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Außer Kontrolle

von MariLuna
GeschichteDrama / P18 / MaleSlash
Brave Starr Tex Hex
04.02.2010
02.03.2010
21
45.839
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04.02.2010 2.146
 
18. KAPITEL

Der Anführer der Carrion Bunch schlenderte gerade mit einem Sandwich bewaffnet über den langen Flur, als er ein merkwürdiges Ziehen in seinem Inneren verspürte.
Er stockte mitten im Schritt, spürte der sonderbaren Leere in seinem Inneren nach, fühlte sich erst melancholisch, dann unendlich traurig und seufzte tief auf.
Sie waren fort.
Brave Starrs Tiergeister hatten ihn verlassen.  
Wahrscheinlich waren sie zu ihrem ursprünglichen Besitzer zurückgekehrt.
Und so stand er da und lauschte auf ein verdächtiges Geräusch aus dem Stockwerk über ihm. Ein dumpfes Poltern, vielleicht einen wütenden Schrei und dann hastige Schritte – er erwartete fast, daß der Marshall in den nächsten Sekunden hier hereinstürmte um ihn für alles, was er ihm „angetan“ hatte, bezahlen zu lassen. Aber alles, was er hörte, war das Stimmengemurmel seiner Gang, die in der Küche das Geschirr aus der Spülmaschine räumten.
Und nachdem sich daran auch in den nächsten zwei Minuten nichts änderte, beschloß er, nach oben zu gehen und mal nach dem Rechten zu sehen.

Auf jeder Treppenstufe und jedem Schritt, den er zurücklegte, rechnete er fest damit, daß das Getöse oben endlich losging, aber selbst, als er den Flur betrat, herrschte noch immer Stille. Und allmählich bemächtigte sich Tex’ da eine gewisse, dunkle Vorahnung, so daß er den kleinen Beobachtungsraum links liegen ließ und ohne weitere Umschweife die Tür aufstieß, hinter der sich der Marshall befand.

Als erstes fühlte er die Hitze.
Die Luft war so drückend und schwer, daß er das Gefühl hatte, gegen eine Mauer zu prallen.
Für den Bruchteil einer Sekunde wurde ihm regelrecht schwarz vor Augen.
Als sich seine Sicht wieder klärte, fiel sein Blick sofort auf den von den Ketten gehaltenen, in sich zusammengesunkenen Marshall. Er triefte regelrecht vor Schweiß, und der penetrante Geruch von grünem Tee und Marshall Brave Starr, setzte Tex fast zusätzlich schachmatt.
Brave Starr schien wieder das Bewußtsein verloren zu haben. Trotzdem war Tex auf alles gefaßt, als er vorsichtig an ihn herantrat und ihm noch viel, viel vorsichtiger die Wange tätschelte.

„Marshall?“
Keine Reaktion.

Er versuchte es ein wenig fester. Da sich die Brust des Marshalls unter schweren Atemzügen hob und senkte, war er wenigstens in dieser Hinsicht beruhigt.

Als der New Cheyenne dann aber auch auf mehrmaliges Ansprechen, Tätscheln und letztendlich Rütteln an der Schulter so überhaupt nicht reagierte, griff Tex Hex in seiner wachsenden Verzweiflung zur Wasserschüssel und goß sie ihm kurzerhand über den Kopf.
Der Kontakt mit dem Wasser holte den Marshall tatsächlich kurzzeitig zurück.
Aber nicht für lange.
Er blinzelte einmal kurz, betrachtete ihn mit seltsam leeren Blick und versank dann erneut in Bewußtlosigkeit.

Tex fluchte einmal unterdrückt und teleportierte sie beide ohne genauer darüber nachzudenken an einen etwas kühleren Ort. Erst beim Anblick der vertrauten Möbel und der weichen Kissen unter sich, erkannte er, wohin er den Marshall gebracht hatte: mitten in sein Bett.
Tex schluckte einmal schwer, doch ein Blick in das schweißüberströmte, von Hämatomen übersäte Gesicht des anderen genügte, um ihn all seine Bedenken und Erinnerungen an die wenigen Liebesnächte vergessen zu lassen, die sie hier verbracht hatten.
Jetzt galt es erst einmal, dafür zu sorgen, daß der Körper des anderen etwas abkühlte, denn so, wie es schien, befand er sich gefährlich nahe an einem Hitzschlag.

„Ich dachte echt, du hälst mehr aus“, knurrte Tex kopfschüttelnd.

Wenn er daran dachte, wie oft er selbst bei noch größerer Hitze hier oben auf dem Dach herumgeturnt war, einfach nur, weil wieder irgend etwas repariert werden mußte… oder wenn er daran dachte, wie er damals die Räume direkt unter dem Dach – unter anderem eben auch jenen, wo er den Marshall untergebracht hatte – vom Pilzbefall in den Wänden befreit hatte… und der Marshall hatte es gerade mal sechs Stunden ausgehalten.

„Von wegen harter Kerl und Held.“

Tex seufzte leise auf, konzentrierte sich kurz und grunzte zufrieden, als sich auf dem Nachtschränkchen eine Wasserschüssel und ein Handtuch materialisierten.
Jetzt ausgerechnet für den die Krankenschwester zu spielen, gefiel ihm zwar ganz und gar nicht, aber er kam wohl nicht darum herum.

Tex Hex arbeitete schnell und geschickt, pellte den Marshall erst aus seinem nassen Verband und dann aus seiner ebenfalls naßgeschwitzten Hose. Vipra war schließlich nicht die einzige, die sich mit so etwas auskannte.  
Obwohl es ihn wirklich sehr viel an Selbstbeherrschung kostete, vor allem bei der Hose. Es gelang ihn auch nur, weil er sich zwang, den Mann vor sich nicht als Brave Starr oder Marshall Brave Starr zu betrachten, sondern ganz einfach nur als Mann.
Mit einer geradezu verführerisch dunklen Haut und sündhaft geschmeidigen Muskeln.
Und schon schlichen sich seine Finger vor zu diesem unglaublich beeindruckenden Sixpack. Im letzten Moment wurde ihm bewußt, was er da tat und er zog seine Hände wieder zurück.
Und dennoch – ohne es zu wollen, saugte sich sein Blick an Brave Starrs blauem Slip fest. Und die Gedanken, die ihm dabei im Kopf herumgeisterten, waren alles andere als jugendfrei, vor allem, wenn er sich so ansah, was sich unter dem dünnen Stoff so abzeichnete …
„Nichts, was du nicht kennst“, rief er sich zur Räson, und prompt stieg dieser Schmerz wieder in ihm empor.

Seltsam, wie sehr sich die Bitterkeit über den Verrat doch mit der Trauer des Verlustes inzwischen die Waage hielt.

Trotzdem – wenn er nicht wollte, daß zu dem drohenden Hitzschlag nachher noch eine Unterkühlung kam, mußte er den lieben Marshall wohl oder übel von seiner naßgeschwitzten Kleidung befreien. Und das schloß sexy Unterwäsche nun einmal mit ein.
Also hielt sich Tex an dem ihm zugefügten Leid fest und achtete darauf, den Bewußtlosen nicht mehr als notwendig zu berühren, als er ihm den Slip von den Hüften zog. Und ihm dann hastig eine dünne Decke über die Taille zog, bevor der Anblick doch wieder zu viel für ihn wurde.

Dann tauchte er das Handtuch in das kühle Wasser und begann, dem still daliegendem Marshall erst einmal behutsam den Schweiß von der dunklen Haut zu wischen.
Und er hoffte inständig, daß der Kerl noch eine Weile bewußtlos blieb.

***


Selbst durch die Dunkelheit, die seinen Geist in festem Griff hielt, spürte Brave Starr die sanften Berührungen von etwas Feuchtem auf seiner Haut. Er fühlte die Wärme und Nähe einer anderen Person, ahnte in seinem vernebelten Verstand, daß die Berührungen und diese Präsenz miteinander zusammenhingen und reckte sich ihnen begierig entgegen.

Tex Hex hielt augenblicklich in jeder Bewegung inne, als der Mann vor ihm leise aufseufzte und näher an ihn heranrückte. Er wartete geduldig, bis er glaubte sicher zu sein, daß der andere weiterschlief, dann tauchte er das Tuch noch einmal ins Wasser, wrang es aus und legte es ihm auf die Stirn. Und er beschloß, es diesmal dort liegen zu lassen und den anderen besser nicht mehr anzurühren.

Außerdem erregte etwas ganz anderes seine Aufmerksamkeit. Schon seit er ihn aus der Dachkammer herausgeholt hatte, hielt der Marshall seine rechte Hand krampfhaft zu einer Faust geballt, und allmählich kam ihm der Verdacht, daß er irgend etwas festhielt. Neugierig geworden, versuchte er, die Finger aufzubiegen und war überrascht über den Widerstand, den ihm der andere trotz seines eindeutig geschwächten Zustands bot.

Auf einer unbewußten Ebene spürte Brave Starr genau, wie jemand sich an seiner Hand zu schaffen machte und krallte seine Finger nur noch fester um den kleinen Gegenstand in seiner Handfläche.

Tex Hex war jetzt wirklich neugierig. Und tatsächlich gelang es ihm – unter Anwendung roher Gewalt – Brave Starrs Finger für den Bruchteil einer Sekunde aufzubiegen. Er ballte seine Hand zwar wieder sehr schnell zur schützenden Faust, doch der kurze Blick hatte genügt.
Ehrlich verdutzt starrte er auf den jetzt wieder reglos daliegenden Mann herab.

„Das ist tatsächlich mein Anhänger!“ stieß er schließlich rauh hervor.

„Meins“, widersprach der Marshall vehement.

Dunkle, leicht schläfrige Augen öffneten sich plötzlich und starrten ihn an. Eine dunkle Hand schoß vor, packte ihn am Kragen und zog ihn in eine bärenstarke Umarmung.

„Genau wie du!“

Tex japste erschrocken auf.
Das Folgende geschah so schnell – mit Pumageschwindigkeit – daß er gar nicht mehr dazu kam, angemessen zu reagieren.
Binnen des Bruchteils einer Sekunde fand er sich rückwärts in die Kissen gedrückt wieder, eingekesselt vom größeren und wesentlich stärkeren Körper des Marshalls. Und dann tauchte schon dessen Zunge in seinem Mund nach seiner eigenen und seine Welt ertrank im Duft von grünem Tee und diesem unvergleichlich frischen Brave-Starr-Geschmack.

***


Tex’ Verstand schrie.
Er schrie gegen den Körper an, in dem er wohnte, und der ihn wieder mal zu verraten drohte. Und er rief die Erinnerungen wach an diesen Morgen, an das, was der Marshall zu ihm gesagt hatte. Was er getan hatte.
Und tatsächlich wischte die Erinnerung an die Schmach, die Demütigung und den Schmerz die wieder aufflackernden Gefühle und das Verlangen beiseite, und zurück blieb nur Leere, Kälte und Entsetzen.

„Nicht!“ keuchend schob Tex Hex den anderen von sich. „Du bist krank. Gehirnerschütterung. Deine Tiergeister. Du bist nicht du selbst.”

„Doch, bin ich”, widersprach Brave Starr leise.

Er rollte sich jedoch von Tex herunter, neben ihn, wo er sich an seine Seite schmiegte und ihm den Kopf auf die Schulter legte, während sich seine linke Hand in Tex’ T-Shirt verkrallte.

„Diesmal schon, Tex. Und ich habe heute morgen den größten Fehler meines Lebens gemacht. Es tut mir leid. Hör zu…“ dunkle Finger legten sich unter ein lilafarbenes Kinn und zwangen Tex, den Kopf zu drehen, wo ihn braune, mit beeindruckenden Hämatomen und Einblutungen verzierte Augen ernst und eindringlich anblinzelten.
„Ich kann dir nicht genau erklären, wieso ich heute morgen so reagiert habe. Vielleicht war es der Schock. Oder Angst. Die Regeln, nach denen ich lebe, besagen ausdrücklich, daß ein Desperado niemals der Freund eines Marshalls sein kann. Und es ist unmöglich, daß sich ein Planeten-Marshall wie ich in den gefürchtetsten Verbrecher hier verliebt. Mal ganz davon abgesehen, daß wir beide Männer sind. Und das ganze wird mich verdammt nochmal in riesengroße Schwierigkeiten bringen. Aber weißt du was? Das ist mir scheißegal.“

Bei seinen Worten huschte kurz so etwas wie ein verzagter Hoffnungsschimmer über Tex’ Gesicht, doch dann kehrte die kühle Abweisung zurück.

„Schöne Worte, Marshall“, zischte er leise, „aber woher soll ich wissen, daß du mich nicht wieder wie Dreck behandelst?“

Schuldbewußt biß sich der Marshall auf die Unterlippe und zuckte schmerzhaft zusammen, als er eine wunde Stelle erwischte.

„Ich werde dich nie wieder so verletzen, das schwöre ich dir. Und wenn doch, darfst du mich gerne wieder nach Strich und Faden vertrimmen.“

Um Tex’ Mundwinkel zuckte es amüsiert – wenn auch nur ein ganz klein wenig. Dann entwand er sich Brave Starrs Griff, blieb jedoch liegen.

„Ich weiß nicht, ob ich dir das glauben kann“, erklärte er ruhig und starrte dabei unablässig an die Zimmerdecke. „Ich glaube nicht, daß ich das Risiko noch einmal eingehen will.“

Er pflückte Brave Starrs Hand von seinem Shirt und setzte sich auf.

„Du hattest deine Chance.”

Ohne sich noch einmal umzudrehen, ging er zur Tür. Seine Finger hatten den Türöffner noch nicht berührt, als ihn eine dunkle Hand an der Schulter packte und herumdrehte.

„Stimmt. Nach dem, was ich mir geleistet habe, habe ich keine weitere Chance verdient.“ Brave Starrs Atem ging schwer und keuchend, ihm stand die Anstrengung deutlich ins Gesicht geschrieben.
„Aber, verdammt nochmal, ich liebe dich. Und ich gebe dich nicht auf.“

Tex starrte in diese wild entschlossen funkelnden Augen und zögerte.
Eine schemenhafte Bewegung am äußersten Rande seines unteren Sichtfeldes lenkte ihn ab, und als er rein automatisch den Blick senkte, konnte er sich ein bitteres Lächeln nicht verkneifen. Denn Brave Starr stand splitterfasernackt vor ihm, und mochte er auch noch so lädiert und erschöpft sein, sein edelstes Körperteil erwachte gerade zu blühendem Leben.
Brave Starr wiederum blieb weder das eine noch das andere verborgen. Seine Lippen kräuselten sich zu einem feinen Lächeln, und dann zog er Tex so nahe an sich heran, bis seine erwachende Erregung den Stoff von Tex’ Jeans berührte.

„Es ist nicht zu übersehen, oder? Mein Körper weiß ganz genau, was er will“, raunte Brave Starr ihm zu. Sein Atem, unglaublich heiß, streifte dabei eine lilafarbene Ohrmuschel und brachte deren Eigentümer zum Erschauern.
„Auch meine Tiergeister wissen, was sie wollen. Und mein Verstand hat es jetzt auch kapiert. Es hat keinen Zweck, sich dagegen zu wehren.“
Dunkle, volle Lippen strichen sanft über Tex’ Wange und platzierten einen Kuß auf seinen Mundwinkel.
„Wir zwei sind füreinander bestimmt.“

Tex spürte, wie ihm die Knie weich wurden und etwas anderes sehr, sehr hart. Mit geradezu unmenschlicher Selbstdisziplin schob er den Marshall von sich.

„Du gehörst ins Bett.“

„Ja“, schnurrte Brave Starr, „zusammen mit dir.“

„Laß mich … bitte …“, stammelte Tex beinahe verzweifelt, „ich muß darüber nachdenken.“

Hastig betätigte er den Türöffner und stolperte völlig überstürzt aus seinem eigenen Zimmer.

Etwas enttäuscht, aber auch mit einem hoffnungsvollen Funkeln in den Augen, wandte sich Brave Starr um und schlurfte zurück ins Bett.
Während der ganzen Zeit hatte er den Keriumanhänger in seiner rechten Hand nicht ein einziges Mal losgelassen, und auch jetzt, als er sich unter der Decke zusammenrollte, gab er ihn nicht wieder her.

***
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