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Tag vor Heiligabend

GeschichteDrama / P12 / MaleSlash
Dee Layton Randy "Ryo" MacLane
20.12.2009
03.06.2010
5
14.839
 
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8 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
20.12.2009 4.098
 
Titel: Tag vor Heiligabend
Teil: 4/4 (+Epilog)
Autor: Yamica
Email: yamica@craig-parker.de
Fanfiction: FAKE
Rating: PG
Warnung: [depri]
Kommentar: Die Idee zu der Geschichte liefert eigentlich ein alter Film mit Harrison Ford...vielleicht kennt den sogar jemand^-^
Prinzipiell leiden in meinen Geschichten immer meine Lieblinge, aber wer hier mehr leidet dürfte fraglich sein......
Disclaimer: Gehört mal wieder nix mir, sondern Sanami Matoh und wohl noch ein paar anderen *seufz* und Geld kann ich mit meinem Geschreibsel wohl kaum machen...^.^;;


Dee wollte nicht von seiner Seite weichen, aber die Krankenschwester scheuchte ihn irgendwann hinaus. Er ging aber nicht ohne einen Zettel für Ryo zu hinterlassen.

So ging es einige Tage weiter und Ryo machte Fortschritte, bis Dee eines Morgens früh in das Zimmer kam.
"Ohayo koibito!", flüsterte er leise um Ryo nicht zu wecken, sollte der noch schlafen.

Aber das abgedunkelte Zimmer schien leer zu sein und die Infusion mit samt dem Ständer fehlte. Das Bett war frisch gemacht und nichts erinnerte daran, dass es noch vor kurzem belegt gewesen war.

Dee stockte. Ihn ergriff Panik als er den Gang hinunter rannte auf der Suche nach irgendwem. Schließlich prallte er mit einen Krankenschwester zusammen.

"Randy McLane wo... wo ist er?"

"Ah... Mr. McLane ist in der Physiotherapie... aber da können sie jetzt nicht hin!!!", rief sie Dee noch hinter her, als der schon weiter den Gang hinunter lief.

Dee suchte die Türen ab und fand die Physiotherapie. Er klopfte, trat aber gleich ein und sah sich suchend um.

Mehrere Augenpaare richteten sich auf ihn, sowohl von Therapeuten wie auch Patienten, doch Dee interessierte sich nur für zwei dunkle Augenpaare, die ihn fast etwas verschreckt anguckten. Als ob sie sich bei etwas Verbotenem ertappt fühlten. Dann aber glitt ein Lächeln über Ryos Lippen und sein Griff um zwei Holzstangen, in deren Mitte er stand, verstärkte sich.

Dee seufzte erleichtert und kümmerte sich nicht um die anderen. Er ging zu Ryo und drückte ihm einen kleinen guten Morgenkuss auf die Wange. "Na Du hast mir vielleicht einen Schrecken eingejagt", tadelte er liebevoll, "Trainierst
hier seelenruhig und ich finde Dein Zimmer leer vor!"

Ryo nickte auf den Rollstuhl am Ende des Barrens und lächelte scheu. Dass Dee ihn jedes Mal so herzlich begrüsste war ihm noch ziemlich fremd, nicht im eigentlichen Sinne von unangenehm, nur irgendwie schienen alle Leute sie
dann seltsam an zu sehen.

Dee nickte und hockte sich in eine Ecke. Er war still und ließ Ryo trainieren, lauerte aber jedes Mal wenn jemand Ryo zu nahe kam, ob dieser ihm auch nicht weh tun würde.

Doch der einzige der Ryo weh tat, war er selber, weil er nicht im Entferntesten daran dachte auf zu geben. Auch nicht als seine Hände weh taten und sich Blasen bildeten. Unermüdlich schob er einen Fuss um den anderen voran.

Erst vor zwei Tagen hatte er angefangen damit und schon wollte er am liebsten einen Marathon mit laufen. Sein Griff war inzwischen wieder fast so kräftig wie vor dem Unfall und so lange es nicht um kleine, fein koordinierte
Tätigkeiten ging, merkte man kaum etwas.

Dee schüttelte den Kopf. Er wusste inzwischen, dass er Ryo nicht von solchen Sachen abhalten konnte, also ließ er ihn machen um nachher für ihn da zu sein, wenn die Schmerzen ihn doch zwangen aufzugeben.

Schliesslich schien es so weit zu sein. Der Schweiss lief Ryo bereits die Schläfen herab und die dunkelblonden Haarsträhnen klebten an seiner Stirn. Seine Arme begannen erst schwach, dann immer offensichtlicher zu zittern.
Man konnte sehen, wie er sich mit aller Kraft auf die Unterlippe biss und weiter zurück auf Dee zu ging.

Dee stand auf und schloss ihn in seine Arme: "Genug?", flüsterte er.

Ryo sah ihn aus grossen Augen an und wollte den Kopf schütteln, aber da spielten ihm seine Beine auch schon einen bösen Streich und begannen nach zu geben.

Dee hob ihn in seinen Rollenstuhl, aber nicht ohne ihn ein wenig länger als nötig festzuhalten und das Gefühl sehr zu genießen.

"Das hast Du sehr gut gemacht heute!"

Nun schüttelte Ryo doch widerwillig den Kopf und schnaubte wütend auf. Er hatte heute ohne den dummen Barren gehen wollen und es doch nicht geschafft. Resigniert lies er Kopf sinken und starrte seine Beine wütend an, als ob sie
Schuld an allem wären.

"Doch! Du kannst es schon viel besser!"

Unsicher sah Ryo hoch, nur um in hoffnungsvolle, grüne Augen zu blicken, die ihm in den letzten Wochen so vertraut geworden waren. Dennoch konnte er sich an nichts erinnern, sein Kopf schien einer Festplatte gleich, die man neu formatiert hatte.

"Wollen wir noch etwas nach draußen?"

Der junge Polizist nickte schwach und rutschte etwas tiefer in den Rollstuhl.

Dees Hand legte sich an Ryos Wange als er seinen Freund langsam nach draußen schob. Er liebte es ihn berühren zu dürfen, auch wenn er manchmal das dazugehörige Gemotze vermisste.

Der grübelnde Blick blieb bei Ryo weiter bestehen, auch nachdem sie den Krankenhauspark erreicht hatten. Die alte Eiche, die er von seinem Zimmer aus immer gesehen hatte, war zu seinem Lieblingsort geworden, zu mal der kleine
Gehweg kaum genutzt wurde. So war der Bank bei dem grossen Baum auch meistens frei.

Dee half ihm beim Aufstehen und auf die Bank setzen. Er platzierte sich daneben und sah gedankenverloren in den Park.

"Geht es Dir gut, Ryo?"

Langsam drehte sich Ryos Kopf zu Dee. Er legte den Kopf etwas schief und zuckte dann mit den Schultern. Mit einer Hand fasste er sich an den Verband an seiner Stirn, den er noch immer anhatte.

"Abgesehen von deinen Kopfschmerzen!", grinste Dee.

Darauf hin lächelte Ryo wieder. Seine Hand senkte sich und legte sich vertraut auf Dees Unterarm. Er war müde, aber noch wollte er die Zeit mit seinem Partner geniessen. Die Geschichten die er ihm erzählen konnte, glichen nicht
selten eher einem spannenden Krimi, als dem wahren Leben und wann immer Dee von einem besonders spektakulären Fall berichtete, sah Ryo ihn kritisch abschätzend an.

Dee küsste Ryos Schläfe. "Ich liebe Dich weißt Du das?"

Eine auffallende Röte überzog Ryos Gesicht und er verkrampfte sich leicht. Dennoch nickte er und versuchte Dee nicht weg zu stossen.

"Was ist? Du bist so abweisend heute! Hab ich Dir weh getan?"

Augenblicklich schüttelte Ryo den Kopf. Nein, wie sollte er ihm denn sagen, dass es sich seltsam anfühlte von einem anderen Mann so berührt zu werden? Demjenigen, der sich Tag für Tag auf machte und ihn hier besuchte. Der ihm
Mut zu sprach wenn er aufgeben wollte und sich fast mehr freute als er selber, wenn er einen Fortschritt machte?
Ryo wusste es nicht. Wollte es auch gar nicht, den anscheinend hatte er ihn doch auch mal geliebt, doch waren diese Gefühle nun hin? Wo war das viel besagte Kribbeln im Bauch oder diese Wärme wenn man von seinem Geliebten
berührt wurde?

"Ryo ich...", Dee seufzte. Er sah seinen Freund liebevoll an und senkte seine Lippen auf dessen. Der Kuss war sanft und nicht gerade zurückhaltend, aber auch nicht zu fordernd.

Erschrocken weiteten sich Ryos Augen, aber er wich nicht zurück. Konnte nicht, wollte es irgendwie auch gar nicht. Er griff nach Dees Ärmel, um ihn weg zu stossen, doch aus irgend einem Grund tat er nicht das, sondern genau das Gegenteil: er hielt ihn fest... und langsam schlossen sich seine Augen, ergab er sich in dem Kuss, den ihm Dee auferlegt hatte.

Als Dee wieder von ihm abließ, tat es ihm schon fast leid. "Tut mir leid... wenn Du mir eine scheuern willst, ist jetzt wohl der richtige Augenblick!"

Aber Ryos Augen waren nach wie vor geschlossen und er suchte erst mal nach einem klaren Gedanken. Schliesslich, ohne weiter auf das Geschehene ein zu gehen, zog er sich den Rollstuhl heran.

"Aa... okay ich bringe Dich wieder rein!" Dee spürte die gedrückte Stimmung und hasste sich dafür.

Zurück in seinem Zimmer verkroch sich Ryo fast sofort in seinem Bett. Dass Essen welches die Krankenschwester wenig später brachte, rührte er kaum an. Irgendwie schien seine Gefühlswelt momentan in einem gewaltigen Chaos zu schweben.

"Na ja also... ich... werd dann mal...", sagte Dee leise und wartete auf eine Reaktion.

Ryo sah unter der Bettdecke hervor und erinnerte mehr den ja an einen kleinen Jungen. Schliesslich nickte er. "Aaa... D--deee... go..mn...", murmelte er leise.

"Ist schon gut... ist wohl besser wenn ich ein paar Tage nicht komme..."

Das wiederum lies Ryo hoch fahren und er starrte Dee fast panisch an. "N'in... du... Dee..."

Dee war gerade im Begriff gewesen zu gehen. Nun drehte er sich um und starrte Ryo mit ernster Miene an. Er wartete auf eine Antwort. Seine grünen Augen hatten einen unnatürlich Glitzern.

Das zerriss Ryo zwar beinahe das Herz, trieb ihm aber gleichzeitig auch die Tränen in die Augen. Er wusste überhaupt nichts mehr. Hatte er seine Vergangenheit verloren, so verlor er nun auch noch den kleinen Rest der ihm geblieben war. Was denken? Was fühle? Wie reagieren? Er wusste es nicht und er begann zu beben, als die Tränen sich unaufhaltsam ihren Weg nach oben bahnten. Schliesslich warf er sich in die Kissen und begann zu weinen. Das Schluchzen wurde von den Kissen beinahe vollkommen geschluckt und Ryo klammerte sich krampfhaft daran fest.

Eine Hand legte sich auf seinen Rücken und das Absinken des Bettes zeigte an, dass sich jemand darauf gesetzt hatte. "Ist ja gut... ich... ich kann auch bleiben, ich will es ja auch, aber ich habe Angst Dir weh zu tun!"

Ryo hob den Kopf und drehte sich um. Sah Dee mit nass glänzenden Augen an. Er hatte das Gefühl, als würde jemand seinen Magen nehmen und herum wirbeln und doch war es nicht das unangenehme Gefühl, wie wenn ihm vom Essen übel wurde, was so oft in letzter Zeit der Fall gewesen war.

Irgendwie schlug die Erkenntnis ein wie ein Blitz! War etwa DAS dieses Gefühl? Das, von dem so viele immer sprachen? Er sah den Dunkelhaarigen lange an, während glänzende Tränen ihren Weg seine Wangen entlang suchten und schließlich von seinem Kinn direkt auf Dees Hand fielen.

"Jetzt hab ich Dich schon wieder zum Weinen gebracht... entschuldige!" Mit traurigen Augen wischte Dee ihm die nassen Spuren weg.

Entschlossen schüttelte Ryo den Kopf. Dann schlang er die dünnen Arme, die wirklich nur noch aus Haut und Knochen und ganz wenig Muskeln zu bestehen schienen, um Dees Hals und legte seinen Kopf auf dessen Schulter.

"Ryo? Geht es Dir gut? Was ist denn?"

Aber der Kleinere antwortete nicht, sondern klammerte sich noch fester an Dee.

Dee ließ sich das gefallen. "Ist schon gut ich bleib ja hier."

Ryo nickte und ganz langsam beruhigte er sich wieder. Dee würde bei ihm bleiben, was von seiner Vergangenheit geblieben war würde bleiben und ihn nicht einfach so verlassen wie seine Erinnerungen. Er atmete tief durch und löste sich dann entschlossen von Dee. Auch wenn sein Gesicht noch von den Tränen gezeichnet war, so schien doch ein bekannter Funke in den braunen Augen entstanden zu sein. "Ge-ehen... jetz... t..." Worte die sichtlich mühsam hervor gebracht waren, aber Ryo wollte jetzt gehen. Am liebsten hier und auf der Stelle. Ohne Hilfe, ohne den lästigen Barren. Er rutschte zurück und  schwang seine Beine über die Bettkante.

"A-a-aber wir... Ryo das geht nicht so einfach! Ich würde Dich ja auch gerne mitnehmen aber..."

Was Dee erntete, war ein finsterer Blick und ein Ryo, der sich am Bettgestell hoch zog, um sich auf zu richten.

"Das gibt Ärger...", stöhnte Dee. Dann aber sah er Ryo an. "Komm her Schatz!"

Ryo sah ihn ernst an. "Ich... kann... d-das!!!"

"Ja aber ich helfe Dir dabei okay?"

"A-aah.... a-a-aber ich... hier d-d-drinn... niiie erinn-nere..." Ryo war entschlossen und wenn er etwas nach wie vor besass, war es ein Dickschädel.

"Lass uns nach Hause gehen okay?" Dee sah ihn lächelnd an.

"Nach... Hau... se..." Ryo lächelte. Er war gespannt, wie dieses zu Hause aussah.

Dee kramte Ryos Sachen hervor und half ihm beim Anziehen. "Wir müssen vorsichtig sein, dass uns keiner erwischt!"

Verwundert sah Ryo seinen Partner an. "Er... wischt...? Du wi-ilst nicht... Bescheid... sa-a-ag...n?"

"Sonst lassen sie Dich nicht raus!"

"Wie-so...?" Ryo begann damit langsam und mit vollster Konzentration seinen Turnschuh zu zubinden.

"Weil Du noch zu krank bist."

Ryo murrte leise und zog die Lasche fest. Zufrieden betrachtete er sein Werk und machte sich an den zweiten.

"Du wirst immer besser weißt Du das?"

"Hai..." Er streckte Dee den fertig gebundenen Turnschuh unter die Nase. "Gut...?"

"Sehr gut!"

Ryo rutschte vom Bett und richtete sich auf. Dann versuchte er schwankend vorwärts zu kommen. Sein Blick fiel sowohl auf den Rollstuhl, wie auch auf die Krücken in der Zimmerecke, aber er ging stur weiter gerade aus.

Dee ging dicht hinter ihm um ihn notfalls zu stützen.

Mit zusammen gebissenen Zähnen und mehreren kurzen Pausen, in denen er sich an die Wand lehnte, erreichte Ryo mit Dee den Krankenhausausgang.

Dee sah sich immer wieder um, ob ihnen auch keiner folgte.

Ryo folgte seinem Blick und lächelte, als er erkannte, wonach Dee Ausschau hielt. "Dee... du bi-ist ganz Polis... Polizist."

"Das muss ich ja wohl!", lachte Dee. "Komm da vorne steht mein Auto!"

Ryo ging wieder vorne weg. Er war unsicher. /Da vorne steht mein Auto... ja toll und welches?/ Etwas missmutig besah sich Ryo die vorhandenen Fahrzeuge und ohne dass er es bemerkte, trugen ihn seine Füsse genau zu Dees Wagen.

Dee sah ihn eine Weile lächelnd an. "Du erinnerst Dich irgendwo bestimmt bald wieder!"

"Mei-nst... du...?" Er lehnte sich erschöpft gegen den Wagen.

"Nein das meine ich nicht... " Dee lachte leise als er Ryos verschreckten Blick sah, "... ich weiß es!", fügte er hinzu.

Verstehend nickte Ryo und lächelte. Dann hob er wieder den Kopf und sah Dee an. Doch mit einem mal wurde er bleich. Seine Augen weiteten sich, als er den Wagen mit viel zu hoher Geschwindigkeit um die Ecke kommen sah.
"Haa...D-dee......", versuchte er seinen Partner aufmerksam zu machen, aber der Wagen raste direkt auf den New Yorker-Polizisten zu. Was folgte schien im Zeitraffer ab zu laufen: Ryo stiess sich vom Wagen ab und stürzte nach vorne.

Dee riss die Augen auf, er wusste gar nicht wie ihm geschah.

"Dee... pass auf...!" Dann riss er ihn zur Seite, zwischen zwei geparkte Autos und schlug mit ihm auf dem Boden auf. Das ausser Kontrolle geratene Auto schoss in dem Moment genau an der Stelle vorbei, an der so eben noch Dee
gestanden hatte und krachte wenige Meter weiter in einen Laternenpfahl. Keuchend lag Ryo halb auf seinem Partner und hatte die Augen zusammen gekniffen. Nun aber riss er sie panisch auf und sah Dee erschrocken an.

"Dee... alles in Ordnung? Ist dir was passiert?"

"Ich bin okay... Ryo ist bei Dir alles klar?" Dee ergriff sein Gesicht und drehte es nach allen Seit nur um zu sehen ob es Ryo gut ging.

"Ha-hai... alles in Ordnung..." Ryo sah zu dem Wagen, um den sich schon einige Leute versammelt hatten.

"Du bist gelaufen..."

Ryo sah wieder zu Dee. "Was...?"

"Du bist gelaufen und Du sprichst wieder..." Dee stellte das nur so sachlich dar, weil er es selbst nicht fassen konnte.

"Ähm...." Ryo machte sich daran auf zu stehen und zog Dee mit sich.

"Wer ist Ross Barclay?", testete Dee ihn.

Über Ryos Gesicht zog sich ein Schatten.

Auf einmal hob Dee Ryo hoch und drückte ihn, bis ihm die Luft wegblieb. "Er kann reden, er kann reden!", schrei er wie von Sinnen.

"Cho-chotto... Deeeeee...!!!" Ryo krallte sich an Dee fest, um ja nicht runter zu fallen.

"Jaaaaaaa! Genau sag das noch mal! Am besten jetzt!" Dee versuchte Ryo zu küssen.

Ryo hielt still und genoss die warmen Lippen auf seinen, bewegte sich langsam gegen die seines Geliebten. Seines Geliebten. Bilder schossen durch seinen Kopf und trieben ihm die Röte ins Gesicht. Instinktiv schlang er seine Arme
fester um Dees Hals.

"Hey!", murrend löste sich Dee von Ryo "Ich will MEIN Chotto hören!"

"Huh...?"

"Das hast Du immer gesagt!", lächelte Dee ihn an. "Weil Du es nicht so mochtest dass ich Dich öffentlich umarme!"

"Hab ich...? Hab ich...!", stellte Ryo schliesslich fest und fing an zu lachen.

"Na komm! Gehen wir nach Hause!"

"Hai..." Ryo kuschelte sich an Dees Hals und küsste diesen leicht. "Ne, Dee..."

"Ich liebe Dich!"

"Krieg ich nun eine Katze...?"

"Eeeh... ja aber natürlich!"

"Hast... hast du mir das nicht mal versprochen? Ich weiss nur nicht mehr wann..." Ryo sah Dee kurz unsicher an, lächelte dann aber wieder und ließ sich endlich wieder absetzen.

"Hab ich! Was willst Du für eine? Komm wir fahren gleich los ja?"

Zufrieden setzte sich Ryo zu Dee in den Wagen, seinen Blick immer sanft auf dem anderen Cop ruhend. Ein tiefer Seufzer entfloh seiner Brust und er schloss einen Moment die Augen.

"Wo willst Du hin? Tierhandlung oder Tierheim?"

Ryo warf ihm einen mahnenden Seitenblick zu, was dessen Frage wohl beantworten durfte.

"Tierheim!"

Ryo nickte zustimmend und schenkte Dee ein Lächeln. Danach schwieg er eine Weile. Auf einmal aber drehte er sich im Sitz zu seinem Partner und sah ihn fragend an. "Dee...? Was... ist eigentlich passiert...?"

"Es war ein Raubüberfall Ryo und Du wurdest angeschossen!"

Ryo sah Dee erschrocken an. "Wann? Ich meine... Dee... wie lang ist das jetzt her...? Es war doch... kurz vor Weihnachten und jetzt haben wir..."

"Ende Februar!"

"Oh man..." Plötzlich fuhr Ryo hoch. "Was ist mit Bikky und Carol...?"

"Deine Erinnerungen kommen zurück huh? Das ist wundervoll Ryo!"

Dieser lächelte nur etwas verträumt und auch müde. Auch wenn sich sein Körper nun wieder an alles erinnerte, so war er doch noch recht schwach und das Ganze hatte ihn mehr Kraft gekostet, als er eigentlich hatte. Eigentlich wollte er nur kurz die Augen schliessen, doch dann schlief er augenblicklich ein und sein Kopf rollte zur Seite.

Dee betrachtete ihn lächelnd und fuhr doch erst mal nach Hause.

Kaum unten vorgefahren, kam auch schon etwas im hohen Bogen aus dem Küchenfenster geflogen: Carols Lieblingshaarspange. Anscheinend wollte Bikky testen ob diese fliegen konnte oder aber ob sie bruchfest war.

Dee schrie nach oben. "BIKKY DU IDIOT! DAS WAR DAS AUTO!"

Der Kopf des blonden Jungen streckte sich aus dem Fenster. "Oi Dee, du... chhhhhhhhhhhhhhhh..." Bikky wurde von Carol am Hals zurück in die Küche gezogen und dann flogen die Fetzen.

Ryo bekam von alle dem nichts mit. Das ganze hatte ihn so erschöpft, dass er tief und fest schlief. Wohl noch nicht einmal mit bekommen hätte, wenn ein Haus neben ihm zusammen gekracht wäre.

Dee hob ihn hoch und trug ihn sanft nach oben. "So ihr Biesterchen, kommt mal her, hab was für Euch!"

Carol erschien mit Bikkys Kopf unter dem Arm und erstarrte. "Ryo...", flüsterte sie kaum hörbar, lockerte ihren Griff jedoch kein bisschen.

Bikky versuchte sich sofort frei zu strampeln. Dee sah ihn missbilligend an.

Mit einem Mal ließ Carol den Jungen regelrecht fallen und tapste auf Dee und Ryo zu. Fast ehrfürchtig sah sie in das schlafende Gesicht des jungen Mannes. "Dee... was... wieso hast du ihn... hier her...."

"Ihm geht es wieder blendend! Er läuft, er redet, er erinnert sich... ich weiß nicht wieso... es ist fast ein Wunder!" Zum ersten Mal weinte Dee vor Glück

Carol stand etwas unsicher vor den beiden Cops. Einen Dee zu trösten, der weinte, weil er Angst um seinen Partner hatte war eine Sache, einen weinenden Dee, der vor Glück Tränen vergoss, eine andere.

Dee wischte sich angesichts von Bikkys völlig unverständlichen Gesichtes die Tränchen ab. "Ist schon gut, mir geht es gut! Ich... bring Ryo dann mal ins Bett!"

Der regte sich in diesem Moment und hielt sich am Kragen von Dees Jacke fest.

Carol begann herum zu hibbeln. "Ne, siehst du Bikky... die zwei sind doch wie geschaffen für einander..." Sie spurtete voraus, um die Schlafzimmertür zu öffnen.

Dee brachte Ryo hinterher.

Carol blieb anschliessend in der Tür stehen und beobachtete die beiden. Als allerdings Bikky ebenfalls hinein glubschen wollte, hielt sie ihn die Hand vor die Augen.

"Hey was soll das?", fauchte er sie an.

"Das ist nix für kleine Kinder...", meinte sie belehrend, wurde allerdings im selben Moment rot, als Dee begann Ryo aus seinen warmen Winterkleidern zu schälen.

"Ihr geht mal beide!", grinste er.

Carol grinste ihn ebenfalls an und zog Bikky dann rückwärts aus dem Zimmer und schloss die Türe leise hinter sich.

Dee kuschelte sich an Ryo. Der murmelte etwas leise und versuchte Wärme suchend unter die Decke zu krabbeln. Dee legte sie ihm liebevoll über und wachte über den tiefen Schlaf

Stunden später wachte Ryo wieder auf - mit höllischen Kopfschmerzen. Als er dann auch noch Dee dicht an sich gekuschelt vorfand, mit einem Arm über seiner Brust, war die Krise perfekt. Er schnappte sich ein Kissen und pfefferte es Dee auf den Kopf. "Ich hoffe, du hast nichts gemacht, wofür ich mich fragen und irgendwie schämen müsste", keifte er und schnaubte. Die Tatsache, dass er lediglich noch ein paar Shorts an hatte, half auch nicht gerade viel, sich zu beruhigen und so fiel er wieder stöhnend in die verbleibenden Kissen, zu mal Dee kaum reagiert hatte.

/Typisch.../ Ryo drehte sich um. Sein finsterer Blick fiel in Dees nach wie vor schlafendes Gesicht. /Wie ein Stein.../ Nach und nach wurde sein Blick jedoch weicher und eine Welle von Zärtlichkeit schwappte in ihm hoch. Behutsam strich er Dee eine dunkle Strähne aus der Stirn. "So lange hast du an meiner Seite ausgeharrt und mich nie aufgegeben...", murmelte er leise.

Dee sabberte ruhig vor sich hin und antwortete nicht. Ryo drehte sich zu Dee um und betrachtete ihn weiter. Wieder und immer wieder strich über die feinen Gesichtszüge und erst nach einer Weile registrierte er die dunklen Ringe unter Dees Augen. "Was hast du nur durch machen müssen...?" Eigentlich wusste er das genau. Die Tage, besonders die langen Nächte im Krankenhaus hatte er nicht vergessen. Einzig und alleine konnte er sich nicht mehr vorstellen, dass er die ganze Zeit nichts, aber auch rein gar nichts gewusst hatte. Denn nun war sie wieder da, die Erinnerungen. Vielleicht fehlten noch hie und da ein paar Fetzen, aber er wusste wieder wer er war.

Dee legte ihm Schlaf einen Arm um Ryo. "Ryo-chan...", sabbelte er leise, was Ryo ein Schmunzeln auf die Lippen zauberte. Langsam beugte er sich zu seinem Partner, bis seine Lippen die des anderen trafen und ihn sanft küssten.

Dee zog ihn noch fester an sich.

"Hmmm... Deeeeee...", versuchte sich Ryo wieder aus der Umklammerung zu befreien.

"Ryo-chan!", gab der nur sabbernd zurück.

Ryo versuchte es lauter. "DEEEEEE.....!!!!!"

Dee knallte aus dem Schlaf hoch "WAS?"

"Du erdrückst mich..."

"Sorry!", meinte, Dee aber lockerte den Griff nicht ein wenig.

"Dee......"

"Ja ist ja schon gut!"

"Dee... ich... ich..." Ryo geriet ins Schwitzen. Unruhe tat sich in ihm breit, aber es musste raus. Schon seit langen hätte es raus sollen, aber erst vor ein paar Tagen war es ihm wieder siedendheiss eingefahren, als es das zweite mal
passiert war. "Dee... ai... shiteru..."

"Ich liebe dich auch!", sagte Dee sanft

Kein entsetzter Blick? Keine Überraschung? Das alles verunsicherte Ryo nun doch wieder und er blickte Dee starr in die grünen Augen, die es ihm so sehr angetan hatten.

Dee schloss Ryo nur glücklich in seine Arme
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