Merlin (BBC): And I saw him and through his disguise

GeschichteDrama / P6
31.12.2009
05.01.2010
7
6331
2
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Dieses Kapitel
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Titel: And I saw him and through his disguise
Autor: Lady Charena
Fandom: Merlin
Episode: 1x07 The Gates of Avalon, 1x10 The Moment of Truth
Prompt: 055. Crime
Wörter: ~ 6100
Charaktere: Arthur Pendragon, Merlin, Gaius, Uther, Morgana, Gwen
Pairing: - -
Rating: AU, gen, pg, oneshot
Beta: T‘Len
Archiv: ja

Summe: Arthur erfährt Merlins größtes Geheimnis. Seine Magie.

Anmerkung/Warnung: alternate universe – offensichtlich.  Alle Zitate aus 1.10 The Moment of Truth, falls nicht anders angegeben. Titel ist ein Zitat aus “I believe” von Emerson, Lake & Palmer. Kleiner Spoiler (oder genauer gesagt, ein Zitat aus) für Season 2 am Ende. Kann nach Wunsch auch als pre-slash betrachtet werden.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.


Cover-Art zur Story in meinem LiveJournal: http://ladycharena.livejournal.com/291572.html





Merlin: I trust Arthur with my life.
William: Is that so? So he knows your secret then? Face it, Merlin. You're living a lie just like you were here. You're Arthur's servant, nothing more. Otherwise you'd tell him the truth.




Von außen betrachtet, mit den Augen einer Person, die nichts von den Gesetzen und dem Leben in Camelot wusste, wäre es eine amüsante Szene gewesen; sogar eine zum-auf-die-Schenkel-klatschen-und-lachen-bis-es-weh-tat.

Doch Arthur Pendragon war alles andere als zum Lachen zumute, als er an seiner nassen Kleidung herunter sah; auf die Pfütze, die sich um seine Stiefel bildete und er spürte, wie kaltes Wasser aus seinen Haaren in den Nacken rann. Dann hob er langsam den Blick und sah den Eimer, der über ihm schwebte, als wäre er mit unsichtbaren Fäden an der Decke befestigt worden. Der Eimer schwebte mit dem Boden nach oben, nun leer, und ein einzelner Tropfen löste sich von seinem Rand und fiel… direkt auf Arthurs Nase.

Er blinzelte und sah Merlin an, der auf seinem Bett kniete, ein Buch an die Brust gepresst, sein Gesicht eine Maske blanken Entsetzens.

Arthur starrte wieder den Eimer an, der direkt über ihm schwebte und für einen Moment hoffte er, es würde ein weiterer Schwall kalten Wassers aus ihm kommen und ihn aufwecken. Oder besser noch, das Wasser würde nicht aufhören zu fließen bis es ihn ertränkt hatte.

Dann knallte der schwere Holzeimer auf den Boden, dicht genug neben Arthur, dass er den Aufprall nicht nur hörte, sondern tatsächlich spürte und er sich instinktiv zur Seite warf. Er rutschte in der Pfütze aus und fand sich plötzlich mit dem Rücken gegen die Tür gepresst wieder.

Merlin schien das Geräusch ebenfalls aufgeschreckt zu haben; das Buch glitt aus seinen Händen und blieb aufgeschlagen liegen – Arthur konnte eine Zeichnung sehen… eine Quelle… und Worte in einer Schrift, die nicht vertraut aussah.

Er hob die nun leeren Hände wie bittend, die Handflächen nach oben gedreht. „Arthur.“ Seine Stimme war nicht mehr als ein Flüstern und wäre es nicht so still in der Kammer gewesen, dass Arthur seinen eigenen, rasenden Herzschlag hören konnte, hätte er ihn fast nicht verstanden. „Arthur… es tut mir leid. Ich wollte nicht… ich dachte nicht, dass jemand… ich…“ Er brach ab und starrte Arthur mit Augen an, die weit und groß und wild waren, wie die eines aufgeschreckten Pferdes kurz vor dem Durchgehen. „Es tut mir leid“, wiederholte er. „Es tut mir leid.“

Arthur fand die Stabilität der Holztür in seinem Rücken äußerst beruhigend. „Ich…“ Seine Stimme klang rau und unsicher und er räusperte sich, bevor er es erneut versuchte. „Ich bin auf der Suche nach Gaius.“

Das war der Grund, warum er hier war. Also, hier in Merlins Kammer. Eigentlich sollte er jetzt überhaupt nicht in Camelot sein. Er war ein paar Stunden zuvor auf einen Jagdausflug geritten und sie hatten nicht geplant, vor Einbruch der Nacht zurück zu sein. Doch dann war Sir Kay durch die Decke eines dicht  an der Oberfläche liegenden Fuchsbaus gebrochen und sein Knöchel schwoll an wie ein Weinschlauch, dessen Inhalt verdorben war, so dass Arthur beschloss, den Ausflug abzubrechen und nach Camelot zurück zu kehren. Es sah ohnehin so aus, als würde es bald anfangen zu regnen und wirklich, er hasste es, bei Regen im Wald umher zu kriechen, wo das Wild sich wesentlich intelligenter verhielt und Unterschlupf suchte; wo seine Stiefel und seine Lederweste bei jeder Bewegung unangenehm quietschten und die Armbrust feucht und rutschig in seinen Händen wurde, wenn das Holz aufquoll.

Also kehrten sie um und Arthur beschloss, persönlich zu Gaius zu gehen und ihn zu informieren, dass er einen Patienten hatte und möglicherweise gleich Merlin die frohe Botschaft mitzuteilen, dass er seinen freien Tag vergessen konnte. Merlin würde quengeln und klagen und Arthur würde vorgeben, darüber verärgert zu sein und ihn seine Rüstung polieren lassen. Und Merlin würde auf dem Boden vor dem Kamin sitzen und ihm aufsässige Blicke zuwerfen, während er das Metall blank polierte und die Lederriemen einölte, um zu verhindern, dass sie trocken und rissig wurden und in Gefahr liefen, während eines Kampfes zu reißen.

Vielleicht würde er Merlin erzählen, wie ihm sein Vater seine erste Rüstung mit zwölf hatte anpassen lassen und ihm sagte, er würde nie wieder etwas Wichtigeres tragen - abgesehen von seiner Krone. Merlin würde Desinteresse heucheln und etwas darüber murmeln, dass er glücklicherweise damals noch nicht in Camelot gewesen war, sonst hätte er auch diese Rüstung poliert. Worauf er antworten würde: „ja, ebenso schlecht“ und für eine Weile wären alle Unterschiede zwischen ihnen (die ohnehin noch nie wirklich von Bedeutung gewesen waren) verschwunden, als wären sie einfach nur zwei Freunde, die sich kabbelten und die Nähe und Vertrautheit erkundeten, die neue und interessante Gefühle in ihm wachgerufen hatte.

Doch Gaius war nicht in seiner Kammer und als Arthur Stimmengemurmel aus Merlins Kammer hörte, trat er einfach ein – so, wie Merlin es immer tat, ohne zu klopfen und sich sonst irgendwie anzukündigen – und wurde mit einem Schwall kalten Wassers begrüßt, der unerwartet von oben kam.

Arthur wünschte sich zurück in den Wald, in den Regen, er hätte sogar mit einem Sturm vorliebgenommen – alles besser, als Merlin dabei zu ertappen, wie er… Arthur stoppte sich selbst, bevor er den Gedanken zu Ende bringen konnte, zu ungeheuerlich sogar um es auch nur zu denken.

Merlin starrte ihn an, als wäre ihm ein zweiter Kopf gewachsen, oder als wäre er es, der volle Wassereimer schweben ließ – Arthur zuckte bei dem Gedanken innerlich zusammen – und welche Reaktion er offenbar auch immer erwartet hatte, offenbar nicht die, die Arthur zeigte.

Arthur wollte verdammt sein, wenn er wusste, welche Reaktion angemessen war, wenn man gerade herausgefunden hatte, dass sein Freu… sein Diener… offensichtlich Magie anwandte. Mitten in Camelot, mitten im gottverdammten Schloss, in einem Königreich in dem schon der bloße Verdacht genügte, um Leute auf den Scheiterhaufen zu bringen und Köpfe unter der Axt des Henkers rollten.

„Gaius ist nicht hier“, erwiderte Merlin schließlich nach etwas, das sich wie eine kleine Ewigkeit anfühlte.

Man konnte sich doch immer drauf verlassen, dass Merlin das Offensichtliche aussprach. „Wenn er zurückkommt…“ Arthur wandte sich zum Gehen, seine Bewegungen steif und schwerfällig wie die eines alten Mannes. Seine Lederweste knarzte leise und seine Stiefel drohten auf dem feuchten Holzboden wieder zu rutschen. „…sag‘ ihm, er hat einen Patienten.“

Bevor Arthur die Tür ganz geöffnet hatte, war Merlin an seiner Seite, die Augen weit und besorgt und groß genug, dass sie sein komplettes Gesicht zu vereinnahmen schienen und seine Hände griffen nach Arthurs Arm.

„Was ist passiert?“, fragte er, atemlos als wäre er durch die endlosen Korridore gerannt, anstatt nur ein paar Schritte zwischen Bett und Tür zurück zu legen. „Du bist verletzt? Wo bist du verletzt? Vielleicht kann ich…“, stieß Merlin hervor, während seine Augen hektisch über Arthur flogen.

Er ließ ihn einen Moment gewähren, hauptsächlich weil er selbst noch zu geschockt von den Ereignissen der letzten Minuten war, um sofort zu reagieren. Doch dann löste Arthur Merlins Klammergriff um seinen Arm. „Ich bin nicht verletzt, es ist Sir Kay.“ Er war sich nicht sicher, ob es eine verspätete Reaktion auf vorher oder ob es die Erleichterung in Merlins Gesicht war, die dazu führten, dass er ihn von sich stieß und Merlin auf dem Hosenboden landete, mitten in der Pfütze, in der Arthur vor kurzem noch gestanden hatte.

Er verließ die Kammer, ohne sich noch einmal umzudrehen, und als er sich im Innenhof wiederfand, begann er zu laufen ohne darauf zu achten, wohin er rannte; oder darauf, dass er einige Male fast jemand umrannte; bis er keine Luft mehr bekam und schwarze Punkte in seinem Blickfeld tanzten und seine Muskeln schmerzten. Erst dann sah er sich um und erkannte, dass er sich bereits außerhalb der Stadtmauern befand und halb auf der Brücke. Es regnete.

Arthur lehnte sich mit dem Rücken gegen den kalten, glitschigen Stein neben der Straße und ließ sich daran herunter gleiten, bis er im staubigen Gras saß. Er legte den Kopf in den Nacken und schloss die Augen, während der Regen auf sein Gesicht prasselte.



tbc
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