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Tag vor Heiligabend

GeschichteDrama / P12 / MaleSlash
Dee Layton Randy "Ryo" MacLane
20.12.2009
03.06.2010
5
14.839
 
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
20.12.2009 4.121
 
Titel: Tag vor Heiligabend
Teil: 3/4 (+Epilog)
Autor: Yamica
Email: yamica@craig-parker.de
Fanfiction: FAKE
Rating: PG
Warnung: [depri]
Kommentar: Die Idee zu der Geschichte liefert eigentlich ein alter Film mit Harrison Ford...vielleicht kennt den sogar jemand^-^
Prinzipiell leiden in meinen Geschichten immer meine Lieblinge, aber wer hier mehr leidet dürfte fraglich sein......
Disclaimer: Gehört mal wieder nix mir, sondern Sanami Matoh und wohl noch ein paar anderen *seufz* und Geld kann ich mit meinem Geschreibsel wohl kaum machen...^.^;;




Am nächsten Morgen schlug Dee die Augen nach einem traumlosen Schlaf auf. Ein Schmerz durchfuhr seinen Kopf und stöhnend hielt er sich die Stirn. Was war geschehen? Er hatte nicht auf Carol gehört und hatte noch getrunken... aber warum... /Ryo/ durchfuhr es ihn. /Ryo war.../ Tränen liefen über seine Wangen.

Eine Tasse Kaffee tauchte vor ihm auf. Schwarz und dampfend stieg ihm der Duft des koffeinhaltigen Getränkes in die Nase.

"Danke Carol", sagte er leise wimmernd und nahm die Tasse in die Hand. Er setzte sich auf, auch wenn das nicht gut war... gar nicht gut.

"Hoi... Dee... du weisst das du nichts verträgt und... hmpf..." Carol hielt Bikky blitzschnell den Mund zu und zischte ihm etwas ins Ohr, worauf der blonde Junge krampfhaft schluckte und anscheinend bereit war zu schweigen. Carol liess in wieder los und setzte sich neben Dee, versuchte ihn aufmunternd an zu lächeln.

"Tut ihr zwei mir einen gefallen? Neben dem Telefon hängt die Nummer vom Chef. Ruf ihn an und sag ihm ich sei tot oder so, ich fahr ins Krankenhaus!"

Carol nickte traurig. "Dee... du musst doch eh die nächsten zwei Wochen nicht hin."

"... du sollst dich um Ryo kümmern, meint Ross, sonst würde ER das tun." Bikkys Grinsen wirkte etwas schief und längst nicht so unbekümmert, wie die Worte die er ausgesprochen hatte.

"Sehr gut..." Dee stand auf und zog seine Sachen vom Vortag an. Dann kramte er eine Tasche heraus und packte ein paar Sachen ein.

Carol sah ihm dabei zu und verschwand dann kurz im Schlafzimmer. Zurück kam sie mit einem plüschigen, braunen Etwas, dass sie Dee auf die Tasche legte.

"Sein Lieblingskuschelhund? Gute Idee Kleine!" Dee wuschelte ihr durch die Haare. Sein Kopf brachte ihn um, aber dennoch setzte er sich in den Wagen und fuhr los. Zurück blieb eine besorgte Carol, die nur all zu gerne mit gefahren wäre, aber sie hatte sich vorgenommen für die Wohnung zu sorgen und Bikky daran zu hindern, irgendwelchen Blödsinn an zu stellen.


Im Halbschlaf und in Gedanken weit weg, fuhr Dee in Richtung Krankenhaus. Den Lastwagen sah Dee gerade noch rechtzeitig und lenkte wieder auf seine Spur. Dennoch wurde der Wagen gestreift, aber der Polizist kümmerte sich nicht darum. Mehr schlecht als recht erreichte er das Krankenhaus und schlich durch die Gänge. Gerade als er das Zimmer erreicht hatte, dass ihm inzwischen ein vertrauter, wenn auch trauriger Anblick war, zupfte ihn eine Krankenschwester am Arm. "Mr. Layton... der Arzt würde gern mit ihnen sprechen, bevor sie zu ihrem Partner gehen."

"Hm? Ah ja gut ich komme!" Dee schlich hinter ihr her und gab einen jämmerlichen Eindruck ab. Dieser Eindruck erschreckte auch den behandelnden Arzt, als er Dee in sein Sprechzimmer kommen sah. Ein stummer Wink zur Krankenschwester und diese huschte davon, um gleich darauf mit einem Glas Wasser und zwei Tabletten zurück zu kommen. Mit einem Lächeln stellte sie beides vor Dee auf den Tisch.

"Danke!", murmelte Dee und schluckte beide auf einmal. Abwartend sah er den Arzt an. "Sagen sie mir bitte, dass sie gute Nachrichten haben!"

"Nun..." Der Arzt atmete tief durch. "Ihrem Partner geht es besser... physisch gesehen. Es spricht im Grunde nichts dagegen, dass wir mit der Therapie beginnen, nur... nur, er will nicht. Er lehnt konsequent jede Anteilnahme an etwas ab. Er lässt sich bewegen wie eine Puppe, die kein Eigenleben besitzt.
Sowohl Sprach- wie auch Physiotherapie hat er heute Morgen schon vollkommen ignoriert."

"Ich will nicht überheblich klingen Doc aber vielleicht ist es einfach nur, weil sie ihm fremd sind."

"Darauf wollte ich hinaus. Uns kann er nicht wieder erkennen, aber Sie. Nur seine Freunde und Familie kann ihn jetzt wieder dazu bringen Anteil am Leben zu nehmen. Nur werden sie dafür sehr viel Kraft und noch mehr Geduld benötigen." Der Arzt erhob sich aus seinem Bürosessel und trat neben den
Schreibtisch. In ausführlichen Erklärungen erläuterte er Dee die Ziele der Therapie. Einige schienen lächerlich einfach zu sein, bei anderen schien es, als würde Ryo diese niemals erreichen können.

"...überfordern sie aber nicht nur ihn, sondern vor allem sich selber nicht. Wenn er in einer Woche ihre Hand drücken kann, ist das schon sehr viel", schloss der Arzt schliesslich ab und ein aufmunterndes Lächeln huschte über die schmalen Lippen des Mediziners.

"Doc, ich habe einfach Angst! Ich will ja für ihn da sein aber ich glaube nicht, dass ich stark genug dazu bin!"

Der ältere Mann legte Dee eine Hand auf die Schulter und ging dann vor ihm in die Hocke. Dann sprach er zu ihm, wie zu einem Kind. "Sie können das. Und sie werden stark genug sein, weil er sie braucht. Sie haben die vergangenen Wochen gezeigt wie stark sie sind und diese Kraft verschwindet nicht einfach, weil er jetzt wach ist. Im Gegenteil, ab jetzt geht es nur noch bergauf, denn jetzt werden wir die Fortschritte sehen, nicht wie in der Vergangenheit, als er nur dalag und wir nicht mit verfolgen konnten, wie sein Körper sich regeneriert."

"Ich kann es versuchen..." Dee klang immer noch nicht überzeugt.

"Versuchen sie es nicht... tun sie es einfach." Der Arzt zog Dee auf die Beine. "Ryo würde auch nicht aufgeben, wenn er an ihrer Stelle wäre, oder? Also zeigen sie ihm, dass auch auf sie Verlass ist." Er öffnete Dee die Tür und liess Dee auf den Krankenhauskorridor treten.

Ziemlich verloren stand Dee da und es brauchte eine Weile bis er sich in Bewegung setze. Er klopfte leise an die Tür zu Ryos Zimmer und trat dann ein.

Der Raum war leicht abgedunkelt, doch die Rollläden waren etwas hochgezogen, liessen einen Blick auf den Krankenhauspark zu. Einige Sonnenstrahlen verirrten sich in das sterile Zimmer und krochen über die weisse Bettdecke, die zurückgeschlagen über dem Bettende thronte. Nur ein leichtes Bettlacken deckte Ryo zu, dessen schlanker Körper sich darunter abzeichnete. Sein Kopf war abgedreht in Richtung Fenster und er schien aus dem Fenster zu sehen, doch um wirklich etwas zu realisieren, war sein Blick viel zu stumpf.

"Ryo... ich bin es... Dee." Dee nahm seine Sonnenbrille ab.

Ganz leicht nur schien sich Ryos Kopf zu bewegen, als würde er sich gleich umdrehen und Dee ansehen.
Aber dann lies er den Kopf wieder zurück rollen und starrte wieder nach draussen. Nur ein etwas kräftigeres Ausatmen wollte zu verstehen geben, dass er keine Gesellschaft wünschte.
Dee nahm sich einen Stuhl und setzte sich genau in Ryos Blickfeld. Die leeren Augen erschreckten ihn, aber er versuchte sich nichts anmerken zu lassen. "Wie geht es Dir?"

Roy schloss die Augen, öffnete sie aber kurze Zeit wieder. Was wollte der schon wieder? Heute waren wahrlich genügend Leute bei ihm gewesen und jeder schien etwas von ihm zu wollen. Seine Nasenflügel bebten unwillkürlich und er sah Dee kurz und nur sehr flüchtig an.

"Bikky und Carol vermissen Dich sehr, ich soll Dich lieb grüßen... dass ich Dich vermisse brauche ich nicht erst zu betonen oder?"

/Von was redest du da? Wer ist Bikky und wer ist Carol? Diese Namen.../ Ryo schloss gepeinigt die Augen. Die Namen kamen ihm bekannt vor, doch er konnte sie keinem Bild zu ordnen, genau so wenig wie das Gesicht des Mannes, der ihm gegenüber sass. War das ein Freund von ihm? Kannte er ihn?
Wenn ja, warum konnte er sich nicht an ihn erinnern? Wütend, mehr über sich selber, als über alle anderen, schnaubte Ryo und drehte den Kopf auf die andere Seite. Dabei rutschte eine Hand unter der Decke hervor und hing nun über die Bettkante. Vergeblich versuchte der blonde Polizist den Arm zu heben
und die Hand wieder aufs Bett zu legen.

Dee ergriff die Hand und hielt sie lange fest. Er betrachtete sie nachdenklich. Es war immer noch die selbe Hand die so oft seine Wange gestreichelt hatte und doch gehörte sie nun einem Fremden. Aber sie fühlte sich noch genauso an... glaubte Dee zumindest. Prüfend legte er sie wieder an sein Gesicht. Ja, da war die vertraute Wärme, auch wenn sie abweisend war, aber sie war da.

Ryos Augen weiteten sich. Er konnte spüren, dass der andere seine Hand genommen hatte, aber ihm fehlte die Kraft sie ihm wieder zu entziehen. Erschrocken wandte er sich Dee wieder zu und sah ihm direkt in die Augen. Ein kaum merkliches Zittern ging durch seinen Körper, der sich an irgend etwas zu erinnern schien. Zaghaft und kaum spürbar, bewegte sich der Zeigefinger und tippte gegen Dees Wange.

Dee lächelte ihn liebevoll an. "Das hast Du früher auch immer getan!"

Ryo zuckte abermals zusammen. /Früher? Wie früher? Du kennst mich? Sag mir wer ich bin, ich weiss es nicht... bitte hilf mir, sag mir wer und was ich bin.../ Die unnahbare Mauer aus Abweisung und Ignoranz bröckelte langsam und in die rehbraunen Augen trat eine seltsam vertraute Sanftheit und Wärme. Er wollte etwas sagen, seine Lippen bewegten sich, doch kam kein Laut darüber. Voller Enttäuschung schlug Ryo die Augen nieder.

"Was willst Du mir sagen Liebster? Kannst Du nicht? Warte ich rate und Du zwinkerst wenn ich richtig liege ja? Möchtest Du etwas haben?"

/Liebster? Wer bist du...? Verdammt noch mal wer bist du und wer bin ich.../ Tränen begann den Blick zu verschleiern und seinen Partner undeutlich verschwimmen.

"Nicht Ryo... weine doch nicht!" Dee wischte ihm die Tränen aus den Augen. Doch Neue flossen nach und ein seltsamer Schmerz bereitete sich in Roys Brust aus. Er versuchte die Hand des anderen zu umfassen, aber konnte es nicht, so sehr er sich auch anstrengte.

Dee half ihm und schloss Ryos Hand leicht um die Seine. Ein merkliches Zittern ging erneut durch Ryos Körper und er blinzelte Dee dankbar an. Danach fiel es ihm immer schwerer den Mann an seiner Seite an zu sehen. Immer öfters flackerten seine Augenlider, bis er sie nicht mehr offen halten konnte.

Dee sah zufrieden auf den schlafenden Köper und deckte ihn zu. Die Hand hielt er trotzdem fest.

Ryo benötigte mehrere Stunden, ehe er sich wieder genügend erholt hatte. In der Zwischenzeit war die Krankenschwester mehrere Male im Zimmer gewesen und hatte Dee unter anderem etwas Kleines zu Essen gebracht. Kurz vor vier Uhr tauchte sie wieder auf, doch diesmal in Begleitung einer jungen Frau, deren Trainerjacke aussagte, dass sie zur Physiologischen Abteilung des Krankenhauses gehörte.

"Sie können ruhig bleiben, wenn sie wollen", meinte sie zu Dee und beugte sich dann über Ryo.

"Warten sie... hören sie, vielleicht ist es besser wenn sie mir sagen was ich tun soll und ich mache die Übungen mit ihm! Er hat Angst vor ihnen!"

"Huh?" Verwirrt sah ihn die Therapeutin an. "Wieso denn Angst?"

"Er reagiert nicht auf sie, hat man mir gesagt! Seien sie mir nicht böse, er kennt sie nicht... bei mir erinnert er sich anscheinend irgendwie..."

"Irgendwie? So... na gut... es sind im Grunde nur einfache Bewegungsübungen, aber sehr wichtig, damit seine Muskeln sich nicht zurück bilden." Die junge Frau begann Dee genau zu erklären, wie er seinen Partner bewegen musste, um ihm zu helfen.

Dee nickte und beugte sich über ihn. "Ryo? Hörst Du mich? Hast Du verstanden was wir machen sollen?"

Ein kaum wahr zu nehmendes Blinzeln folgte nur als Antwort. Er hatte zu gehört, ja, aber es vorgezogen den Fremden nicht zu verraten, dass er wach war. Erst als diese das Zimmer verliessen, öffnete er langsam die Augen und
sah geradewegs in zwei smaragdgrüne Augen.

Dee lächelte ihn an. "Wusste ich es doch dass Du wach bist! Keine Angst! Wenn es Dir zu viel wird, dann sag es!" Dee nahm erneut seine Hand. "Kannst Du sie schließen?"

Ryo umschloss Dees Hand, oder glaubte das zumindest. Tatsächlich aber schaffte er es immerhin, leichten Druck aus zu üben. Allerdings brauchte er alleine dazu seine vollste Konzentration.

"Gut! Du machst das sehr gut!", munterte Dee ihn auf. "Noch einmal!"

Wieder schlug Ryo aus Resignation die Augen nieder und starrte auf die Bettdecke.

"Gib nicht auf Ryo! Es wird alles wieder gut!"

Nur wie? Ryo konnte es sich im Moment beim besten Willen nicht vorstellen. Traurig rollte er den Kopf auf die andere Seite und sah wieder aus dem Fenster. Dee verstellte ihm erneut den Weg. Verblüfft hob Ryo den Kopf. Dann trat Trotz in seinen Blick und er drehte sich auf die andere Seite.

Dee trat wieder auf die andere Seite und hielt ihm auch noch den Kopf fest. Aber er lächelte immer noch. "Komm schon! Es ist doch nicht so schwer! Du willst doch auch wieder laufen und springen oder?"

Empört schnaubte Ryo auf und versuchte seinen Kopf zu befreien und mit einem Mal legte sich seine rechte Hand auf Dees Unterarm und versuchte diesen weg zu drücken. Dee verstärkte noch seinen Griff ohne Ryo allzu sehr wehzutun

Verzweifelt versucht Ryo sich zu befreien, in dem er den Kopf hin und her drehte. Tränen traten ihm bereits in die Augen und sein Griff um Dees Arm begann sich zu verstärken, bis er sogar schmerzhaft zu werden schien.

"Ieks!" Dee ließ grinsend los "Siehst Du? Das war doch schon super!"

Ryos Atem ging schwer und er verstand nicht, wie der andere solche Freude daran haben konnte, ihn zu quälen und solche Angst zu machen.

Dee schob seinen Ärmel hoch und zeigte Ryo den Abdruck seiner Finger. "Das warst Du! Aber tu mir einen Gefallen und lass mich Dich nicht immer so quälen! Das tut nämlich mir mehr weh als Dir."

Verwirrt sah Ryo seinen Partner an, dann wieder dessen Arm und zum ersten Mal seit Wochen, erschien etwas wie ein Lächeln auf seinen Lippen.

Dee strich ihm die Haare sanft aus der Stirn. "Das ist wieder mein Ryo, so mag ich Dich."

Langsam beruhigte sich Ryos Atem und er drückte sich leicht an Dees Hand. /Ich weiss nicht wer du bist. Was du bist. Aber ich vertraue dir, aus welchem Grund auch immer... bitte lass mich einfach nicht im Stich.../
Dee umarmte ihn liebevoll. "Ich denke es reicht für heute... wenn Du doch nur sprechen könntest..." Auf einmal richtete er sich wieder auf. "Mein Name ist Dee... kannst du das sagen? Dee?"

Ryo blinzelte und seine Lippen öffneten sich, aber es kam kein Laut daraus hervor. Er schloss den Mund wieder und versuchte es erneut. "Aaahaahhaa....." Er schnaubte und versuchte es wieder. "Ddddd....."

"Gut... das ist sehr gut! Weiter!"

"Haaa~aa..Dddiii...."

"Dee, ja genau das ist es!", freute sich Ryos Partner und streichelte ihm weite über die Stirn. "Wunderbar! Und Dein Name ist Ryo!"

Ryo nickte. So viel hatte er inzwischen begriffen, dass das wohl sein Name sein musste.

"Du machst mir viel Freude!", lächelte Dee sanft. "Ich hatte Angst, dass wir beide es nicht schaffen... ich will Dich nicht überfordern!"

/Immer wir, wir, wir... wer sind wir... warum ist dir das so wichtig....?/ Ryo sah Dee zweifelnd an, nickte aber artig.

"Wir müssen zusammenhalten! Ich liebe Dich, das weißt Du... das wusstest Du zumindest und Du sollst es wieder wissen. Ich liebe Dich mit Haut und Haaren!"

Ryos Blick wurde versteinert. /Liebe? A-aber.../ Sein Mund öffnete sich, als ob er etwas sagen wollte, schaffte es aber nicht. Entgeistert starrte er Dee an.

Dee lächelte. "Genauso hast Du ausgesehen als ich es Dir das erste Mal gesagt habe... oder besser als ich Dich geküsst habe... damals habe ich es in erster Linie getan um Dir eine Lehre zu erteilen, dass Du meine Gefühle nicht
veralbern sollst... Du bist hingefallen und hast zu mir mit genau dem gleichen Blick aufgesehen... später warst Du es der mich geküsst hat... okay ich hab Dich öfters geküsst, aber Du mich auch..."

Der Blick aus Ryos Augen blieb nach wie vor verstört. /Da-das ist doch ein Mann und ich auch... und... wie... ich meine.../ Blitzartig kniff Ryo die Augen zusammen, nur um Dee nicht länger an sehen zu müssen.

"Entschuldige... jetzt habe ich Dich doch verschreckt!" Dee sah ihn traurig an.

Zaghaft wagte es der ältere Polizist, der im Moment so viel jünger als Dee wirkte, ein Auge zu öffnen. Irgendwie tat es ihm weh, den anderen so traurig zu sehen.

"Gib mir ruhig einen Wink wenn Du willst, dass ich gehe!"

Schwach schüttelte Ryo den Kopf. Nein, er wollte nicht, dass das ging, was ihm von allem hier noch irgendwie vertraut erschien.

"Okay... ich wollte Dich wirklich nicht verschrecken Ryo! Es tut mir leid... kann ich Dir irgendwas Gutes tun? Willst Du essen? Trinken? Soll ich dir was erzählen?"

Abermals verzog Ryo die Lippen zu einem Lächeln. Das dauernde Geschwafel fing an ihm zu gefallen. Beinahe zärtlich sah er Dee an, ehe ihm langsam und unaufhaltsam wieder die Augen zu fielen.

Dee saß ruhig neben ihm und hielt ihm die Hand fest bis er endgültig einschlief. Dann setzte er sich auf die Bettkante und beobachtete das Treiben draußen, ohne jedoch von Ryo abzulassen. Ein Paar fiel ihm ins Auge, dass gerade das Krankenhaus verließ. Sie ging an Krücken und er war mehr als bemüht um sie, was sie zum lachen brachte. Er nahm sie zärtlich in die Arme und küsste sie. Aus einem plötzlichen Impuls heraus beschloss er seine Liebste dann zum Auto zu tragen. Beide lächelten sie sich verliebt an. Dee wünschte sich an Stelle des Mannes und in seinen Armen Ryo, dass er ihn endlich wieder mitnehmen könnte. Sein Blick wurde traurig.

Ein leises Klopfen riss Dee aus seinen Gedanken. Gleich darauf sahen sich zwei grüne Augen vorsichtig in dem Zimmer um. Bikky allerdings ließ Carol gar nicht erst Zeit zum lange in der Tür stehen, sondern schupste sie hinein. Entschuldigend grinste er dann erst sie an und dann Dee.

Das langhaarige Mädchen allerdings achtete gar nicht erst auf ihren kleinen Freund, sondern ihre Aufmerksamkeit galt einzig und allein dem jungen Mann, der schlafend in dem so riesig wirkenden Krankenhausbett lag. Zögernd
trat sie näher. Der Anblick schien ihr weh zu tun, war es doch das erste Mal seit dem Unfall, dass die beiden Kinder ihren Freund so sahen.

Dee deutete ihnen mit dem Finger an ruhig zu sein. Er winkte sie näher an sich heran und flüsterte in Carols Ohr. "Es geht ihm schon besser, keine Angst!"

Augenblicklich ging ein Leuchten über Carols Gesicht. "Wirklich?", flüsterte sie leise.

"Hai! Aber pssssssssht!"

Carol nickte, aber Bikky schien sich vielmehr für die Apparate zu interessieren. Neugierig bestaunte er wie Tröpfchen um Tröpfchen die Infusion herunter tropfte. Dabei hatte er es sich natürlich kurzerhand auf Ryos Bett
bequem gemacht.

Dee schnappte sich ihn. "Wenn Du ihn aufweckst, kannst Du was erleben!"

Entwaffnend fuchtelte Bikky mit den Händen vor Dees Gesicht herum. "Nein, nein sicher nicht, keine Sorge....."

"Ne Dee... wie geht es ihm denn wirklich? Ich meine, ist es wirklich so schlimm, wie die Ärzte gesagt haben...?"

"Er kann nicht reden, kann sich nicht ordentlich bewegen und erinnern tut er sich auch nicht... leider..."

"Es ist also so schlimm...", meinte Carol leise. "Aber das wird wieder, oder?"

"Klar, was denkst du denn?! Das ist Ryo... der gibt nicht so schnell auf, ausserdem könnte er sonst nicht mehr für uns kochen....."

"Ist das eigentlich alles woran Du denkst, du kleiner...", auf einmal fiel Dee ein, dass Ryo ja noch schlief und wurde wieder still.

"Dee... Bikky meint es doch nicht so...", versuchte Carol den Cop zu beschwichtigen. "Du kennst ihn doch inzwischen... entweder so oder er fängt hier an rum zu plärren, was ist dir lieber?"

"Hey, ich plärr nicht hier rum..."

"Halt's Maul!", zischte Dee ihn an.

Bikky zog sich verschreckt zurück. Wären sie jetzt daheim gewesen hätte er Dee ohne weiteres Paroli geboten, aber in letzter Zeit war der zu ernst gewesen, als dass man es noch als Spielerei ab tun konnte.

Dee maulte eine Weile, doch dann strich er Bikky versöhnlich über den Kopf.

Der traute dem Frieden aber nicht so ganz und schwieg. Er und Carol blieben den ganzen Nachmittag bis zum späten Abend. Gerade als die Krankenschwester ihnen mitteilte, dass die offizielle Besuchszeit vorbei sei, blinzelte Ryo
verschlafen an die Decke.

"Hey Sleeping Beauty... aufgewacht?" Dee strich ihm erneut die Haare aus den Augen und lächelte sanft.

Es dauerte einen Moment, ehe Ryo sich wieder Dees Namen ins Gedächtnis gerufen hatte. "D... ee...", kam es leise über seine Lippen.

Carol wäre in dem Moment bestimmt fast vom Stuhl gekippt, wenn Bikky nicht daneben gestanden hätte. "D-d-dee... er kann ja doch reden!"

Ryos Blick wanderte verschreckt zu den beiden Kindern.

"Aah... er lernt es wieder!" Dee lächelte und legte seine Hand auf Ryos Wange. "Das sind Carol und Bikky... ich habe Dir doch von ihnen erzählt!"

Ryo sah sich die beiden Kinder genauer an. Die Gesichter waren ihm irgendwie vertraut. Oder zumindest glaubte er das, wollte es glauben. Irgend etwas regte sich in ihm, als er die beiden Kleinen doch recht verschreckt da stehen sah.
Schwerfällig zog er eine Hand unter der Decke hervor und es schien, als wolle er nach den Kindern greifen.

Dee schubste die beiden etwas näher zu Ryo.

Carol fasste als erstes den Mut und trat zu Ryo und ergriff etwas zittrig dessen Hand. Kaum merklich schloss sie diese um die kleine Kinderhand. Nun wagte auch Bikky einen Schritt näher ans Bett. Aus Verlegenheit grinste er
Ryo an, was dem wiederum so seltsam vertraut war, dass er zurück lächelte.

Dee nickte befriedigt. Die beiden würden Ryo seinen Erinnerungen vielleicht wieder ein Stück näher bringen.

Das taten sie, doch die Anstrengung und die kurzen Erinnerungsfetzen, die durch Ryos Kopf schossen, brachten auch Kopfschmerzen mit sich und er verzog kaum merklich das Gesicht.

Dee bemerkte es doch. "Bikky? Carol? Es ist besser wenn ihr morgen wiederkommt!"

"Okay... schlaf gut Ryo." Carol lächelte ihren grossen Freund noch einmal an und legte seine Hand dann vorsichtig auf die Bettdecke. Sie nickte Dee zu und wollte gehen, dann aber entschied sie sich anders und umarmte den Polizisten und kuschelte sich an dessen Bauch. "Ich bin so froh, dass er dich hat... ihr zwei schafft es sicher", murmelte sie leise.

Dee sah verschämt zur Seite. Er wünschte er würde Carols Zuversicht teilen. Nachdem die beiden Kinder wieder gegangen waren, herrschte absolute Stille in dem Zimmer und Ryos Blick ruhte auf Dee.

"Sind Deine!", sagte er sanft, "Du hast sie beide sozusagen adoptiert!"

Verstehend nickte Ryo seinen Partner an. Dann blinzelte er wieder und sah Dee auffordernd an.

"Was soll ich tun? Willst Du Deine Übungen machen?"

Kopfschütteln. Ryo streckte seine Hand nach Dee aus, um ihn näher heran zu winken. Dee beugte sich so über Ryo, dass der ihm ins Ohr flüstern konnte.

"Eh... ehr... zähl..." Wieder ein Wort und damit verbunden, neue Hoffnung. Der Verdacht der Ärzte, dass die verlorene Sprache nicht auf die Kopfverletzung zurück zu führen war, sondern eher psychischer Natur war, verstärkte sich.

Dee strahlte regelrecht und begann einen Redeschwall wie sie sich kennen gelernt haben, wie sie Bikky und Carol getroffen hatten. Er erzählte von JJ, von Ross und vom Chef, was sie beide verband und unzählige Einsatze die sie
erlebt hatten.

Ryo blieb die ganze Zeit über wach, doch kurz nach Mitternacht hob er die Hand und legte die Finger an Dees Lippen.

"Entschuldige jetzt hab ich Dich schon wieder zu sehr angestrengt, oder?", lächelte Dee.

Ryo schüttelte nur leicht den Kopf und ein leises Seufzen kam über seine Lippen. Seine Hand rutschte herunter und umschloss leicht Dees Hand. Kurz darauf war er eingeschlafen, hielt die Hand aber weiter hin fest so gut er konnte.
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