Botengang

von Nikkl
GeschichteAllgemein / P12
Jona Matreus Zanrelot
10.01.2010
10.01.2010
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10.01.2010 513
 
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Zanrelot sah seinen Sohn überrascht an. Er hatte ihn soeben gebeten einen Brief abzugeben, wenn er in die Oberwelt geht. Und nun erntete er dafür einen genervten Blick.

„Vater, es liegt mir fern Aufgaben nicht auszuführen, die Du mir aufträgst. Aber gehört so ein Botengang nicht eigentlich zu Matreus Arbeit?“

Der Meister seufzte. Jona war grade 17 Jahre geworden und derzeit in der Pubertät. Er wollte seinen Spaß haben. Auch wenn Zanrelot der Liebe abgeschworen hatte und er hoffte, dass es bei seinem Sohn auch bald so weit sein würde, wusste er doch, dass dieser auch ein körperliches Verlagen nach dem anderen Geschlecht hatte. Und er hatte keine Lust sich jetzt damit auseinander zu setzen.
„Gut, Jonathan, dann geh. Aber gib auf die Schergen acht!“

Einen Moment später hatte sich sein Sohn gedreht und war in die Oberwelt verschwunden.

Er sah auf die Uhr. ‚Eigentlich müsste Matreus grade mit seinen täglichen Arbeiten fertig werden.’ dachte er sich. In letzter Zeit hatte sich sein Diner kaum etwas zu schulden kommen lassen. Er erledigte seine Aufgaben routiniert und gewissenhaft. Er hatte ihn nur noch ab und an mal kontrolliert. Und alles war zu seiner Zufriedenheit erledigt worden. Matreus bemühte sich sehr seinen Meister zufrieden zu stellen. Zanrelot Blick wanderte durch den Raum und Blieb am Rohrstock hängen. ‚Und der liegt nun auch schon seit über zwei Wochen dort ungenutzt herum. Und auch davor habe ich ihn nicht mehr oft benutzen müssen’ überlegte er. ‚Vielleicht sollte ich Matreus tatsächlich eine kleine Freude machen. Eigentlich hatte er als mein Diener zwar mit keinerlei Anerkennung zu rechnen, aber vielleicht würde es ihn noch mehr motivieren.’ Er nickte sich selbst zu. ‚Ja, ich werde ihn nach oben schicken und ihm Etwas Zeit geben sich dort in Ruhe umzusehen.’

Er räusperte sich und rief laut nach seinem Diener. „Matreus!“

Nur ein Paar Sekunden später betrat der Gerufene die Zentrale und stellte sich an seinen Platz vor der Plattform. „Meister, ihr habt mich gerufen?“ fragte er gehorsam.

„In der Tat, das habe ich“ antwortete Zanrelot. „Wie weit bist du mit deinen Aufgaben?“

Matreus sah ein bisschen geknickt aus. „Ich bin grade fertig geworden, Meister“ antwortete er und Zanrelot entnahm den Tonfall, dass er gehofft hatte nun ein wenig ausruhen zu können. Einen Moment lang überlegte er, ob er diesen angehenden Ungehorsam ahnden sollte. Doch er entschied sich dagegen. Er war derzeit zufrieden mit dem Jungen, deshalb wollte er ihm ja auch diesen Ausflug zugestehen.

Er gab ihm den Umschlag. „Bring diesen Brief nach oben“ befahl er. Er sah, wie die Augen seines Dieners freudig leuchteten. Es kann nicht oft vor, dass er ihm erlaubte in die Oberwelt zu gehen. Und wenn, dann meist in Begleitung von Jona. Doch Matreus war inzwischen 15 Jahre alt und in den fünf Jahren in der Unterwelt hatte er sich langsam aber sicher sein Vertrauen erarbeitet.

Matreus nahm den Umschlag entgegen. „Ja, natürlich Meister, sofort.“
Der Junge wollte schon gehen, doch der Meister hielt ihn mit einem Blick zurück. „Du hast eine Stunde!“ erklärte er.

„Ja, Meister“ erwiderte er nur und verließ die Zentrale.