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Süßer als Honig

von MariLuna
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Brave Starr Tex Hex
14.01.2010
02.02.2010
20
45.121
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14.01.2010 1.994
 
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Ein mißmutiger Blick schweifte über die festlich gedeckte Tafel und dann wieder zurück zu den beiden Männern, die eigentlich Erzfeinde sein sollten, die sich jetzt aber so hingebungsvoll küßten, als gäbe es kein Morgen mehr.

Der unerwartete Besucher erinnerte sich wieder an das Gewicht der verpackten Mahlzeiten in seinen Händen und versank noch ein letztes Mal dumpf in diesem Anblick von zwei fast gleich großen Körpern, die sich eng aneinander schmiegten und dunklen Lippen, die sich fest auf den Mund eines Skullheads preßten und das Zungenspiel, das sich so offensichtlich zwischen ihnen abspielte.

Ein lautes Räuspern.
Keine Reaktion.
Ein nochmaliges Räuspern, lauter als das vorangegangene und die beiden lösten sich endlich aus ihrem Rausch.

„Ich habe hier euer Abendessen“, erklärte Shaman ernst, ging hinüber zum Tisch und legte besagtes dort ab.

„Danke“, ehrlich erstaunt musterte Brave Starr seinen Ziehvater. „Ich hab eigentlich Handlebar erwartet.“

„Damit nur noch mehr von deinem ungebührenden Benehmen erfahren?“ gab Shaman mühsam beherrscht zurück. „Sollen alle mit dem Finger auf dich zeigen? Willst du alles aufs Spiel setzen, nur aus einer Phase heraus?“

Tex begann sich schon sichtlich unwohl zu fühlen, seine Finger strichen erst nervös durch seinen langen Schnauzer, dann durch sein Haar, und er wich tatsächlich einen kleinen Schritt zurück. Er respektierte den Schamanen – jedenfalls auf seine Weise – und er wollte definitiv nicht der Anlaß dafür sein, daß sich sein Marshall mit seinem Ziehvater überwarf.

„Das ist keine Phase“, stellte Brave Starr richtig, während sich sein Arm behutsam um Tex’ schmale Taille wand und diesen wieder näher an sich heranzog. „Denn jetzt sag ich dir mal was, Shaman: ich lasse mir von niemanden vorschreiben, was ich fühlen soll. Das habe ich jahrelang mit mir machen lassen, und jetzt ist Schluß damit!“

„Brave Starr, du bist der hiesige Planeten-Marshall. Du KANNST dich nicht mit einem gesuchten Verbrecher abgeben.“

Der junge, schwarzhaarige Mann holte einmal tief Luft.
„Ich kann. Und ich WERDE.“

Mit diesen Worten dirigierte er Tex wieder auf seinen Stuhl und begann in aller Ruhe, die in Aluminiumfolie verpackten Mahlzeiten auszupacken. Doch mittendrin hielt er noch einmal inne, musterte das Menü mit einem undeutbaren Glanz in den braunen Augen, bevor er seinem Ziehvater einen scharfen Blick zuwarf.

„Ich hoffe, du gehst in deiner Sorge“, dieses Wort betonte er mit ätzendem Spott, „nicht so weit, dieses Essen zu vergiften?“

Shamans hell entgeisterter Gesichtsausdruck war ihm Antwort genug.

„Ich … würde nie“, stammelte dieser endlich, als er seine Stimme schließlich wiederfand. „Brave Starr – wie kannst du so etwas auch nur von mir DENKEN?“

Brave Starr musterte ihn weiterhin unter zusammengezogenen Augenbrauen und schien ihm nicht ganz zu glauben.

„Das würde er niemals tun“, erklang da auf einmal Tex Hex’ dunkle, samtige Stimme.

Er schenkte dem Schamanen ein beinahe entschuldigendes Lächeln und zog kurzerhand einen der Plastikteller zu sich heran, um sein Essen in aller Seelenruhe auf seinen Porzellanteller umzuladen.

„Außerdem müßte er sich dazu sicher sein, daß ich den richtigen Teller erwische. Also stünde entweder auf einem davon mein Name oder er hätte ihn mir direkt in die Hand gedrückt und nicht einfach hier auf den Tisch gepackt.“

„Das ist nicht meine ART“, Shamans Stimme klang kälter als Eis, doch sein anklagender Blick richtete sich ausschließlich auf seinen Ziehsohn.

„Ich bin nicht wie…“ er hielt inne.

„Ja?“ hakte Brave Starr im selben Tonfall nach. „Wie wer? Wie TEX?“

Der alte Schamane fühlte sich eindeutig in die Defensive gedrängt, und der neugierige Blick, den ihm der Anführer der Carrion Bunch da gerade zuwarf, war beinahe noch schlimmer als der bohrende seines Ziehsohnes.

„Nein“, gab er dann widerwillig zu. „Nicht mal Tex Hex würde so tief sinken.“

„Danke.“ Und das meinte Tex völlig ernst.

Brave Starr musterte seinen Ziehvater noch einmal durchdringend, dann nickte er, setzte sich Tex Hex gegenüber und goß ihnen Mineralwasser ein, wofür er sich ein strahlendes Lächeln von Seiten des Desperados einfing.

Und bei diesem Anblick verspannten sich Shamans Kiefermuskeln sichtlich.

„Das ist ein Fehler, Brave Starr. Du setzt alles aufs Spiel. Deine Freunde, deine Karriere, einfach alles. Die Leute hier brauchen dich. Wer beschützt sie denn noch, wenn du deinen Stern verlierst? Und wer sagt dir denn nicht, daß DAS nicht genau das ist, was Stampede und er geplant haben? Wer sagt dir, daß er es tatsächlich ehrlich meint?“

„ER hat einen Namen und sitzt nur drei Meter von dir entfernt“, knurrte Tex. „Sprich nicht so über mich, als wäre ich nicht hier. Das ist unhöflich. Und eines kann ich dir versichern: Stampede hat hiermit überhaupt nichts zu tun. Was ich privat mit wem treibe, ist ihm glücklicherweise egal, so lange ich nur seine Befehle befolge.“

Shamans Worte brachten den jungen Marshall zwar tatsächlich kurz zum Nachdenken, doch dann erinnerte er sich an das, was erst vor kurzem unter der Dusche geschehen war. An diese nicht wirklich kleine Nebensache, daß er genau dies in den letzten Tagen schon öfter mit Tex Hex gemacht hatte, und daß ein Mann wie Tex Hex so etwas gewiß nicht regelmäßig mit sich machen lassen würde, wenn er es nicht ganz und gar ehrlich meinte. Von der Tatsache mal ganz abgesehen, daß Tex’ allererste intime Handlung darin bestanden hatte, ihm, dem Marshall von New Texas, seinem „Erzfeind“, den Blow Job seines Lebens zu verpassen, und das, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Und das war nun einmal nichts, was man einfach mal so im Vorbeigehen bei jedermann machte. Schon gar nicht ein stolzer Anführer wie Tex Hex.

Und dann ritt ihn wohl ein kleines Teufelchen, denn genau DAS sagte er auch seinem Ziehvater – wenn auch mit einer höflichen Umschreibung.

„Natürlich meint er es ehrlich, Shaman. In den letzten drei Tagen, beziehungsweise Nächten, hatte ich mehr als einmal die Gelegenheit, mich davon zu überzeugen. Oder glaubst du, unsere bisherigen Intimitäten bestehen nur aus Herumknutscherei?“

Er sah das heimliche Grinsen um Tex’ Mundwinkel, und die Erschütterung in Shamans Zügen und setzte betont boshaft noch eins drauf:

„Und wenn man regelmäßig den Namen des anderen herausschreit, während man kommt, sagt das mehr als genug, würde ich meinen.“

Shaman wurde tatsächlich etwas blaß, und Tex gab ein Zwischending aus Husten und Lachen von sich.

„So“, lächelte Brave Starr seinen Ziehvater an, „haben wir damit das Thema in Punkto Ehrlichkeit abgehakt?“

Shaman versuchte eindeutig, sich noch irgendwie zu sammeln.

„Brave Starr, mein Junge … meine Güte. Denk doch bitte einmal richtig nach. Du bist den Bürgern hier verpflichtet. Wie willst du DA noch deine Aufgaben gewissenhaft vollbringen, wenn du mit deinem schlimmsten Feind das Bett teilst?“

„Als wär ich der einzige Desperado hier“, brummte Tex leise vor sich hin.

Brave Starr grinste, schnappte sich seine Hand und drückte ihm einen betont nassen Kuß auf den Handrücken.

„Stimmt, das bist du nicht, mein Süßer. Und da sind ja immer noch Thirty-Thirty und Fuzz. DIE versohlen dir gerne den Hintern, damit ich dir später denselben wieder verarzten kann.“
Und er legte eine so auffällig verruchte Betonung auf dieses „verarzten“, daß Shaman regelrecht errötete.

„Ach, Scheiß drauf“, zischte Brave Starr plötzlich, hauchte Tex noch einen Kuß auf die Hand, bevor er ihn wieder losließ und sich heftig gestikulierend zu seinem Ziehvater umdrehte.

„Wieso sollte ich mich vor DIR rechtfertigen? Wo warst du denn, fast acht Jahre meines Lebens?“
All die angestaute Frustration der letzten Jahre brach sich endlich Bahn.
„Wenn du und all die anderen ach so tollen Krieger unseres Stammes nicht so stur gewesen wären und dieses Feuer des Keriums bis zum letzten Mann hättet verteidigen müssen, wären die letzten von uns jetzt nicht irgendwo im All verstreut. Falls es überhaupt noch andere gibt außer uns. Wir sind zu Heimatlosen in unserem eigenen Land geworden, weil ihr euch jemanden wie Stampede entgegen stellen mußtet. Und anstatt bei mir zu bleiben, hast du mich einfach in eine Überlebenskapsel gesteckt und zur Marshall-Akademie geschickt. Weil es dir wichtiger war, Stampede aufzuhalten. Hast du dabei auch nur ein einziges Mal wirklich an MICH gedacht? Scheiße, ich war schon eine Waise, du warst der einzige, den ich noch hatte, und dann stand ich wieder alleine da. Ich war noch ein Kind, und ganz allein unter mir völlig Fremden, die nicht einmal meine Sprache kannten. Ich war EINSAM. Weil dir deine Pflichten wichtiger waren als ich. Und ich habe, verdammt nochmal, keine Lust, genauso zu werden. Das ist MEIN Leben. Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt, aber hier und heute bin ich glücklich, und das lasse ich mir von niemanden mehr verderben.“

Er holte einmal tief Luft und lehnte sich dann nach hinten, an Tex, der während „Falls es überhaupt noch andere gibt außer uns“ aufgestanden und hinter ihn getreten war, wo er ihm die Hände auf die Schultern legte.
Mehr nicht.
Nur diese eine Berührung, aber sie gab dem jungen Marshall mehr Mut als alles andere es je gekonnt hätte.

„Und wieso soll ich Rücksicht auf die Gefühle und Wünsche anderer nehmen, wenn der einzige, der Rücksicht auf MEINE Gefühle und Wünsche nimmt, derjenige ist, den die anderen mir nicht gönnen wollen?“

„Sch“, beruhigend beugte sich Tex etwas zu ihm hinab und schlang seine Arme um den vor ihm Sitzenden, hauchte ihm einen Kuß auf die Wange.
„Niemand nimmt mich dir weg, Sunshine. Ich bin da. Immer. Wann immer du mich brauchst. So lange du willst.“

„Ich weiß, Tex“, Brave Starr atmete tief durch, drehte den Kopf und gab ihm einen Kuß auf die Schläfe, während seine Hände zärtlich über Tex’ Unterarme strichen. Dann richtete sich sein Blick wieder auf seinen Ziehvater.

„Siehst du, Shaman? Genau das meinte ich letztens. Ich habe eben nicht gesagt, daß ich eine Umarmung brauche, Tex hat es einfach GETAN. Und er verlangt nichts dafür.“

„Doch“, murmelte Tex leise in sein Ohr, „daß du mich – vielleicht – auch mal hälst, wenn es MIR mies geht.“

„Siehst du?“ meinte Brave Starr triumphierend an seinen Ziehvater gewandt. „SO hat das zu laufen, wenn man sich etwas bedeutet. Ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Auch im Bett.“

Shamans Gesichtsfarbe wurde wieder um einige Nuancen dunkler.

„Du bist gemein“, tadelte Tex seinen Liebsten sanft, „dein Ziehvater erkennt dich ja gar nicht mehr wieder. Und wird wieder alles auf MEINEN schlechten Einfluß schieben.“

„Laß sie doch alle reden“, grinste Brave Starr, erhob sich und schlang die Arme um ihn.
„Es ist MEIN Leben.“

Mit einem wohligen Seufzen vergrub Brave Starr sein Gesicht in Tex’ noch etwas feuchtem, weißem Haar, sog den Duft von wilden Rosmarin und Shampoo tief in seine Lungen und spürte, wie Tex dasselbe bei ihm tat. Und zum allerersten Mal fiel ihm ganz bewußt auf, wie GUT es sich anfühlte, wenn man jemanden umarmte, der beinahe genauso groß war wie man selber.
Es bedeutete immer den richtigen Druck an genau den richtigen Stellen – ohne sich dabei irgendwie verrenken zu müssen. Und bevor sich sein Körper von der berauschenden Nähe des anderen wieder verführen lassen konnte, schob er Tex auf halbe Armeslänge von sich und gleichzeitig hinüber zu seinem Platz.

„Genug Seelenstriptease für heute. Du mußt etwas essen, sonst landest du diesmal noch wegen Unterzuckerung beim Doc.“

Und dennoch konnte er nicht anders, als Tex, nachdem dieser endlich saß, sachte über Nacken und Schultern zu streicheln, bevor auch er endlich wieder zu seinem Stuhl ging.

„Du kannst uns gerne Gesellschaft leisten“, bot er dabei seinem Ziehvater an. „Wenn du endlich bereit bist, meine Gefühle für Tex zu akzeptieren.“

Shamans dunkler, nachdenklicher Blick wanderte von ihm zu Tex Hex und wieder zurück, und seine Miene wirkte immer noch sehr abweisend.

„Ich glaube, dafür brauche ich noch etwas Zeit. SEHR viel Zeit“, fügte er leise und mehr zu sich selbst hinzu, als er sich umdrehte und die Dachterrasse verließ.

Brave Starr sah ihm nach, bis sich die Tür hinter ihm wieder geschlossen hatte, dann schüttelte er den Kopf und warf einen gequälten Blick gen Himmel, bevor er sich mit einem strahlenden Lächeln Tex’ freie Hand schnappte.

„Ich bin ja SO froh, daß DEINE Leute uns nichts vorschreiben wollen.“

„Tja, Sunshine, das ist der Vorteil, wenn man ein Desperado ist. UND gleichzeitig der Boß.“

Der junge Marshall konnte ihm da nur zustimmen.

***
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