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Außer Kontrolle

von MariLuna
GeschichteDrama / P18 / MaleSlash
Brave Starr Tex Hex
04.02.2010
02.03.2010
21
45.839
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04.02.2010 2.814
 
19. KAPITEL

Verstört und grenzenlos verunsichert, führte ihn sein erster Weg in die Küche, wo er sich einen Starblazer aus dem Kühlschrank nahm und sich damit mit zitternden Händen am Küchentisch niederließ. Außer ihm war niemand hier, so daß er seine Fassade für einige Momente aufgeben konnte. In seinem Inneren herrschte heilloses Durcheinander, und selbst nach einer Flasche besten Starblazers ging es ihm da nicht besser.
Er war so auf sich selbst fixiert, daß er viel zu spät bemerkte, daß er nicht mehr alleine war.
Er versuchte zwar schnell, wieder seine gewohnte, unnahbare Maske aufzusetzen, aber es war zu spät.

Skuzz sah mit einem einzigen Blick, wie es um seinen Boß bestellt war. Von ihnen allen hier kannte er ihn am Längsten – sie waren schließlich schon befreundet, bevor Stampede ihn zu einem Skullhead machte -  und er war schlau genug, sich so einiges zusammenzureimen. Vor allem, wo er gerade aus dem obersten Stockwerk kam und feststellen mußte, daß der Marshall verschwunden war.

„Hey“, meinte er betont munter, schnappte sich ebenfalls einen Starblazer und kletterte auf den Stuhl neben Tex.

„Hey“, grüßte Tex zurück.

Ein gelbes Augenpaar begegnete einem roten, und in einem davon stand deutliche Sorge.

„Wie geht es unserem Gast?“ fragte Skuzz betont gelangweilt.

„Der schläft“, knurrte Tex und fügte dann noch knurrend hinzu: „Hoffentlich.“

Skuzz nickte und musterte ihn mit einem undeutbaren Gesichtsausdruck.
„Oben isser nich’“, stellte er dann fest.

Tex schnaubte nur unwillig.
Auf eine deutlichere Antwort wartete Skuzz allerdings vergebens. Aber eigentlich war das auch gar nicht mehr nötig.

Skuzz kaute versonnen auf seiner erkalteten Zigarre herum, legte sie dann umständlich vor sich auf den Tisch und nahm einen Schluck von seinem Starblazer.

„Und jetzt?“

„Was meinst du?“

„Na ja, was ist er? Unsere Geisel oder unser Gast? Seine Freund jedenfalls werden irgendwann versuchen, ihn zu befreien. Trotz deiner Flammenwand da draußen.“

Müde fuhr sich Tex erst durch seinen langen Schnauzer, dann übers Gesicht.
„Weiß nicht“, gab er dann zu.

Skuzz’ Augenbrauen rutschen in die Höhe, er trank noch einen Schluck und starrte dann nachdenklich aus dem Fenster.

„Stampede könnte doch jetzt eigentlich abziehen, oder? Jetzt, wo er hat, was er wollte. Aber er ist immer noch hier, und daran wird sich wohl auch nichts ändern. Er wird auch dem letzten Krümel seines Keriumfeuers hinterherjagen, ob er es nun braucht oder nicht. er kann nun mal nicht mehr aus seiner Haut.“

Tex grunzte nur.

Um Skuzz’ Lippen zuckte ein grimmiges Lächeln.
„Es gehört viel Mut und Kraft dazu, sich aus seiner Rolle zu befreien.“

Tex starrte ihn aus verengten Augen an. „Soso.“

Skuzz nickte. „Ja.“ Plötzlich kicherte er leise. „Und stell dir mal vor, wie blöd diese braven Bürger aus der Wäsche schauen, wenn der böse Tex Hex und der heldenhafte Marshall sich aus ihren Rollen befreien und knutschend über die Main Street schlendern.“

Wider seinen Willen mußte Tex grinsen, doch dann wurde er wieder ernst.
„Nein, danke. Einmal reicht mir.“ Auch, wenn er nicht genau erklärte, was er damit meinte, sein bitterer Tonfall sprach Bände.

„Du wirst es nie wissen, wenn du es nicht versuchst“, erklärte Skuzz.

Tex schnitt eine Grimasse. „Du kennst doch das Sprichwort: Legst du mich einmal herein, Schande über dich, legst du mich zweimal herein, Schande über mich.“

„Sicher, aber hat nicht jeder eine zweite Chance verdient?“
Skuzz lag wirklich viel daran, denn ehrlich gesagt, vermißte er den verliebten Tex Hex, der immer so fröhlich und gut gelaunt gewesen war.
„Und wenn es wieder daneben geht, Boß, hast du immer noch uns.“
Mit einem aufmunternden Grinsen boxte er seinem Boß an die Schulter.

„Danke, Skuzz“, murmelte Tex gerührt und verlegen zugleich.

„Hey, sind wir `ne Gang oder nich’?“ Skuzz grinste noch einmal breit und sprang dann beinahe übermütig vom Stuhl.
„Hm“, meinte er dann schelmisch, „wenn du dich allerdings ausheulen willst, so richtig mit Rotz und Wasser, dann empfehle ich dir Vipra. Unsere Schlangenkönigin hat mehr Taschentücher parat als wir alle zusammen.“

Er spielte damit auf Vipras Vorliebe für dramatische Telenovelas an. Die sahen sie zwar alle gerne, aber nur die Schlangenkönigin tupfte sich dabei in aller Öffentlichkeit die eine oder andere Träne aus dem Augenwinkel.

Tex lachte kurz auf. „Ich weiß, Skuzz.“

Das kleine Präriewesen grinste noch einmal und schlenderte dann hinüber zur Tür zum Wohnzimmer. Tex’ leiser Anruf ließ ihn noch einmal innehalten.

„Danke, Skuzzie.“

Skuzz zuckte betont gelassen mit den Schultern.
„Schon okay, Boß.“

Und dann schlüpfte er schnell durch die Tür, damit Tex seine hochroten Wangen nicht sehen konnte.

***


Manchmal trieben seine Leute ihn einfach nur in den Wahnsinn, und dann gab es Tage wie diese, wo er sie alle der Reihe nach umarmen könnte. Natürlich tat er das nicht, schließlich hatte er einen gewissen Ruf zu wahren, aber sie wußten auch so, wie es in ihm aussah.

Und im Laufe des Nachmittags kam immer irgend einer von ihnen in die Küche und setzte sich kurz zu ihm, dann wechselten sie ein paar belanglose Worte, und wenn er kurz darauf wieder alleine hier saß, fühlte er sich jedesmal ein kleines bißchen weniger melancholisch.

Trotzdem war er noch zu keiner Entscheidung gelangt.
Sollte er es wirklich noch einmal riskieren und sich auf den Marshall einlassen, oder doch lieber nicht?
Sein Herz und sein Körper schrien beide ganz laut und eindeutig „ja“, aber sein Verstand riet zur Vorsicht.

Und als es draußen schon dämmerte und sich Sandstorm, Vipra und Skuzz bei ihm in der Küche einfanden, um mit ihm zusammen das Abendessen zu kochen – nicht, daß sie so etwas immer machten, aber heute war eben einer dieser Tage – wußte er immer noch nicht, was er machen sollte.

„Boß?” Das war Vipra. „Ist es okay, wenn ich mal nachsehe, was unser Gast so macht? Vielleicht ist er ja wach und will auch was mitessen.“

Er nickte nur, froh, daß sie diese Aufgabe übernahm. Und er war wirklich erleichtert, als sie nach zwei Minuten mit der Nachricht zurückkehrte, daß der Marshall noch immer tief und fest schlief. Denn, ehrlich gesagt, ihm jetzt schon wieder unter die Augen zu treten, wäre zuviel für Tex Hex’ Nerven gewesen.

***


Die Nacht brach wie immer sehr schnell über die Badlands herein. Zwei der sieben Monde schickten schon ihr perlmuttfarbenes Licht durch das große Panoramafenster des Hexagons, während auf der anderen Seite der dritte Mond über den Horizont kroch.
Tex Hex war alleine im großen Wohnzimmer, hockte mit angezogenen Knien auf dem Fenstersims, in der Hand eine Flasche Starblazer und lehnte den Kopf gegen das kühle Fensterglas, während er aus halbgeschlossenen Augen hinaus in die Nacht starrte.
Er war so in Gedanken versunken, daß er gar nicht bemerkte, wie sich die Tür öffnete und eine schlanke Gestalt den Raum betrat.

Schimmerndes Mondlicht malte funkenähnliche Effekte in langes, schwarzes Haar und dunkle Augen. Vorsichtig trat Brave Starr näher und setzte sich zu ihm auf das Sims – in respektvollem Abstand.
Und ohne daß er es verhindern konnte, wanderte sein Blick anerkennend über den Mann vor sich, blieb kurz an dessen nackten Füßen hängen, um dann wieder hoch zu wandern in dieses einprägsame Gesicht, wo er alkoholumnebelten Augen begegnete.

Tex war tatsächlich viel zu träge, um über die Anwesenheit des Marshalls mehr als gelinde Überraschung zu empfinden, geschweige denn, um irgendwie intelligent zu reagieren.

Brave Starrs Lippen kurvten sich zu einem beinahe schüchternen Lächeln, als er vielsagend auf ihn deutete.

„Genau so habe ich dich schon einmal dasitzen sehen. Durch meinen Falkengeist.“

Zwischen Tex’ Augen erschien eine steile Falte. „Ich dachte, du schläfst noch?“

Brave Starr zuckte nur mit den Schultern.

Plötzlich blinzelte Tex und musterte ihn von oben bis unten.
„Sind das meine Sachen, die du da trägst?“

Brave Starrs Lächeln vertiefte sich, als er kurz über das dunkle Shirt und die Jogginghose strich.

„Ich hatte nichts anderes“, entschuldigte er sich, alles andere als verlegen.

Tex starrte ihn sekundenlang an, dann zuckte er nur mit den Schultern. Die Frage, ob der Marshall auch eine seiner Unterhosen trug, verbiß er sich wohlweislich.

„Hast du Hunger?“ fragte er stattdessen. „Wir haben noch was vom Abendessen übrig gelassen.“

„Nein, Danke.“

Abermals zuckte Tex mit den Schultern und starrte wieder unbeteiligt aus dem Fenster.

Sekundenlang herrschte Schweigen, dann beugte sich der Marshall leicht vor und berührte den anderen behutsam am nackten Fuß.
„Ich vermisse dich.“

„Ich bin doch hier.“

„Du warst nicht bei mir, als ich aufgewacht bin. Und das hat mir gefehlt. Du hast mir gefehlt. Du fehlst mir immer noch.“

Tex musterte ihn stumm.

„Gib uns eine Chance, bitte”, flüsterte Brave Starr  mit einem verzweifelten Unterton. „Ich liebe dich. Sag mir, was soll ich tun, damit du mir wieder vertraust? Soll ich”, er hielt kurz inne und fuhr dann mit trauriger, aber durchaus fester Stimme fort:
„Soll ich meinen Stern abgeben?“

Tex riß die Augen auf und starrte ihn entgeistert an, aber der Jüngere redete schon weiter.

„Ich kann dir nicht viel anbieten, Tex. Leider. Aber das wenige, was ich habe, gebe ich gerne auf. Für dich. Sag mir nur, wie ich dich von meiner Aufrichtigkeit überzeugen kann.”

Tex schluckte schwer. „Das … klingt verlockend. Du .. würdest wirklich kündigen? Nicht mehr Marshall sein? Meinst du das wirklich ernst?”

„Ja, das meine ich ernst.“

Tex dachte kurz darüber nach, doch dann schüttelte er – jeder Vernunft zum Trotz - den Kopf. Ihm war wieder eingefallen, was Skuzz gesagt hatte, und er hatte schon zuviel Alkohol im Blut für irgend welche Spielchen.
Und so holte er einmal tief Luft und blickte dem jungen New Cheyenne fest in die Augen.

„Sicherlich wäre es toll, wenn du nicht mehr der Marshall wärst. Das würde uns Gesetzlosen eine Menge erleichtern. Und vielleicht bin ich verrückt, aber … das will ich nicht. Das ist mir nicht so wichtig wie …“ er zögerte und gab sich dann einen sichtbaren Ruck. „Ich will nur, daß du ehrlich bist. Steh zu mir, wie du zu jemand anders stehen würdest. In der Öffentlichkeit. Vor deinen Freunden. Würdest … könntest du das tun?”

Das Strahlen, das bei seinen Worten über Brave Starrs dunkle Züge huschte, war eine eindeutige Antwort.

„Ja“, flüsterte der Marshall rauh und rutschte hoffnungsvoll etwas näher. „Schluß mit dem Versteckspielen. Ich verstecke mich nicht mehr vor mir selbst und auch nicht mehr vor den anderen. Danke“, fügte er dann noch leise hinzu, während seine Hand sachte, beinahe schüchtern über Tex’ Knie strich.

Tex erschauerte, und sein Atem beschleunigte sich sprunghaft. Genau wie sein Herzschlag.
Dank seines Wolfsgehörs fing Brave Starr beides auf, und konnte sein Glück kaum fassen. Dennoch zog er seine Hand zurück und stand auf. Er wollte Tex nicht unnötig bedrängen.

„Danke“, wiederholte er.

Tex nickte nur und sah ihm nach, wie er den Raum verließ.
Er wartete noch einige Minuten, bis sich der Aufruhr in seinem Inneren etwas gelegt hatte, dann folgte er ihm.

***


Brave Starr war hell erleichtert, daß Tex ihn nicht abwies, ja, im Gegenteil sogar bereit zu sein schien, ihm eine letzte Chance zu geben.
Und er hatte es wirklich ernst gemeint, als er angeboten hatte, für ihn alles aufzugeben. Leicht war ihm diese Entscheidung nicht gefallen, aber als er vor einer halben Stunde aufgewacht war, ganz allein in der Dunkelheit in einem fremden Zimmer, in einem fremden Bett, da hatte ihn tatsächlich so etwas wie Panik ergriffen. Jedenfalls so lange, bis er festgestellt hatte, daß es sich dabei um Tex’ Zimmer und um dessen Bett handelte.
Alles roch nach ihm, nach dieser unvergleichlichen, holzig-würzigen Duftnote, und seine Panik war sofort wie weggeblasen.

Es hatte eine Weile gedauert, bis er sich sortiert hatte und verstand, was das wirklich bedeutete.

Er hatte Tex gesagt, daß er ihn vermißte, aber es war mehr als das: er brauchte ihn. So dringend wie die Luft zum Atmen, und allein beim Gedanken, in Zukunft jeden Tag immer und immer wieder in dieser Panik, so allein, so verlassen, aufzuwachen, verursachte fast wieder einen erneuten Panikanfall bei ihm.

Es war nun einmal so, daß seine Tiergeister den Skullhead als ihren Seelenpartner nicht nur erwählt, sondern viel eher erkannt hatten, und dann hatte dieses Gefühl seinen Körper infiltriert, sein Herz, seine Seele, und seit ein paar Stunden war sein Verstand nachgezogen. Gegen alle Logik und gegen alle Vernunft.

Und es war ihm eben sehr schwer gefallen, sich zu beherrschen. Und es würde ihm – das wußte er genau – noch viel schwerer fallen, wenn Tex erst einmal zurück in sein Zimmer kam.
In sein Bett – denn wo sollte er sonst schlafen?
Eine Couch gab es hier nicht, und der Marshall bezweifelte, daß Tex in seinen eigenen vier Wänden auf dem Boden schlafen wollte. Und daß er ihn genau dorthin – auf den Boden – jagen würde, konnte er sich auch nicht vorstellen.

Andererseits wollte er Tex aber auch nicht unnötig in Verlegenheit bringen oder irgendwie bedrängen.
Das Bett war zwar breit genug für zwei Personen ohne daß diese sich ins Gehege kamen, aber er beschloß sicherheitshalber, die Jogginghose und das T-Shirt anzubehalten.
Außerdem rochen diese Sachen nach Tex.

Vorsichtig tastete er nach dem Anhänger, den er sicherheitshalber in einer der Hosentaschen versenkt hatte, dann verzog er sich ganz bis an den äußersten linken Rand des Bettes, wickelte sich zusätzlich in die dünne Decke und wartete, während ihm das Herz in freudiger Erwartung bis zum Halse klopfte.

Und obwohl er sich fest vorgenommen hatte, den Schlafenden zu mimen, schoß er doch sofort in die Höhe, als sich die Tür öffnete.

***


Tex hatte noch einen kurzen Abstecher ins Bad gemacht, wo er Dank seiner Magie hastig Jeans und T-Shirt gegen eine Jogginghose und ein Schlabbershirt austauschte und kam nun mit einem Glas frischen Wassers und einer Packung Schmerzmittel in sein Zimmer. Schließlich sah Brave Starr immer noch sehr lädiert aus und seine Rippen mußten ohne stützenden Verband furchtbar schmerzen.
Das kannte er aus eigener Erfahrung.
Und er fühlte sich schuldig, weil er es vor einigen Stunden versäumt hatte, dem Marshall einen neuen Verband anzulegen – und daß dieser es zwischenzeitlich selbst getan hatte, bezweifelte er irgendwie.

Beim Gedanken, sich jetzt neben Brave Starr ins Bett zu legen wurde ihm zwar schon etwas mulmig, aber er war viel zu müde und angetrunken, um wirklich darauf achten zu wollen.
Er wollte schlafen, mehr nicht.

Aber als Brave Starr so plötzlich in die Höhe schoß, sobald er eintrat und ihn dann auch noch aus einer Mischung aus Verlegenheit, Schuldbewußtsein und … Begierde anstarrte, nun, da mußte er schon etwas grinsen.
Denn das sah einfach nur zu niedlich aus.

Er schaltete die Deckenleuchte ein, dimmte die Lichtstärke auf ein angenehmes, schummriges Niveau herab und setzte sich dann vorsichtig auf die Bettkante, wo er Brave Starr das Wasserglas reichte.

„Eine Schmerztablette?“ vielsagend schüttelte er die Schachtel.

Brave Starr nahm das Glas rein automatisch entgegen und drehte es verlegen zwischen den Fingern.

„Ich … mir tut eigentlich nichts wirklich weh“, entgegnete er leise.

„Nimm trotzdem eine“, entschied Tex, und drückte auch schon eine aus der Verpackung, die er dann umstandslos ins Wasserglas fallen ließ.
„Du willst doch ruhig durchschlafen, oder?“

Brave Starr nickte nur und trank.

Tex beobachtete ihn aufmerksam.
„Keine Angst, daß ich dich vergifte?“ raunte er plötzlich spöttisch.

Brave Starr stockte, schüttelte den Kopf und zuckte dann mit den Schultern.

„Nein. Und wenn doch, wär es mir auch egal.“ Verlegen senkte er den Blick. „Es klingt bescheuert, ich weiß, aber ohne dich ist mein Leben öde und leer. Und lieber sterbe ich von deiner Hand, als ohne dich.“

Tex stockte der Atem. Er schluckte schwer und rettete sich dann mit einem schiefen Grinsen über seine Verlegenheit hinweg.

„Du hast ja tatsächlich einen Hang zur Melodramatik. Aber keine Angst“, betont munter nahm er ihm das inzwischen leere Wasserglas wieder ab und stellte es auf den Nachttisch. „Ich bin kein Giftmischer.” Er gähnte verhalten. „Ich bin müde.“

Und dann erstarrte ausnahmsweise mal Brave Starr, als Tex einfach so die Bettdecke lüpfte, in die er sich eingewickelt hatte und sich zufrieden darunterkuschelte.

„Ah … Tex…“

„Schlaf, Brave Starr. Und behalt deine Hände bei dir”, murmelte Tex nur.

Brave Starr bemühte sich, ruhig zu bleiben. Etwas, was ihm definitiv nicht leicht fiel, nicht, wo er Tex’ Körperwärme so überdeutlich spürte. Und schon gar nicht, als dieser sich wie selbstverständlich an ihn schmiegte und ihm dann auch noch einen Arm über den Oberkörper drapierte.

„Ich soll meine Hände bei mir behalten?“ flüsterte der Marshall rauh, zögerte kurz und strich dann doch behutsam über den lilafarbenen Unterarm quer über seiner Brust, jederzeit damit rechnend, daß der andere ihm dafür eine verpaßte.

„Und was ist mir dir?“ Er zauderte erneut und fügte dann leise, beinahe unhörbar, hinzu:
„Mein Schatz.“

„Wenn du mich morgen immer noch als deinen Schatz betrachtest, darfst du auch wieder“, grinste Tex und blinzelte ihm schelmisch zu.

Eine Sekunde später löschte er mittels seiner Gedanken das Licht, und noch während sich seine Augen wieder an die plötzliche Dunkelheit gewöhnten, spürte Brave Starr, wie sich Tex leise schniefend noch fester an ihn schmiegte.
Wenig später verrieten seine tiefen, ruhigen Atemzüge, daß er eingeschlafen war.

Brave Starr folgte ihm nur wenig später, aber erst, nachdem er seinen höchsteigenen Lieblingsdesperado in eine feste Umarmung gezogen hatte.

***
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