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Außer Kontrolle

von MariLuna
GeschichteDrama / P18 / MaleSlash
Brave Starr Tex Hex
04.02.2010
02.03.2010
21
45.839
1
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Dieses Kapitel
7 Reviews
 
04.02.2010 2.267
 
Bei diesem Kapitel hatte ich immer folgendes Lied von Jon Bon Jovi (*Fanfähnchen schwenk und aufquietsch*) im Ohr:
„Learn to love“, besonders folgende Zeilen: “I've lost love lived with shame/I was humbled by my fall from grace/On the steps of decision/It's revenge or forgiveness/ Halle halle/We're one breath away/Halle halle/From our judgement day”
war fast versucht, nen Songfic daraus zu machen *g*
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14. KAPITEL

„Versuch doch, mich aufzuhalten, Scheißkerl!“
Marshall Brave Starr verzog beinahe das Gesicht bei diesem gehässigen Unterton. Und auch diese Wortwahl war so gar nicht typisch für seinen langjährigen Feind.
Doch dann erinnerte er sich daran, schon einmal auf diese Art beschimpft worden zu sein, und abermals verspürte er so etwas wie leise Schuld. Doch entschlossen schüttelte er dieses Gefühl ab – es gab Dringenderes, auf das er sich jetzt konzentrieren mußte.

Tex Hex gehörte zu dieser Art von Verbrecher, die gerne große Töne spuckten und auf Anerkennung bei ihren Gegnern aus waren. Und normalerweise ließ er sich immer in ein Geplänkel verwickeln.

„Das ist wirklich beeindruckend, Tex“, Brave Starr ließ sich sogar zu einem anerkennenden Pfiff herab, während er die rauchenden Trümmer am Rande der Main Street genauer ins Auge faßte – und in Gedanken den Göttern dankte, daß sich alle Bewohner rechtzeitig hatten in Sicherheit bringen können.

„Ehrlich. Mal etwas ganz anderes als deine üblichen Schlangenmonster.“

Kurz dachte er daran, ob er Tex Hex nicht lieber durch einen gezielten Schuß aus seinem Neutrallaser außer Gefecht setzen sollte. Aber wenn der Schuß fehlging oder sich genauso in Asche auflöste wie dieses Trümmerstück vorhin, würde das den Anführer der Carrion Bunch nur noch mehr in Rage versetzen.
Deeskalation erschien ihm erst einmal als das Mittel erster Wahl.

„Wirklich, Tex, diese Energiekugeln oder was auch immer das ist, hat eine enorme Feuerkraft. Ich bin beeindruckt.“

„Versuchst du wieder mich einzuwickeln?“ schnaubte Tex. „Schöne Worte mit doppelter Zunge? Darauf falle ich garantiert nicht mehr herein!“

Die Luft rings um den Desperado begann zu wabern, und die Hitze, die von ihm ausging, war selbst aus fünf Metern Entfernung noch zu spüren.
Unwillkürlich hielt der Marshall den Atem an.
Ihm ging ein ganzer Christbaum auf.
Beschwichtigend hob er die Hände.

„Du bist sauer auf mich. Das verstehe ich. Aber warum muß die ganze Stadt darunter leiden?“

„Weil’s dich ärgert!“

Mit einem hämischen Grinsen schnippte Tex die Energiekugel, die bislang über seinem Zeigefinger getanzt hatte, mitten hinein ins Marshall’s Office.

Hilflos mußte der Marshall mit ansehen, wie sein Arbeitsplatz in Flammen aufging. Aber erst, als eine andere giftgrüne Kugel den Saloon schräg gegenüber in ein Trümmerfeld verwandelte, erwachte er aus seiner Starre.

„Du hast es ja nicht anders gewollt“, knurrend zog er seinen Neutrallaser.

Zielen und Feuern war eine einzige, fließende Bewegung.
Doch kurz bevor der Energiestrahl den aufgebrachten Desperado erreichen konnte, verdampfte er regelrecht in der Hitze, die diesen umgab.

„Du schießt auf mich?“ Für einen Augenblick wirkte Tex Hex zutiefst verletzt, doch dann loderten seine Augen wieder auf vor Wut.
„Nun, dann bin ich jetzt wohl dran!“

Mit einem unheilvollen Zischen flog eine giftgrüne Energiekugel von der Größe eines Fußballs auf den Marshall zu.

***


Sprachlos starrte Shaman auf das Geschehen auf dem großen Bildschirm an Stampedes Höhlenwand.
Man hatte ihn zu Stampede gebracht, die Fesseln gelöst, und nun stand er hier und mußte hilflos mit ansehen, wie sein Ziehsohn der grünen Energiekugel nur knapp ausweichen konnte.
Er sah, wie sich Brave Starr hinter einem geparkten Turbo-Muli in Sicherheit brachte und wie dieses von einer anderen Kugel getroffen wurde und schlichtweg dahinschmolz.

Er war erschüttert.
Die Kraft der Zerstörung gehörte zu jenen Talenten, die Tex Hex bisher niemals angewandt hatte, aber jetzt schien er nicht nur Gefallen daran gefunden zu haben, sondern konzentrierte diese Fähigkeit allein auf seinen Ziehsohn.

Stampedes spöttische Stimme riß ihn aus seiner Schreckstarre.

„Willst du mich nicht für meine Wahl beglückwünschen, alter Freund?“ Stampede lachte grollend. „Ich gebe zu, es hat ein paar Jahre und die richtige Motivation gebraucht, aber letzendlich ist mein Gehilfe endlich zu voller Kraft erwacht.“

„Das ist furchtbar! Ruf ihn zurück! Dort leben unschuldige Menschen!“

Der Semidrachen lachte nur noch lauter.

„Shaman, ich mische mich grundsätzlich nicht in Rosenkriege ein. Ja, all die Jahre hat der liebe, böse Tex Hex diese seiner Kräfte nicht angewandt. Er war zu weich. Und jetzt werde ich ihn ganz gewiß nicht aufhalten.“

Zufrieden wandte er sich dem Geschehen in der Stadt zu.

Auch Shamans Blick wanderte wie unter einem inneren Zwang wieder zum Bildschirm. Er sah, wie Brave Starr versuchte, Tex Hex direkt anzugreifen und von diesem mit einem einzigen Griff nicht nur ausgehebelt, sondern auch meterweit durch die Luft geschleudert wurde.

„Das …“ stammelte Shaman verblüfft,  „das ist nicht nur deine dunkle Magie.“

„Oh, stimmt.“ Stampede fuhr sich über seinen langen Schnurrbart und kicherte leise. „Sollten da vielleicht gewisse Tiergeister in Wut geraten sein? Na sowas.“

Shaman stockte schier der Atem, als er hilflos mitverfolgen mußte, wie Tex Hex zu dem immer noch leicht betäubt am Boden liegenden Marshall ging, um ihm einen heftigen Tritt zwischen die Rippen zu verpassen. Er glaubte Brave Starrs schmerzerfülltes Aufkeuchen bis hierher zu hören, obwohl es keine Tonübertragung gab.
Als Tex Hex seinem Ziehsohn den Kopf an den Haaren brutal in den Nacken riß und ihm mehrmals seine Faust ins Gesicht rammte, wandte er sich erschüttert ab.

„Halt ihn auf!“ verlangte er.

Scheinbar gelangweilt puhlte sich Stampede den Schmutz aus seinen Klauen.

„Das könnte ich machen“, gab er achselzuckend zu und fügte dann mit schiefgelegtem Kopf und halbgeschlossenen, goldenen Augen hinzu:
„Was gibst du mir denn dafür?“

„Das ist Erpressung!“

„Nun, mir ist es egal, wenn Fort Kerium zerstört wird. Und wenn Tex deinen Ziehsohn jetzt umbringt, soll es mir auch recht sein. Wütend genug ist er ja.“
Stampede versenkte sich wieder in der Betrachtung der Liveübertragung.

„Wieso?“ stammelte Shaman leichenblaß, als sein Ziehsohn abermals meterweit durch die Luft geschleudert wurde, um in den Trümmern eines Hauses zu landen.

Ein Teil seines Bewußtseins versuchte verzweifelt, mit den Tiergeistern von Brave Starr Verbindung aufzunehmen, aber alles, was er empfing, war rasende Wut. Allerdings eine Wut, die sich gegen Brave Starr richtete.
Seine Tiergeister hatten sich eindeutig gegen ihn gewandt.

Stampede grinste breit.

„Dein ach so guter Ziehsohn und Beschützer der Schwachen hat meinem Handlanger das Herz gebrochen. Deshalb. Und weißt du – das ist so eine Sache mit gebrochenen Herzen. Man kann jenen, die eins ihr eigen nennen und dann austicken noch nicht einmal einen Vorwurf machen.“

„Wovon redest du?“ verständnislos wandte sich Shaman ihm zu und von dem gewalttätigen Geschehen auf dem Bildschirm ab.

„Die Tiergeister deines herzallerliebsten Ziehsohnes haben Tex Hex zu ihrem Partner erkoren“, erklärte Stampede. „Ihn umgarnt, verführt und ihn schließlich erobert. Nur ist dein Ziehsohn viel zu sehr in seinen eigenen Denkmustern verstrickt, um sich darauf einzulassen. Und jetzt“, vielsagend klopfte er mit einer Klaue auf den Bildschirmrand, „erhält er eben die Quittung.“

„Seine Tiergeister…“

„Ja, sie verlassen ihren gewählten Partner nicht. Hm, bin gespannt, wann deinem Brave Starr auffällt, daß er sie verloren hat.“

„Bei den Göttern …“ zutiefst bestürzt setzte sich Shaman auf einen nahen Felsen und vergrub den Kopf in den Händen.

Wenn das stimmte, was Stampede ihm gerade gesagt hatte, wunderte er sich nicht mehr über das sonderbare Benehmen von Brave Starrs Tiergeistern. Auch wenn es ihm auf ewig ein Rätsel bleiben würde, wieso sie ausgerechnet jemanden wie Tex Hex zu ihrem Partner erwählt hatten, wußte er doch, daß nichts und niemand sie je dazu bewegen könnte, ihre einmal getroffene Entscheidung zu ändern.
Und wenn Brave Starr ihnen weiterhin trotzte, würde er sie über kurz oder lang auf ewig verlieren. Und New Texas damit den einzigen, der es gegen das Böse hier aufnehmen konnte.

Stampede betrachtete dieses zusammengesunkene Häuflein Elend für die Dauer einiger Sekunden, dann beugte er sich langsam zu ihm hinab und blies ihm seinen nach Asche und Feuer stinkenden Atem ins Gesicht.

„Nun, Shaman, kann ich dich jetzt für einen Deal begeistern?“ Er wartete, bis der alte Mann den Kopf gehoben hatte und ihn ahnungsvoll ansah, bevor er weiter ausführte:
„Ich rufe Tex zurück, und du gibst mir dafür dein magisches Feuer.“

Shaman warf einen kurzen Blick zum Bildschirm hinüber, schloß aber beinahe sofort wieder die Augen, zu grausam war das Bild, das sich seinen Augen bot. Sein Herz schmerzte wegen all der Qualen, die seinem Ziehsohn dort gerade zugefügt wurden, und dann dachte er an die anderen, all die unschuldigen Bürger, die dort ihre Heimat verloren, aber dennoch zögerte er in seiner Entscheidung.

„Oh, sieh mal“, Stampedes spöttische Stimme tröpfelte wie Gift in seine Ohren, „da kommen doch tatsächlich Brave Starrs Freunde, um ihm zu helfen.“

Shaman widerstand der Versuchung, schloß die Augen und atmete einmal tief durch.

„Schon gut“, ergeben hob er die Hand, „du kannst das Feuer haben. Aber bitte, ruf deinen Handlanger zurück.“

„Es geht doch nichts über die Liebe der Eltern zu ihrem Kind“, kicherte Stampede selbstzufrieden.

***


Jeder Atemzug jagte eine wahre Schmerzexplosion durch Brave Starrs geschundenen Körper, daneben verblassten alle anderen Schmerzen, selbst die in seinem Gesicht. Instinktiv wußte er, daß er mehr als eine gebrochene Rippe hatte und hoffte nur, daß sich kein Knochensplitter in seine Lungen bohrte. Er versuchte etwas zu sagen, doch alles, was er hervorbrachte, war ein heiseres Röcheln.

Aufstehen! war alles, woran er denken konnte. Aufstehen! Du darfst nicht liegenbleiben, ihm keine Angriffsfläche bieten!

Mühsam stützte er sich auf die Ellbogen, versuchte, sich aufzurappeln, doch er fiel kraftlos zurück. Es gelang ihm gerade noch, sich auf die Seite zu drehen, bevor ihn ein trockener Hustenanfall schüttelte.
Bei den Göttern - die Schmerzen, die dabei durch seine Brust tobten, raubten ihm fast die Sinne.

Speicheltropfen, vermischt mit Blut fielen neben ihm auf die Main Street.

Er wußte nicht, wieso dies geschah, wieso seine Geisterkräfte ihn so schmählich im Stich ließen, wieso sie augenscheinlich seinen Gegner unterstützten, aber er hatte zum ersten Mal, in all den Jahren, seit er mit Tex Hex kämpfte, tatsächlich Angst um sein Leben.

„Tex, bitte…“ seine Stimme war nur noch ein atemloses Raunen.

Seine Sicht war schon sehr undeutlich, doch er fühlte die kraftvollen Schritte, mit denen sich ihm sein Feind näherte. Und als Tex direkt neben ihm stand, spürte er es an der trockenen, luftraubenden Hitze, die diesen umgab.

„Tex, bitte …“

„Ohne deine Kräfte bist du wohl nicht mehr viel wert?” höhnte Tex.

Brave Starr verbiß sich ein gepeinigtes Aufhissen, als die Finger des anderen in seinem Haar landeten und er ihn daran auf die Knie zerrte.

„Du hälst echt nichts aus, du Scheißkerl“, schnaubte Tex und spuckte ihm dann verächtlich ins Gesicht. „Gefällt dir wohl nicht, mal auf der anderen Seite deiner Bärenkräfte zu stehen, was?“

Mühsam zwang Brave Starr seine Augen auf, blickte direkt in diese lodernden, zornigen Augen und verlegte sich aufs Betteln.

„Bitte, Tex, es tut mir leid…“

Tex schnaubte nur. „Mir schon klar, daß es dir jetzt leid tut, Großkotz.“

Plötzlich wanderte sein Blick zu etwas hinter dem Marshall und das hämische Grinsen um seine Mundwinkel vertiefte sich.

„Da kommen deine Freunde. Sie wollen dich wohl retten. Wie süß.”

“Tex … nein!”

Der Gedanke an seine Freunde und in welcher Gefahr sie schwebten, mobilisierte Brave Starrs letzte Kraftreserven. Seine Hände schossen vor, packten den anderen am Waffengurt und krallten sich daran fest.

„Bitte … tu ihnen nichts. Das ist… eine Sache zwischen dir und mir.“

Und als er spürte, wie die Hitze, die der Anführer der Carrion Bunch ausstrahlte, immer größer wurde, fügte er verzweifelt hinzu:

„Tex, bitte! Das bist nicht du! Du bist wütend - auf mich, aber nicht auf sie! Laß sie in Ruhe, bitte!“

Tex zögerte. Ehrlich gesagt, waren ihm Brave Starrs Freunde absolut egal. Aber sie sollten bleiben, wo sie waren und sich nicht einmischen.
Der Marshall gehörte ihm!

Und so vollführte er eine kreiselnde Armbewegung, rote Flammen zuckten aus der Main Street, wuchsen in die Höhe und vereinigten sich zu einer undurchdringlichen Waberlohe, die ihn und den Marshall umschloß.

Brave Starr hockte immer noch zusammengesunken auf seinen Knien, seine Finger hatten sich so unter Tex’ Waffengurt verhakt, daß er sie nicht mehr aus eigener Kraft hervorziehen konnte, und eigentlich war alles, wozu er fähig war, sich aufs Atmen zu konzentrieren.
Es schmerzte höllisch, aber er wußte, wenn er aufhörte zu atmen, wenn er aufgab …
Nur ganz am Rande seines Bewußtseins hörte er das Piepsen eines Headsets, und kurz darauf knurrte Tex leise auf.

„Glaub nicht, daß ich mit dir schon fertig bin, Scheißkerl Marshall Brave Starr“, erklang auf einmal Tex’ dunkle Stimme an seinem Ohr.

Brave Starr wußte nicht, was jetzt schon wieder geschehen war, und eigentlich interessierte es ihn auch nicht, alles, was er wollte, war, sich in diese verlockende Schwärze fallen zu lassen, die langsam nach ihm griff.
Ob er lebte oder starb, war ihm egal, er wollte nur, daß es endlich vorbei war.
Doch dann fühlte er sich wieder am Haar gepackt und wurde wenig später über die Main Street geschleift, quer durch das, was von dem einst so stolzen Fort Kerium übrig geblieben war.

***


Grimmig und wild entschlossen, sich durch nichts und niemanden – nicht einmal durch Stampedes Befehle – in seiner Rache aufhalten zu lassen, zerrte Tex Hex den halbbesinnungslosen Marshall an dessen langem, schwarzen Haar hinter sich her.
Neben ihm materialisierte sich ein Grizzly, auf seiner anderen Seite der Wolf, und ihnen voraus eilten Puma und Falke.
Die fünf Meter hohe Waberlohe hinter ihnen gab ihnen lange genug Deckung, bis sie Skullwalker, der vor den  zerstörten Toren der Stadt auf sie wartete, erreichten.

Alles andere als sanft warf Tex den leise stöhnenden Marshall quer über den Sattel, bevor er sich selber hinaufschwang und Richtung Badlands und Hexagon zurückflog.

***
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