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Außer Kontrolle

von MariLuna
GeschichteDrama / P18 / MaleSlash
Brave Starr Tex Hex
04.02.2010
02.03.2010
21
45.839
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04.02.2010 2.173
 
13. KAPITEL

Tex Hex teleportierte sich sofort ins Hexagon, wo er erst einmal selbst unter die Dusche flüchtete. Er war stinkwütend, aber tief in seinem Inneren einfach nur bitter enttäuscht.
Am meisten war er von sich selbst enttäuscht – er hätte es wissen müssen!
Er hätte sich ganz einfach niemals darauf einlassen dürfen!
Oder wenn, dann niemals mit dem Herzen.
Nicht zum ersten Mal verfluchte er die kleine, aber nicht unbedeutende Tatsache, daß es ihm anscheinend niemals gelang, Sex und Liebe voneinander zu trennen. Und wenn es noch so sehr in seiner Kultur begründet war, dies hier war nun einmal ein anderer Planet, hier galten andere Werte.
Er schämte sich für sich selbst, daß er je soviel von sich preisgeben konnte, sich so angreifbar, so verletzlich gemacht hatte.
Und vor allem schämte er sich, daß er sich hatte so benutzen lassen!
Im wahrsten Sinne des Wortes.

Von einer dumpfen Trauer erfüllt, seifte er sich besonders gründlich ein, während das heiße Wasser auf ihn herabprasselte. Er erinnerte sich daran, wie sich der Marshall als allererstes die Hände an einem Taschentuch abgewischt hatte, um dann sofort unter die Dusche zu springen. Dabei – wenn jemand das Recht hatte unter die Dusche zu flüchten und sich reinzuwaschen, dann ja wohl er!
Schließlich war es noch keine halbe Stunde her gewesen, da hatte ein gewisser Teil des Marshalls noch verdammt tief in ihm gesteckt und verdammt – wenn er die entsprechende medizinische Ausrüstung hier hätte, würde er nicht zögern, auch noch den letzten Rest von diesem Kerl aus sich hinaus zu spülen!
Andererseits … mit einem leisen Platschen fiel die Seife aus seinen zitternden Händen.

Schweratmend stand Tex unter der Dusche und versuchte, den Schmerz zurückzudrängen, der sich plötzlich in seiner Brust ausbreitete, ein unangenehmes, stechendes Ziehen, das ihm die Luft zum Atmen nahm.
Seine Welt verschwamm.
Als sich sein Bewußtsein nach einigen Minuten wieder klärte, spürte er als erstes die verräterische Nässe auf seinen Wangen, die eindeutig nicht vom Duschstrahl stammte.

Als ihm das bewußt wurde, ballte er die Hände zu Fäusten, warf entschlossen den Kopf in den Nacken und knurrte dumpf auf.

„Nein! Diesen Triumph gönne ich dir nicht! Ich werde nicht heulen wie ein Schloßhund oder mich verstecken! Nein, das hättest du wohl gerne, du Scheißkerl!“

Der Schmerz in seinem Inneren wurde plötzlich von einem wesentlich stärkeren, heißen Gefühl verdrängt: dem Wunsch nach Rache.

***


Einigermaßen amüsiert beobachtete Stampede seinen ersten Mann, wie dieser in seiner Höhle hin und her tigerte. Erstens war es ausgesprochen selten, daß Tex Hex ihn freiwillig besuchte, und zweitens, wenn, dann ganz bestimmt nicht, um sich bei ihm abzureagieren.
Aber heute war dem so.

Mit großen Schritten ging Tex Hex auf und ab und machte dabei aus seiner Wut gar keinen Hehl. Doch mehr als ein dumpfes Grunzen oder ein Knurren brachte er noch nicht heraus, und so übte sich Stampede in Geduld.

Plötzlich blieb Tex Hex stehen, starrte dumpf vor sich hin und stieß schließlich atemlos hervor:

„Ich werde diesem Kerl eine Lektion verpassen, die er nie vergessen wird! Ich werde…“

Stampede beobachtete mit Verzücken, wie die Luft um seinen Helfershelfer zu wabern begann, spürte den Anstieg der Magie und wußte, daß es Zeit wurde, jetzt auch mal etwas zu sagen.

„Tex, die Liebe von Tiergeistern ist zwar heftig, aber auch extrem flüchtig. Vor allem, wenn der Rest des Mannes nicht dahintersteht.“

Tex knurrte dumpf auf, während in seinen Augen ein wahres Lodern erwachte, als er dem Semidrachen einen Blick zuwarf, den er sich unter normalen Umständen niemals getraut hätte.

„Du hättest mich warnen können!“

Stampede grinste leicht. „Und mich um dieses Schauspiel betrügen? Wie käme ich dazu?“

„Ja, stimmt. Bei dir weiß man wenigstens, woran man ist. Du würdest nie …“ Tex Hex hielt inne, öffnete seine rechte Faust und betrachtete sekundenlang interessiert, wie ein kleiner Energieball auf seiner Handfläche entstand.
Um seine Mundwinkel spielte ein boshaftes Lächeln.
„Ich rufe jetzt alle zusammen und dann blasen wir zum Angriff auf StarrPeak.“

„Siehst du, so gefällst du mir“, Stampede nickte zufrieden und widerstand nur schwer der Versuchung, ihm den Kopf zu tätscheln. „Du kannst Shaman ruhig etwas verbeulen, aber laß ihn bitte heil.“

„Ich gehe nicht nach StarrPeak. Das schaffen die anderen auch ohne mich. Ich gehe nach Fort Kerium und lenke diesen Scheißkerl ab.“

Er bewegte seine Finger, und der Energieball wechselte seine Farbe von Violett zu giftgrün. Stampede beobachtete das Schauspiel fasziniert. Jahrelang hatte sein auserwählter Gehilfe diese eine ganz gewisse Kraft nicht eingesetzt, und jetzt drängte sie nach draußen, mächtiger noch als je zuvor.

„Der Plan gefällt mir“, grollte er, mehr als zufrieden.

Für einen Augenblick zögerte er, ob er Tex Hex über die Eigenart von schmollenden Tiergeistern in Kenntnis setzen sollte, doch dann ließ er doch davon ab. Er würde es noch früh genug bemerken.

„Räche dich“, forderte er ihn nur auf. „Zeig ihm, daß niemand so mit dir umspringen darf!“

***


„Liebeskummer?“

„Was?“ Marshall Brave Starr schreckte aus seinen Gedanken und warf seinem Deputy einen verwirrten Blick zu.

Grinsend deutete Thirty-Thirty auf die Kaffeetasse vor ihm.
„Du ertränkst deinen armen Kaffee in Zucker. Das ist ein untrügliches Zeichen, daß du von Schuldgefühlen geplagt wirst. Was ist passiert? Hattest du Streit mit deiner neuen Freundin?“

Brave Starr knurrte verärgert.
„Ich habe keine Freundin.“  

Entschlossen kippte er den Kaffee in die Spüle und goß sich eine neue Tasse ein, mit der er sich dann hinter seinen Schreibtisch setzte.

„Nicht mehr, wahrscheinlich“, nickte Thirty-Thirty und polierte hingebungsvoll seine Sarah Jane. „Wer hat wem den Laufpaß gegeben? Ich schätze du, so, wie du dich benimmst. Ach, Brave Starr“, setzte er betont tadelnd hinzu, „du brichst wirklich die Herzen der stolzesten Frauen.“

„Du bist blöd“, meinte der junge Marshall nur und schlürfte lautstark an seinem Kaffee.

„Kein Grund, unhöflich zu werden“, grinste Thirty-Thirty nur.

Brave Starr grunzte nur und tat, als sei er in einen Bericht vertieft. Tatsächlich konnte er ein gewisses Schuldgefühl nicht abstreiten, denn je länger er darüber nachdachte, desto mehr Einzelheiten fielen ihm wieder ein, desto sicherer wurde er sich, daß sich all dies wirklich so und nicht anders zugetragen hatte. Auch, wenn er nicht wußte, was ihn dazu getrieben hatte.
Egal, jetzt fühlte er sich schuldig.
Und schrecklich allein.

Das Geräusch der sich öffnenden Tür zum Zellentrakt schreckte ihn aus seinen Grübeleien. Es war Deputy Fuzz, der ihre „Übernachtungsgäste“ hinaus geleitete. Dingo Dan und Goldtooth gingen an ihm vorbei, ohne ihn eines Blickes zu würdigen, straften ihn mit einer eiskalten Verachtung, die selbst für diese beiden Halunken ausgesprochen ungewöhnlich war.
Aber Marshall Brave Starr konnte es ihnen nicht einmal verübeln.
Selbst Thirty-Thirty und Fuzz fiel dies auf, doch sie hielten sich zurück, bis die beiden das Marshall’s Office verlassen hatten, erst dann wandten sie sich neugierig an ihren Chef.

„Hast du die beiden irgendwie beleidigt?“ fragte Thirty frei heraus.

Das Aufjaulen der Alarmsirenen enthob Brave Starr jeder Antwort.

***


Der Eimer mit dem Wasser fiel direkt neben der Pumpe zu Boden. Unbeachtet versickerte das kostbare Naß im Sand.
Der grauhaarige Mann in der traditionellen Kleidung der Schamanen der New Cheyenne sog tief die Luft in die Lungen und drehte sich einmal um sich selbst.
Doch es gab keinen Zweifel: er war umzingelt.
Die Carrion Bunch und einige gefährliche Dingos. Noch befanden sie sich außerhalb des Bannkreises, aber ihre Absichten waren deutlich.
Eigentlich wartete Shaman darauf, daß sich Tex Hex zeigen würde, aber stattdessen schob sich Sandstorm etwas in den Vordergrund. Er hielt ein etwas sechs Jahre altes Kind gepackt und hielt ihm eine Waffe an den Kopf.

„Komm her, alter Mann“, erklärte der rote Hüne ganz ruhig, „sonst ergeht es diesem Kind hier schlecht.“

Shaman schluckte schwer, zögerte jedoch keine Sekunde. Er legte seinen Stab, den Katalysator seiner Macht, neben sich in den Wüstensand und trat mit erhobenen Händen auf die Verbrecher zu.

„Tut dem Kind nichts“, bat er leise.

„Das liegt an dir“, war die zischelnde Antwort von Vipra, die dem Kind mit einem breiten Grinsen über den schwarzgelockten Schopf strich.

Shaman beeilte sich, den Bannkreis zu verlassen.
Kaum war er draußen, packten ihn Thunderstick und Skuzz und banden ihm die Arme hinter dem Rücken zusammen.
Shamans Blicke hingen dabei unverwandt auf Sandstorm, der immer noch das Kind bedrohte.

„Ihr habt mich, laßt das Kind gehen“, bat er eindringlich.

Sandstorm wartete, bis sich die restlichen Schurken um den Schamanen herum so postiert hatten, daß dieser ganz gewiß nicht mehr entkommen konnte, dann grinste er leicht.

„Los“, raunte er und stieß das Kind nach vorne.

Das kleine Mädchen – jetzt aus der Nähe, konnte Shaman die Gesichtszüge besser erkennen – nickte und rannte hinein in den Bannkreis, wo es sich Shamans Stab schnappte und damit dann direkt auf Vipra zurannte, wo sie ihn ihr freudestrahlend in die Hand drückte.

„Hier, Tante Vipra. Habe ich das gut gemacht?“

„Sehr gut, meine Kleine“, lachend wuschelte die Schlangenkönigin ihr durchs Haar.

Dann beugte sie sich zu ihr hinab und begann mit einem Taschentuch die Schminke abzuwischen, so daß die natürliche, grüne Hautfarbe, die das Kind als eine aus dem Schlangenvolke auswies, zum Vorschein kam.

„Ihr habt mich reingelegt“, stammelte Shaman fassungslos.

„In der Tat!“ Sandstorm lachte grollend, krümmte den Zeigefinger um den Abzug seiner Waffe und in einem großen Bogen spritzte Wasser in den Wüstensand.

Unter dem hämischen Gelächter aller wurde der weise Schamane abgeführt.
Wider seinen Willen war Shaman beeindruckt.
Diese Verbrecher hatten ihn an einem seiner empfindlichsten Punkte getroffen – Kinder – und damit einfach ausgetrickst. Auch wenn er es hoch anständig von ihnen fand, daß sie nicht wirklich ein Kind in Gefahr gebracht hatten, und so prekär die Lage auch war, in der er sich jetzt befand, eine Tatsache beunruhigte ihn.

„Ich sehe Tex Hex nicht bei euch. Wo ist er?“

Skuzz warf ihm einen undeutbaren Blick zu, paffte einmal an seiner Zigarre und zog ein grimmiges Gesicht.

„Er verdrischt deinen Ziehsohn. Und glaub mir, aus der Nummer kommt der Marshall nie wieder raus.“

Erschrocken riß Shaman die Augen auf, er wußte, was es bedeutete, wenn Tex Hex Fort Kerium ganz allein angriff.

„Die Kraft der Zerstörung“, erschüttert schloß er die Augen. „Bei den Göttern -  nein. Brave Starr …“

Sofort versuchte er mental eine Verbindung zu seinem Ziehsohn aufzunehmen, doch es wollte ihm nicht gelingen.
Also rief er dessen Tiergeister an. Und obwohl sein Geist ihnen in der Zwischenwelt begegnete, sie anflehte, Kontakt zu seinem Ziehsohn herzustellen und ihn zu warnen, drehten Falke, Wolf, Bär und Puma ihm nur den Rücken zu.

Verwirrt über dieses abweisende Verhalten, tauchte Shaman aus der Zwischenwelt wieder auf. Sein Körper war mit seinen „Gefangenenwärtern“ schon längst auf halben Weg zum Hexagon, doch das nahm er nur am Rande wahr.
Um sich selbst machte er sich immer am wenigsten Gedanken.
Doch sein Ziehsohn steckte in Gefahr, und er konnte ihn noch nicht einmal warnen.
Und was noch schlimmer war: alle Anzeichen sprachen dafür, daß Brave Starrs Geisterkräfte ihn verlassen hatten.

***


Ein giftgrüner Energieball von der Größe eines Tennisballs traf das Haupttor der Stadt und ließ es mit gewaltigem Krachen explodieren. Eine andere setzte den Kommandoturm mit den Laserkanonen außer Gefecht und zerstörte die gesamte Computerzentrale.
Die Fahne von Fort Kerium verbrannte als nächstes.
Es folgten die ersten Häuser an der Main Street.

Explosionen erschütterten die ganze Stadt, untermalt von dem aufgeregten Jaulen der Alarmsirenen. Die ersten Bürger flüchteten schreiend in die einzige Richtung, die ihnen blieb – weg vom Chaos, tiefer in die Stadt hinein. Die Intelligenten unter ihnen rannten schnurstracks durch das Tor am anderen Stadtende und suchten ihr Heil in der Wüste dahinter. Die weniger Intelligenten sprangen in wilder Panik fast übereinander und flohen kopflos mal hierhin, mal dorthin.
In all dem Tumult hatten die Gesetzeshüter ihre liebe Mühe, um für so etwas wie eine einigermaßen koordinierte Evakuierung zu sorgen, aber irgendwie schafften sie es dann doch, und so schleusten die beiden Deputies mit Hilfe der Richterin, deren Familie und des Saloonbesitzers Handlebar die panikerfüllten Bürger aus der Stadt, während sich der Marshall höchstpersönlich dem Verursacher dieses Chaos’ widmete.

Wirklich überrascht war er nicht, als er die Main Street hinunterging, direkt ins Zentrum dieser Zerstörung und dort auf die altbekannte Gestalt des Anführers der Carrion Bunch traf.
Er spürte die Macht, die von diesem ausging und blieb unwillkürlich stehen. Mit der Verwirrung von jemanden, der gar nicht gewußt hatte, daß der andere dazu fähig war, beobachtete er, wie quasi aus dem Nichts heraus eine grüne Energiekugel entstand, die Tex Hex dann mit einer Lässigkeit, die ihresgleichen suchte, auf eines der Häuser schleuderte, die die Main Street säumten.
Das Haus zerbarst in einer gewaltigen Explosion, Trümmerteile schossen durch die Luft, aber knapp bevor einige von ihnen Tex Hex erreichten konnten, lösten sie sich mit einem leisen Zischen in Asche auf.
Und jetzt, wo er einmal darauf aufmerksam geworden war, bemerkte der Marshall auch, daß dort, wo Tex Hex seine Füße hinsetzte, nichts als verbrannte Erde zurückblieb.

„Tex!“ entschlossen stellte er sich ihm in den Weg. „Hör auf damit!“

Tex stockte in seinem nächsten Wurf und ließ seine Energiekugel stattdessen über seinen gestreckten Zeigefinger kreiseln wie einen Ball.
Dann richtete er seinen lodernden Blick auf den Marshall und grinste herausfordernd.

„Versuch doch, mich aufzuhalten, Scheißkerl!“

***
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