Weihnachten

von kuyami
GeschichteRomanze / P12 Slash
Die deutsche Nationalmannschaft Werder Bremen
26.12.2009
26.12.2009
1
2.066
 
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
26.12.2009 2.066
 
Titel: Weihnachten
Summary: Zwei Tage vor Weihnachten begeht Clemens einen Fehler und Per verlässt ihn. Auch an Weihnachten sieht es noch so aus, als würde er seit 6 Jahren das erste Weihnachten allein verbringen.
Pairing: Clemens Fritz / Per Mertesacker
Rating: P12-Slash
Beta: Sammy-chan (DANKE!)
Warning: irgendwie mal wieder: fluffiges Ende ^^
A/N: Wichtelgeschenk für JennyCG, nur mit ihrer Erlaubnis on gestellt :)


                            ___________________________________________________________

Weihnachten.
Alles ist still, kein einziges Auto fährt vorbei. Der Schnee fällt leise. Keine einzige Fußspur im Schnee, kein Mensch auf der Straße. Nur die Straßenlaternen, die ihr hässliches, fast schon oranges Licht auf den Schnee werfen. Einige Schneeflocken tanzen im Lichtschein gen Boden und es werden immer mehr.

Weihnachten.
Das erste weiße Weihnachten seit Jahren. Seit sechs Jahren, um genau zu sein. Denn jedes Weihnachtsfest, das ich mit dir erlebt habe, war grau, nass und matschig. Dabei waren es die sechs schönsten Jahre meines Lebens. Und mit dir unter einem Weihnachtsbaum zu sitzen, entschädigte mich für jede einzelne nicht gefallene Schneeflocke.

Aber jetzt, jetzt schneite es. Das erste Mal seit sechs langen Jahren. Und das erste Mal seit sechs Jahren stand ich alleine hier am Fenster und beobachtete die Schneeflocken. Ich hatte den Schnee immer geliebt, mich immer gefreut wie ein kleines Kind, wenn es das erste Mal geschneit hatte. Ich stand mit leuchtenden Augen am Fenster und wollte den Blick gar nicht mehr abwenden. Im Ohr hatte ich dein leises Lachen, du hast deinen Arm um mich gelegt und mir eine Tasse mit dampfend warmem Tee gereicht. Und dann habe ich mich einfach zurückgelehnt und konnte mir deiner Arme, die sich um meine Mitte schlangen, sicher sein.

Doch, wenn ich mich jetzt zurücklehne, dann falle ich. Falle so unglaublich tief. Denn ich habe kein leises Lachen im Ohr, die ganze Wohnung ist still, wie ausgestorben. Kein Arm, der sich um mich schlingt und keine Tasse Tee. Kein Stückchen Wärme mehr. Ohne dich ist alles so furchtbar kalt.

Heimlich, still und leise sind es immer mehr und mehr Flocken geworden und ich kann die Straßenlaterne schon gar nicht mehr richtig erkennen. Mein Blick verschleiert und ich spüre eine kalte Träne, die heimlich, still und leise auf meine Hand tropft.
Mit den Händen fahre ich mir über die Augen. Sie tun weh. So, als hätte ich schon nächtelang nicht mehr geschlafen. Das habe ich auch nicht. Wie könnte ich auch jemals wieder schlafen, ohne dich an meiner Seite?
Ich drehe mich um und lasse meinen Blick im dunklen Wohnzimmer umherschweifen. Wenn ich die Augen schließe, dann kann ich noch sehen, wie wir zusammen hier herumgealbert haben, während wir alles festlich mit Lichterketten dekoriert haben. Den Baum aufzustellen, das war immer deine Sache, schließlich bist du ja um einige Zentimeter größer. Auch, wenn du mich dann immer extra ein Stückchen hoch gehoben hast, nur damit ich unseren Christbaum mit einer Spitze schmücken konnte.
Im Hintergrund lief immer deine uralte Schallplatte mit Weihnachtsliedern, die du jedes Jahr wieder aus dem Keller geholt hast. Das war immer der einzige Tag, an dem ich dich leise singen hören konnte, wenn ich dich heimlich beim Schmücken des Baumes beobachtet habe.

Langsam öffne ich die Augen und muss mich erst daran gewöhnen, dass hier alles finster ist. Keine Lichterkette, keine Weihnachtsmusik. Doch der bekannte Geruch nach Wald und Bäumen steigt mir trotzdem in die Nase. Er kommt von dem Christbaum, der in der Ecke des Wohnzimmers lehnt. Nicht aufgestellt, nicht geschmückt. Du hast ihn hier ins Wohnzimmer hoch getragen und ich habe dich lachend von den ganzen Tannennadeln in deiner Mütze befreit. Das war der Tag, an dem du gegangen bist. Ich hab den Baum kein einziges Mal angefasst. Auf dem Wohnzimmertisch stehen noch die ganzen Kisten mit Lichterketten und Christbaumkugeln bereit. Doch ich habe sie kein einziges Mal angerührt.

Zwei Tage vor Weihnachten.
Es waren noch genau zwei Tage bis Weihnachten, als ich dir sagte, dass ich mich nicht mehr verstecken will. Dass ich es satt habe, mich für etwas so Wunderbares zu schämen. Als ich dir vorwarf, feige zu sein. Weil du dich nach sechs Jahren Beziehung mit mir immer noch nicht getraut hast, es öffentlich zu machen. Als ich mich laut fragte, was das für eine Beziehung sei, in der du dich augenscheinlich für mich schämtest. Zwei Tage vor Weihnachten bist du gegangen. Du bist nicht wiedergekommen. Aber ich sehe noch jetzt das Glitzern der Tränen auf deinen Wangen, bevor die Tür ins Schloss gefallen ist.

Einen Tag vor Weihnachten.
Es war nur noch ein Tag bis zum großen Weihnachtsfest und als ich durch die Straßen lief, musste ich mir durch hektische Menschenmassen hindurch einen Weg bahnen, die noch schnell Geschenke besorgen wollten. Von überall her drangen weihnachtliche Gerüche auf mich ein und trieben mir Tränen in die Augen. Noch nie hatte ich all das so sehr gehasst, wie diesen einen Tag vor Weihnachten. Dann hatte ich es endlich erreicht. Das Haus, in dem du Zuflucht gefunden hast. In dem du vor mir Zuflucht gefunden hast, weil du mich nicht mehr ertragen hast. Weil ich dafür gesorgt habe, dass du mich nicht mehr ertragen hast. Nach einem zögerlichen Klingeln hast du mir die Tür geöffnet. Ich wollte mit dir reden, dir alles erklären und mich entschuldigen. Doch ich tat es nicht. Ich konnte es nicht. Kein einziges Wort wollte meinen Mund verlassen, als du mit traurigen und fast schon flehenden Augen vor mir gestanden hast, die nur auf ein einziges Wort der Entschuldigung gewartet haben, um mir zu verzeihen. Doch diese Worte blieben ungesagt. Und das Letzte was ich sah, bevor du die Tür geschlossen hast, war das Glitzern der Tränen auf deinen Wangen.
Mit zitternden Knien stand ich da, eine Hand flehend nach dem Türknauf ausgestreckt. Und ich wartete, dass du mir die Tür wieder öffnen, mich in deine Arme ziehen und mir ins Ohr flüstern würdest, dass alles in Ordnung ist. Doch die Tür blieb verschlossen. Einen Tag vor Weihnachten.

Weihnachten.
Jetzt sitze ich im Dunkeln auf dem Sofa, vor mir die noch immer unausgepackte Weihnachtsdekoration, hinter mir der noch immer nicht aufgestellte Christbaum. Noch immer keine Weihnachtsmusik und noch immer keine warme Tasse Tee. Noch immer nicht du. Nur ich ganz allein. Und ein Klingeln an der Haustür.

Als ich etwas zögernd die Tür öffne, ist das Erste, was ich sehe eine große rote Christbaumkugel.
Du hältst sie mir entgegen und grinst mich mit glühend roten Wangen vorsichtig an. Am liebsten würde ich dich sofort in den Arm nehmen, doch noch sehe ich dich etwas fragend an. "Es ist schon Weihnachten. Unser Baum muss doch endlich mal richtig geschmückt werden, oder?", erklärst du und hältst die Christbaumkugel zur Erklärung hoch. Und dann grinst du mich an. Aufrichtig. Ehrlich. Und ich grinse zurück. Aufrichtig und ehrlich. Und als du mich fest an dich drückst und mit dem Fuß die Tür schließt, da weiß ich, dass du mir vergeben hast und ich dir vergeben habe. Denn dazu brauchen wir keine Worte.

Wenig später sitze ich im Wohnzimmer und kann es gar nicht glauben. Du bist wieder hier. Hier bei mir. Und obwohl das Zimmer noch immer genauso kahl aussieht, wie vor einigen Minuten, ist es nun doch voller Wärme. Meine Augen füllen sich mit Tränen, als du aus dem Keller wieder nach oben kommst. In der einen Hand den Christbaumständer und in der anderen deine Weihnachts-Schallplatte. Hinter mir klatschen die Schneeflocken gegen die Scheibe und der Wind pfeift jetzt leise ums Haus.
Und vor mir stehst du. Du legst deine Schallplatte auf und kaum spielt die Musik, da machst du dich mit einem breiten Grinsen daran, das Kabel der Lichterkette wieder zu ordnen, das ich jedes Jahr wieder aufs Neue durcheinander bringe.
"Was ist? Willst du da Wurzeln schlagen?", fragst du mich grinsend und summst im nächsten Augenblick vor dich hin, während du unseren Christbaum aufstellst. Gemeinsam schieben wir ihn in die Ecke, in der er jedes Jahr steht. Seit sechs Jahren.
Und wie letztes Jahr und all die fünf Jahre zuvor bleiben wir beide kurz andächtig davor stehen und halten uns einen Moment einfach im Arm. Und alles ist an seinem Platz. Dort, wo es hingehört. Seit sechs Jahren.

Wir sprechen an diesem Abend nicht mehr über unseren Streit, entschuldigen uns oder sprechen ein Coming-Out auch nur an. Doch der Abend ist perfekt. Mit tanzenden Schneeflocken und bitterer Kälte draußen und molliger Wärme in unserem Wohnzimmer, wo wir zusammen auf dem Sofa sitzen und eine heiße Tasse Tee trinken.

Als ich am nächsten Morgen aufwache, ist das Bett neben mir kalt, du bist weg. Langsam stehe ich auf und mach mich sofort auf die Suche nach dir. Ich finde dich im Wohnzimmer. Du lehnst mit dem Rücken an dem Fenster, an dem ich noch vor ein paar Stunden verzweifelt auf deine Rückkehr gewartet habe. Mit einem sanften Lächeln auf dem Gesicht wendest zu deinen Blick von unserem geschmückten Weihnachtsbaum ab und mir zu. Lange betrachtest du mich schweigend, dann rückst du auf der Fensterbank ein Stück zur Seite und ich verstehe deinen Wink sofort. Mit wackligen Knien gehe ich auf dich zu und setze mich neben dich, gebe dir einen kleinen Kuss auf den Hals.
Noch immer zittern meine Knie, weil ich nicht weiß, was jetzt kommt. Dein Blick ruht noch immer auf mir, doch du verlierst kein Wort. Als sich deine Hand in meine schiebt und du sie kurz drückst, muss ich schlucken. Langsam beugst du dich zu mir, schließt die Augen und küsst mich. Kaum hast du dich wieder von mir gelöst, lehnst du deine Stirn gegen meine, hältst die Augen noch immer geschlossen und flüsterst: "Genau das will ich tun können. Immer. Egal wann, egal wo. Jeder soll sehen können, dass ich dich liebe."
"Aber... ", will ich doch unterbrechen, doch du legst mir einen Finger auf die Lippen.
"Ich bin die ganze Nacht wach gelegen und habe nachgedacht. Und nicht nur diese Nacht. Die ganzen letzten Nächte. Und du hast Recht, ich bin feige. Aber eins sollst du wissen: Ich habe mich nie für dich geschämt. Niemals", versicherst du mir und legst einen Arm um mich.
"Und ich will das alles nicht mehr. Ich will mich nicht mehr verstecken müssen."
Wieder öffne ich den Mund, will etwas anmerken, will dich unterbrechen. Doch du schüttelst nur leicht den Kopf und ich behalte es für mich.
"Ich hab mir das gut überlegt und ich bin mir auch der Konsequenzen bewusst. Aber weißt du was? Es ist mir egal, ob die Fans mich hassen, ob ich ab sofort nur noch auf der Bank sitzen muss, ob sie mich aus der Nationalmannschaft oder auch aus dem Team werfen. Das ist mir alles egal. Soll sich die ganze verdammte Welt doch ihr Maul über mich zerreißen. Verdammt, ich will mich nicht schämen müssen. Nicht dafür, dass ich liebe! Und wenn ich irgendwann mal sterbe, dann will ich dabei deine Hand halten und nicht allein sterben müssen, weil niemand wissen darf, dass wir ein Paar sind. Ich will leben. Ich will lieben. Und ich will deine Hand halten und wissen, dass du bei mir bist. Egal wo, egal wann, egal wer dabei zusieht und egal, wer etwas dagegen hat."
Wieder muss ich schlucken und merke, dass mir eine Träne über die Wange läuft und will sie schnell wegwischen. Doch deine Hand ist schneller, fängt sie auf und wischt sie weg. Du löst dich von mir, hebst meinen Kopf leicht an und siehst mir fest in die Augen.
"Was sagst du dazu?", fragst du leise und wartest bang auf meine Entscheidung.
Doch die steht fest. Steht schon lange fest, seit Tagen, seit Wochen, vielleicht auch schon immer.
Mehr als ein Nicken bringe ich nicht zu Stande. Ein einfaches Nicken, eine kleine Geste. Noch will ich mir nicht einmal vorstellen, was dadurch alles ins Rollen kommen wird. Noch nicht. Denn noch bin ich viel zu sehr mit deinen Lippen beschäftigen, die sich fest auf meine pressen. Immer wieder. Bis du dich atemlos von mir löst und leise lachst: "Vor allem will ich, dass wir nächstes Jahr auf der Weihnachtsfeier endlich zusammen auftauchen können. Weihnachten ist doch schließlich das Fest der Liebe."
Ich lächle und ziehe dich in meine Arme.
Alles ist an seinem Platz. Dort, wo es hingehört. Seit sechs Jahren. Für immer.