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Außer Kontrolle

von MariLuna
GeschichteDrama / P18 / MaleSlash
Brave Starr Tex Hex
04.02.2010
02.03.2010
21
45.839
1
Alle Kapitel
148 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
 
04.02.2010 1.581
 
Disclaimer: Copyright liegt bei L. Scheimer und Filmation, ich verdien nix damit

Diese Geschichte verdankt ihr Dasein einem Plotbunny von Khamonai, ich hoffe, dir gefällt, was ich daraus gemacht habe!
Die Idee lautete übrigens folgendermaßen: was mag wohl passieren, wenn sich Brave Starrs Geisterkräfte ausgerechnet Tex Hex als Partner aussuchen - natürlich, ohne den armen Marshall zu fragen, ob ihm denn dies genehm wäre.
so, viel Spaß jetzt :-)
______________________________________________


1. KAPITEL


„Augen des Falken.“
Marshall Brave Starr schloß die Augen und konzentrierte sich auf das, was nun vor seinem inneren Auge ablief.

Sein Blickwinkel veränderte sich, ging über in die Vogelperspektive, für einen kurzen Moment sah er sich und seinen Deputy Thirty-Thirty neben sich, zwischen den Melonenfelder von den Niceleys. Dann richtete sich sein Fokus nach Norden, hinter die Felsen, und dann erhaschte er einen Blick auf einen Blondschopf, nicht viel älter als fünf Jahre, der zusammengerollt im Schatten schlummerte.

„Euer Ausreißer ist dort“, er deutete in die entsprechende Richtung.

Er hörte Mrs. Niceley erleichtert aufatmen und wollte gerade die Augen wieder öffnen, als es passierte.
Seine Falkenkräfte entführten ihn mit einer Geschwindigkeit, die der des Pumas fast Konkurrenz machte und während er noch versuchte, dem plötzlichen Schwindelgefühl nicht zu erliegen, fokussierte sich sein inneres Auge auf einen gleißenden Punkt. Der Falke in ihm stürzte sich regelrecht darauf.
Das Glitzern wurde zu einer schimmernden Wasseroberfläche, er erkannte die Umrisse des Crystal Lakes und dann …


Grünes Gras.
Ein einsamer Joshua Tree.
Eine schlanke Gestalt in Jeans und T-Shirt, die sich an den Stamm lehnte.
Entspannte Haltung, beinahe lässig.
Die langen Beine ausgestreckt, die schwarze Jeans fast bis zu den Knien hochgerollt.
Kräftige Waden, schlanke Fesseln und erstaunlich wohlgeformte Füße.
Ein schwarzer Hut bedeckte das Gesicht, weißes Haar und ein langer Schnauzer in derselben Farbe lugten darunter hervor.
Die Hände hielten eine Angel, deren Schwimmer sachte auf der Wasseroberfläche dahintrieb.


Schon wieder.
Unwillig schüttelte Marshall Brave Starr den Kopf.
Das wollte er gar nicht sehen.
Das war jetzt schon das zweite Mal innerhalb von sechsunddreißig Stunden, daß ihm seine Falkenaugen einen Streich spielten. Wirklich, er konnte auf den Anblick eines angelnden Tex Hex genauso verzichten wie auf den eines Tex Hex, der Büchsenschießen vor dem Hexogon veranstaltete. Auch, wenn die Trefferquote beachtlich war.


Das Aufblitzen von zartlila. Oder der Farbe von Lavendelblüten. Egal wie man es nannte, es war eine außergewöhnliche Hautfarbe.
Hände mit krallenartigen Fingernägeln rutschten langsam neben den Körper ins Gras. Die Angel, ihres Haltes beraubt, fiel sofort daneben.
Ein kurzes Zucken, ein leises Aufseufzen …


Wieso konnte er das jetzt hören?
Himmel, hatte sich jetzt auch sein Wolfsgehör selbstständig gemacht?


… dunkel, heiser, irgendwie klang es sehr friedlich, dann tastete die rechte Hand nach der Angel, fand sie, hielt sie fest, während sich der Mann etwas aufrichtete, sich mit der anderen den Hut aus dem Gesicht schob und träge über das Wasser blinzelte.
Und plötzlich schien es, als würden ihn diese keriumroten Augen direkt ansehen.


Abrupt brach die Verbindung ab und Brave Starr atmete erleichtert auf.

„Alles in Ordnung?“ besorgt runzelte Thirty-Thirty die Stirn und musterte ihn durchdringend.

Der Marshall nickte und strich sich über die schweißnasse Stirn.

„Ja, ich glaube, mir fehlt nur allmählich etwas Schlaf.“ Er zögerte, doch dann fügte er erklärend hinzu – schließlich hatte er keine Geheimnisse vor seinem Deputy und Freund:
„Ich hab nur schon wieder Tex Hex gesehen.“

„Und? Müssen wir uns Sorgen machen? Was plant der Halunke jetzt schon wieder?“

„Gar nichts. Er angelt am Crystal Lake.“

„Hm…“ machte Thirty nachdenklich. „Vielleicht eine Vorahnung. Oder du sprichst mal mit Shaman darüber.“

„Vielleicht“, war die gedehnte Antwort.

Ehrlich gesagt, hatte Brave Starr nicht die Absicht, seinen weisen Ziehvater deswegen zu behelligen, schon, weil er den alten Mann nicht unnötig aufregen wollte. Vielleicht war er wirklich einfach nur übermüdet. Und fürchtete unbewußt einen Angriff durch die Carrion Bunch. Immerhin waren Tex Hex und seine Gesellen zur Zeit erstaunlich ruhig.

„Komm“, vielsagend zog er seinen Deputy mit sich, „schauen wir mal, ob die besorgten Eltern ihren Ausreißer gefunden haben.“

***


Haar, das wie frischgefallener Schnee schimmerte.
Eine Gestalt, die auf einem Fenstersims saß.
Diesmal in grauer Jogginghose und schwarzen T-Shirt.
In der Hand hielt er eine Flasche Starblazer, während der Blick der roten Augen abwesend über die Ebene der Badlands auf der anderen Seite des Fensters schweifte. Das T-Shirt hatte einen ziemlich großen Halsausschnitt, zeigte viel lavendelfarbene Haut, auf der vereinzelte Schweißperlen glitzerten.
Linkes und rechtes Schlüsselbein, sehr elegant geschwungen, warfen interessante Schatten.


Nicht schon wieder!
Das war doch … wütend kniff Marshall Brave Starr die Augen zusammen, und das Bild zerfaserte. Dann seufzte er einmal tief auf, öffnete sie wieder und starrte sein Spiegelbild beinahe anklagend an.

„Du bist total übermüdet“, beruhigte er sich selbst, nickte entschlossen und fuhr damit fort, sich die Zähne zu putzen.

Alles, was er benötigte, war etwas Schlaf, dann würde sein Falkenblick endlich aufhören, ihm ständig den Anführer der Carrion Bunch zu zeigen. Entschlossen stellte er seine Zahnbürste in den dazugehörigen Becher, fuhr sich noch einmal mit den Fingern durch sein langes, rabenschwarzes Haar und verließ sein Bad.
Gähnend tapste er hinüber zu seinem Bett, kuschelte sich in die Decke und schloß mit dem festen Willen die Augen, keinen weiteren Gedanken mehr an Tex Hex zu verschwenden.


Die Augen waren inzwischen zugefallen, rechte Wange und Schläfe lehnten am Glas.
„Boß?“ eine leise, kratzige Stimme.

Zwei Lider hoben sich einen spaltbreit und keriumrote Augen glühten unheilvoll auf.

„Hm?“

„Kann ich den halben Fisch haben?“ Aus den dunklen Schatten des Raumes löste sich eine kleine, kugelige Gestalt und gelbe, große Augen nahmen einen wahren Hundewelpenblick an.

„Ja, sicher Skuzzie, wohl bekomm’s“, begleitet von einem Gähnen.

Und während sein Stellvertreter mit einem begeisterten „au fein, Danke“ wieder davonwuselte, reckte und streckte sich der Anführer der Carrion Bunch auf höchst katzenhafte Art und Weise, bevor er geschmeidig vom Fenstersims glitt und – diesmal jedoch weniger elegant, dafür umso müder – den Raum verließ.


Nein!
Brave Starr riß die Augen auf, starrte fluchend in das Dämmerlicht seines Schlafzimmers und überlegte ernsthaft, ob eine Schlaftablette seine Probleme vielleicht wirkungsvoller lösen würde. Denn wenn das so weiterging, fand er wieder keinen Schlaf.
Nun ja, einmal wollte er es noch versuchen.
Also rutschte er ein wenig hin und her, bis er eine einigermaßen bequeme Rückenlage gefunden hatte, verschränkte die Arme vor der Brust und konzentrierte sich auf seine Atmung.
Er spürte, wie er langsam davondriftete …


Wasserrauschen.
Schulterlanges, weißes Haar, naß und schwer.
Den Kopf in den Nacken gelegt, das Gesicht dem Wasserstrahl entgegengereckt, umhüllt von Dampfschwaden, so stand der Anführer der Carrion Bunch unter der Dusche. Als er die Arme hob, um sich die Haare zu waschen, folgte das Wasser der Spur seiner geschmeidigen Muskeln, sammelte sich auf seinem flachen Bauch im Nabel, tropfte von dort hinunter …

In diesem Moment riß Tex Hex die Augen auf, erschauerte sichtlich und drehte sich um, nahm instinktiv Abwehrhaltung ein. Seine Pupillen huschten unruhig hin und her, auf der Suche nach dem Eindringling, während seine Hand nach dem Wasserhahn tastete und das Wasser niedriger drehte.
Sekundenlang lauschte er mit schräggelegtem Kopf.
Doch dann stieß er die angehaltene Luft mit einem Zischen wieder aus und entspannte sich.
Kopfschüttelnd drehte er das Wasser wieder auf.
„Du bist echt paranoid, alter Junge“, tadelte er sich selbst.


Sterne blitzten in seinem sich verdunkelnden Sichtfeld.
Stöhnend fuhr sich Marshall Brave Starr mit der Hand an die schmerzende Stirn.
Für die Dauer einiger Sekunden stand er einfach nur da und versuchte erstens, den Anblick eines nackten Desperados zu vergessen und fragte sich zweitens, wieso er mitten in seinem Flur stand, mit dem Gesicht an der Kante seines Garderobenschrankes.
Okay, Punkt zwei war recht einfach zu klären, schließlich war es nicht das erste Mal, daß er in Hektik gegen dieses Monster von Schrank knallte.
Nur – hatte er eben nicht noch in seinem Bett gelegen?
Irritiert blickte er an sich hinab und stellte erstaunt fest, daß er wieder vollständig angezogen war.
Machten sich jetzt auch noch seine Pumakräfte selbständig?
Und wohin wollte er eigentlich in dem Aufzug?
Seine beste Jeans, das hautenge T-Shirt und die Lederjacke – lässig, schlicht, seine übliche Bekleidung, wenn er zu einem Date verabredet war.


Lavendelfarbene, nasse Haut.
Ein rotes Handtuch um die Hüften geschlungen.
Schneeweißes, tropfnasses Haar, das mit einem anderen Handtuch trocken gerubbelt wurde.


„Oh, jetzt reicht’s aber!“ platzte es aus Brave Starr heraus.

Wütend über sich selbst, drehte er sich auf dem Absatz herum und stiefelte ins Bad, wo er aus dem Medizinschrank eine Packung Schlaftabletten hervorkramte.  Immer noch aufgebracht und mit dröhnendem Schädel, schluckte er eine davon hinunter, zog sich wieder bis auf die Shorts aus und kroch zurück in sein Bett.

„Und jetzt ist endgültig Schluß mit dem Blödsinn“, beschwor er sich selber.

Er rollte sich zu einer Kugel zusammen und spürte, wie der lang ersehnte Schlaf endlich nach ihm griff.


Eine sehnige Hand fuhr nervös über einen Nacken, massierte kurz den Haaransatz, gefolgt von einem unwillkürlichen, sichernden Blick über die Schulter.
Ein Kopfschütteln, ein Griff zum Lichtschalter und kurz darauf kuschelte sich der Anführer der Carrion Bunch in seine Bettdecke.
Die nächsten fünf Minuten wälzte er sich unruhig von einer Seite auf die andere, bis er sich seufzend aufsetzte und nach der Fernbedienung auf dem Nachtschränkchen langte. Bald darauf erhellte das flackernde Licht des Flatscreens den dunklen Raum und die Geräusche eines Actionsfilms störten die nächtliche Stille.


Brave Starrs letzter Gedanke, bevor er endgültig einschlummerte, ging in die schon mehr als merkwürdige Richtung, wie faszinierend doch das Spiel von Licht und Schatten war, das über das Antlitz seines Erzfeindes geisterte.

***
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