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Träume.

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
27.12.2009
27.12.2009
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Es war eine stürmische Herbstnacht, doch trotz des ständig ans Fenster prasselnden Regens war ich eingeschlafen - beziehungsweise schlief ich noch, denn plötzlich erschien ein Mann neben meinem Bett. Wie er aussah weiß ich noch allzu genau, es ist mir unmöglich  zu beschreiben. Er hatte etwas mächtiges an sich, nichts göttliches, doch etwas vergleichbares, ein Mensch war er wohl keineswegs.
Mein Blick ruhte auf dem Fremden, ich musterte ihn interessiert, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, wie er dann in das Haus gekommen war. „Sei gegrüßt, ich bin Dream, Dream von den Ewigen.“ - „Hallo, Dream“ antwortete ich erfürchtig, weiterhin ohne mich über seine Anwesenheit zu wundern.
Ich setzte auch gerade an mich vorzustellen, als er mich unterbrach „Nein, nenne deinen Namen nicht, dort wo ich dich in führen werde brauchst du einen anderen Namen... Und nun nenne mir diesen.“ - „Wyria“ entkamt das unbekannte Wort meiner Kehle, doch schien es so seltsam vertraut. Dann durchschritten wir eine hölzerne Tür, die sich plötzlich in der Mitte meines Zimmers befand. Wir gelangten in einen Saal mit tausenden andersartigen Türen und Morpheus erklärte mir, dass jede dieser Türen in einen anderen Teil der Unendlichkeit führe.
Doch waren wir nicht allein der Halle, wenige Meter entfernt stand ein Mädchen mit bunten, wirren Haare, einer Netzstrumpfhose und einer schwarzen, etwas zerrissenen Lederjacke. Neben ihr stand ein Hund der die Leine eines kleines, fliegenden Fischchen im Maul hielt. Das seltsame Mädchen blickte den Herren der Träume mit ihren verschiedenfarbigen Augen an „Warum tust du dies? Warum zeigst du dem Menschenkind unserer Welt?“ - „Death lebt einmal im Jahr wie eine Sterbliche, ich zeige einer Sterblichen unser Reich“ Ein kurzes Nicken und ein Winken in meine Richtung ist die Antwort auf diese erklärung. Plötzlich erschien in ihrer Hand eine kleine bunte Schildkröte, welche sie mir mit den Worten „Er heißt Ertlin Sorkisansu. Pass gut auf ihn auf. “ gab. Dann verschwand sie mit samt Hund und Fisch durch eine der unzähligen Türen. Der kurze Blick, den ich während des Zufallens der Tür erhaschen konnte, zeigte einen in tausend Farben schillernden Ort ohne jede Ordnung.
„Ich werde dir jetzt meine Residenz zeigen“ Dream war wieder neben mich getreten und öffnete ein schmiedeisernes Tor. Schon standen wir vor einem hochaufragenden Gebäude mit unzähligen Türmen und verwinkelten Mauern. Vor dieser Burg standen drei Wesen als Wachen: ein Löwe, ein geflügeltes  weißes Pferd und ein rötlicher Drache. Wortlos ließen sie uns – mich und ihren Herren – passieren, obgleich ihre Blicke mich misstrauisch traktieren. Im Inneren befanden sich tausend Räume: manche große Säle, manche winzige Kammern. Der Mittelpunkt dieses Palastes war nicht – wie zu vermuten gewesen wäre – der Thronsaal, sondern  eine riesige – endlose –   Bibliothek in der alle Bücher dieser und andere Welten zu finden waren. All die  Bücher die bereits geschrieben waren, all die Bücher die noch geschrieben werden müssen, all die Bücher die noch nicht geschrieben wurden und die auch niemals jemand schreiben wird.
Nachdem die Führung durch die Residenz des Traumkönig abgeschlossen war, begann er mir die Welt in der lebte, die Welt, deren Herr er war, mir zu zeigen. Er zeigte mir eine Welt, die zuvor wohl noch nie ein ganz und gar menschliches Auge gesehen hatte, er zeigte mir ‚The Dreaming‘ – Die Träume.
Er zeigte mir vieles. Die Höhle in der man Loki bis Ragnarök gefangen halten wird und sein Leib immer und immer wieder vom Gift einer Schlange verbrannt wird. Es ist nichts Gutes oder Schönes, es ist notwendig und so sollte ich es sehen.
Ich lernte den Ort kennen, an dem Kain und Abel gemeinsam mit dem goldenen Ungeheuer Irwing leben und sterben.
Ich sah die Höhlen von Eva und ihrem Geliebten, dem Raben Matthew.
Er zeigte mir eine ganze Welt – wenn nicht sogar mehr – innerhalb weniger Stunden.
Schließlich befanden wir uns wieder in der Halle der unzähligen Türen, von denen dieses Mal jedoch eine einen Spalt breit offenstand. Von Neugier getrieben schlüpfte ich hindurch.
Drei Frauen erwartetet mich dort, eine wunderschön und jung, eine mittleren Alters, und die letzte schon in weit fortgeschrittenem Alter. „Drei Fragen hast du, mein Kind, drei Antworten geben wir dir, keine mehr, keine weniger“ Ein schwaches Grinsen umspielte meine Mundwinkel, als ich die Frage aller Philosophen stellte „Wer bin ich?“ - „Wyria, du bist Wyria. Du bist die, zu der du dich machst.“ Eine kryptische Antwort, nicht, dass was ich erhoffte hatte, doch genau die Antwort, die ich erwartet hatte. „Und der Sinn des Lebens, was ist der Sinn des Lebens?“ - „Die Suche. Der Weg ist das Ziel“ Nun hatte ich bereits zwei allzu klischeehafte Fragen gestellt, da verließ bereits die Dritte meinen Mund „Was geschieht nach dem Tod?“ - „Das, mein Kind, fragst du besser Death selber..“ mit diesen Worten deutete eine der Frauen – welche konnte ich  nicht sagen, sie schienen dauernd ihre Gestalten zu wechseln, mal stand die Junge dort, mal dort – auf eine junge Frau, welche sich im gleichen Raume befand – vorher hatte ich sie nicht bemerkt, sie schien erst jetzt erscheinen zu sein.
Sogleich ging ich auf die andere Frau zu „Hallo..“ grüßte ich sie zaghaft „Hallo, ich bin Death, der Tod – die Tod wohl eher“ ein leichtes Lächeln ist auf ihren Lippen zu sehen „Und mit wem habe ich die Ehre?“ erkundigt sie sich dann nach meinem Namen „Wyria nenne ich mich.. Mir wurde gesagt ich sollte mich mit meiner Frage an dich wenden..“ - „ Du willst wohl die Frage stellen, die jeder Sterbliche sie hat?“ fragt sie grinsend „Hm.. Ja.. Was geschieht nach dem Tode?“ - „Nun ja, ich kann dir leider nur die gleiche Antwort geben wie allen anderen: Finde es selber heraus..“ Nickend gebe ich mich mit dieser Auskunft zufrieden..
„Willst du mit mir in die Elfenstadt kommen?“ fragt sie dann plötzlich. „Ich denke sie wird dir gefallen..“ Sofort willige ich ein.
Dort angekommen wurde ich einem Elfen vorgestellt, welcher mich durch die gesamte Stadt führte, mehrere Tage brauchte dieses Unternehmen, so dass ich einige Nächte in seinem Hause schlief. Dann unterbreitet er mir den Vorschlag noch etwas länger in der Stadt zu bleiben, und ich nahm diese Einladung gerne an.
Aus Tagen wurden Wochen und Monate. Sogar meine Liebe fand ich dort, in meinem freundlichen Gastgeber. So schienen innerhalb eines Schlafes – einer Nacht – Jahre zu vergehen, ich wohnte weiterhin in seinem Hause, gemeinsam gründeten wir sogar eine Familie, ich alterte nur langsam, den  Elfen gleich, die eine viel höhere Lebenserwartung als die Menschen hatten.
Als ich dann erwachte, hatte ich tatsächlich das Gefühl ein ganzes Leben – sogar mehr noch – gelebt zu haben. Seltsam schwach fühlte ich mich, konnte mich kaum bewegen und erkannte in einem Moment von seltsamer Klarheit, dass ich sterben werde. In meinem Geist bildete sich die Frage, ob daran dieser seltsam reale Traum Schuld trug. Doch da hört ich die Stimme der Moiren „Nein, mein Kind“ und ich wusste, dass mein Herz niemals stark genug gewesen war, um mir ein langes Leben zu schenken. So blieb ich liegen und obgleich meine Augen feucht schimmerten, lag ein Lächeln auf meinen Lippen. „Danke Dream..“ erklang eine leise Stimme, und ich wusste nicht, ob ich es gesagt hatte, oder es doch Death gewesen war, die nun an mein Bett trat.
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