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Außer Kontrolle

von MariLuna
GeschichteDrama / P18 / MaleSlash
Brave Starr Tex Hex
04.02.2010
02.03.2010
21
45.839
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04.02.2010 1.930
 
Hm, wenn das in dieser Art weitergeht, muß ich das Genre doch noch ändern, na, mal schauen, oder? Viel Spaß übrigens *kicher*
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2. KAPITEL

Eine Schweißperle, glitzernd im Sonnenlicht, die langsam über erhitzte, lilafarbene Haut rann. Über die Schläfe, das ausgeprägte Jochbein und die Wange hinunter, wo sie von einer sehnigen Hand ungeduldig fortgewischt wurde.
Der ganze Oberkörper war von einem leichten Schweißfilm bedeckt, der nur notdürftig von einem dunklen Muskelshirt aufgesogen wurde.
Die Brust hob und senkte sich unter angestrengten Atemzügen.
Eine weiße Haarsträhne wurde hinter ein Ohr gestrichen.

„Verdammter Mist!“ fluchend setzte Tex Hex den Ventilator der Klimaanlage auf dem Dach des Hexagons wieder ein. „Blöde Technik!“

Er betätigte einen Schalter, aber als sich der Ventilator immer noch nicht drehte, gewann sein aufbrausendes Temperament wieder die Oberhand. Mit voller Wucht trat er gegen die streikende Anlage.

„Typisch! Einen Tag über der Garantie, und du fängst an zu spinnen! Verdammt, spring endlich an!“

Wieder trat er zu.
Und wieder.
Jeder Tritt elegant und kraftvoll zugleich.


Aus Marshall Brave Starrs Kehle löste sich ein vibrierendes Schnurren.


Tex Hex hielt mitten im nächsten Fußtritt inne und legte lauschend den Kopf schief. Er stand ganz still, nahezu unbeweglich.


Ein Grollen, tief und hinten in der Kehle entstehend.
Brave Starr schreckte aus seiner Betrachtung eines hochgewachsenen, schlanken Körpers, der nur in Jeans und Muskelshirt bekleidet in der glühenden Mittagshitze auf einem Dach herumkletterte.
Er benötigte einige Sekunden, um zu begreifen, daß sich sein Falkenblick wieder selbständig gemacht hatte.
Doch dann riß er entsetzt die Augen auf.

Himmel, das war jetzt aber wirklich nicht wahr, oder?
Er stand jetzt nicht mitten in der Teeküche und schnurrte die Kaffeemaschine an?

Er konnte von Glück sagen, daß seine beiden Deputies gerade zur Mittagspause abgedampft waren.
Mißmutig rieb er sich die Stirn.
Ob die kleine Begegnung mit dem Garderobenschrank vielleicht irgend etwas in seinem Kopf verschoben hatte?
Obwohl, seine Geisterkräfte hatten sich schon vorher so komisch benommen.
Aber vielleicht war er ganz einfach allgemein viel zu oft gegen diesen Schrank geknallt?
Übermüdung fiel aus, er hatte, nachdem er die Tabletten genommen hatte, tief und fest geschlafen.
Wahrscheinlich lag es am Streß, er brauchte dringend Urlaub!

„Verdammt, Tex“, entfuhr es ihm, „jetzt überfall mal wieder was, damit ich hier zur Ruhe komme.“
Mürrisch schaltete er die Kaffeemaschine ein.
„Und wer ist überhaupt so blöd, bei dieser Hitze auf einem Dach herumzuturnen? Idiot.“

***


„Ihr seid verhaftet!“
Einer der Bankräuber wirbelte bei diesem Ausruf herum und hätte seinem danebenstehenden Kumpel dabei beinahe mit einem Sack Kerium k.o. gehauen.
Marshall Brave Starr schüttelte den Kopf, als er die drei traurigen Gestalten sah. Himmel, die Gangster hier wurden ja nicht nur immer jünger, sondern auch immer ungeschickter. Die mußte man ja langsam vor sich selbst beschützen.
Und wegen solcher Idioten mußte er in der letzten Glut der Mittagshitze aus seinem wohlklimatisierten Büro rennen?

„Geschwindigkeit des Pumas!“

Noch ehe es sich die drei verhinderten Bankräuber versahen, standen sie unbewaffnet da.
Thirty-Thirty und Fuzz brauchten sie nur noch einzusammeln.
Die beiden Deputies wechselten zwar einen verwirrten Blick, als ihr Chef nach der Entwaffnung nicht wie sonst auf Normalgeschwindigkeit umschaltete und stattdessen die Main Street hinunterjagte – wobei er eine beeindruckende Staubwolke hinter sich herzog – aber sie sammelten nur pflichtbewußt erst die Waffen und dann deren Besitzer ein und brachten alles ohne weitere Umschweife ins Marshall’s Office.
Sie hatten zwar keine Ahnung, wo ihr Chef jetzt hinwollte, aber wenn dieser erst einmal Pumageschwindigkeit erreichte, holte ihn sowieso niemand mehr ein.

***


Mißmutig vor sich hinbrummelnd reckte sich der Anführer der Carrion Bunch zur Wäscheleine empor und ließ die Klammer um den Saum der Boxershorts zuschnappen.
Wie er so etwas haßte!
Waschtag. Und natürlich war der Trockner wieder defekt.
Aber na gut, kein Problem, wozu lebten sie denn auf einem Wüstenplaneten? Sogar mit drei Sonnen! Da sollte das Zeug doch innerhalb einer Stunde wieder trocken sein.

Er hoffte nur, daß ihn niemand hier so sah. Der große, böse Tex Hex, der mitten im Hof des Hexagons seine Unterwäsche auf die Wäscheleine hing – das wäre ja so etwas von kontraproduktiv, was seinen schlechten Ruf betraf!

Plötzlich hielt er mitten in der Bewegung inne und runzelte die Stirn.
Da war es doch eben wieder!
Dieses sonderbare Schnurrgeräusch wie von einer übergroßen Schmusekatze.
Hatte vielleicht doch wieder einer seiner Leute ein neues Haustier angeschleppt?
Und wer durfte sich dann wieder ums Futter bemühen?
Richtig, er, wer sonst?
Obwohl er eigentlich gehofft hatte, nach dem letzten bedauerlichen „Unfall“ von Skuzzies Wüstenrennmaus mit dem Staubsauger hätte er vor solchem Kroppzeug erst einmal seine Ruhe.

Plötzlich kam eine unerwartete Windböe auf, wirbelte Staub und Sand empor und nahm ihm sekundenlang die Sicht.
Hustend und spuckend rang Tex Hex nach Atem, wedelte mit der Hand die letzten Staubwölkchen davon, rieb sich den Sand aus den Augen und fluchte mit der Vehemenz von jemanden, dessen Tag eh schon absolut bescheiden abgelaufen war.
Na, wenigstens schien die nasse Wäsche an der Leine nicht allzu viel abbekommen zu haben.
Murrend griff er zum Wäschekorb, stutzte dann jedoch und blickte sich suchend um.
Entweder ihm war soeben ein Retropant abhanden gekommen oder er wurde allmählich vergeßlich.

***


Ziemlich verdattert starrte Marshall Brave Starr auf das schwarze Stück Stoff in seiner Hand.
Er fühlte sich, als erwache er aus einem langen, verwirrenden Traum.
Sein Herz jagte, sein Atem ging schnell und stoßweise, auf seiner Haut klebten Schweiß und roter Sand, roter Sand rieselte auch von seiner Uniform, und überhaupt schickte ihm sein Körper alle deutlichen Signale von einem langen Rennen in Pumageschwindigkeit.
Nur, daß er sich nicht daran erinnern konnte.
Auch nicht, wieso er sich jetzt in seinem Schlafzimmer wiederfand, mit … nachdenklich betrachtete er den Stoff in seiner Hand, doch dann zog er erschrocken die Luft ein, faltete ihn auseinander und starrte absolut fassungslos auf den schwarzen Retropant.

Wo kam das Teil jetzt her?

Und, was noch viel wichtiger war – was wollte er damit?
Das war weder seine Farbe, noch sein Stil.

Eigentlich wollte er es entsorgen, doch irgend etwas in ihm sträubte sich dagegen, und so brachte er es schließlich nach unten in den Garderobenschrank, stopfte es zu den anderen Schuhputzlappen.
Und währenddessen beschloß er seufzend, daß es wohl doch langsam mal Zeit für einen fachlichen Rat wurde.

***


„Streß.“
Mit einem lauten Schnauben stellte Marshall Brave Starr sein Glas mit Sweetwater zurück auf den Tresen und warf dem neben ihm stehenden und an einem Starblazer nippenden Big Partner einen grimmigen Blick zu. Es war acht Uhr abends, und wie jeden Tag gönnten sie sich den obligatorischen Absacker nach einem anstrengenden Arbeitstag.
„Der Doc meint wirklich, es läge nur am Streß. Ich soll viel schlafen und mich vom Alkohol fern halten.“

Thirty grinste hinter seinem hochprozentigen Getränk bis über beide Ohren.

„Das ist ja schrecklich für dich“, spottete er freundschaftlich.

Brave Starr grunzte nur und wandte sich dann anklagend an die auf seiner anderen Seite stehende Richterin J.B. McBride.

„Wie stellt sich unser lieber Doc das vor? Ich soll Streß vermeiden? Bitte, das soll er nicht mir sagen, sondern den Gesetzlosen hier.“

„Ja, aber warum siehst du immer nur Tex Hex?“ überlegte J.B. und strich sich eine Strähne ihres flammendroten Haares zurück hinters Ohr, wie immer, wenn sie über etwas besonders intensiv nachdachte.
„Vielleicht wollen dich deine Tierkräfte vor einer Gefahr warnen, die von ihm ausgeht?“

„Ja“, gab Brave Starr zu, „ich mache mir schon Gedanken, schließlich war er in der letzten Zeit sehr ruhig. Trotzdem ist es nicht sehr hilfreich, ihn zu sehen, wie er Schießübungen abhält, angelt, herumgammelt oder die Klimaanlage repariert.“
Das mit der Dusche verschwieg er wohlweislich.

„Vielleicht machst du dir auch unbewußt Sorgen um Shaman“, schlug Handlebar von seinem Platz hinter dem Tresen vor und ersetzte Brave Starrs leeres Glas durch ein neues. „Davor, daß Tex Hex ihn im Namen von Stampede wieder angreift. Könnte sein, daß dein Beschützerinstinkt etwas außer Kontrolle geraten ist.“

„Ja“, murmelte der junge Mann und starrte versonnen in sein Glas.


Rot auf lila.
Ein gepeinigtes Aufzischen.
Schweißperlen glitzerten auf einer Stirn.
Ein schmerzverzerrtes Gesicht.

„Halt still“, tadelte Vipra, die schöne Schlangenkönigin, sanft.

Sie trug eine Tunika aus roter Seide und hatte sich die langen Haare entgegen ihrer üblichen Art zu einem Zopf zurückgebunden. Dennoch hingen ihr jetzt einige schweißnasse Strähnen ins Gesicht.
Hochkonzentriert vernähte sie die tiefe, klaffende Wunde an Tex Hex’ linker Schulter.

„Ruhig.“ Skuzz saß mitten auf seinem Boß, drückte ihn mit seinem eigenen Körpergewicht und beiden Armen fest auf die Matratze, hielt ihn davon ab, sich gegen Vipras Behandlung zu wehren.


Brave Starr zuckte zusammen und ließ fast sein Sweetwater fallen. J.B.s schmale, warme Hand auf seinem Unterarm half ihm, zurück in die Wirklichkeit zu finden.

„Schon wieder?“ erkundigte sie sich sanft, als sie seinen desorientierten Blick bemerkte.

Er seufzte und nickte.

„Er ist verletzt. Hier.“ Bezeichnend strich er sich mit der Hand über die linke Schulter.
„Sieht ziemlich böse aus.“

Er hatte kaum ausgesprochen, da verschwamm J.B.s besorgtes Gesicht vor seinen Augen ebenso wie die bekannten Räumlichkeiten des Saloons im Hintergrund, und er sah wieder dieselbe Szene vor sich. Nur, daß Sandstorm seinem am ganzen Körper zitternden Boß gerade ein Glas Wasser reichte, in dem sich sprudelnd eine Tablette auflöste.
Mühsam zwang Brave Starr seine Falkenaugen zurück. So etwas wollte er noch viel weniger sehen als Tex Hex unter der Dusche.
Aber er glaubte seine Antwort gefunden zu haben.

„Sieht aus, als habe Stampede ihn wieder nachdrücklich an seine Pflichten erinnert“, erklärte er seinen Freunden. „Ich bin mir sicher, daß wir bald wieder mit einem Angriff der Carrion Bunch zu rechnen haben. Entweder auf StarrPeak oder Fort Kerium.“

„Na siehst du“, aufmunternd klopfte J.B. ihm auf die Schulter. „Deine Kräfte wollten dich doch nur vor etwas warnen. Jetzt, wo du Bescheid weißt, wird das bestimmt alles bald aufhören.“

„Gut“, aufseufzend langte Brave Starr nach der Flasche auf dem Tresen.

Aber sein Deputy war schneller.

„Tadadada. Hast du dir so gedacht, was?“ feixte Thirty-Thirty und brachte hastig seinen Starblazer vor ihm in Sicherheit.

Brave Starr schnitt nur eine Grimasse, ignorierte J.B.s und Handlebars vergnügtes Grinsen und widmete sich wieder seinem eigenen – alkoholfreien – Getränk.

***


Mit einem leisen Seufzer löschte der junge, schwarzhaarige Marshall das Licht. Überzeugt, daß seine Geisterkräfte sich wieder beruhigt hatten, verzichtete er auf eine Schlaftablette und kuschelte sich in seine Bettdecke.
Kurze Zeit später verrieten seine ruhigen, tiefen Atemzüge, daß er eingeschlafen war.
Vor seinem inneren Auge erschien ein Bild, doch da sein Körper schon schlief, wurde es kurzerhand in die Träume eingebaut.


Das fahle Mondlicht erhellte das Zimmer nur schwach, doch es genügte, um alles zu sehen, worauf es ankam. Anerkennend glitten die Falkenaugen über die schlanke Gestalt im Bett, die von der Hüfte abwärts von einem weichen Federbett verdeckt wurde.
Ein entspanntes Gesicht.
Eine ungewöhnliche Mundpartie, von einem langen Schnauzer eingerahmt.
Haar, das wie frisch gefallener Schnee schimmerte, und das sich wunderbar von dem dunklen Kissen abhob.
Leise, regelmäßige Atemzüge.
Feindefinierte Brustmuskeln, die sich unter einem dünnen T-Shirt abzeichneten.
Brustwarzen, die sich erst recht darunter abzeichneten.
Eine Hand lag entspannt auf dem Bauch, die andere neben dem Kopf.
Ein unglaublich verlockender Anblick.


Mit dem starren Gesichtsausdruck eines Schlafwandlers, rollte sich Marshall Brave Starr aus seinem Bett, tapste in den Flur zum Garderobenschrank und zog aus dessen Tiefen ein schwarzes Kleidungsstück heraus.
Fast sofort versenkte er seine Nase darin und sog den Geruch begeistert ein. Selbst unter dem Lavendelduft des Weichspülers war der würzige, herbe Eigengeruch noch deutlich zu erkennen.
Langsam ging er zurück in sein Zimmer, wo er sich unter der Bettdecke zusammenrollte, den Retropant fest umkrallt und das Gesicht darin verborgen.
Dabei schnurrte er unablässig vor sich hin.

***
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