Jonas Zauberbuch

von Hope0908
GeschichteAllgemein / P12
10.01.2010
10.01.2010
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10.01.2010 366
 
„Wo ist es nur? Er wird sehr verärgert sein. Ich muss es einfach finden.“ Jona war verzweifelt. Das Büchlein, in dem er die Zaubersprüche, die sein Vater ihn gelehrt hatte, festhielt, war einfach nicht aufzufinden. Zanrelot kontrollierte es jeden Freitag auf Vollständigkeit und in ein paar Minuten sollte es wieder soweit sein. Jona hatte seine Kammer bereits drei Mal durchsucht. Das nun herrschende Chaos machte es beinahe unmöglich, überhaupt irgendetwas darin wiederzufinden.

„Hast du schon unter dem Bett nachgesehen?“ Matreus stand in der Tür und beobachtete seinen Cousin besorgt. Sollte er das Buch nicht rechtzeitig wiederfinden, würde der Meister sehr erbost reagieren, das war ihm klar. Es war nicht Matreus‘ Fehler gewesen, dass es verloren gegangen war, er räumte Jonas Kammer jeder Samstag auf und das war erst morgen. Doch den Zorn des Meisters würde er trotzdem auch abbekommen, denn Jona hatte höchstens eine Strafpredigt zu befürchten, oder, wenn Zanrelot sehr wütend war, würde er ihm vielleicht für eine Weile die Ausflüge an die Oberfläche untersagen. Nie würde er seinen Sohn züchtigen, auch wenn er das ab und zu durchaus verdient hätte, wie Matreus fand. Doch so etwas würde er niemals laut aussprechen. Jona war der Sohn des Meisters, für ihn galten eben andere Regeln.

Jona blickte Matreus genervt an. „Natürlich habe ich dort schon nachgesehen. Genau wie in jedem anderen Winkel hier!“ Matreus zuckte entschuldigend mit den Schultern. „Wo hattest du es denn zuletzt?“, wagte er zu fragen. Jona trat wütend gegen einen Stuhl, dann schrie er den Jüngeren an. „Wenn ich das wüsste, müsste ich nicht danach suchen!“ Jona blickte Matreus herablassend an. „Hast du keine Aufgaben zu erledigen?“ Matreus hob beschwichtigend die Hände. „Schon gut. Tut mir leid. Ich wollte ja nur helfen.“ Jona stand förmlich unter Strom. „Ich brauche keine Hilfe von einem Diener!“ Matreus war völlig vor den Kopf gestoßen. Er konnte darauf nichts erwidern. Noch nie zuvor hatte sein Cousin ihn so bezeichnet. Im Grunde war es einfach nur die Wahrheit, doch Matreus war tief getroffen.

Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um und ließ Jona allein. Er machte sich an seine Aufgaben und verdrängte jeden weiteren Gedanken an Jonas Worte, die ihn so tief verletzt hatten.