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Außer Kontrolle

von MariLuna
GeschichteDrama / P18 / MaleSlash
Brave Starr Tex Hex
04.02.2010
02.03.2010
21
45.839
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04.02.2010 1.866
 
Wer sich noch an den Wortlaut von Brave Starrs Süßholzgeraspel erinnert, und wem das und die Sache mit den Tiergeistern irgendwie „komisch“ vorkam, dem wird jetzt hier abgeholfen *g*


20. KAPITEL

Hitze.
Beißender Rauch, der die Lungen verbrannte.
Eine johlende, haßerfüllte  Menge.
Ein letzter Blick, durch die aufzüngelnden Flammen hindurch.
Erkennen, Trauer und Trost finden in den feuchten Augen des anderen.
Ein gehauchtes „ich liebe dich“ und die Welt versank in Schwärze und Schmerzen.

Brave Starr stöhnte auf im Schlaf, und seltsamerweise war er sich genau bewußt, daß er träumte, aber es wollte ihm nicht gelingen, aufzuwachen. Er spürte den warmen Körper neben sich und schmiegte sich enger an, auf der Suche nach Trost.

Ein einziger Blick, gefolgt von gegenseitigem Erkennen.
Grenzenlose Freude.
Doch dann trübten sich die Augen des Kalbes und zurück blieb nur der Schmerz und die Trauer über diesen Verlust.

Jahre rauschten vorbei, Jahrhunderte, Jahrtausende.
Auf ein Leben folgte das nächste.
Immer auf der Suche.
Nach der einen Seele, dem Gegenstück, das, kaum gefunden, sofort wieder entrissen wurde.
Äonen lagen zwischen ihrer allerersten Begegnung, dem allerersten Verschmelzen und der allerersten Trennung.
Sie waren keine höheren Lebewesen gewesen, aber fähig zum Vertrauen, zum Verständnis und vor allem: zur bedingungslosen Liebe.

Durchsichtige Tentakel verschlangen einander, und die beiden gallertartigen Wesen hielten sich fest, ließen sich nie wieder los.
Nicht einmal der Tod vermochte es wirklich, sie zu trennen.

Unterschiedliche Lebewesen, verschiedene Leben und Planeten, wechselnde Geschlechter, quer durch das Universum reisten sie, und stets waren sie so miteinander verbunden, daß sie die Existenz des anderen immer spürten.
Und die Trennung hinterließ Spuren, eine leere Stelle, tief in ihrem Inneren.
Hunderte von Leben.
Rastlos.
Immer auf der Suche nacheinander.
Manchmal fanden sie sich, meistens nicht, doch immer, wenn sie sich fanden, schien das Schicksal etwas dagegen zu haben, und dann waren sie wieder allein.
Und suchten im nächsten Leben weiter.

Zitternd schlug Brave Starr die Augen auf, starrte an die vom Mondschein erhellte Zimmerdecke und versuchte, sein wild hämmerndes Herz unter Kontrolle zu bekommen.
Eine heftige Bewegung direkt neben ihm, ließ ihn den Kopf wenden.
Er starrte direkt in zwei weit aufgerissene, keriumrote Augen.

„Hattest … hattest du eben auch einen total verrückten Traum?“ flüsterte Tex mit zitternder Stimme.

Brave Starr nickte, aber als er etwas sagen wollte, versagte ihm die Stimme.
Und so sahen sie sich nur wortlos an, versanken gegenseitig in den Augen des anderen, gefangen in den Nachwehen von flüchtigen Erinnerungen an ihre vergangenen Leben.

Ohne den Blickkontakt zu unterbrechen, verließ Tex den Platz an seiner Seite, nur, um sich über ihn zu knien. Er beugte sich zu ihm hinab, wobei er jedoch achtgab, sich nicht auf Brave Starrs verletzte Rippen aufzustützen.
Nur noch wenige Millimeter trennten ihre Gesichter voneinander, da hielt Tex noch einmal inne. Ihre Blicke hielten sich weiterhin gefangen, verschmolzen ineinander und jeder von ihnen spürte den Atem des anderen auf seiner Haut – warm, sanft, schmeichelnd.
Brave Starr spürte noch mehr – Tex’ langer Schnauzer kitzelte ihn an den Wangen, und irgendwie war diese hauchzarte Berührung schon ein Vorspiel auf das, was folgen würde.

Und dann, absolut synchron, schlossen sie die Augen und fanden sich zu einem hungrigen Kuß, in dem die Sehnsucht von Äonen lag.

***


Ihre geträumten Erinnerungen verblaßten schnell, wurden förmlich von der Leidenschaft davongespült, die nun zwischen ihnen erwachte. Zurück blieb jedoch die tief verwurzelte Gewißheit, die lang ersehnte, andere Hälfte gefunden zu haben.
Und jetzt stand ihnen nichts mehr im Wege – zumindest nicht sie selbst.

Sehnsuchtsvoll seufzte Brave Starr in ihren Kuß hinein, als er Tex endgültig auf sich zog. Seine gebrochenen Rippen waren vergessen.
Alles, was zählte, war Tex.

Dunkle, kräftige Finger zerwühlten weißes, fülliges Haar, als er ihn noch fester an sich drückte, um den Kuß zu vertiefen. In ihm brannte der Wunsch nach süßer, wohltuender Nähe, nach Vereinigung, und er wurde mit jedem Speicheltropfen, der sich mit seinem eigenen vermischte, mit jeden würzig-holzigem Duftmolekül, das seine Lungen füllte, immer übermächtiger.
Tex erging es genauso, und plötzlich war ihre Kleidung, ihr einstiger Schutzwall, nur noch ein störendes Hindernis.
Am ganzen Körper vor Verlangen bebend, rissen sie sich gegenseitig die Kleidungsstücke vom Leibe – wobei Brave Starr seine Pumageschwindigkeit nutzte und Tex Hex ausnahmsweise einmal seine Magie. So hatte sich die ganze leidige Angelegenheit innerhalb einer Zehntelsekunde erledigt.

Als ihre erhitzten Körper aufeinandertrafen, wurde aus dem inneren Glühen ein wahrer Feuersturm.
Es gab keine Vorbereitung, keine Rücksicht, aber das war in diesem besonderen Augenblick auch gar nicht nötig.
Ungeduldig drängte sich der New Cheyenne seinem so schmerzlich vermißten Seelengefährten entgegen, und nicht weniger ungeduldig nahm dieser diese Einladung wahr.
Ein einziger, kraftvoller Stoß stillte eine Jahrmilliarden alte Sehnsucht und entfachte zugleich den verzweifelten Hunger nach mehr.
Nach mehr Nähe, mehr goldener Wärme, mehr Verschmelzung, und so vergruben sie alles im Körper des anderen, was ihnen diese fleischliche Hülle zur Verfügung stellte.

Tex zwängte seine Hände zwischen die Matratze und den Körper unter sich, und zehn spitze Fingernägel bohrten sich in einen dunkelbraunen Rücken, so tief, bis Blut floß.

Im Gegenzug verkrallten sich zehn dunkle Finger mit Bärenkräften in lilafarbenes Rückenfleisch. Und kurzgeschnittene Nägel stellten unter Beweis, daß sie, wenn genug Druck ausgeübt wurde, auch verdammt häßliche Kratzer hinterlassen konnten.

Aber das war noch lange nicht genug, und so hob sich Brave Starr seinem Seelengefährten entgegen und umklammerte aufstöhnend mit seinen Beinen dessen schmale Hüften, platzierte seine Fersen auf dessen Kehrseite und drückte ihn so mit Bärenkräften noch tiefer in sich.
Tex keuchte in ihren Kuß hinein und preßte sich mit aller Kraft auf und in ihn, die ihm zur Verfügung stand.
Wenn sie sich nicht küßten, verbissen sie sich gegenseitig in der Schulter des anderen.

Es dauerte nicht lange, es war ein wilder, hemmungsloser Akt, der jedoch als erste mehr oder weniger bewußte Wiedervereinigung keine Wünsche offenließ.
Und als sie beide ihre Lust hinausschrien, schrien Brave Starrs Tiergeister wieder zufrieden mit.

***


Schweratmend und ermattet, aber überglücklich, lagen sich die beiden Männer schließlich in den Armen, noch ganz benommen von dem, was eben zwischen ihnen geschehen war.
Und in diesem merkwürdigen Schwebezustand trafen sich ihre Seelen und erneuerten ihr Versprechen.

„Ich liebe dich“, Brave Starrs Stimme glich einem samtweichen Schnurren. „Und das schon seit einer Ewigkeit. Ich gebe dich nie wieder her.“

„Ich liebe dich auch“, raunte Tex verträumt zurück. „Und diesmal wird uns keiner mehr trennen.“

Brave Starr, der sich schläfrig an ihn gekuschelt hatte, öffnete noch einmal kurz die Augen.

„Nein, niemand“, bestätigte er entschieden. „Niemals wieder.“


Tief unten in seiner Höhle hörte Stampede kurz auf, mit der ihm neugeschenkten Energie des Keriumfeuers zu spielen. Er kratzte sich überrascht hinter seinem linken Horn, überlegte kurz und zuckte dann gleichmütig mit den Schultern.

„Ich war es nie“, murmelte er leise, fast vergnügt. „Und ich werde jetzt auch nicht damit anfangen.“

Aber er mußte zugeben, daß ihn diese uralte Liebesgeschichte wirklich beeindruckte.

***


Sachte driftete der Marshall am nächsten Morgen aus einem traumlosen Schlaf zurück in die Wirklichkeit. Und das allererste, was er spürte, war dieser warme, starke Körper, und sofort war es wieder da: dieses unvergleichliche Glücksgefühl, diese tiefe, unbeschwerte Freude darüber, daß der andere ganz einfach nur da war.
Hier, direkt neben ihm.

Und da konnte er auch die Schmerzen in seiner Brust ignorieren, die von seinen lädierten Rippen herrührten, die Tatsache, daß ihm jeder Atemzug dieses leichte Stechen beschwerte. Oder das merkwürdige Spannungsgefühl in seinem Gesicht, das jetzt bestimmt in allen möglichen Farben leuchtete.
Für einen kurzen Moment spielte seine Zunge an der abgebrochenen Krone seines unteren Backenzahnes, aber da diesem Zahn sowieso schon der Nerv fehlte, tat es nicht einmal weh. Trotzdem – er ging nicht gerne zum Zahnarzt. Plötzlich kam ihm eine Idee.

„Dann mußt du mich eben begleiten, mein Schatz“, murmelte er leise vor sich hin und lächelte bei dieser Vorstellung in sich hinein.
Verträumt rieb er seine Wange an der samtigen, warmen Haut des anderen.

„Ha?“ brummte es über ihm verschlafen. „Wohin?“

Widerstrebend hob Brave Starr den Kopf von der Brust seines Lieblingsschurken und blinzelte zu ihm hoch.

„Zahnarzt“, nuschelte er. „Du hast mir wohl `ne Krone ausgeschlagen.“

Tex lachte leise und erschauerte kurz darauf, als Brave Starr ihm sanft durch den Schnauzer strich und ihm dann ein Küßchen auf den Mundwinkel setzte.

„Klar komm ich mit“, raunte er dann und seufzte kurz darauf auf, als sich der Marshall enger an ihn schmiegte und sich einen langen, süßen Kuß stahl.

„Hm, laß dich mal anschauen“, meinte er dann, umfaßte mit beiden Händen vorsichtig Brave Starrs Gesicht und betrachtete es skeptisch, „du siehst ziemlich … bunt aus.“

Brave Starr lächelte schief. „Hab ich verdient.“

Und bevor Tex darauf irgend etwas erwidern konnte, tauchte Brave Starrs Zunge schon wieder nach seiner eigenen und verwickelte sie in ein spielerisches Duell.
Begeistert zog Tex diesen muskelprotzenden Körper noch enger auf sich, eine seiner Hände verschwand in Brave Starrs wilder, schwarzer Mähne, während sich seine andere ihren Weg über dessen Rückgrat suchte, um schließlich auf dem verlockenden Hinterteil ihren festen Platz zu beanspruchen. Brave Starr seufzte leise in ihren Kuß hinein.
Sie drehten sich auf die Seite, hielten einander immer noch umschlungen, und abermals seufzte Brave Starr tief auf, als er sein Gesicht in der Halskuhle des anderen vergrub und gierig dessen Duft einatmete.

„Danke. Danke, daß du mir noch eine Chance gibst. Danke, daß du … hier bist.“

Tex grinste schwach, strich sanft durch dieses zerzauste, lange, schwarze Haar und genoß diese starken Arme um seine Taille, die ihm Halt versprachen. Und er genoß es, wie sich dieser große Körper so vertrauensvoll in seine eigenen Umarmungen schmiegte.

„Irgendwie habe ich das Gefühl, daß ich dich eine Ewigkeit gesucht habe. Und dann habe ich doch so lange nicht kapiert, was ich hatte, als du vor mir standest“, murmelte er leise. „Ich glaube, wir verdanken deinen Tiergeistern sehr, sehr …“ er stockte mitten im Satz.

„Was?“ alarmiert hob Brave Starr das Gesicht aus Tex’ wohlriechender Halskuhle.

Tex deutete nur mit einem Kopfnicken auf das Fußende des Bettes, und Brave Starrs Augen weiteten sich, als er in die angegebene Richtung sah.

Denn dort, ausgestreckt auf dem letzten freien Plätzchen der Matratze, lagen ein schwarzer Wolf und ein Puma, eng aneinander gekuschelt und eingerollt, während vor dem Bett auf dem Fußboden ein zottiger Bär lag, in dessen Nacken es sich ein Falke bequem gemacht hatte. Noch während die beiden Männer fassungslos auf die merkwürdige Menagerie starrte, löste sich diese vor ihren Augen langsam in Luft auf.

Beinahe synchron holten Brave Starr und Tex Hex einmal tief Luft, dann warfen sie sich leicht verunsicherte Blicke zu.

„Hast du sie auch gesehen?“ fragte Brave Starr leise, auch, wenn diese Frage völlig überflüssig war.

Tex nickte stumm und schlang seine Arme etwas fester um seinen Marshall.

„Danke“, flüsterte er in die leere Luft hinein.

„Ja, danke“, murmelte auch Brave Starr.

Sekundenlang hielten sie sich einfach nur in den Armen und starrten gedankenverloren auf die Stelle, wo sich vor kurzen noch die Tiergeister befunden hatten, und wo jetzt nur noch kleine Staubkörnchen im fahlen Morgenlicht tanzten.

Und dann, fast wie auch ein stummes Kommando, sahen sich die beiden tief in die Augen und küßten sich.
Und schon wenig später wurde aus dem anfangs ruhigem, zärtlichen Kuß ein wildes, hungriges Liebesspiel, dessen warme Schwingungen sogar den tief unter ihnen lebenden Semidrachen Stampede im Schlaf leise lächeln ließ.

***
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