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Außer Kontrolle

von MariLuna
GeschichteDrama / P18 / MaleSlash
Brave Starr Tex Hex
04.02.2010
02.03.2010
21
45.839
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04.02.2010 2.878
 
10. KAPITEL

Noch niemals zuvor hatte die Carrion Bunch ihren Boß so gut gelaunt erlebt. Nicht nur, daß er ständig vor sich hinsummte oder trällerte, sich wesentlich beschwingter bewegte, nein, er war auch richtig freundlich zu ihnen. Nicht auf seine übliche, immer leicht zurückhaltende Art, sondern richtig von Herzen.
Er war wie ausgewechselt.
Und nicht einmal, als Stampede ihn zu sich rief, vermochte das seine Laune zu trüben.

Stampede blieb die Heiterkeit seines Gefolgsmannes natürlich nicht verborgen, doch er lächelte nur wissend in sich hinein.
Nach außen hin allerdings musterte er ihn streng.

„Na, mein lieber Tex Hex, du scheinst ja gut gelaunt zu sein. Aber nur, weil du gestern Erfolg hattest, mußt du dich nicht auf deinen Lorbeeren ausruhen.“

„Ja, Sir.“ Tex Hex nahm unwillkürlich Haltung an und seine Stimmung wirkte nun schon etwas gedämpft.

Stampedes Blick glitt kurz hinüber zum großen Tor, das jedoch gut verschlossen war. Denn trotz allem lag es nicht in seinem Interesse, daß die wie üblich außerhalb lauschende Gang alles mitanhörte.

„Tut dir dein Hintern nicht arg weh?“ raunte er mit einem verschwörerischen Unterton.

Tex erstarrte, doch dann schnaubte er nur.
„Hatten wir nicht abgemacht, daß du dich nur in meinen Kopf einklinkst, wenn es angemessen ist?“

Stampede grinste gönnerhaft.
„Du weißt doch, ich bin gerne informiert, was mein Eigentum betrifft.“

Tex knurrte etwas Unverständliches vor sich hin.

Stampede hätte fast laut aufgelacht. Ja, er wußte immer ganz genau, was Tex Hex so trieb – oder in diesem Falle: mit wem – dafür hatte er gesorgt, als er Tex Hex einen Teil seiner Magie vermachte.
Aber er war ja nicht so, in neunundneunzig Prozent der Fälle ließ er ihm seine Freiheit, er gönnte ihm auch seine kleinen Spielchen, all die Intrigen, den Verrat oder sein Versagen – denn noch viel mehr Spaß machte es ihm, Tex Hex für all eben dieses immer zu bestrafen. Prävention war nicht seine Sache.
Züchtigung schon eher.
Stampede war nun einmal ein Sadist, und er genoß es in vollen Zügen.

„Marshall Brave Starrs Tiergeister haben dich zu ihrem Partner erwählt“, beschloß er schließlich sein Schweigen in dieser Angelegenheit zu brechen. „Warum auch immer, aber wie du bemerkt hast, sind sie sehr zielstrebig. Und von mir aus könnt ihr herumpoppen so viel ihr wollt, so lange du darüber nicht deine Pflichten vernachlässigst.“

Tex Hex hatte ihm aufmerksam zugehört, dachte sich seinen Teil und nickte diensteifrig.

„Natürlich, Stampede. Sir. Wie lauten deine Befehle? Sollen wir StarrPeak angreifen? Oder Fort Kerium? Oder einfach nur mal wieder ganz allgemein Unfrieden stiften?“

Stampede tat, als dächte er angestrengt darüber nach, doch dann grollte er nur dumpf und schüttelte sein riesiges Haupt.

„Nö, heute nicht“, erwiderte er dann grinsend. „Du hast eine anstrengende Nacht hinter dir. Und ich will doch in der nächsten auch noch was geboten bekommen.“

Für einen Augenblick verschlug es Tex Hex glatt die Sprache, doch dann hatte er sich erstaunlich schnell wieder gefaßt.

„Voyeur!“ schimpfte er.

„Du weißt ja gar nicht, wie recht du hast“, grollte der Semidrache und bedeutete ihm mit einem Krallenwink, zu gehen.

Manchmal verstand Tex Hex seinen Herrn und Meister wirklich nicht, aber er ließ sich von diesem giftgrünen Vieh ganz bestimmt nicht die Laune verderben.
Nicht heute.
Und so zuckte er nur mit den Achseln und befolgte den nonverbalen Befehl.

Stampede blickte ihm nach, bis sich das Tor hinter ihm wieder zischend verschlossen hatte, dann kicherte er leise und rollte sich selbstzufrieden in seinem Lavasee zusammen.

***


Tex Hex wußte, daß es ihn mit aller Macht erwischt hatte, aber er konnte nun einmal nichts dagegen unternehmen.
Jetzt nicht mehr.
Manchmal – vor allem nach einem Blick in den Spiegel oder andere spiegelnde Flächen – kam schon der eine oder andere zweifelnde Gedanke hoch.
Aber dann erinnerte er sich wieder an Brave Starrs Worte, dessen Liebesschwüre, dieses Süßholzgeraspel – das ihm zugegebenermaßen gefiel, je öfter er es hörte – und dann aber auch an Brave Starrs Versicherungen, niemals mit den Gefühlen anderer zu spielen.
Und dann war er wieder beruhigt, denn soweit glaubte er den Marshall zu kennen: er gehörte zu den hochanständigsten Menschen, denen er je begegnet war.

***


Ein Sonnenstrahl brach durchs Fenster. Haar schimmerte auf wie frischgefallener Schnee.
Augen, leuchtend rot wie Kerium, schienen heute von innen heraus zu strahlen.
Ein Lächeln, so glücklich, daß es jeden sofort ansteckte.


Marshall Brave Starr gestand sich ein, daß er ein Problem hatte.
Ein nicht unerhebliches sogar.
Beschämt und zugleich von einem stillen Zorn erfüllt, starrte er an sich hinab auf das, was sich ihm da so keck entgegenreckte.
Nicht einmal in Ruhe duschen und sich den Staub und Schweiß des letzten Patrouillenrittes abwaschen konnte man hier.

Für die Dauer einiger Sekunden stand Brave Starr nur regungslos unter dem warmen Wasserstrahl und versuchte sich auf etwas zu konzentrieren, das das Glühen in seinen Lenden löschte.
Doch letztendlich gab er es seufzend auf und legte doch Hand an sich.
Bei allen Göttern – was war nur heute mit ihm los?

In unregelmäßigen Abständen, aber dafür umso häufiger, sandten ihm seine Falkenaugen ein Bild von Tex Hex, wie dieser ganz alltägliche, grenzenlos uninteressante Tätigkeiten verübte.
Tex Hex beim Händewaschen.
Tex Hex beim Zubereiten eines Salates.
Tex Hex, der mal kurz in Stampedes Höhle verschwand und dann – zu seiner Erleichterung, zugegeben – unbeschädigt wieder herauskam.
Tex Hex, der einen Streit zwischen Vipra und Cactushead schlichtete,
Tex Hex, der – eben jetzt - ein Turbo-Muli reparierte.
Und jedes Mal – aber wirklich jedes verdammte Mal – reagierte sein Körper auf höchst peinliche Art und Weise.
Er hatte sich fast gar nicht mehr hinter seinem Schreibtisch hervorgetraut aus Angst, seine Deputys könnten es ihm ansehen. Bis er auf die schlichte, aber geniale Idee kam, sein Hemd einfach über der Hose zu tragen.
Thirty-Thirty und Fuzz warfen ihm deswegen zwar ziemlich verdutzte Blicke zu, aber er mußte eine sehr grimmige Miene gezogen haben, denn sie sahen von neugierigen Nachfragen ab.

Der Patrouillenritt war teilweise auch sehr … unangenehm gewesen.
Ruhig im dienstlichen Sinne, aber sein Körper hatte ihm auch im Sattel – ausgerechnet auf Thirty-Thirtys Rücken! – einige schmerzhafte Streiche gespielt.
Man sollte definitiv nicht galoppieren, wenn man seine unteren Regionen nicht mehr unter Kontrolle hatte!

Und jetzt stand er hier unter der Dusche neben dem Zellentrakt und preßte die Kiefer zusammen, damit ihm ja nur kein verräterischer Laut entschlüpfte und versuchte, sich Erleichterung der besonderen Art zu verschaffen.
Samtig warme Haut, fein ziselierte Muskeln, weiches, seidiges Haar. Völlig ungebeten tauchten diese Bilder vor seinem inneren Auge auf. Erinnerungen eines Traumes.
Ein geschmeidiger Körper, der unter seinen Fingern erzitterte und erbebte, ein Seufzen, sehnsüchtig und dunkel. Halbgeschlossene, lustverhangene Augen, rot wie Kerium.
Und plötzlich schmeckte Brave Starr wieder dieses salzige, leicht nussige Aroma, und in seiner Nase hing ein würzig-holziger Geruch.
Es folgte das Gefühl eingekerkert zu sein in einer heißen, verführerischen Enge, und Brave Starrs Bemühungen wurden endlich von Erfolg gekrönt.

Schweratmend stützte er sich mit den Händen an der gefliesten Duschwand ab, versuchte, sein heftig hämmerndes Herz wieder unter Kontrolle zu bekommen und fragte sich verärgert, was eigentlich mit ihm los war, daß ihm scheinbar nur noch der Anführer der Carrion Bunch, sein Feind, im Kopf herumspukte.
Und warum reagierte sein Körper immer so … heftig in Zusammenhang mit diesem glutäugigen Schurken?
Er stand doch nicht etwa auf diesen Kerl?
Nein, das war absurd.
Zum ersten hatte Tex Hex eindeutig das falsche Geschlecht und außerdem – er stand auf der falschen Seite des Gesetzes.
Obwohl er zugeben mußte – die Verbindung der Farben lila, weiß und keriumrot mit diesem Körperbau …

„Oh nein, bitte nicht“, aufstöhnend schüttelte der Marshall den Kopf, drängte erfolgreich eine erneute Welle der Lust zurück, drehte das Wasser auf „kalt“ und reckte sein Gesicht dem prasselnden Strahl entgegen. So blieb er stehen, bis ihm die Zähne klapperten.

„Das muß aufhören!“

Als er fünf Minuten später sauber und mit einer neuen Uniform bekleidet zurück ins Büro kam, begann er damit, alle Steckbriefe, auf denen Tex Hex’ Konterfei prangte, von den Pinnwänden zu reißen, und erst, als er sich auch an Thirty-Thirtys Dartscheibe vergriff, auf der ein Foto von Tex Hex als Zielscheibe diente, erwachten seine verblüfften Deputys aus ihrer Starre.

„Hey!“ protestierte Thirty-Thirty. „Was soll denn das?“

„Du kannst dir bald ein neues Bild schießen“, beruhigte ihn der Marshall.

Thirtys Augen blitzen auf.
„Hast du einen Plan, wie wir ihn bald einbuchten können? Und vor allem: wie er diesmal nicht wieder ausbüxen kann?“

„Ja“, log Brave Starr ohne mit der Wimper zu zucken, warf die Steckbriefe in den Mülleimer und setzte sich wieder an seinen Schreibtisch.

Aber wirklich besser fühlte er sich nicht.

***


Tex Hex betrat das Bad und bemerkte den Falken sofort, schließlich war es heute nicht das erste Mal, daß ihm der Raubvogel auf seine ihm ureigene Art „auflauerte“. Meist hockte er – so wie jetzt – auf dem Fenstersims und beobachtete ihn von dort aus seinen flinken, klugen Augen. Und auch diesmal ging Tex zum Fenster und öffnete es, damit das Tier bei Bedarf hereinkommen konnte.
Er war sich zwar sicher, daß der Geistervogel sich überall materialisieren konnte wo er wollte und Fenster, Wände und Türen daher kein ernstzunehmendes Hindernis für ihn darstellten, aber indem er ihn quasi hereinbat, wollte er ihm zeigen, daß er willkommen war.
Und anders als sonst war er in diesem Raum auch alleine, hier wuselte nicht immer irgendeiner aus seiner Gang herum und könnte ihn für restlos durchgeknallt halten, weil er plötzlich mit der leeren Luft vor sich redete.
Und – er konnte ihn endlich ungestört streicheln.

„Na, mein Kleiner?“ Tex wartete, bis der Falke auf das innere Fensterbrett geklettert war und kraulte ihn dann sanft im Nacken. „Sag mal, vermißt er mich? Fehle ich ihm genauso, wie er mir?“

Der Falke fiepte leise und schmiegte sich seiner Hand entgegen.

„Ehrlich gesagt“, verschwörerisch beugte sich Tex zu ihm hinunter, „es ist ja sehr schmeichelhaft, daß du mich nicht mehr aus den Augen läßt, aber ich gehe jetzt duschen. Und davor …“ ein wenig verlegen wedelte er mit der Hand Richtung Toilette, „könntest du dich bitte umdrehen, so für zwei Minuten oder so? Und nicht schmulen.“

Der Falke legte kurz den Kopf schief, plusterte sich dann das Gefieder, schüttelte sich und drehte sich mit einem funkelnden Blick tatsächlich um.

„Vielen Dank.“ Erleichtert seufzte Tex Hex auf.

Denn es gab da wirklich die eine oder andere Sache, bei der er nicht gerne beobachtet wurde.


Seifiges Wasser, das in dünnen Rinnsälen über lilafarbene Haut tropfte, dem Verlauf der Muskeln folgend.
Sehnige Arme, die sich in die Höhe reckten, Finger, die Shampoo auf weißem, nassen Haar verteilten und dort einrieben.
Und ganz allgemein ein verführerisch geschmeidiger Körper mit Muskeln an genau den richtigen Stellen und keinem Gramm Fett zuviel …


Marshall Brave Starr knurrte dumpf auf, knallte die Akte, die er gerade überarbeitet hatte, lautstark auf den Schreibtisch und sprang dann so heftig auf, daß sein Drehstuhl an die Wand hinter ihm knallte.

„Mittagspause!“ knurrte er seinen verwirrten Deputys zu und stürmte aus dem Büro.

Thirty-Thirty hielt kurz damit inne, seine geliebte Waffe zu polieren und starrte ihm hinterher, während seine linke Augenbraue interessiert in die Höhe kroch.

Hatte er sich verhört, oder hatte sein Chef und Freund eben tatsächlich geschnurrt wie eine übergroße Miezekatze?

***


Genüßlich stand Tex Hex unter dem heißen Wasserstrahl, froh, sich den Schweiß, Staub und Schmutz endlich abwaschen zu können. Schließlich hatte er die letzte Stunde damit verbracht, Vipras Turbo-Muli wieder in Schuß zu bringen. Eine Aufgabe, die er normalerweise an Thunderstick oder Cactushead weiterdelegierte, aber heute war er froh um jede Ablenkung. Sonst dachte er ununterbrochen an seinen Marshall, daran, wie sehr er ihn vermißte oder schwelgte in Erinnerungen der letzten Nacht.
Beides tat seinem Image nicht gerade gut.
Aber jetzt – um seine Mundwinkel zuckte ein kleines Lächeln – waren sie ja unter sich, er und der Falke, der es sich inzwischen auf der Kante der Duschkabine bequem gemacht hatte und ihn von dort interessiert beäugte.

„Kleiner Spanner“, grinste Tex und bemühte sich um ausgesprochen laszive Bewegungen.
Sollte sein Marshall doch ruhig sehen, was ihm hier entging.

Irgendwann gingen diese lasziven Bewegungen in Berührungen über, schließlich in einem Streicheln, und als Tex Hex aufging, was er hier veranstaltete, war er wirklich froh darüber, daß er das Badezimmer abgeschlossen hatte.
Aufhören konnte er trotzdem nicht, denn sein Kopfkino lief schon auf vollen Touren, zeigte ihm das Gesichts eines Marshalls, dessen große, eindrucksvolle Gestalt, all die Muskeln, diese dunkle Haut … aufstöhnend warf Tex den Kopf in den Nacken.
Gefangen in seinen Fantasien und Erinnerungen, verlor er den Falken aus den Augen, der seinen Platz von oberhalb der Duschkabine plötzlich verließ und zur Tür hinüberflatterte, wo er unter Zuhilfenahme seiner Krallen und des Schnabels das Schloß entriegelte.

„Hm, Brave Starr“, hörte sich Tex leise selber seufzen und ein Teil von ihm – der Vernünftigere – konnte nicht wirklich glauben, was er sich hier gerade anschickte zu tun.
Mitten am Tage!
Nachts, heimlich, verstohlen in der Dunkelheit, so handhabte er Probleme dieser Art normalerweise, schon weil er hier nicht alleine wohnte.
Und nur, wenn es sich gar nicht mehr vermeiden ließ, denn das Wissen, daß ihm da ein riesenhafter, gefährlicher Semidrachen im Nacken saß, der – wenn er wollte – problemlos in seinen Kopf kriechen konnte und alles sah, was er sah, war auch nicht gerade sehr erregend.
Und an diesem Punkt seiner Überlegungen angekommen, zog er seine Hand mit dem Gefühl leisen Bedauerns zurück.

„Laß mich mal“, raunte plötzlich eine kehlige Stimme in sein Ohr.

Tex wäre vor Schreck fast in die Luft gesprungen, doch da schlangen sich schon von hinten zwei starke Arme um ihn, hielten ihn fest, drückten ihn an einen großen, nackten Körper hinter sich.

„Hast du mich vermißt?“ flüsterte Brave Starr leise, während sich seine rechte Hand zielstrebig um Tex’ edelstes Körperteil legte.

Tex’ heftig pochendes Herz beruhigte sich wieder und schon bald lehnte er sich an den Marshall hinter sich und genoß dessen kräftige Finger, die ganz genau wußten, was sie taten.

„Wie hast du unseren Alarm überlistet? Wie bist du an meinen Leuten vorbei?“ fragte er und keuchte kurz darauf leise auf.
Oh ja, der Marshall hatte wirklich sehr geschickte Finger!
Und prompt kroch die Sorge um seine eventuell ausgeknockten und verletzten Leute in den Hintergrund. Und sie verschwand ganz bei Brave Starrs folgender Antwort.

„Pumageschwindigkeit“, erklärte der Marshall lapidar, strich eine nasse, weiße Haarsträhne mit der Nase beiseite und küßte sich über einen lilafarbenen Nacken.

„Wie immer“, fügte er dann noch beinahe unhörbar hinzu.

Tex erschauerte.

„Dachte mir, ich verbringe meine Mittagspause mal mit etwas Gescheitem“, murmelte Brave Starr und knabberte sich über eine Ohrmuschel.

„Mittag?“ wiederholte Tex mit einer Stimme, der anzuhören war, daß sich sein Verstand langsam verabschiedete. „Ist doch schon zwei Uhr nachmittags.“

„Bin eben spät dran“, kam es verführerisch zurückgehaucht. „Aber noch nicht zu spät, oder?“

Einen vielsagenden Hüftschwung später, gefolgt von einem heiseren Knurren und lauten Aufkeuchen auf beiden Seiten, gab es für beide kein Halten mehr.

***


„Wo warst du?“ kaum hatte er das Büro betreten, stürzte sich auch schon J.B. McBride auf ihn.

Marshall Brave Starr blinzelte irritiert und wich automatisch einen Schritt zurück.
Um ehrlich zu sein, konnte er sich nur sehr verschwommen erinnern, eher gesagt, war sein Kopf voll von Erinnerungen, die so unmöglich geschehen sein konnten.

Auch wenn ein kleiner Teil von ihm zugeben mußte, daß es sich unwahrscheinlich – und seine Götter mochten ihm diesen Ausdruck verzeihen – geil angefühlt hatte, Tex Hex unter der Dusche im Hexagon um den Verstand zu nageln.
Auch, wenn es nur ein Tagtraum gewesen war.

Aber er konnte ja schlecht zugeben, daß er inzwischen dazu neigte, seltsamen Träumen nachzuhängen, schon gar nicht, welcher Art diese Träume immer waren.
Schließlich verstand er es ja selber nicht.

Er wußte nur, daß das alles viel zu peinlich war, um jemals laut ausgesprochen zu werden.

„Verdammt, Marshall!“ schnaubend piekste J.B. ihm einen wohlmanikürten Fingernagel in die Brust, direkt über seinem Stern. „Du hattest um drei eine Vorladung zur Zeugenaussage! Wegen dir mußte ich die Verhandlung vertagen! Du weißt, wie ich so etwas hasse! Wieso sagst du nicht ab wie jeder andere vernünftige Mensch auch?“

„Sorry“, war alles, was er herausbrachte.

Sie schnaubte abermals und ihre Augen versprühten kobaltblaue Funken.

„Sorry? Ist das alles, was du dazu zu sagen hast? Verdammt, Brave Starr, wir alle hier haben ja nichts dagegen, wenn du dir endlich eine neue Freundin geangelt hast, aber du hast auch noch einen Job zu erledigen! Sorg wenigstens dafür, daß der nicht darunter leidet. Benimm dich nicht wie ein liebeskranker Teenager!“

Im ersten Moment wollte er widersprechen – er hatte doch gar keine Freundin – doch dann überlegte er es sich anders.
Nein, besser, seine Freunde blieben in diesem Irrglauben, sonst müßte er noch mit der Wahrheit herausrücken.
Und die war einfach viel zu verrückt.
Und einfach nur oberpeinlich.
Denn mal ernsthaft: Tex Hex?
Der Typ hatte ein Gesicht zum Davonlaufen.
Von seinem Charakter mal ganz zu schweigen.

„Okay, versprochen“, gab er sich daher mit einem kleinlauten und – wie er hoffte - zerknirscht wirkenden Lächeln geschlagen.

Und er war wirklich erleichtert, als dann niemand mehr auf diesem Thema herumritt.

Den Rest seines Arbeitstages verbrachte er vor seinem Computer und versuchte, seine merkwürdigen, schmutzigen Fantasien bezüglich Tex Hex zu vergessen.
Wenn es am nächsten Tag noch nicht besser wurde, sollte er vielleicht doch mal den Arzt oder Shaman aufsuchen. Er mußte ihnen ja nicht alles erzählen. Die peinlichen Details konnte er ja aussparen.
Aber zuerst wollte er doch mal sehen, ob eine Schlaftablette nicht dieselbe Wirkung hatte.

***
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