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Gefangen

von Nikkl
GeschichteAllgemein / P12
Jona Matreus Zanrelot
10.01.2010
10.01.2010
5
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10.01.2010 589
 
Der Mann am Boden nickte nur schwach und ließ sich widerstandslos abführen. Überrascht sah er sich in der Zelle um, in die er gebracht wurde. Diese Zelle war nicht geschützt und nahezu eine Beleidigung für jeden Gefangenen. Die Wände waren dünn und das Gitter am Fenster lose. Doch nicht einmal das brauchte Matreus. Nachdenklich sah er zu der Tür, die sich hinter ihm geschlossen hatte. Bestimmt wusste Adretto, dass auch er Magie besaß. Und dass er sich in die Unterwelt transferieren konnte. Er wusste nicht wieso, aber anscheinend wollte der weiße Zauberer ihn entkommen lassen. Er sah sich um und stellte erleichtert fest, dass ihn keiner hier drin sehen konnte. Sofort drehte er sich nach unten.

Adretto sah in seine Glaskugel wie Matreus sich drehte und in die Unterwelt verschwand. Er hatte gehofft, dass dieser die Chance erkennen und nutzen würde zu fliehen. Er war ein kluger Bursche. Und Adretto war froh darüber ihn kennen gelernt zu haben. Nun wusste er wenigstens mit wem er es dort unten zu tun hatte. Und dass der arme hilflose Diener gar nicht so arm und hilflos war. Seine Treue zu seinem Meister trieb ihn an sich immer mehr zu verbessern und da auch er Magie besaß, war er nicht hilflos. Er würde ihnen in der nächsten Zeit sicher einiges an Ärger bereiten.

In der Unterwelt sah Zanrelot ebenfalls gebannt auf seine Zauberkugel. Es hatte nur selten Einsicht in die Folterkammer, doch heute war es ihm möglich. Und er hatte das Gespräch zwischen Adretto und Matreus in allen Einzelheiten verfolgt. Er war sehr zufrieden mit seinem Diener. Er hatte gewusst, dass Matreus ihm treu ergeben war, aber dass er sogar einen schmerzvollen Tod einem Leben in der Oberwelt vorzog, hatte er nicht geglaubt. Natürlich hatte er seinem Diener schon oft damit gedroht, was er mit ihm machen würde, wenn er es wagen sollte sich gegen ihn zu stellen. Doch da gab es noch keine „Wächter“, die ihn beschützt hätten.

Einen kurzen Augenblick später betrat Matreus die Zentrale. Er hatte noch immer das schmutzige Hemd an und hielt seine schmerzenden, aufgescheuerten Hände vor sich, als er seinen Platz vor der Plattform einnahm.

„Meister, bitte verzeiht, dass ich einfach drauflos spreche. Aber ist Jona hier. Hat er es geschafft den Schergen zu entkommen? Man hat uns eine Falle gestellt. Jemand hat euch verraten“

Zanrelot hob die Hand und Matreus verstummte augenblicklich. „Jona hat es geschafft den Schergen zu entkommen. Er ist schon seit einer ganzen Weile hier. Um den Kaufmann, der uns verraten hat, habe ich mich bereits gekümmert. Er wird niemals wieder jemanden verraten.“ Er musterte den jungen Mann von oben bis unten. „Du hattest es anscheinend nicht geschafft den Schergen zu entfliehen?“

Sein Diener senkte den Kopf. „Nein, Meister, es tut mir Leid. Sie haben mich festgenommen. Ich habe versagt.“ Traurig seinen Meister enttäuscht zu haben wartete er auf seine Strafe.

Befriedigt, dass Matreus selbst jetzt noch, nach dem Angebot der Wächter, bereitwillig jedes Strafe dafür auf sich nehmen würde, sah der Herrscher der Finsternis auf seinen Diener herab. „Du darfst dich zurückziehen.“

Überrascht sah Matreus auf. „Ja, Meister, habt dank.“ Eilig verließ er die Zentrale.

Zanrelot setzte sich auf seinen Stuhl. Heute hatte auch er viel Neues erfahren. Nicht nur über die weißen Zauberer, die sich als „Wächter über Lübeck“ zusammengeschlossen hatten, sondern auch über seinen Diener. Nie hatte er gedacht dass dessen Loyalität zu ihm so weit gehen würde. Er trank einen Schluck des kostbaren Elixiers. Anschließend lobte er sich selbst. ‚Anscheinend habe ich alles richtig gemacht bei seiner Erziehung.’
 
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