdings kroch so etwas wie Sorge in ihm hoch, doch bevor er dieses Gefühl noch genauer analysieren konnte, fielen ihm schon die Augen zu.

***


Über den Badlands herrschte eine sternenklare, bitterkalte Nacht. Hinter dem Hexagon schob sich ein fahler Mond hervor, silbriges Licht fiel durch ein Fenster in einen kleinen Raum, ließ das weiße Haar des Mannes in dem breiten Bett aufschimmern wie frisch gefallenen Schnee.
Tex Hex lag in einem tiefen, von Medikamenten herbeigeführten Schlummer und bemerkte daher nichts von der Gestalt, die plötzlich durch die Tür hineinschlich, kurz vor dem Bett stehenblieb und ihn aus dunklen Augen betrachtete.
Eine Lederjacke, eine Jeans, Socken und Stiefel glitten auf den Teppich, dann schlüpfte der nächtliche Besucher unter seine Decke und schmiegte sich schnurrend an ihn.

***


Dunkle Finger strichen sanft durch weißes, schulterlanges Haar, strichen es zurück hinter die Ohren, ordneten einen langen Schnauzer und glitten dann liebkosend über markante Gesichtszüge. Schließlich wurden die Finger durch warme, weiche Lippen abgelöst, die erst jeden Zentimeter dieses Gesichtes mit kleinen, zärtlichen Küssen bedeckten, um sich dann weiter hinunter vorzuarbeiten – über den Hals, dem Verlauf den elegant gebogenen linken Schlüsselbeins folgend, soweit es das T-Shirt, das der andere trug, zuließ. Dann wurde besagtes Shirt hochgeschoben, und die gierigen Lippen widmeten sich dem nun frei liegenden Oberkörper.
Ein sanftes Knabbern an dunklen Brustwarzen, gefolgt von einer frechen Zunge.
Ein leises, wohliges Schnurren wehte durch den dunklen Raum, je tiefer Zunge, Lippen und Zähne vorstießen, während die dunklen Finger unendlich zart diese warme, samtige Haut streichelten. Jedem noch so leisen Muskelzittern nachspürten, jeder Gänsehaut, die von all diesen Berührungen hervorgerufen wurde.

Mit glühenden dunklen Augen fuhr Brave Starr, seines Zeichens Marshall, damit fort, den tief und fest schlummernden Körper seines Erzfeindes bis ins letzte Detail zu erforschen.
Tief sog er seinen Duft in sich auf, trennte Duschgel und Seife von dessen ureigenem, würzig-herben, ganz einfach nur süchtig machenden Körpergeruch.

Ließ sich davon leiten, verführen, berauschen.

Irgendwann glitten seine Finger auch unter den Bund der Boxershorts und zogen sie langsam herunter.
Jeder neu entblößte Zentimeter Haut wurde mit einem begeisterten Kuß und einem noch viel begeisterten Schnurren begrüßt.

***


Tex Hex fühlte diese zärtlichen Berührungen, doch die Medikamente ließen ihn nicht aufwachen, hielten ihn fest im Schwebezustand des Träumers.
Und dennoch reagierte sein Körper auf jeden Kuß, jedes Knabbern, jedes Streicheln.
Schon bald mischte sich sein langgezogenes, dunkles Seufzen unter Brave Starrs unablässiges Schnurren.

***


Nur langsam und unheimlich träge kämpfte sich sein Bewußtsein aus den dunklen Tiefen des Schlafes.
Tex Hex rollte sich auf die andere Seite und blinzelte verschlafen in das helle Morgenlicht, das durch das Fenster schien.
Er fühlte sich merkwürdig lethargisch.
Aber gleichzeitig vermißte er auch etwas. Ihm war, als seien seine Atemzüge nicht die einzigen in diesem Raum gewesen, als hätte sich noch vor kurzem noch ein warmer Körper an ihn gekuschelt, ihn gehalten und berührt.

Plötzlich runzelte er die Stirn und schnupperte mißtrauisch.
Hing da ein Hauch von grünem Tee in der Luft?
Aber wer benutzte hier bitteschön Grünen Tee-Extrakt als Duftwässerchen?
Keiner von seinen Jungs, das wußte er genau.
Eigentlich kannte er nur einen, der …

Mit einem lauten Keuchen saß er aufrecht in seinem Bett und sah sich beinahe panisch um.

Doch alles schien an seinem Platz zu sein, nichts deutete darauf hin, daß ihm Marshall Brave Starr tatsächlich einen Besuch abgestattet hätte.
Nachdenklich rieb er sich über die juckende Naht an seiner linken Schulter, zupfte die ersten Fäden heraus, während sich seine Gedanken in der Erinnerung seiner merkwürdigen Träume der vergangenen Nacht verloren.

Wie paranoid war er eigentlich, wenn so ein einziger blöder Traum genügte, um ihn Brave Starrs Duftwässerchen riechen zu lassen?

Auch wenn sich dieser Traum ungewöhnlich real angefühlt hatte, war es nur ein Traum gewesen.
Denn eines war ja wohl klar: niemals würde ihn der Marshall mit dieser Mischung aus Wärme und Begehren ansehen, ganz zu schweigen davon, daß er ihn …
Tex schüttelte sich und erschauerte.
Oh nein, bloß das nicht!
Nicht der Marshall!
Und auch sonst nie jemand!
Niemand durfte ihm je wieder auf diese Art und Weise nahe kommen!

Dieser ganze gefühlsduselige Schwachsinn war etwas für all die anderen Verlierer hier, aber er hatte dieses Kapitel seines Lebens schon vor Urzeiten abgehakt.

„Bah“, knurrend schwang er sich aus dem Bett, „bringt nur Ärger.“

Doch dann schnappte er nach Luft und starrte fassungslos an sich hinab.
Wieso, zum Geier, war er nackt?
Er schlief niemals nackt!

Nach einiger Zeit entdeckte er seine Boxershorts, unordentlich zerknüllt, halb unter dem Bett. Nach seinem T-Shirt suchte er allerdings vergeblich.
Allmählich an seinem Verstand verzweifelnd, massierte er sich die pochenden Schläfen, bis sein Blick auf das Wasserglas auf seinem Nachttisch fiel. Und endlich, so glaubte er, hatte er die Antwort auf seine Fragen gefunden.
Mit dem festen Entschluß, in Zukunft diese Tabletten in dieser Kombination zu vermeiden, schlurfte er zu seinem Kleiderschrank hinüber.
Denn allmählich wurde ihm wirklich kühl.

***


Etwa zur selben Zeit stand ein ziemlich mürrischer Marshall Brave Starr in seiner Küche vor der Kaffeemaschine und leckte sich immer wieder mit der Zunge über die Lippen. Seit er heute morgen aufgewacht war, hatte er diesen seltsamen Geschmack im Mund. Er war nicht unangenehm, aber furchtbar ungewohnt.
Leicht salzig und nussig.
Außerdem war er, als er aus seinem Bett sprang, fast über seine Lederjacke, seine beste Blue Jeans und sein hautenges T-Shirt gestolpert, und dies bereitete ihm – gelinde gesagt – Sorgen.
Hatte sich wieder einer seiner Tiergeister selbständig gemacht? Oder neigte er jetzt gar zum Schlafwandeln?
Hoffentlich hatte er nichts Dummes angestellt.

Aber so sehr er es auch versuchte, er konnte sich nicht erinnern, jedenfalls an nichts, womit er etwas anfangen könnte. Da war nur dieses unglaubliche Gefühl der Wärme und einer tiefen, inneren Zufriedenheit. Normalerweise kannte er dieses Gefühl nur von diesem berühmt-berüchtigten Morgen danach, wenn ein vielversprechendes Date in einer leidenschaftlichen Nacht geendet hatte.
Und das war eigentlich ein Gefühl, das er seit dem Ende seiner Beziehung mit J.B. McBride vor einem Jahr nicht mehr verspürt hatte.

Das Gluckern der Kaffeemaschine riß ihn aus seinen Gedanken.
Der Kaffee war endlich fertig.
Gierig füllte er sich eine besonders große Tasse und schlenderte hinüber ins Wohnzimmer, wo er sich, bevor er heute ins Marshall’s Office ging, noch schnell die Morgennachrichten ansehen wollte. Wie gesagt – hoffentlich hatte er nichts Dummes angestellt. Und wenn, dann hoffentlich nichts, was den lokalen Sendern einen Bericht wert war.
Doch auf halben Wege zur Couch stockte er plötzlich.
Mit einem seltsam mulmigen Gefühl in der Magengegend, stellte er seine Tasse ab und ging hinüber zur Couch, nahm mit zitternden Händen das Kleidungsstück von der Lehne und betrachtete es genauer.
Erst diese fremde Unterhose und jetzt das hier.

Ein T-Shirt – unbestreitbar.
Und – ebenfalls unbestreitbar – es gehörte nicht ihm.
Denn er trug wirklich nichts mit einem Totenkopfaufdruck und einem blutroten Schriftzug, der da lautete:
„Life is just a mad Dream – Time to wake up, Fool!“

Sekundenlang starrte er nur sprachlos darauf, bevor er – aus welchen Gründen auch immer – sein Gesicht darin vergrub und daran schnupperte.
Der würzig-holzige Duft brachte ihn beinahe zum Aufseufzen.

Wo hatte er das nur schon gerochen?
Oh, wenn er sich doch nur erinnern könnte …

Seine Augen bekamen einen geradezu glasigen Ausdruck, als er mit dem Shirt in den Händen hinüber in sein Schlafzimmer ging, um es dort zu der Retropant und dem grünen Halstuch unter sein Kopfkissen zu stopfen.

***
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