Keyla Spin-Off Nr.5 "Karetz"

von Dimanche
GeschichteSci-Fi / P12
23.01.2010
23.01.2010
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Karetz tätschelte sein Protestekat, dann reichte er seinem Flugdrachen eine große Fleischkeule.
Das Tier schnappte danach und verschlang diese mit einem Haps. Anschließend trank es sofort einen großen Kübel Wasser nach.
Karetz wartete noch bis sein Tier wiederkauend zu Ende schluckte. Geduld war eben wichtig bei einem Protestekat und gerade bei diesem Tier hier. Wer wollte schon mitten im Flug von seinem übel gelaunten plötzlich aufbockendem Tier abgeworfen werden, nur weil man es nicht zu Ende fressen ließ?

Gesättigt schnaufte Karetz Protestekat zufrieden auf. Karetz schwang sich in den Sattel und nahm die Zügel in die Hand. Alleine das reichte schon aus um den Flugdrachen zu signalisieren, dass er sich in Bewegung setzen soll. Im Laufen schlug das große Tier mit seinen Flügeln und hob ab, in den dunklen Himmel hinauf.

Der Nachtwind wehte durch Karetz Haar.
Er genoss die kühle Reibung der Luft auf seinem Gesicht, den Anblick des freien Himmels über ihn.
Nächtliche Patrouillen und besonders Flüge wie diese hier mochte er schon immer gern, denn eine wirkliche Bedrohung gab es seiner Meinung nicht.  Er wusste, dass er als Krieger eigentlich anders darüber denken sollte, aber die jahrelangen Einsätze hatten ihn zermürbt.  
Aber nicht nur ihn.

Er war nicht der Einzige, der Nachts schweißgebadet mit einem Schrei aus seinem Traum hochschoss.  Die nicht enden wollenden Einsätze, hatten unbewusste tiefe seelische Wunden in die Seelen der Krieger gerissen. Niemand verlor darüber ein Wort, auch nicht Karetz,  denn das galt nicht gerade als mannhaft und Disziplin war eben hochgeschätzt.
Manchmal bekam man für besondere Verdienste Heimaturlaub.

Als Karetz  zurück zur Heimat durfte, hatte er  seine Frau Lyra seit über fünf Jahren nicht mehr in die Arme nehmen können.
Sie hatten einen gemeinsamen Sohn, einen Sohn, den er zuvor noch nie gesehen hatte.
Er hatte Talem mit Lyra in einer besonders leidenschaftlichen Nacht kurz vor seinem Einzug in die Armee gezeugt.

In Karetz war Beklommenheit aufgekommen, als er wieder heimatlichen Boden betreten hatte.
Er hatte sich an die ersten beiden Jahre in der Armee zurückerinnert. Diese waren ihn ohne Lyra wie eine Ewigkeit vorgekommen.

Doch irgendwann begann er zu vergessen wie seine Frau roch, dann hatte er sich nicht mehr an den Klang ihrer Stimme erinnern können und zu guter Letzt hatte er nicht mehr gewusst welche genaue Farbe ihre Augen hatten.

Als sich Karetz seinem Hof genähert hatte, war er sich wie ein Eindringling vorgekommen, der eine ihm völlig fremd gewordene Welt betrat. Unbemerkt hatte er für eine Weile Lyra mit dem Kind bei der Arbeit zugesehen.
Plötzlich wurde er sich einer unangenehmen Leere bewusst, die ihn erstarrt dastehen ließ.
Es war Lyra gewesen, die ihn bemerkt hatte und ihn dann mit Freudentränen um den Hals fiel.
Doch wo war bei ihm dieses unglaubliche Glücksgefühl geblieben, wenn er in ihre Augen sah, ihr durch das Haar ging, ihre Haut schmeckte?
Es hatte sich anders angefühlt.
Alles hatte sich anders angefühlt.
Und da hatte er gewusst: Etwas in ihn war gestorben.

Der Krieg, der beim Töten keinen Unterschied machte zwischen einen Mann, einen Greis und einer Frau mit ihrem gerade Frischgeborenen, hatte etwas in ihn getötet.  
Auch Lyra hatte es gespürt, als er in ihren Armen lag. Sie hatte nichts gesagt, ihn nichts gefragt. Stillschweigend hatten sie es hingenommen. Er war nicht mehr der, der er einmal gewesen war.  

Jeder der Krieger, der von seinem Heimaturlaub zurückgekehrt war, hatte es ähnlich empfunden, aber keiner sprach darüber.
Man lenkte ab, versteckte sich hinter vulgären Witzen und bösartigen herablassenden Bemerkungen über den Feind, von dem man längst nicht mehr wusste, wer er eigentlich genau war.

Eine wirklich gefährliche militärische Bedrohung gab es längst nicht mehr. Nun galt es eine mögliche drohende Gefahr bereits im Keim zu ersticken, indem man gnadenlos gegen Zivillisten vorging, die in den Wirren der Kriege nur ums Überleben kämpften.  
Die Massentötungen von sogenannten Sympathisanten war dabei längst zu einem Genozid ausgeartet.  

Der lebensverachtende militärische Drill zum blinden Gehorsam hatte aus den Telax-Kriegern gefürchtete Massenvernichtungswaffen des großen Herrschers gemacht.  
Unaufhaltsam durchzogen sie die Galaxie und versetzen die Bewohner der Planeten in Furcht und Schrecken.
Das friedliche Beieinanderleben verschiedener Kulturen und Rassen war einer Terrorherrschaft gewichen, der jeder x-beliebige Rasse zum Opfer fallen konnte.

Die Telax-Krieger verwendeten häufig Begriffe wie Ruhm und Ehre. Aber ruhmreiche Schlachten gab es nicht. Schlachten bedeuteten nur Tod und Leid.
Ruhm war eine Erfindung der Herrschenden und diente dem Herrscher nur, um die Kämpfer seiner Armeen für seine persönlichen Zwecke zum Töten und Vernichten zu motivieren.

Ehre?
Was war aus der Ehre geworden?
Ehre schien es für Karetz längst nicht mehr zu geben. Es gab nichts ehrenhaftes daran Leben zu vernichten. Es gab nichts ehrenhaftes daran waffen- und wehrlose Zivilisten zu töten.

Mit diesen Gedanken fühlte er sich allein. Die laufende Kriegsmaschinerie ließ sich nicht aufhalten, dafür funktionierten die Telax-Krieger zu gut.  
Er würde nicht wagen können, das zu sagen, was er fühlte.
Doch irgend etwas musste passieren, irgend etwas musste er tun können.
Wenn es für ihn nur eine Möglichkeit gebe, nur eine einzige Möglichkeit das Richtige zu tun.  
Er würde warten und hoffen.
Er würde warten und hoffen, dass, falls er je eine Chance hätte, diese auch sah und wahrnahm.  
Er konnte nur hoffen. Er musste es einfach tun. Er musste.
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