Ein neuer Anfang

GeschichteRomanze / P16
Eruruu Hakuoro
13.01.2010
19.01.2010
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Copyright: Utawarerumono gehört mir nicht.

A/N: Das ist ein Oneshot. Eine Alternative zu ‚Ein Licht im Dunkeln’ um genau zu sein. Der Teil mit Viv-jan und dem Siegel gleich bleibt, nur die anderen Ereignisse unterscheiden sich. Ich wollte nur mal was ausprobieren...
Ist ziemlich philosophisch und fluffig, wenn ich mir das so überlege...


***



„Eruruu, willst du nicht mit auf die Feier heute Abend kommen? Es werden viele interessante Leute da sein!“
Die Heilerin schüttelte den Kopf. „Entschuldige, aber ich habe noch mit meinen Medizinen zu tun. Großvater Shime braucht seine Kräuter morgen früh und ich muss noch einiges vorbereiten. Geht ohne mich, ja?“
Ihre Gesprächspartnerin, ein junges Mädchen mit dunkelblonden Haaren und einem verschmitzten Lächeln namens Kanae, seufzte. „Ehrlich Eruruu, du vergräbst dich immer in deiner Arbeit und kommst zu nichts anderem. Das Leben besteht aus mehr als Kräutern und Medizinen! Du solltest wirklich mit mir kommen, du siehst ja sonst nur die Hälfte des Dorfes, die über 50 ist!“
Eruruu schwante etwas. Also steckte doch mehr dahinter, als nur eine harmlose Feier... Sie warf Kanae einen scharfen Blick zu und runzelte die Stirn. „Willst du mich schon wieder verkuppeln? Ich habe dir doch gesagt, dass ich nicht interessiert bin!“
Kanae gab so einfach nicht auf. „Aber Eruruu! Wenn du so weiter machst wirst du nie einen Mann finden! Willst du bis ans Ende deiner Tage allein sein? Bald bist du zu alt und dann will dich niemand mehr haben! Du hast ja nicht einmal einen Freund in Aussicht ganz zu schweigen von einem Mann!“
Eruruus Ausdruck wurde geradezu tödlich. „Jetzt hör mir mal gut zu Kanae“, knurrte sie und trat einen Schritt nach vorn, sodass die unwillkürlich vor ihr zurückwich. „Mein Liebesleben geht dich überhaupt nichts an und selbst wenn ich beschließen sollte, mein Leben als alte Jungfer zu beenden, dann ist das ganz allein mein Problem!“
„Das heißt also, du hast doch jemand in Aussicht...“, platzte Kanae heraus und setzte ein spitzbübisches Lächeln auf. „Also heraus damit, wer ist es!“
Eruruu stöhnte und verdrehte die Augen. „Es geht dich nichts an!“
„Doch natürlich! Also, wer ist dein Liebster? Vielleicht Osugi? Er hat dir doch schon immer schöne Augen gemacht und er ist wirklich schnuckelig...“ Eruruus Blick wurde immer wütender, doch Kanae schien es nicht zu bemerken. „Oder ist es Kenichi? Nein, der ist ein Idiot, den würdest du nicht nehmen. Wie wäre es mit Ikeda....?“
„Hör auf damit!“, fauchte Eruruu. „Es geht dich gar nichts an also halt gefälligst deine Nase aus meinen Angelegenheiten heraus und hör auf mich verkuppeln zu wollen!“
Kanae legte den Kopf schief und überlegte. Eruruu dachte schon, sie wäre sie los, doch das war offenbar ein Irrtum, denn kurz darauf plapperte die Klatschtante des Dorfes schon weiter: „Jetzt sag nicht, dass du immer noch nicht über Hakuoro hinweggekommen bist!“
Eruruu war einen Augenblick total überrascht und zuckte erschrocken zurück.
Kanae stöhnte. „Also doch... Mensch Eruruu! Jetzt komm wieder zu Verstand! Er kommt nicht zu dir zurück! Er hat sich einfach aus dem Staub gemacht ohne auch nur eine Nachricht zu hinterlassen wohin er geht, er hat dich längst vergessen, jemand anderen geheiratet und einen Haufen Kinder! Und er hat nicht nur dich verraten, betrogen und verlassen, sondern das ganze Land! Immerhin war er unser Kaiser! Er hat seine Aufgaben einfach im Stich gelassen und ist bei Nacht und Nebel verschwunden! Hör auf immer noch auf ihn zu warten! Er verdient es wirklich nicht!“
„Hör auf so über ihn zu reden!“, grollte Eruruu wütend. „Du hast ja keine Ahnung, nicht im geringsten! Wag es ja nicht noch einmal so abschätzig über ihn ihn zu sprechen!“
Eruruu wusste, dass es nicht so war wie Kanae sagte. Natürlich hatten sie geheim halten müssen wer Hakuoro wirklich war und deshalb auch warum er verschwunden war. Sie wusste genau, wo er war, aber genauso gut könnte er sich am Ende der Welt befinden. Er war unerreichbar für sie... Sie konnte nur hoffen, dass er sie nicht vergessen hatte, doch in seinem tiefen Schlummer würde er vermutlich gar nichts denken. Unwillkürlich traten Tränen in ihre Augen, als sie an sein Versprechen zurück zu ihr zu kommen dachte. Warum war er nicht hier? Sie brauchte ihn! Bei jeder Predigt, die der Priester des Dorfes hielt, hatte sie nur einen Wunsch, ein Gebet. Komm zurück zu mir! Ich brauche dich, ich sehne mich nach dir, wo bist du? Ich brauche dich! Komm zu mir! Ohne dich bin ich nicht vollständig, ich lebe nur halb ohne dich... Selbst der Priester hatte es schon gemerkt und ihre Gottergebenheit gelobt. Er konnte ja nicht wissen, warum sie so inbrünstig betete. Wenn er gewusst hätte, was sie wirklich dachte und wollte, hätte er ihr vermutlich eine saftige Strafpredigt gehalten. Von wegen wie sie es wagen konnte den großen Gott mit solchen kindlichen Phantasien zu belästigen. Wenn er gewusst hätte, dass der ‘große Gott’ eigentlich total ungöttlich war und Predigten wie die Pest hasste...
„Es tut mir Leid, Eruruu, ich wollte dich nicht verletzen.“, drang Kanaes Stimme in ihre Gedanken. „Aber du musst der Realität ins Auge sehen. Natürlich trauern wir alle der ersten großen Liebe hinterher, aber irgendwann ist es Zeit nach vorn zu sehen. Er kommt nicht zu dir zurück. Sieh es ein und such dir endlich jemand Anderen!“
„Ich will aber niemand Anderen!“, knurrte Eruruu, die Augen immer noch voll Tränen. „Ich will ihn und niemand sonst! Und ich werde auf ihn warten, so lange wie nötig! Ich habe es versprochen und ich werde meinen Schwur halten! Was weißt du denn schon! Er wird zurückkommen!“
Kanae seufzte. „Du bist ein hoffnungsloser Fall. Weißt du nicht, dass die Männer durchaus Interesse an dir hätten? Aber je länger du wartest, desto mehr der hübschen sind weg und für dich bleibt nur noch Kenichi dieser Idiot übrig!“ Sie stockte. „Du willst doch nicht etwa ihn heiraten, oder?“
„NEIN!!“, schrie Eruruu wütend. „Wenn ich jemand heirate dann Hakuoro und niemand Anderen! Und jetzt lass mich endlich in Ruhe, ich hab zu tun!“ Damit drehte sie sich auf dem Absatz um und stürmte davon, ihr Gesicht immer noch knallrot vor Zorn.
Kanae sah ihr mit einem Seufzen hinterher. „Er verdient dich nicht Eruruu. Du bist viel zu gut für diesen Bastard, der sich einfach so davongestohlen hat ohne sich zu verabschieden oder zu sagen, wohin er geht. Der dich und sein ganzes Land einfach so verlassen und im Stich gelassen hat! Witsarunemitea weiß, du bist zu gut für ihn...“

Eruruu stürmte immer noch ziemlich zornig in ihr Haus und knallte die Tür hinter sich zu. Was erlaubte sich Kanae eigentlich! Es war ja wohl ganz allein ihre Sache, wen sie liebte und ob sie auf ihn wartete oder nicht! Sie sollte endlich aufhören sich in ihre Angelegenheiten zu hängen und zu versuchen sie zu verkuppeln! Verdammt nochmal!
Sie versuchte ihre Medizin zu mörsern, doch sie war einfach zu wütend und innerlich viel zu aufgewühlt. Kanae hatte unbeabsichtigt eine Wunde aufgerissen und sie an ihre große Liebe erinnert und jetzt sehnte sie sich so sehr nach ihm, dass das Atmen schwer wurde und sie drohte an ihren Tränen zu ersticken.
Ihre Sicht verschwamm, als Tränen in ihre Augen traten und sie fühlte sich in ihrem Haus wie eingesperrt. Sie musste raus, oder sie würde platzen!
Eruruu stellte energisch den Mörser auf dem Boden ab und stürmte nach draußen. Es war immer noch nachmittags und sie rannte in Richtung Wald. Vielleicht konnte sie noch ein paar Kräuter sammeln...Hauptsache sie kam raus aus dem Haus, dem Dorf, das drohte sie zu ersticken. Weg von Leuten wie Kanae, die ständig versuchten sie zu verkuppeln und ihr auf die Nerven gingen. Warum konnten sie einfach nicht verstehen, dass sie ihre Bemühungen nicht zu schätzen wusste?
Eruruu war so wütend und aufgewühlt, dass sie blindlings vorwärts rannte ohne darauf zu achten wo sie hinlief. Ohne es zu merken lief sie immer tiefer in den Wald und näherte sich dabei bedrohlich nahe der tiefen Schlucht, die der Fluss gegraben hatte, der nahe ihrem Dorf verlief.
Doch irgendwann war sie so lange gerannt, dass ihre Aufregung sich verflüchtigt hatte und sie wieder genug ihres Verstandes zusammenhatte um sich zu fragen, wo sie eigentlich war. Sie sah sich stirnrunzelnd um, nur um festzustellen, dass sie weit weg vom Dorf war. Der Rückweg würde lang werden. Mit einem Seufzen drehte sie sich um und begann wieder zu laufen. Sie sollte besser zu Hause sein, bevor es Dunkel wurde...
Plötzlich raschelte etwas vor ihr und riss sie wieder aus ihren Gedanken. Eruruu sah auf und starrte in das Gesicht eines riesigen braunen Bären.
Oh verdammt!
Der Tag, der doch schon so schlecht angefangen hatte, versprach noch schlimmer zu werden. Sie hätte nicht gedacht, dass das noch möglich wäre...
Sie drehte sich um und rannte so schnell sie konnte durch die Bäume. Hinter sich hörte sie das Grollen des Tieres und das ließ sie nur noch schneller rennen. Sie war so voller Panik, dass sie nicht darauf achtete, wohin sie lief, sie wollte nur weg von dem Bär!
Plötzlich endete der Wald vor ihr und Eruruu stand am Rand einer sehr hohen Klippe. Tief unter ihr rauschte der Fluss. Sie drehte sich um und wollte einen anderen Weg nehmen, doch es war bereits zu spät, der Bär hatte sie eingeholt und kam jetzt auf sie zu. Eruruu starrte ihn mit vor Schreck geweiteten Augen an, doch es gab keinen Ausweg. Sie würde sterben ohne ihre große Liebe wieder gesehen zu haben.
„NEEEEIIIIIIINNNNN!“ So durfte es nicht enden! Sie schrie verzweifelt, doch das machte den Bär nur noch wütender. Er stellte sich auf die Hinterbeine und schlug nach ihr. Eruruu wich unwillkürlich zurück und plötzlich war dort nichts mehr, auf dem sie stehen konnte. Sie stürzte rückwärts über die Klippe...
Sie schrie in Todesangst, doch gleichzeitig wusste sie, dass sie niemand hören würde. Ihr letzter Gedanke war bei ihm. „HAKUORO!!!!“ Dann wurde sie gnädigerweise ohnmächtig, damit sie den Aufprall nicht miterleben musste.