Demon and Hornet

GeschichteAbenteuer / P16
10.01.2010
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Kapitel 1 : Silberäugige Jägerin
Nur das gespenstische Heulen des Windes war in den leergefegt scheinenden Straßen zu hören. Keine Menschenseele war zu sehen und so gut wie alle Fenster waren fest verriegelt, als wage niemand auch nur hinauszusehen...als gehe ein Dämon um. Nur einige wenige die tapfer oder besser gesagt, neugierig genug waren, wagten es hinauszusehen, in Erwartung der noch zu folgenden Ereignisse.

In dem einst so friedlichen und aufblühenden Städtchen legte sich eine Reihe grausamer Morde wie ein schwarzer Schatten über die Idylle. Ein sogenannter Yoma , eine Kreatur, die sich ausschließlich von menschlichen Organen ernährt und dazu noch die Fähigkeit besitzt, die Gestalt seiner Beute anzunehmen, hatte es geschafft, sich unter den Menschen einzunisten...und seit jeher konnte keiner mehr ruhig schlafen...zu groß war die Angst, als nächster lebendig verspeist zu werden. Schon fast jede einzelne Nacht fiel ein weiterer Bewohner , ganz gleich ob Mann , Frau oder Kind, dem Menschenfresser zum Opfer. Stets hatten die Opfer beide Augen weit aufgerissen und ihre Innereien wurden schon fast feinsäuberlich entfernt...in einigen Fällen war sogar nur noch ein Haufen blutiger Fleischfetzen und zermalmter Knochen von dem Menschen übrig, was nicht gerade auf ein schnelles Ende hinwies. Angesichts dieser Umstände konnte kein menschliches Wesen es auch nur ansatzweise mit dem Yoma aufnehmen ; in diesem Fall blieb ihnen, so sehr es jedem einzelnen auch widerstrebte, nur eine einzige Möglichkeit, mit dieser grässlichen Kreatur fertigzuwerden.

....Sie mussten wohl oder übel eine von « ihnen » zur Hilfe holen, eine der Kriegerinnen, deren Fleisch und Blut mit dem der Yoma verschmolzen wurde, auch bekannt als die « Claymore ». Obwohl diese Frauen keine andere Existenzberechtigung als das Beschützen der Menschen vor den Yoma hatten, oder vielleicht genau deshalb, hatten die meisten eher gemischte Gefühle gegenüber den Claymore...gelinde gesagt. Besser gesagt, misstrauten sie den Claymore, fürchteten sie aufgrund dem Blut der Monster in ihren Adern fast so sehr wie die Yoma. Und dennoch war eine dieser Kriegerinnen auf den Yoma anzusetzen, der einzige Ausweg, um ihrer aller Leben zu retten, andernfalls würden sie einer nach dem anderen bei lebendigem Leibe ihrer Innereien beraubt.
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So gut wie jeder einzelne hatte sich inzwischen in den heimischen vier Wänden verschanzt und wartete im stillen Kämmerlein darauf, dass der Spuk ein Ende haben würde. Unter den wenigen, die sich nicht aus Furch versteckt hielten, befanden sich zwei Schwestern, beide waren noch Kinder. Während ihre Mutter dabei war, das Abendessen für sich und ihre Töchter vorzubereiten, hatten beide einen Stock höher am Fenster Stellung bezogen, warteten darauf, dass die Claymore in der vom Yoma terrosrisierten Stadt auftauchen würde.

Als endlich Schritte aus Richtung der Straße zu vernehmen waren, lehten beide sich wie auf Knopfdruck aus dem Fenster , um zu sehen ob es wirklich die angekündigte Kriegerin war. Und tatsächlich war es eine der Halbyoma...auch wenn man ihr aufgrund ihrer schlanken Statur nicht umbedingt zutrauen würde, den massigen Zweihänder auf ihrem schmalen Rücken vernünftig schwingen zu können. Allein vom Aussehen her, handelte es sich um eine junge Frau, die unmöglich älter als einundzwanzig Jahre sein konnte. Völlig unüblich für eine Frau trug sie ihr silberblondes Haar kurz und stachelig, was wohl für jedes normale Mädchen undenkbar gewesen wäre. Ihr Gesicht wirkte hübsch, doch auf die Distanz ließen sich beim besten Willen keine Einzelheiten feststellen, mal ganz abgesehen von ihren stechenden, silbernen Augen. Ihre Kleidung unterschied sich in keiner Weise von der anderer Claymore : sie trug ein eng anliegendes , weißes Oberteil mit schwarzem Kragen mit dazu passender Hose. Was den beiden Mädchen, die sich der Kleidungsnorm der Claymore nicht bewusste waren, seltsam vorkam, war die Tatsache, dass diese Frau ungewöhnlich wenige Rüstungsteile trug : kniehohe Eisenstiefel mit Abstatz , Armschienen, die ihr bis zu den Elbogen reichten, Schulterklappen und ein Eisenschurz waren alles , was ihren zierlichen Körpre schützte. Mit bedachten, aber zügigen Schritten ging diese Frau durch die verlassene Allee, ihr kurzer , grauer Umhang wurde von der rauhen Brise aufgewirbelt und gab  einen Blick auf ihr gewaltiges Schwert frei.

« Das ist also eine Claymore... » wisperte die jüngere der beiden Schwestern, die noch nie eine der silberäugigen Kriegerinnen zu Gesicht bekommen hatte : ein kleines Kind mit langem, schokoladenbraunen Haar, welches ihr bis zur Hüfte reichte und großen milchig blauen Augen « ...das ist doch die Frau, die Papi und die anderen rächen wird, nicht wahr, Heidi ? » wandte sie sich an ihre ältere Schwester , die die Claymore mit einem weit argwöhnischeren Blick musterte. Genau wie ihre kleinere Schwester , hatte das junge Mädchen, welches auf den Namen Heidi hörte, dunkelbraunes Haar, nur trug sie ihres weit kürzer. Dazu waren ihre Augen nicht von dem selben, unschuldigen Blau sondern hatten einen kräftigen Braunton und der Blick in ihnen war sehr viel härter und....wütender. « Was sagst du denn da für einen Stuss, Dummerchen ?! » sie sah zu dem kleinen Mädchen herab « Die da ist doch nicht hier um Irgendwen zu rächen, sondern nur um ‘ne saftige Belohnung für das Töten dieses Yomas einzukassieren ! » « Aber -»  begann die Jüngere, doch Heidi schnitt ihr energisch das Wort ab.

« Diese Halblinge werden doch nicht ohne Grund ‘silberäugige Hexen genannt’ » sagte sie mit einem abfälligen Blick zu Fenster hinaus « Du hast sie doch auch gesehen oder ? Diese eiskalten silbernen Augen...die beweisen doch gut genug dass sie nur ein blutrünstiges Monster ist ! » « Aber Heidi... » erneut wollte das kleinere Mädchen ihrer Schwester widersprechen , doch wieder wurde ihr das Wort genommen « Ach vergiss es einfach...das Abendessen müsste gleich fertig sein, also lass uns runtergehen, anstatt weiter diese Hexe anzustarren. » dieses Mal war es ihre jüngere Schwester, die ihr ins Wort fiel « Du...du bist einfach nur gemein ! » rief sie aus, stürmte zur Tür hinaus und schlug selbige hinter sich zu. « H-he, Susanna ! Hau jetzt nicht ab ! » rief Heidi ihr hinterher, als sie ihrer aufgebrachten Schwester nachlief.

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Langsam ging Griselda durch die gottverlassene Straße, nicht ein einziger Mensch kreutzte den Weg der Claymore. Es war derart still, dass sie sogar das Krachen der Erde unter ihren Stielfen hören konnte. Immer wieder war es das Gleiche...die Menschen mieden sie ; was aufgrund dem Fleisch und Blut der Yoma in ihr nur eine allzu natürliche Reaktion war. Sogar die Fenster waren geschlossen und kaum ein Licht brannte in den Häusern, obwohl es bereits Abend war. Nur noch ein vorbeifegender Steppenläufer hätte jetzt noch gefehlt um der trostlosen Atmosphäre den letzten Schliff zu geben Fast schon maschinell bewegte Griselda sich fort, bis der Klang von hastigen Schritten durch die schmale Allee hallte. Ein kleines Kind mit langen, braunen Haaren rannte über die in schlechtem Zustand gehaltene Straße ; gefolgt von einem älteren Mädchen bei dem es sich vermutlich um dessen ältere Schwester handelte.

Die etwas eigentümliche Verfolgungsjagd fand ein jähes Ende als das jüngere Mädchen über einen auf der Straße liegenden Stein stolperte und der Claymore wortwörtlich vor die Füße fiel, ein leises Ächzen entwich ihr, als sie vergeblich versuchte, sich wieder aufzurichten « Du solltest echt besser aufpassen wo du hintrittst, Kleine. » mit einem kleinen Lächeln streckte Griselda eine ihrer Hände nach dem Kind aus und half ihr ohne größere Anstrengung wieder auf ihre dünnen Beine. Erst als sie vor der Claymore stand, bemerkte sie, dass die Blonde Kriegerin sie um einiges überragte. Auch einen näheren Blick auf das Antlitz der Claymore konnte sie nun erhaschen. Sie besaß ein schlankes, ovales Gesicht mit einer gerade zulaufenden, stark definierten Nase und einem kleinen Mund, der sich langsam aber sicher zu einem Lächeln formte. Tatsächlich waren ihre Augen silbern, als hätte man ihr Ringe aus eben jenen Edelmetall anstelle der Iris eingesetzt – rund und silbern. Dazu fiel dem Kind noch eine kleine Narbe über ihrer rechten Augenbraue auf...konnten Claymore sich denn nicht selbst heilen ? Susanna stockte, als sie plötzlich den Blick der Kriegerin auf sich ruhen sah.

Obwohl sie so unschuldig und tollpatschig wirkte, gab es etwas an diesem Kind, was Griselda etwas quer lag « Dieses Mädchen...sie stinkt förmlich nach Yoma. » durchkreuzte ihre Gedanken « ...aber sie ist zweifellos keiner...was hat das zu bedeuten ? » Nachdem sie ihr erbsengrünes Kleid von einigem Staub befreit hatte, schien es als wolle das Kind etwas sagen – womöglich sich bei der Kriegerin bedanken – doch das ältere Mädchen ergriff promt das Wort « Pack’ ja nicht meine Schwester nochmal an, du Hexe ! » fauchte sie mit zornigen Blick. Sofort entwich Griselda ein leicht genervter Seufzer und sie ging mit einem Schritt an den Beiden vorbei « Wie du willst, Mädchen, ich behalte meine Griffel bei mir.» sie warf den Schwester noch einen letzten Blick über die Schulter zu « Wenn ich euch einen Rat geben darf : geht jetzt besser nach Hause, es sei denn ihr wollt als nächste vom Yoma verspeist werden » ohne irgendeine Antwort abzuwarten ging Griselda weiter, in Richtung des Hauses des Bürgermeisters, während sie hinter sich die immer noch aufgebrachte Stimme des älteren Mädchens hören konnte, die erst verstummte, als sie zur Tür ihres Auftraggebers hineinschritt.

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« Ich nehme mal an, das sie mich gerufen haben nicht wahr ? » kaum ertönte die Stimme der Claymore, wichen der Bürgermeister, samt zweier anderer Männer, die wohl auf ihre Ankunft gewartet hatten, wie verängstigte Kinder zurück, wohl weil sie noch nie eine ihrer Art in natura gesehen hatten. « Ich nehm’ das mal als ein ‘Ja’ » sagte Griselda bloß, als sie näher auf den graumelierten Bürgermeister zukam, dessen taubengraue Augen sie immer noch angstvoll fixiert hielten. Hektisch nickte der ältere Herr und hielt ihr mit zitternder Hand einen prall mit Münzen gefüllten Leinensack hin. « D-dass stimmt... » antworete er Griselda leicht stotternd « ...dies ist ihre Bezahlung. » « Nein, so läuft die Sache nicht » erwiderte Griselda knapp « W-wie meinen Sie das ? » « Naja, das ist so... » die Claymore legte sich eine Hand ans Kinn « nachdem ich dem Yoma hier den garaus gemacht habe,  wird ein schwarz gekleideter Mann vorbeikommen und die Bezahlung eintreiben » die Claymore lächelte etwas « Das heißt, falls die Sache schiefgeht müssen sie keinen müden Taler zahlen ! » « V-verstanden ! » stammelte der Bürgermeister daraufhin, als habe die Claymore eben gesagt, dass die Erde doch eine Scheibe sei.

Für einen Moment schien es so, als wolle Griselda gehen, doch im letzten Moment beugte sie sich noch etwas nach vorn, was den älteren Herrn wie einen aufgescheuchten Vogel nach hinten schrecken ließ « Eine Frage hätte ich da noch. » « W-was wollen Sie dann noch wissen... ? » « Kennen sie zwei Mädchen, beide haben dunkelbraunes Haar...die kleinere von den beiden hatte dazu noch himmelblaue Augen. Ich wollte wissen ob ein Mitglied ihrer Familie dem Yoma zum Opfer gefallen ist.»  zunächst war der Mann sich unsicher, ob er der Claymore wirklich antworten sollte, doch als er ihrem silbrigen Blick nicht mehr standhalten konnte, ließ er sich dann doch zu einer , leicht gestammelten Antwort hinreißen « Heidi und Susanna ? Ja....der Vater der beiden Mädchen war eines der ersten Opfer des Yoma. Nun haben die beiden nur noch ihre Mutter... » für einen Moment schienen die silbrigen Augen der Claymore aufzublitzen « Ach so ist das....jetzt macht die ganze Sache Sinn. » « Ist...ist etwas nicht in Ordnung ? » « Oh, machen sie sich keinen Kopf » sie lächelte etwas « Ich sollte nur jetzt gehen, damit es hier nicht noch eine Tragödie gibt. ». Bevor er fragen konnte, was sie denn damit meinte, war die Silberäugige bereits zur Tür heraus, so schnell wie sie gerade eben gekommen war.
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Mama, wir sind wieder daheim!" flötete Susanna, kaum hatte sie die Tür ihres Elternhauses geöffnet. Sofort schlug ihr und Heidi die vertraute Wärme ihres Zuhauses entgegen, wie gewohnt lag ein leichter Duft von Zimt in der Luft als die Mädchen von der kalten, windigen Strasse ins vertraute Heim eintraten. Die Stube war durch die wenigen Fenster nicht umbedingt gut beleuchtet, doch durch die zahlreichen Kerzen, die den Raum mit ihrem warmen Licht zierten, war das Zimmer von einer gemütlichen, einladenden Atmosphäre erfüllt, die sogar die eben noch aufgebrachte Heidi wieder beruhigte. "Da seid ihr ja endlich," ertönte eine weiche Frauenstimme "ich hatte mir schon Sorgen um euch gemacht." sanft lächelnd stand die Mutter der beiden Schwestern im Türrahmen, sah ihre Töchter mir ihrem großen , runden Augen an, die das gleiche, zarte Blau wie die ihres jüngsten Kindes hatten.

Im Gegensatz zu ihren Kindern, die das dunkle Haar ihres dahingeschiedenen Vaters geerbt hatten, war das ihre honigblond, lockig und reichte der jungen Frau bis zu der schlanken Hüfte. Sie trug ein langes , wasserblaues Kleid mit einer weißen Schürze darüber – vermutlich war sie gerade dabei das Abendessen zu kochen, als ihre beiden Töchter eintraten. „Tschuldige, dass wir so spät kommen, aber Susanna ist einfach ohne Vorwarnung aus dem Haus gestürmt.“ „V-von wegen ohne Vorwarnung!“ kam prompt die Antwort ihrer jüngeren Schwester „und überhaupt, Heidi : du warst einfach nur gemein zu der Dame vorhin!““Pah, Dame?! Das war doch nur eine silberäugige Hexe, mehr nicht?!“„Oh, hat der Bürgermeister jetzt etwa eine Claymore gerufen?“schritt die Mutter in ihr Streitgespräch ein und ging einige Schritte auf beide zu, bis sie genau vor ihren beiden Töchtern stand.

Susanna, die in ihrer kindlichen Arglosigkeit nichts Ungewöhnliches an ihrer geliebten Mutter bemerkte, antwortete mit einem breiten Lächeln „Ja, jetzt haben wir eine Claymore in der Stadt, die sich um die Sache mit dem Yoma kümmert.“Kaum hatte das kleine Mädchen ausgesprochen, schlich sich ein ungewohnt eisiges Lächeln auf die hellen Züge ihrer Mutter „Ach ist das so...? Das ging ja schneller, als ich erwartet hatte...“bevor einem der Mädchen auch nur ein einzelnes Wort über diese seltsame Äußerung ihrer Mutter verlieren konnte, wurden beide wie Puppen weggeschleudert, vor allem die Jüngere machte unangenehme Bekanntschaft mit einer der harten Backsteinwände.

„Au...was...was war das denn?!“ wimmerte Susanna als sie ihre eben noch vor Schmerz zusammengekniffenen Augen wieder öffnete. Sofort entwich dem kleinen Mädchen ein erschrecktes Keuchen, als sie in Richtung ihrer Mutter blickte : das Gesicht der vorhin noch so bezaubernden, jungen Frau begann sich allmählich zu einer grässlichen, monströsen Fratze zu verzerren : ihre Augen hatten einen stechenden Goldton mit schlitzförmigen, langen Pupillen angenommen und die Haut ihrer rechten Gesichtshälfte war graubraun und von dicken, pulsierenden Adern durchzogen. „M.....mama...?“ stammelte Susanna völlig geschockt über die verzerrte Gestalt ihrer Mutter ; dicke Tränen begannen sich in ihren hellblauen Augen zu sammeln. Ein kehliges , schadenfrohes Lachen entwich der blonden Frau, als sie Susannas verängstigtes Gesicht erblickte „Ah, es war ja so leicht euch zwei Leckerbissen die fürsorgliche Mutter vorzugaukeln!“ihr Antlitz wurde immer mehr zu der dämonischen Fratze eines Yoma „ Es war ja zu niedlich wie verzweifelt diese beiden Menschen euch schützen wollten...“ der Yoma leckte sich über seine scharfen dolchförmigen Zähne „besonders diese dumme Frau...ich habe ihrem Mann vor ihr die Eingeweide rausgerissen und trotzdem musste sie die Heldin markieren.“ ein höhnischer Ausdruck zierte seine monströsen Züge, als der Menschenfresser die Stimme von Susannas Mutter imitierte „ ‚Ich flehe dich an! Verspeise mich und lass meine Töchter am Leben, sie sind doch noch Kinder!’ einfach köstlich....mindestens so delikat wie ihre Leber!“.

Erneut entwich dem Yoma ein von Wahnsinn getränktes Lachen, bevor der menschenfressende Dämon laut aufschrie. Zu seiner Überraschung musste der Yoma feststellen, dass ein dünner langer Schnitt , aus dem ein Rinnsal blauvioletten Blutes zu Boden plätscherte, auf seinem Rücken prangte. Mit einem tiefen Knurren wandte das Monster sich um, um zu sehen wer ihm die lästige Wunde zugefügt hatte. Es war Heidi, die sich mit einem eisernen Langschwert hinter dem Yoma aufgebaut hatte. „Blöd für dich, dass Vaters Schwert immer noch an der Wand gelehnt hat, du dreckiges Monster!“die Worte des Mädchens sprachen von einer gewissen Selbstsicherheit, doch ihr verbissener Gesichtsausdruck und ihre zitternden Hände zeigten doch, dass sie die monströse Gestalt fürchtete. Der Yoma grinste hämisch, als er das dunkelhaarige Mädchen erblickte.

„Was denn, denkst du etwa, du hättest mir etwas entgegenzusetzen, Menschenkind? Dein Vater war genau so ein ungestümer Narr...“ „Halt dein verdammtes Maul!“kreischte Heidi, ob der Provokation des Yoma und schwang erneut das Schwert , mit aller Kraft, die ihre dünnen Arme aufbringen konnten, in Richtung des graubraunen Ungeheuers. Völlig unerwartet nahm der Yoma wieder die unschuldige Gestalt von Heidis Mutter an und schlug sich, sie wieder perfekt imitierend, die schlanken Arme vors Gesicht „Heidi, ich bitte dich...hör auf!“. Wie auf Knopfdruck erstarrte das junge Mädchen : obwohl sie sehr wohl wusste, dass dies nur ein Yoma war, konnte sie einfach nicht zuschlagen, das Aussehen, der Gesichtsausdruck, die Gestik...alles eine perfekte Kopie ihrer Mutter. Schnell hatte der Yoma wieder seine ursprüngliches Aussehen wieder und nutze Heidis Moment der Verwirrung aus , indem er nach ihrem Kopf griff und das Mädchen scheinbar mühelos zu Boden drückte.

Alles schien sich im Kreis zu drehen, als sie spürte, wie sie gnadenlos mit dem Kopf zu Boden geschleudert wurde, ein pochender Schmerz breitete sich in Windeseile in ihrem gesamten Körper aus. Für einige kurze Augenblicke schien alles so verschwommen und unwirklich....Susanna, die aus voller Kehle ihren Namen schrie....das dämonische Lachen des Yoma....Krallen die immer näher kamen...und näher. Plötzlich war jedoch ein dumpfer Knall zu hören und das braue Ungetüm stieß ein schrilles Kreischen aus. „Du...du verdammte...!“ der Yoma fluchte heftig kaum hatte er seinen Kopf zur Türe gedreht. Als sie einen vorsichtigen Blick aus dem Augenwinkel riskierte, sah Heidi, wer sich eben im Türrahmen aufgebaut hatte „Die Claymore...“ hauchte das Mädchen mit schwacher Stimme, als der Druck der Yomapranke auf ihrem Kopf nicht nachlassen wollte.

Griselda stellte fest, dass sie doch den richtigen Riecher bezüglich des Yomas gehabt hatte, als sie die Haustür öffnete. Eben dieses Ungeheuer war kurz davor einem der beiden Mädchen von vorhin , Heidi die Bauchdecke aufzureißen, während das jüngere Mädchen verzweifelt den Namen ihrer Schwester kreischte. Ohne zu Zögern griff Griselda nach einem vor der Haustür liegenden Stein und warf ihn auf den Yoma, der gerade völlig mit seiner Beute beschäftigt war. Sie traf das Ungetüm zwar nur am rechten Schulterblatt, trotzdem war die Wucht groß genug, dass der Yoma abgelenkt wurde, auch wenn seine Hand immer noch in den schokoladenbraunen Haaren des Mädchens vergraben war. Ein gefauchter Fluch entwich dem Menschenfresser, als er sich zu der Claymore umwandte –jetzt musste sie ihn nur noch irgendwie von dem Kind wegbringen.

Die blonde Kriegerin ging ein paar Schritte auf den Yoma zu, bis dieser den ohnehin schon geprellten Kopfs Heidis noch fester drückte – was dieser einen spitzen Schrei entlockte. „Bleib wo du bist, sonst ist der Kopf von der Kleinen Brei!“ schrie das Ungetüm mit einer schrillen Stimme, nun da es mit dem Rücken zur Wand stand. „Was, du willst mir mit dem Mädchen drohen?“mit einem metallischen Klirren zog sie ihr gewaltiges Schwert „Ich hab’ das Gefühl, dass euch Yoma so langsam die Ideen ausgehen.“ sagte Griselda schließlich als sie langsam weiter auf ihren Gegner zuging. „Bist du taub?! Stehenbleiben hab ich gesagt!“ bevor der Yoma wusste, wie ihm geschah durchfuhr ihn ein bohrender Schmerz am rechten Handgelenk. Heidi, die spürte, dass der furchtbare Druck auf ihr Haupt plötzlich nachgelassen hatte, erkannte noch vor ihrem Angreifer,was geschehen war : ein regelrechter Sturzbach veilchenblauen Blutes plätscherte auf das Mädchen herab und verklebte ihre ohnehin schon unordentlichen Haarsträhnen ; neben sich konnte sie die abgehackte Hand des Ungetüms erkennen. „ Weg da, schnell!“drang die Stimme der Claymore plötzlich an ihr Ohr. Instinktiv rollte Heidi sich unter dem Yoma weg und lief schnell zu Susanna, die vor Angst bitterlich weinte und schluchzte.

Es brauchte etwas Zeit, bis der Yoma realisierte, dass die Claymore ihm soeben die rechte Hand abgeschlagen hatte. Verständnislos starrte das Monster den blutenden Stumpf für einige Sekunden an, bevor es einen markerschütternden Schrei ausstieß „Du dreckige Promenadenmischung!“ brüllte der Yoma und fixierte Griselda mit seinen goldenen Augen, aus denen der Zorn auf das Mischwesen geradezu herausquoll. „Danke für das Kompliment“ erwiderte diese bloß trocken, bevor sie sich Heidi zuwandte „He, kannst du noch laufen?“ daraufhin nickte das Mädchen bloß „Gut , dann schnapp dir deine Schwester und lauft so schnell es geht zur Tür hinaus.“ „Aber-„ „Jetzt hau endlich ab!“Nun hatten auch die Augen der kurzhaarigen Claymore einen brennenden Goldton angenommen – dieser Blick erlaubte keine Widerrede.

Hastig nahm Heidi Susanna an der Hand und hastete mit dem völlig aufgelösten Mädchen Richtung Ausgang , als der Yoma, der auf keinen Fall von seiner schmackhaften Beute ablassen wurde, die Finger seiner noch verbleibenden Hand, zu langen, spitzen Tentakeln verlängerte und wie Pfeile in Richtung der Schwestern schießen ließ. Bevor eine der Krallen die Mädchen auch nur kratze konnte, wurden alle fünf Finger gnadenlos von Griseldas herabschwindender Klinge abgehackt als seien sie aus Butter. „Hier spielt die Musik.“ sagte Griselda bloß bevor das Monster einen weiteren Schrei ausstieß und seine nun blutende Hand zurückzog. Kaum waren Heidi und Susanna in sicherer Entfernung, kroch ein Lächeln auf Griseldas Gesicht „Schön, schön jetzt sind wir endlich unter uns, nicht wahr?!“ Das Gesicht des Yoma war völlig verzerrt vor Wut, fast alle Adern standen weit hervor und pulsierten ob seines nun schnellen Herzschlages. „Du verdammter Bastard!“ kreischte dieser, nun völlig außer sich, als er wie ein Besessener auf die Claymore zustürmte. Im nächsten Moment war der Spuk auch schon vorbei : blauviolettes Blut spritze in hohem Bogen auf und der Kopf des Yoma – dessen Mund immer noch weit aufgerissen war – fiel mit einem dumpfen Knall auf den Holzboden. „Das wäre erledigt...“ murmelte Griselda, als sie ihr Schwert wieder an seinen angestammten Platz auf ihrem Rücken steckte.

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Erneut waren die Straßen leer, als sie aus dem Büro des Bürgermeisters ins Freie trat. Der Yoma war getötet, die Stadtbewohner von nun an in Sicherheit...doch die Anwesenheit der Claymore war ihnen Grund genug, sich zu verschanzen bis alles mit einem Tropfen Yomablut aus der Stadt war. Ein leiser Seufzer entwich Griselda bei dem trostlosen Anblick „War ja klar, dass ich hier keine großen Dankesworte entgegengeworfen bekomme...’“murmelte Griselda und wollte bereits aus der kleinen Ortschaft herausschreiten, als eine helle Stimme sie innehalten ließ „Moment mal!“. Kaum vernahm sie diesen Ruf, drehte die Claymore sich um und erblickte die beiden Schwestern , denen sie am vorigen Tag noch das Leben gerettet hatte „Wir sind noch nicht fertig mit dir!“ fügte Heidi hinzu , ein Verband war um ihre Stirn gewickelt, aber ansonsten schien sie unversehrt zu sein. „Was braucht ihr denn?“ fragte Griselda etwas überrascht „Das fragst du noch?! Wir wollten uns bedanken, weil du und gestern beiden die Haut gerettet hast!“ein Anflug von Röte breitete sich auf Griseldas porzellanfarbenen Gesicht aus, sie war es nun einmal nicht gewohnt, dass Menschen sich bei ihr bedankten und so überforderte die Situation sie doch etwas „Ihr braucht euch nicht zu bedanken, es ist eine Selbstverständlichkeit, dass ich euch Menschen schütze.“ „Na und?! Ich bin dir trotzdem dankbar, ohne dich wär ich jetzt ein blutiger Klumpen Fleisch!““Ich verstehe...“ Griselda lächelte etwas „...übrigens, ihr braucht euch nicht darum zu sorgen, dass ihr verstoßen werden könntet. Ich habe dem lieben Herrn Bürgermeister deutlich gemacht, dass er besser daran täte euch beide in Frieden zu lassen.“. Mit diesen Worten wandte die Claymore sich um und wollte schon wieder gehen, als Heidi sie erneut mit einem lauten „He!“ zurückpfiff. „Was ist denn noch?“ „Na was wohl?! Du haust hier einfach ab, ohne uns mal deinen Namen zu nennen ; du hast doch einen , oder?!“. Erneut konnte Griselda nicht anders , als diese beiden Kinder anzulächeln „Mein Name ist Griselda.“ sagte die Claymore bloß, bevor sie die Stadt endgültig hinter sich ließ.

-Kapitel 1, Ende-

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So, hier wäre das erste Kapitel meiner brandneuen Fanfiktion! Dieses Mal habe ich mich an den Manga "Claymore" herangewagt, daher ist diese Geschichte auch einen Tick ernster und gewalttätiger als "Kouhime". Dennoch hoffe ich, dass ihr Freude am Lesen habt, und am Ball bleibt!