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...Just another nightmare...

von Miss Vane
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P18 / Gen
24.12.2009
24.12.2009
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1.323
 
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Just another nightmare…


Ich fühle mich so furchtbar, dass ich überlege, die Bandprobe abzusagen.
Es ist schon viertel vor sechs, ich hab eh keine Zeit mehr.

Außerdem sehe ich furchtbar aus.
Mein Gesicht ist rot und geschwollen und weil ich eben versucht habe, mich zu schminken, jetzt auch noch von Maskara überlaufen.

Ich presse mir einen kalten Waschlappen aufs Gesicht, aber er kann meine Stirn nicht kühlen. Wie immer Stunden danach…

Ich muss mich umziehen, dringend!
Ich muss meine Haare in Ordnung bringen und mein Gesicht.
Außerdem rieche ich abscheulich. Doch ich kann mich nicht bewegen. Meine Hände zittern so schrecklich, dass ich sie in meine Oberschenkel krallen muss.

Auf dem Boden liegen noch eine Socke und ein Stirnband, die eben Teil meines Hundekostüms waren.
Mir wird schlecht, wenn ich daran denke, was eben gewesen ist. Ich muss tatsächlich würgen, doch mein Magen ist leer.
Damit hat es heute angefangen, mit dem Mittagessen. Ich wollte wirklich nur ein wenig essen. Nicht mal was Warmes.
Deswegen habe ich versucht, mir einen Toast zu machen.
Dad war schon betrunken, als ich zu Hause ankam. Er saß merkwürdig abwesend an einem Küchentisch, die Bierflaschen in der Hand.
Ich dachte, dass wäre gut so und habe versucht, ihn nicht anzusprechen, ganz nach dem Motto: Wenn ich ihn nicht sehen kann, dann kann er mich auch nicht sehen.
Doch irgendwie klappt das ja nie…
Sobald ich da war ist er aufgetaut. Auf seine Art und Weise.
Er hat angefangen die Namen seiner Töchter runterzusagen. Die Namen meiner großen Schwestern, die alle entweder abgehauen oder gestorben sind.
Ich habe versucht, ihm nicht zuzuhören. Nicht an sie zu denken.
Doch dann kam er bei meinem Namen an. Er hat ihn ausgespuckt, als wäre es ein Schimpfwort und dann hat er begonnen zu fluchen.

„Nur Louisa war erst ein liebes kleines Mädchen, aber das war gelogen. Kleine Schlampe, dreckiges kleines Biest, das Lügen über seinen eigenen Vater erzählt…“

So in etwa.
Ich kenne das ja schon…

Aber dann hat er mich angesehen, mit diesem irren Blick in den Augen, und hat geschrieen: „Ich mach dich tot!!“

Er war so betrunken, dass er eigentlich keine große Gefahr darstellen sollte, doch darauf wollte ich mich lieber nicht verlassen.
Ich wollte wegrennen, doch da hatte er sich schon eine Pfanne gegriffen und auf mich geworfen.
Ich hab geschrieen und mich gerade noch rechtzeitig geduckt.
Dann bin ich aus der Küche geflüchtet und habe die Tür so doll zugeschlagen, dass sie fast zerbrochen wäre.
Mein erster Gedanke war, ihn einzusperren.
Ich hielt die Küchentür fest zugedrückt und suchte oben auf dem Türrahmen nach dem Schlüssel.
Doch bevor ich ihn gefunden hatte, warf er sich schon von innen dagegen. Ich schrie noch einmal und rannte über den Flur in mein Zimmer.
Ich warf die Tür zu und drückte mich dagegen.
Eigentlich hätte ich in dieser Zeit den Schlüssel holen müssen, aber ich konnte mich nicht bewegen.
Tränen strömten mir übers Gesicht, mein Herz schlug heftig gegen die Holztür und meine Hände verkrampften sich eisern um den Türgriff, den ich mit aller Kraft nach oben drückte.

Er begann gegen die Tür zu treten und mir wurde klar, dass ich keine Chance hatte. Selbst wenn es mir gelingen sollte, die Türklinke weiterhin nach oben zu drücken, würde das Holz der Tür bald splittern.

Wo war der Schlüssel?

Hatte er ihn aus meinem Versteck genommen?

Plötzlich schaffte er es, die Tür einen Spalt weit aufzudrücken und seinen Fuß hineinzustellen.
Ich schrie, als er seine Hand durch den Spalt streckte und nach mir griff.
ER brüllte immer noch meinen Namen im Wechseln mit ´böses Mädchen!´ und ´Du warst ungezogen!´.
Als er nach meinem Busen griff, sprang ich einen Schritt zurück und die Tür flog auf.
Hier endet meine Erinnerung.

An einem anderen Ort setzt sie wieder ein.
Es war dunkel und zuerst dachte ich, es wäre Nacht. Dann aber hörte ich Vogelgezwitscher und sah, dass lediglich die Vorhänge geschlossen waren.
Ich war im Schlafzimmer und versuchte, mich zu erinnern, wie ich hierher gekommen war.

Dann hörte ich seinen Atem in meinem Nacken und traute mich nicht mehr, mich zu bewegen.
Vorsichtig sah ich an mir herunter und bemerkte, dass ich in einem selbst gebastelten Hundekostüm steckte.

Einen Moment dachte ich, ich müsste träumen.
Dann fiel mir wieder ein, dass er diese Nummer schon einmal abgezogen hatte. Ich spürte, dass ich zusammengerollt wie ein Tier in seinem Schoß lag und er seine Finger leicht auf meiner Schulter ruhen hatte.
Er ist immer so zärtlich, wenn ich in dem Hundekostüm stecke.

Aber mich widerte der Alkoholgestank dicht an meinem Körper plötzlich so sehr an, dass ich meinte, mich übergeben zu müssen.

Wie spät war es überhaupt?

Fest stand, dass ich das Zimmer irgendwie verlassen musste.
Ich bewegte mich langsam, so, als wäre ich von einer Giftschlange umwickelt, die bei zu schnellen Bewegungen aufwachte und zubiss.

Vorsichtig entwand ich mich seinem Griff.
Von seinem Schoß aus kletterte ich aufs Bett.

„SISSI!“, schrie er und ich erschrak. Er war erwacht, aber offenbar hielt er mich noch immer für die Hündin, die er irgendwann einmal hatte.
„Runter vom Bett!“, donnerte er.

Meine einzige Chance war es mitzuspielen.
Sissi, den Hund, würde er doch niemals schlagen. Immerhin quält er keine Tiere!
Der nächste Schritt war entwürdigend, aber überlebenswichtig.

Ich begann zu bellen wie ein Hund. Nicht besonders gut, aber wenn er besoffen ist, überzeugt ihn fast alles.
Dann sprang ich mit allen Vieren vom Bett und wollte flüchten, aber er rief mich.

„Sissi! Hey, komm her, mein Mädchen…“

Ich musste mich jetzt verhalten wie der Hund, also krabbelte ich auf allen Händen und Knien zu ihm hin und winselte leise, als er die Hand ausstreckte.
Doch seine Berührung war zärtlich, als er meinen Kopf anfasste. Sanft kraulte er mich hinter den Ohren und redete mir beruhigend zu.

Etwas später klingelte es and er Tür.
Endlich – das musste meine Mutter sein!
ER sprang auf und kaum hatte er den Raum verlassen, nutze ich die Gelegenheit um mir das Hundekostüm vom Körper zu reißen .

„Das Mädchen war ungezogen heute!“, hörte ich ihn an der Tür schreien. „Komm raus, Kleine, ich weiß, du bist hier irgendwo!“


´ Natürlich bin ich hier, du Idiot!´, dachte ich stumm, während ich aus der Tür des Schlafzimmers in den Flur trat.
Mama sah mitgenommen aus von der Arbeit.
Sie war zu stark geschminkt und ihre Haare saßen längst nicht mehr richtig.
Ire Augen sahen alt aus.
Traurig musterten sie mich.

Während Dad seine vom Alkohol verdrehte Version unseres Tages erzählt, versuche ich Mama klarzumachen, was wirklich gewesen ist.
Mit meinen Augen und mit dem einen Hundeohr, das ich noch in der Hand habe.
Sie nickt leicht, ihre Augen füllen sich mit Tränen.
Es tut ihr leid, ich weiß. Doch was bringt mir das?


Und jetzt stehe ich vor meinem Kleiderschrank, werfe panische Blicke zur Uhr und habe Angst mich auszuziehen.
Nicht nur, weil jemand reinkommen könnte. Schlüssel haben in diesem Haus noch nie eine größere Funktion als die eines Druckmittels erfüllt.

Eher, weil ich Angst habe meinen Körper anzusehen.
Ach was, sage ich mir. Es ist nichts passiert! Du warst für ihn nur Sissi, mehr nicht…
Ich ziehe mir das T-Shirt über den Kopf und will schreien.

Meine blassen Brüste sind voller Kratzspuren.
Rote Schlieren um die Brustwarzen herum, die dreckige Fingernägel dort hinterlassen haben. Also doch…!

Ich versuche mir nicht vorzustellen, wie mein BH mit zerrissenem Verschluss irgendwo in die Ecke gefeuert liegt.

Tränen laufen schon wieder über mein Gesicht. Die Schminke ist damit wohl schon wieder erledigt.
Ich kann so nicht gehen!
Ich schaffe es nicht mehr pünktlich, wenn Mama mich nicht fährt und den Geräuschen nach zu urteilen, liegt sie gerade heulend auf dem Bett.

Ich muss Rieke absagen, schnell.
Doch kann ich wirklich so weinend bei ihr anrufen, um mit ihr zu reden?
Ach egal, soll sie doch denken, was sie will

Doch ich kann ihre Nummer nicht wählen, meine Finger zittern zu sehr…
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