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Bist du glücklich?!

von Tamara271
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Lenka Wheeler
05.01.2010
14.06.2011
3
6.332
1
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Ich habe keine Rechte an der Serie, schreibe nur zum Spaß.
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Das Telefon klingelte, als sie grade aus der Dusche kam und sich darauf freute nach einem harten Arbeitstag, endlich auf die Couch zu kommen und einfach nur zu entspannen, soweit ihr das vergönnt war - bis ihre Gedanken wieder abschweifen würden zu dem, was sie vor einem Jahr verloren hatte.
Sie überlegte einen Moment ob sie einfach nicht rangehen sollte, aber das Telefon klingelte immer weiter, als wüsste der Anrufer, dass sie zu Hause war; und es konnte ja wichtig sein.
„Hallo?“
„Lenka? Ich bin’s, Gi.“
„Gi! Wie geht es dir? Wir haben so lange nichts mehr voneinander gehört. Was macht die Arbeit und die Liebe?“ fragte sie, als sie an Gi’s letzte Email dachte, in der sie geschrieben hatte, wie glücklich sie mit ihrem Kollegen und Freund war.
„Lee geht’s ausgezeichnet, er lässt dich schön grüßen.“
„Danke, zurück“, erwiderte Lenka lächelnd. Es war seltsam jemandem Grüße auszurichten, den man nur vom Hören-Sagen kannte.
„Die Arbeit im Marine-Zentrum läuft prima. Aber ich rufe nicht deswegen an. Ich wollte dich schon mal vorwarnen, dass du die nächsten Tage eine Einladung im Briefkasten hast.“
„Eine Einladung? Wofür?“
Stille am anderen Ende und Lenka verdrehte genervt, aber lächelnd die Augen. Gi hatte immer noch eine Vorliebe dafür alles unendlich spannend zu machen.
„Ich und Lee wollen heiraten. Nächsten Monat“, schrie Gi fast schon vor Freude ins Telefon.„Er hat mir am Wochenende einen Antrag gemacht, es war so romantisch.“
„Oh, herzlichen Glückwunsch...nächsten Monat schon?“ stammelte Lenka perplex. Gi kannte ihn doch erst seit einem knappen Jahr und war erst ein halbes mit ihm zusammen.
„Ja, ich weiß, es geht alles sehr schnell bei uns, aber es war Liebe auf den ersten Blick und wir sind so glücklich. Es ist wie bei dir und...tut mir leid. Ich wollte nicht...“ Ihr Enthusiasmus verwandelte sich schlagartig in Verlegenheit.
„Nein, schon gut Gi. Ich weiß, was du meinst“, erwiderte Lenka schnell und schaffte es erfolgreich zu verbergen, wie sehr es sie doch verletzt hatte. Zum Glück gab es noch kein Bildtelefon, sonst hätte ihre Freundin ihre plötzlich feuchten Augen gesehen.„Außerdem sind wir ja nicht im Bösen auseinander gegangen. Wir haben immer noch Kontakt. Ich will nur hoffen, dass du dir sicherer bist, als wir es offensichtlich waren?!“
„Das sind wir, wirklich.“ Ein kurzes unangenehmes Schweigen entstand, bevor Gi vorsichtig weitersprach.„War es richtig?“ fragte sie dann.
„Was? Lee’s Antrag anzunehmen? Das kann...“
„Lenka! Ich rede von dir und Wheeler. Wir haben nie darüber geredet, weil wir keine Möglichkeit dazu hatten und ich gehe davon aus, dass du es nicht wolltest, aber ich dachte damals, dass es nicht den Anschein hatte, als wäret ihr wirklich glücklich mit eurer Entscheidung.“
„Ich weiß es nicht.“ Überrascht hielt sie kurz inne, darüber wie leicht sie gelernt hatte andere zu belügen was dieses Kapitel ihres Lebens anging, während sie im Inneren herausschrie, dass es falsch gewesen war, dass es der größte Irrtum ihres Lebens war.„Wir waren einfach zu viel zusammen. Ständig 24 Stunden zusammenzusein konnte einfach auf Dauer nicht gut gehen.“
„DAS kann ich verstehen, aber...Lenka, ich hab hin und wieder Langeweile und ich verbringe dann schon mal Zeit im Internet. Ich hab dich gegoogelt, euch alle, und dabei einen Zeitungsbericht gefunden über deine Arbeit, mit Foto. Du siehst nicht sehr glücklich aus. Bist du glücklich?“
„Ich hab einfach nur viel zu tun. Der Job ist sehr einnehmend.“ Was nicht ganz der Wahrheit entsprach – es war nicht der Job der sie einnahm, sie nahm den Job ein, um sich von allem anderen abzulenken.
„Das beantwortet nicht meine Frage. Du bist nicht glücklich, oder? Und ich nehme an, immer noch allein?“
„Ja, ich bin noch allein, aber du müsstest wissen, was für ein wählerischer Mensch ich bin, also...“ erwiderte Lenka etwas schnippisch.
„Es tut mir leid. Ich will nur, dass ihr alle glücklich seid. Du bist meine beste Freundin. Ihr seid meine Familie.“
„Ich weiß Gi, tut mir leid.“
„Und Wheeler ist auch nicht sehr glücklich“, erwiderte sie leise.
„Ach nein?! Er hat mir neulich noch geschrieben, dass er ganz zufrieden mit seinem Job ist und er hat sicher keine Probleme andere Frauen kennzulernen.“
„Aber er geht nicht viel weg, so wie er vorhin am Telefon sagte. Er versucht zwar alles mit seinen Scherzen und seiner Art harmlos aussehen zu lassen, aber am Telefon merkt man doch mehr von der Wahrheit, als in einer Email.“
„Gi, ich bin sicher, dass es ihm gut geht. Wie gesagt, haben wir auch Kontakt und wir waren immerhin ein Jahr zusammen. Wenn er mich wieder haben wollte, hätte er es sicher gesagt.“
„Tust du es denn?“
„Wer sagt, dass ich ihn wiederhaben will?“ Ein Seufzen am anderen Ende der Leitung, dann ein Moment Stille.
„Wie auch immer. Ihr müsst das mit euch selbst ausmachen. Ich wollte dich bitten, meine Trauzeugin zu sein, um zum Thema zurückzukommen.“
„Das mache ich sehr gerne Gi.“
„Prima. Die Einladung müsste in den nächsten Tagen in der Post sein. Ich freu mich schon darauf euch alle wieder zu sehen. Aber ich muss jetzt Schluss machen. Lee kommt nach Hause und ich muss noch Ma-Ti erreichen.“
„Es war schön wieder mit dir zu reden, Gi. Wir sollten öfter telefonieren.“
„Das werden wir, ich muss meine Trauzeugin ja auf dem Laufenden halten.“
„Tu das, bis dann.“
„Ja, tschüss.“
Langsam legte sie den Hörer auf. Ein Luftzug wehte plötzlich durchs Zimmer und blätterte die Seiten ihres Adressbuches um. Als sie zur Ruhe kamen fiel ihr Blick auf den Eintrag mit Wheelers Adresse und Nummer. Leise seufzte sie resigniert und dachte wohl zum Millionsten Mal an den einen Morgen auf der Hoffnungsinsel zurück.

**Sie erwachte nach einer langen und unruhigen Nacht. Wheeler war es ebenso ergangen, das wusste sie, immerhin lag er neben ihr. Und auch jetzt sah er sie an, ein leichtes Lächeln umspielte seine Mundwinkel, als er ihr einen guten Morgen wünschte.
„Du warst unruhig heute Nacht, Yankee.“
„Ich weiß, du aber auch.“ Er schwieg einen Moment, bevor er den Mut fand darüber zu reden, was ihm durch den Kopf ging.„Der Tag ist schneller gekommen, als ich es je erwartet hätte. Ab heute gibt es kein Planetenteam mehr und wir haben noch immer nicht darüber geredet, wie es mit uns weitergehen soll...Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass irgendwas zwischen uns nicht stimmt, dass irgendwas kaputt ist.“
„Ich dachte das selbe“, erwiderte sie leise, froh dass er es ebenfalls gemerkt hatte.„Es ist verrückt, da haben wir 6 Jahre miteinander gelebt und kaum sind wir ein Jahr zusammen scheinen wir zuviel voneinander zu haben.“
„Meinst du?“
„Du nicht? Ich meine, es war so harmonisch bis vor ein paar Monaten. Aber du musst doch selbst zugeben, dass wir uns in der letzten Zeit ziemlich oft gegenseitig auf die Nerven gegangen sind und uns deswegen auch ziemlich in die Haare gekriegt haben.“
„Dafür war die Versöhnung umso besser“, erwiderte er grinsend und erntete einen Klaps auf den Arm.„So, dann haben wir wohl die Nase voll voneinander?!“ fragte er dann nach einigen Minuten bedrücktem Schweigens.
„Scheint so.“
„Und wir gehen getrennte Wege?!“
„Ich denke, dass es so besser ist.“ Sie schwiegen kurz, sahen sich nur in die Augen, ohne sich zu berühren.„Aber wir bleiben in Kontakt und sonst ändert sich nichts zwischen uns, oder?“
„Garnichts, versprochen Babe“, erwiderte er lächelnd und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.**

Und es hatte sich alles verändert. Sie hatten in dem einen Jahr, das seitdem vergangen war, nicht miteinander telefoniert, nur relativ regelmäßig per Email Kontakt und selbst diese Emails machten klar, dass ihre Trennung eine gewisse Hemmung zwischen ihnen ausgelöst hatte. Sie schrieben sich nicht mehr und nicht weniger, als das übliche unter Bekannten. Da waren selbst ihre Briefwechsel mit Gi, Kwame und Ma-Ti herzlicher.
Aber was, wenn Gi recht hatte und er wirklich unzufrieden war? Sehnte er sich nach ihr? So sehr wie sie sich nach ihm? Bereute er es ebenfalls so leicht ihre Beziehung aufgegeben zu haben und traute sich jetzt nicht darüber zu reden, sie zu fragen, wie es ihr damit erging?
Ein Piepsen riss sie aus ihren Gedanken. Sie ging zu ihrem Computer und öffnete ihr Postfach. Eine neue Nachricht - daher auch das Piepsen - von Wheeler!
Herzrasen, feuchte Hände, Hitzewallung, wie jedes Mal, wenn sie eine Nachricht von ihm bekam. Würde sie diesmal lesen, was sie so sehr erhoffte? Wollte er sie zurück?
> Hey Babe,
habe vorhin mit Gi gesprochen. Ich weiß nicht, ob du schon bescheid weißt, also sag ich nur soviel – sieht so aus als würden wir uns bald wiedersehen. Ich freu mich drauf. Bin gespannt wie euch allen das letzte Jahr bekommen ist. Ich hoffe dir geht’s gut. Lass von dir hören. –W- <
Das übliche Bla, bla. Und was sollte sie schon erwidern? Sollte sie schreiben, dass sie ihn immer noch liebte, dass er ihr fehlte, dass sie unglücklich war, dass sie nur ihn wollte, jetzt und für immer?! Und womöglich die Antwort erhalten, die sie befürchtete, dass er nicht mehr interessiert war? Hätte er nicht schon längst geschrieben oder alles nötige unternommen, wenn er sie wiederhaben wollte? Sicher hätte er das, er war immerhin Wheeler, derjenige von ihnen beiden, der stets alles versucht hatte, um das zu kriegen was er wollte.
Also schrieb sie ihm nur eine knappe Antwort, wie immer, und konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten, kaum dass sie sie gesendet hatte. Es tat jedes Mal, jeden Tag, jede Stunde mehr weh.

Tausende Meilen weit entfernt saß Wheeler zusammengesunken in seinem Stuhl und starrte auf den schwarzen Bildschirm seines Computers. Das Gespräch mit Gi war ihm nicht aus dem Kopf gegangen und er hatte Lenka eine Email schreiben müssen. So viel hatte er schreiben wollen und doch wieder nur das übliche gewagt. Er wollte es so sehr, aber er konnte es einfach nicht. Sie bedeutete ihm einfach zu viel. Wenn er ihr schrieb, wie sehr er sie liebte und brauchte und sie empfand nicht das selbe, würde er sie nur verschrecken und abstoßen. Das konnte er nicht riskieren.
Sein Bildschirm wurde hell und er öffnete die Email – sein Herz raste, seine Hände wurden feucht, er zitterte vor Erwartung, aber alles was er las, war:
> Hey Yankee,
ich weiß schon bescheid und ich freue mich für Gi und auch darauf euch alle wiederzusehen. Mir geht es soweit gut. Ich hoffe dir auch? Bis bald. –L- <
Alles wie immer. Wie konnte er nur daran denken, dass sie ihn noch liebte, dass sie ihn wiederhaben wollte? Wenn er dazu verdammt war ein Leben in Einsamkeit führen zu müssen, dann sollte es wohl so sein.
>Obwohl, ganz allein bin ich ja nicht<, dachte er und ein ironisches Lächeln gesellte sich kurz zu den Tränen auf seinem Gesicht, als er das Glas von seinem Schreibtisch nahm. >Ich habe immer noch meinen Freund Jack, Jack Daniels<, er seufzte kurz resignierend, bevor er den Whiskey in einem Zug hinunterkippte, dem einzigen Mittel, das ihn für wenigstens kurze Zeit von seinem gebrochenen Herzen ablenken konnte.
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Fortsetzung folgt...
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